Zeitgeist

Montag, 5. Mai 2008

Töten und Stehlen

Einen bedauerlichen Totschlag besingen die Buggles.
Über einen Diebstahl hörte ich heute im Radio. Die Kirche hat den Muttertag gestohlen. Der fällt nämlich auf Pfingsten anstelle eines "gewöhnlichen" Sonntags.
Dafür gedeihen aber die Pfingstrosen im verwandschaftlichen Garten ganz hervorragend.
Pfingsten2008

Dienstag, 29. April 2008

Was steppenhund aus dem Fall Josef lernt ...

Wenn ich im Kaffeehaus sitze, blättere ich die Zeitschriften durch. Ich muss ja auch schauen, ob meine Voraussagen hinsichtlich der Schlagzeilen der Kronenzeitung eingetroffen sind.
Ich finde eine minutiös ausgearbeitete Darstellung des Kellers, Verlies genannt. Ich finde ebenfalls die Berichte über die psychischen Auswirkungen des Kellers auf die Kinder, die dort geboren, nie etwas anderes gesehen haben. Der Artikel kommt mir nicht einmal sonderlich reißerisch vor.
Ganz unmittelbar werde ich von zwei Assoziationen überrannt. Zuerst - etwas verschattet und nicht so klar - erinnere ich mich an ähnliche Darstellungen des Führer-Bunkers. (Sorry, dass wieder einmal die NS-Assoziation im Raum steht.) Da ich da aber gut im Verdrängen bin, drängt sich die andere Darstellung viel greller auf.
Kann sich denn jemand noch an die Darstellung der Überlebensbunker erinnern, die sich manche Leute aus Angst vor einem Atomkrieg angelegt haben.
Das erschien während des kalten Krieges als vorausschauend. Die Tokyoter U-Bahn ist so konzipiert, dass sie Platz für einen derartigen Fall für die halbe Tokyoter-Bevölkerung hat. Hat man mir erzählt.
Wir bedauern die Opfer des Verbrechens und stellen uns vor, wie unmenschlich man sich das Hausen in einem derartigen Verlies vorstellen muss.
Und wir - in diesem Fall nicht die Bewohner eines Landes mit menscheneinsperrenden Technikern - sondern wir als Bewohner "zivilisierter" Völker gehen noch immer ganz leichtfertig mit dem Krieg um und finden Erklärungen dafür, warum er manchmal doch notwendig ist.
Wir - das gleiche wir ist gemeint - scheren uns nicht darum, dass ein plötzliches Überschwappen einer Kriegsentwicklung, die Überlebenden in genau so ein Kellerverlies scheuchen kann, wie wir es jetzt noch für unmenschlich halten.
Ein Freund, ein recht bekannter Statistikprofessor, meinte - und das noch nicht einmal zynisch: "H, die Menschheit überlebt - und wenn es nur 5000 sind, die als Bevölkerungsgruppe zurückbleiben. Der Beweis wurde schon einmal angetreten. Der nächste Weltkrieg, er kommt ziemlich sicher, wird 2 000 000 000 Opfer fordern. Man wird seine Auswirkung auf die Bevölkerungskurve sehen. Vom zweiten Weltkrieg sieht man die Opfer nicht einmal als Knick."
Tröstlich, nicht? Sie können das auf einem Millimeterpapier nachvollziehen. Tragen Sie die Weltbevölkerung über der Zeit auf. Wenn Sie das Blatt waagrecht legen, können Sie die Weltbevölkerung so skalieren, dass 15cm 6 Milliarden entsprechen. Dass bedeutet 2,5cm entspricht 1 Milliarde. 60 Millionen entsprechen dann etwas 1,5 mm. Diese gehen in der allgemeinen Steigerung der Kurve praktisch unter. die 2 Milliarden entsprechen einem plötzlichen Abfall um 5 cm. Das wird man sehen.
-
Und jetzt überlegen wir mal. Falls wir überleben sollten, dann genau in solchen Kellern, wie sie im Fall Josef beschrieben sind. Und noch immer benehmen wir uns so, als gäbe es kein Morgen.

Nachtrag:
zur Veranschaulichung des vorletzten Absatzes
popgraph

Montag, 28. April 2008

Der Fall Josef

Ich werde mir keine Freunde mit diesem Eintrag schaffen. Doch ich fühle mich beeinträchtigt.
Nicht durch das Verbrechen an sich. Ich gebe zu, dass ich durch die Vorstellungen diverser Verbrechen in Bild und Ton und Film und Literatur abgebrüht bin. Es ist unglaublich, was da passiert ist. Vielleicht einzigartig auf der Welt, obwohl ich das nicht glaube. Ich muss mich an den Film "Die Frau in den Dünen" erinnern, wo ein Mann praktisch wie von einer Spinne gekidnapped wurde. (Ohne Incest, ohne eine so große Anzahl beteiligter Opfer.)
Aber jetzt laufen im Fernsehen gerade Berichte, Diskussionen und ich kann mir das nicht ansehen. Wie das bei mir ankommt? Da wird vom "genialen Verbrecher" gesprochen. "In der letzten Zeit kennt man solche Verbrechen hauptsächlich von Technikern. Die verfügen über das notwendige akribische Perfektionsstreben.
Und - man verzeihe mir - man begeilt sich am Verbrechen. Ist das nicht wunderbar? Besser als jedes Horrorkino? Da ist was Unglaubliches passiert. Das kann man sich nicht vorstellen. Und das ist real.
So heute habe ich es in den Nachrichten ein paar Mal gehört. Ich kenne den Zeitraum, das Alter der Töchter, die Anzahl der geborenen Kinder im Keller, den Todesfalls des einen Zwillings, das Leben oberhalb des Kellers. Ich brauche den restlichen Psychokram nicht. Und ich brauche nicht die scheinheilige Frage: "hätte man das nicht erkennen können? Früher? Bei den "weggelegten" Kindern?" - Antwort: man hat nicht.
Wird der Fall irgendetwas bewirken, dass ein ähnliches Verbrechen früher aufgeklärt wird. Ich bezweifle das.
Ich schmecke nur den schalen Geschmack von Quotenhascherei, von absolut scheinheilig geführten Gesprächen, deren rhetorische Fragestellungen ab und zu mit einer fast unfreiwilligen Komik beantwortet werden. "Sie haben den Betroffenen doch mehrfach getroffen." - "Nein eigentlich nur zwei Mal vor eineinhalb Jahren" mit einer Miene des Genierens, das überhaupt zugeben zu müssen.
Leute, macht euch eure Verbrechen selber, wenn ihr so geil darauf seid. Aber sprecht nicht drüber.
Der nächste wird planen, ein Opfer 36 Jahre einzusperren, damit er damit in das Buch der Rekorde kommt.
Erstmalig kann ich der EM-2008 etwas abgewinnen. Denn der Medienrummel um den Fall K wird spätestens dann abflauen.
-
Eine der nächsten Schlagzeilen wird lauten: "Noch grauenhaftere Details jetzt bekanntgeworden". Ich tippe auf Österreich oder Krone. Würde mich wundern, wenn ich falsch liege.

Samstag, 29. März 2008

Nackt, nackt, nackt!

Ein Erlebnis, dass ich leider nie geschafft habe, muss "Burning Man" sein.
Man sieht dort unter anderem Selbstdarsteller, bei denen die Piercing im Penis mehr Masse aufweisen als die Befestigungsbasis. Daran musste ich denken, als ich die heutigen Yahoo-Nachrichten las.

AFP - Samstag, 29. März, 10:02 Uhr
Los Angeles (AFP) - Die US-Luftsicherheitsbehörde TSA hat ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass eine 37-jährige Frau nach der Sicherheitskontrolle mit einem Metalldetektor ihre beiden Brustwarzen-Piercings abnehmen musste. Künftig würden Passagiere in solchen Fällen nach einer Sichtkontrolle an Bord gehen können, erklärte die Behörde. Mandi Hamlin hatte von TSA am Donnerstag eine Entschuldigung gefordert wegen der "totalen Demütigung vor Leuten, die ich überhaupt nicht kenne".
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Der pikante Vorfall hatte sich im Februar vor einem Inlandsflug von der texanischen Kleinstadt Lubbock nach Dallas ereignet. Die Grafikkünstlerin hatte die Piercings mit einer kleinen Zange entfernen müssen.


Diese Meldung regt mich zu einigen unterschiedlichen Überlegungen an. Ab wann ist ein Teil, der fix mit dem Körper verbunden ist, unverdächtig. Schließlich habe ich in meinem Körper ebenfalls ein paar Titanstückchen von einer Schulterfrakturoperation. Die werden offensichtlich toleriert. Aber wäre es nicht ein tolles Drohmittel, einem "Schläfer" eine Prothese in den Körper zu operieren, welcher als Behälter für Sprengstoff dient, welcher über Funkfernzündung zur Sprengung gebracht werden kann. Würde man solche Manipulationen entdecken können? Ich bin ja auch schon immer ganz amüsiert, wenn ich am Flughafen den Rechner aus der Tasche nehmen soll und rätsele, ob diesmal der Hosenträger anspricht oder nicht.
Vielleicht waren die Sicherheitsbeamten von der US-Behörde so geschockt, dass sie nicht wussten, was sie vor sich hatten. In manchen Teilen Amerikas geht die Prüderie so weit, dass auf Brustwarzen- oder Genital-Piercing sicher hohe Strafen stünden, wenn man sich das früher hätte vorstellen können.
-
Irgendwie geht das in eine Richtung, die ich schon mehrfach vorausgesagt habe. Die Leute müssen sich vor dem Abflug vollständig entkleiden, die Bekleidung wird gesondert transportiert. Um dem Anstand Genüge zu leisten, - besonders in Amerika - werden die Leute mit Ikea-Plastiksack-ähnlichen Ganzkörperüberziehern ausgestattet, in denen sie dann wie die Spermien aus Woody Allens Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aussehen.

Ich würde mir dann aber in der Abflughalle eine richtige Sauna wünschen, damit ich im Flugzeug gut schlafen kann.

Sonntag, 17. Februar 2008

Hurra! Der Kosovo ist unabhängig.

Ich will gar nicht auf die politischen Hintergründe des ehemaligen Jugoslawiens eingehen. Doch jetzt, wo sich der Kosovo endlich - angeblich mit Hilfe der EU - selbstständig machen konnte, möchte ich doch nachfragen, wann ENDLICH sich
1. Bayern von Restdeutschland
2. Kärntnen von Österreich
3. Vorarlberg von Österreich
trennt.
Vielleicht könnte man auch noch die Autarkie einiger Städte vorantreiben.
Salzburg zB. Denen würden wir dann das philharmonische Orchester so geschmalzen verrechnen, dass die Staatsoper keine Subventionen mehr braucht.
Und vielleicht auch St. Pölten, die ungeliebte Hauptstadt eines Bundesstaates, der lange ohne Hauptstadt ausgekommen ist, und sich in Wirklichkeit gar nicht so schlecht macht. Obwohl der Spruch unvergessen bleibt:
Dem Mutigen bangt selten,
warum bangt dir vor St. Pölten.

Freitag, 8. Februar 2008

Unsere armen Fussballer

Jetzt eben fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Unsere Fussballer können keine Tore schießen können. Das doppelte Können ist beabsichtigt. Unsere Nation wird in immer wiederkehrenden Gehirnwäschen darauf trainiert, eben ............................................... kein ...............................................Tor....zuschießen.
Zufällig zapte ich in die Endphase der Dancing Stars. Es ist allerdings egal, ob es sich um die Dancing Stars oder um die Musical Stars oder sonst irgendwelche Stars nach dem Muster der zehn kleinen Negerlein handelt.
Der oder die ausscheidenden Teilnehmer werden mit einem gerade genüßlichen Sadismus gefeiert, der selbstverständlich sein Gegenstück den Masochismus nach sich zieht.
Wenn von zehn Paaren eines ausscheiden muss, wird nicht dieses genannt, sondern "ganz positiv" einmal alle verbleibenden wegsortiert. Als wäre das nicht Verzögerung genug, wird die Ankündigung der verbleibenden Paare nach einem immer gleichen Muster verlautbart.
[In der nächsten Woche dabei sind, Nächste Woche noch mittanzen dürfen, nicht ausgeschieden sind für nächste Woche, ...] und dann kommt eine fünfsekündige Pause - kunstvollst hinausgedehnt.
Ja, das ist Spannung. Da lebt er auf, der Österreicher und die Österreicherin, da tritt der Moderator fröhlich vor sein Volk und läßt's genüßlich warten.
Im Inneren aber denkt er sich sein Teil, hier wird jetzt Macht gezeigt, jetzt hab ich dort euch, wo ich will und seid ihr ausgeliefert mir auf Gnade. Denn ich nur weiß, was hier im Umschlag steckt und kann ich schneller lesen doch nicht.
Das ist es, was wir Österreicher lieben. Das ist es, was unsere Fussballer uns geben möchten. Diese FÜNF Sekunden Spannung, bevor der Ball sich hurtig in das Netz begibt.
Bei heimischen Spielen klappt das ja ganz gut, denn der gelernte österreichische Verteidiger ist ebenfalls in Kenntnis dieser showeinlagenmäßigen Dramatik und spielt mit.
Doch wehe, wehe, wenn wir gegen feindliche Völker antreten. Die haben von Kultur und Spannungsgeladenheit keine Ahnung, von Kunst und Medien auch nicht. Die warten keine fünf Sekunden. Die nutzen sie viel lieber, um in der viereinhalbten Sekunde den Ball noch vom Schussbein des angetretenen Schützen wegzuspitzeln.
-
Unser Fussballer können wirklich nichts dafür. Die verhalten sich so, wie das Publikum in seinem ungebremsten Masochismus es verlangt. Unsere Circences benötigen eben unsere fünf Sekunden. Man könnte in der Zeit natürlich auch auf eine alte österreichische Pratersensation zurückgreifen, den Watschenmann.
Und während die Moderatoren noch künstlich ihre Leseunfähigkeit unter Beweis stellen, wird ihnen jede Sekunde eine verpasst.
Patsch, patsch, patsch, patsch, patsch.
Und den Drehbuchautor überantworten wir dem Fussballtrainer. Der wird sich schon zu bedanken wissen für diese Art der Verbildung.

Sonntag, 3. Februar 2008

Superbowl 42

Den letzten Eintrag habe ich während des gerade gezeigten Tatorts geschrieben.
Die Superbowl schaue ich mir hingegen an. American Football übt auf mich weitaus mehr Reiz aus als Fussball.
Seit ich die Regeln verstehe, kommt es mir auch als das intelligentere Spiel vor:)

Freitag, 18. Januar 2008

Hinter den Zeilen lesen

Momentan läuft auf Ö1 eine wunderbare Kabarettsendung mit Dieter Hildebrandt. Im Pausengespräch gab es das Stichwort "Hinterlesen" und auch einen Verweis auf Konstantin Wecker. Dort finden sich ganz interessante hervorgehobene Zeitungsartikel.

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