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Zeitgeist

Donnerstag, 10. September 2009

Fundstück

Letzter Autobus nach Hause. Der Bus-Chauffeur fragt mich, ob ich mitfahre, weil er noch auf dem Parkplatz und nicht vor der Haltestelle steht.
Ich setze mich ganz nach vorne und fange ein Gespräch an. Woher er kommt? Er kommt aus Kroatien. Eigentlich ist er Student. Maschinenbau. Seit sieben Monaten fährt er Autobus. In zwei Jahren sollte er fertig sein. Er weiß aber noch nicht, ob er hier oder in der Heimat fertig studieren will.
Ausländer sind nicht so beliebt hier. Es gibt so viele.
Ich erzähle ihm, dass auf dieser Busstrecke, auf der die Busse gelegentlich sehr unpünktlich sind und auch mal zu früh an der Station vorbeirauschen, die verlässlichsten Bus-Chauffeure die Ausländer und die Frauen sind. Ist wirklich so. es gibt auch ein paar Einheimische, die sehr nett und sehr bemüht sind. Doch manchmal will es mir scheinen, dass männliche Bus-Chauffeure, die Inländer sind, etwas Besseres sind. Nach ihrer eigenen Darstellung.
Dieser Chauffeur aus Rijeka war jedenfalls ein sehr angenehmer Zeitgenosse.
Und seine Art hat mir sehr imponiert.
Beim Aussteigen habe ich ihm bei der Verabschiedung ermahnt, dass er ja fertig studieren soll. Hier.

Dienstag, 14. Juli 2009

Wir sind viel besser als unser Ruf

Bei uns in Österreich können zwar Menschen über Jahre im Keller gefangen gehalten werden, ohne dass es einem auffällt. Plötzlich tauchen 18-jährige Mädchen auf, über deren Verschwinden niemand wirklich etwas gemerkt hat. Kinder können zu Tode geprügelt oder verwahrlost werden, ohne dass die Fürsorge oder die behandelnden Ärzte aufmerksam werden.
Aber so ignorant sind wir gar nicht!
Nein, sollte in einer Hausgarage nur 12 Stunden lang ein Auto auf einem fremden Parkplatz stehen, dann beobachten das die Mitglieder der Hausgemeinschaft ganz argwöhnig, verständigen die Hausverwaltung und obliegen der nachbarschaftlichen Sorgepflicht. Im dritten Bezirk steht auf dem rechtmäßig gemieteten Parkplatz ein Totalschaden, der vor dem Urlaub nicht mehr abgeholt werden konnte. Nach der Rückkehr vom Urlaub wurde das neue Auto auf einem Platz abgestellt, der nach Angabe des Hausbesorgers frei ist. Die heute anrufende Hausverwaltung meint, dass dieser Platz ja schon vermietet sei. Ab wann? In zwei bis drei Monaten. Gleich wurde auch die Zusendung von mehreren Formularen angekündigt, auf denen Länge, Breite des Wagens angegeben werden, damit es sich ja nicht um einen SUV handelt, um den die anderen Parkenden nicht herumfahren können.
Wenn es mein Auto wäre, würde ich ja jetzt von Haustür zu Haustür klingeln, um zu fragen, ob eine kurze Anfrage hinter der Windschutzscheibe nicht ausgereicht hätte. Aber nein, es handelt sich nicht um ein wehrloses Baby, oder um eine wehrlose Frau oder um wehrlose Kinder, nein, es handelt sich um einen Parkplatz, auf den der Beanstandende nicht einmal mehr ein Recht hat.
Ich gehe davon aus, dass der betreffende Besorgte am besten gar nicht mehr außer Haus geht, denn das Leben ist so grausam und so viele Schrecklichkeiten passieren. Vielleicht erschlägt ihn ja doch einmal einer.
Ich tu es nicht, aber wünschen wird man ja noch dürfen.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Qualität - die vershuffelte Symphonie

Hermann Hesse hat (ich glaube im Steppenwolf) geschrieben, dass Mozart selbst dann noch göttlich klingt, wenn er über eine verrauschte und störungsbehaftete Radioübertragung gehört wird.
In der Zwischenzeit streiten wir uns über Qualitätskriterien, die vermutlich von niemandem mehr mit dem unbewaffneten Ohr bewertet werden können.
Sehr interessant in dem Zusammenhang ist jener Artikel, der deutlich beleuchtet, wie stark technischer Vorsprung als Selbstverständlichkeit angesehen wird.
Erfreulich auch, dass in einem Kommentar meine Lieblingskombination Revox mit Bose-Lautsprechern erwähnt wird, die es in einer Ausstellung zu sehen geben wird.
Tatsächlich will es mir aber scheinen, dass uns die Scheinqualität der verbesserten Technologie in Wirklichkeit vor den transportierten Werten abschottet.
Uns gehtt eine Shuffle-Funktion ab, doch auf den neuen Geräten läßt sich eine ganze Symphonie gar nicht mehr abspielen. Sie wird vershuffelt.

Sonntag, 17. Mai 2009

Eurovisionscontest

Gestern war der Eurovisionscontest. Bei svashtara gibt es regelmäßig einen Bericht darüber. Dadurch kam ich in den Genuss, mir den Siegersong anzuhören.
Im ORF wurde der ESC (Als Programmierer verbinde ich damit eigentlich nur ESCAPE.) in der Nacht übertragen. Zwei Nummern habe ich gehört, Israel und Frankreich.
Beim israelischen Song dachte ich, der müsste aus politischen Gründen gewinnen, was nicht der Fall war. Das französische Chanson fand ich ausgezeichnet, aber es ist selbstverständlich viel zu elitär, wenn man sich am Niveau des Siegersongs ausrichtet.
Mir kommt der norwegische Beitrag wie Billigstschokolade vor. Man nehme alle bekannten Zutaten, die ankommen und einige sich auf eine möglichst banale und nichtssagende Melodie. Dann noch ein medial propagiertes Harry Potter-Image und ein Sieger ist manufakturiert.
Ich habe mir auf youtube vor einigen Monaten einmal ältere Siegersongs angehört. Die sind heute noch nett anzuhören. Bei dem heurigen Siegersong bezweifle ich, dass man sich in einem Jahr noch erinnern wird.
Das ist aber der heutige Zeitgeist.

Donnerstag, 30. April 2009

Frage

Können kulturelle Höchstleistungen ohne den Hintergrund der Religion erbracht werden?
-
Bitte nur ernsthafte Antworten erbeten.
-
Die Frage wurde mir heute von einem gestellt, den ich durchaus für Nobelpreis-verdächtig halte, selbst wenn er - nach erfolgtem Gespräch mit zwei Nobelpreisträgern - berichtet, dass Nobelpreisträger in einer anderen Liga spielen.

Dienstag, 28. April 2009

2009 Wien 1. Platz

Lebensqualität

Samstag, 11. April 2009

Ein sehr interessantes Interview

Im ORF findet sich ein Interview über die Speicherung von Computern.
Dabei finden sich zwei besonders bemerkenswerte Absätze:

ORF.at: Aber Sie sammeln in dem Wissen, dass die Geräte schon in naher Zukunft nicht mehr funktionieren werden.


Moritsch: Eine Dampfmaschine kann man nach ein paar hundert Jahren auch noch in Betrieb nehmen. Einen mechanischen Fotoapparat nach 100 Jahren vielleicht auch noch - wenn es dann noch Filme gibt. Eine Digitalkamera der 1990er Jahre werde ich in 20 Jahren wahrscheinlich nicht mehr in Betrieb nehmen können, weil sie bei einem kleinen Defekt irreparabel sein wird. Das heißt, der Zeitrahmen, in dem ein Gerät funktioniert, wird immer knapper. Ein PC hält durchschnittlich vier bis fünf Jahre. Bei PCs kann man wenigstens noch defekte Einheitskomponenten austauschen, aber grundsätzlich ist die Maschine schnell irreparabel.

Das kommt daher, dass auch die Integration der Komponenten sehr weit fortgeschritten ist. Ein Mitarbeiter von uns hat eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehmechaniker gemacht. Er kann alte TV-Geräte noch reparieren, wenn er einen Schaltplan zur Verfügung hat. Damals war vieles auf Einzelbauteilen aufgebaut, eine Reparatur war noch wirtschaftlich. Heute werden immer größere Komponenten ausgetauscht. Bei einem Handy ist ein Austausch billiger als eine Reparatur.

ORF.at: Als Konsument hat man ja den Eindruck, dass die Qualität der Bauteile in jüngerer Zeit stark gesunken ist.

Moritsch: Auch die meisten analogen Geräte in unserem Museum sind nicht mehr in Betrieb zu nehmen. Der Aufwand steht nicht dafür, alles in betriebsfähigem Zustand zu halten. Der Unterschied besteht aber auch im Charakter der Objekte. Wenn ich diese Kamera da drüben anschaue, die sagt schon alles, was sie ist, nämlich eine Filmkamera. Sie strahlt alles aus, was Film ausmacht. Wenn ich heute eine Webcam betrachte, dann sehe ich vielleicht noch eine Linse, aber das, was sie kann, kann ich daraus nicht mehr unmittelbar ablesen. Diese universellen Formen, die entstehen, bis hin zum Handy, das ja heute alles ist - MP3-Player, Telefon, Fotoapparat und Videokamera in einem -, da kann ich von außen nicht mehr erkennen, was das Gerät genau kann und was nicht. Die Form repräsentiert nicht mehr die Funktion.


Ich habe die für mich relevanten Stellen hervorgehoben. Ich weiß nicht, was sie bedeuten. D.h. ich weiß nicht, was die unbestreitbaren Tatsachen für unsere Zukunft für eine Relevanz haben werden.
Eine Befürchtung, die ich schon seit längerer Zeit hege, wurde schon in älteren Science-Fiction-Stories ausgearbeitet: der Mensch wird einmal von Maschinen abhängig sein, die er selbst nicht mehr versteht. Für meinen Teil versuche ich die Technik immer wieder neu zu verstehen, aber darum geht es gar nicht.
Wir nehmen viel zu viel für garantiert an. Wir wünschen uns immer neue und bessere Funktionalitäten und merken dabei nicht, wie wir uns auf ein sehr dünnes Eis begeben, auf das Eis der Abhängigkeit.
Ich habe einmal in einem Kommentar bemerkt, dass ich es leid bin, Kassandra spielen zu müssen. Ich tue das nicht mehr. Es kommt, wie es kommt - Kismet. Nur glaube ich manchmal, dass es doch alle kommen sehen müssten und dann wundere ich mich einfach, wie stark die Verdrängungskunst des Menschen tatsächlich ist.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Unterschiedliche Sitten

Ich war am Faschingsdienstag schon auf Dienstreisen, da war ich peinlichst berührt, weil an Arbeiten nicht zu denken war. Da es aber damals doch um das eigene Geld ging, Dienstreisen waren teuer, konnte mich eine Feiertagsstimmung nicht sonderlich entspannen. (Ich erinnere mich speziell an Innsbruck und an das Saarland.)
Heute bzw. gestern war das anders. Schon in der Firma teilten mir die Kollegen mit, dass sie mit dem Fasching nicht viel anfangen könnten.
Sehr angenehm wurde ich durch den Besuch eines Bloggerkollegen in meinem Stammcafé, dem Kaffee-Klatsch, überrascht. Hoffentlich habe ich nicht zu viel gesprochen;) Aber ich war noch von der Arbeit ziemlich aufgedreht.
Kurz nach Mitternacht spazierte ich dann mitten in downtown Homburg nach Hause, an d e m Zentrum vorbei, wo die meisten Autobusse halten, dem Kurhaus.
Ich begegnete mehr Autobussen als Menschen. Insgesamt gab es außer mir nur einen Menschen auf der Straße. In manche Lokale konnte ich von außen hineinsehen. Alles war ruhig.
Beklagen will diesen Zustand nicht, nur feststellen. Ein ernsthaftes Völkchen diese Homburger. In meinem Zimmer im ehemaligen Privathaus des Prinzen von Wales fühle ich mich überaus wohl.
Es fehlt nur mehr ein Flügel, um mich wie zuhaus zu fühlen.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Wag the Dog

oder - Wenn der Schweif mit dem Hund wedelt. Politisch nicht ganz so dramatisch, aber nicht weniger imposant, ist eine Auswirkung einer europäischen Firma auf amerikanische Verhältnisse.
Auf youtube befindet sich ein Video, welches die Situation deutlich beschreibt. Das europäische Networking xing, vormals openbc, hat sich seinen Namen rechtlich und global schützen lassen.
Daraus folgt, dass die Amerikaner sämtliche Straßenschilder mit Xing auswechseln müssen. Xing ist eine typische Kurzform für "Cross"-ing.
Dass die dafür anfallenden Kosten nicht durch eine Vereinbarung mit xing verringert hätten werden können, kann ich mir nicht vorstellen. Die Amis wollten vermutlich nicht zahlen oder sie haben es einfach verschlafen.
Tatsächlich ist Xing kein echtes Wort sondern eine der typischen Plakat- und Zeichenverbalhornungen. Dass die amerikanischen Steuerzahler aufgebracht sind, kann ich verstehen. Aber jetzt kommen sie einmal in den Genuss einer globalen Regelung, die sie sich ja sonst mit Genuss selbst vorbehalten.

P.S.
Es ist sicher ein Fake, wie ich nach nochmaliger Betrachtung wohl feststellen muss. Aber ein sehr gut gemachtes:)))

Samstag, 24. Januar 2009

Unterschiede

Ich hab ja schon geschrieben, dass ich heute das Hahnenkammrennen versäumt habe. Nur die letzten 5 Läufer und den Siegeslauf von Defago konnte ich noch sehen.
Es ist schon faszinierend, wie sehr sich dieses Rennen verändert hat.
Es war 1963 (Egon Zimmermann) oder 1966 (Karl Schranz), als der Sieger irgendwann gestürzt war, den Hang empor klettern musste und doch noch gewinnen konnte.
Damals hatten wir nicht einmal einen Fernseher. Ich sah das Rennen bei einem Freund. Natürlich in schwarz-weiß.
Der Hahnenkamm ist auch für gewaltige Überraschungen gut.
1975 wurde Franz Klammer als Sieger gewertet, Gustav Thöni lag offiziell eine Hundertselsekunde zurück. Nach der inoffiziellen Zeitnehmung waren es sogar nur drei Tausendstelsekunden.
Heute fahren manche Läufer streckenweise 140km/h und die Strecke wird in weniger als zwei Minuten bewältigt. Wenn man gemütlich zu Fuß den Berg bergab geht, geht man zwichen 30 und 45 Minuten.
Die Fernsehaufnahmen werden von Jahr zu Jahr besser. Vielleicht hängt es auch vom Wetter ab, dass man bessere Totaleinstellungen filmen kann.
Die Streif auf dem Hahnenkamm verbindet Tradition und Veränderung. Die Schicki-Micki-Szene geht mir zwar echt auf den Hammer, aber selbst in dieser Beziehung bin ich in Kitzbühel eine Spur toleranter als sonst wo oder wenn.

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