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Philosophie

Samstag, 7. November 2009

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Bei Elsa Laska findet sich ein Zitat von Natalia Ginzburg über die Kreuzfrage.
Ich zitiere es hier nicht, weil ich es a) nicht unterstützen möchte, b) es fraglich finde, ob die getätigte Schlussfolgerung wird vom Logischen her hält und c) weil es rein textuell ja nur eine persönliche Meinung ausdrückt.
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Zuvor sei gesagt, dass ich der Kreuzfrage (in Schulen) ziemlich leidenschaftslos gegenüberstehe. Ein nacktes Kreuz ist genauso ein Symbol wie die Sonne oder ein Dreieck und kann daher leicht neutral gesehen werden. Bei einem Kruzifix verstehe ich den Einwand von Nicht-Christen, ohne ihn allerdings von vornherein unterstützen zu wollen. (Irgendwie gibt es wichtigere Probleme auf der Welt.)
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Doch das Kreuz hat ja schon vor Christus eine Symbolik gehabt. Ich frage mich, wie es zu der speziellen Ausprägung der Todesstrafe am Kreuz gekommen ist. (Das werde ich sicher noch einmal in meiner Pension recherchieren. Es interessiert mich wirklich.) Genauso gab es ja die Bestrafung der Steinigung, die auch nicht gerade besonders human ist. Die Demütigung, sein eigenes Todeswerkzeug tragen zu müssen, ist selbstverständlich eine klare Aussage. Dass das Kreuz gleichzeitig eine Symbolkraft für die Auferstehung sein soll, habe ich schon als Kind nicht verstanden und es eher einer sadistischen Grundauslegung der Menschen im Allgemeinen gehalten.
Wenn ich immer daran erinnert werde, wie schlecht es "mir als Menschen geht", was ich doch für ein schweres Los zu tragen habe, werde ich doch eher depressiv.
Man kann aber vermutlich froh sein, dass die meisten gar nicht so weit nachdenken. Dann ist aber auch das Anbringen des Kreuzes ein Firlefanz und steht auf der gleichen Ebene wie das Bild des Bundespräsidenten oder die Svastika, die es ja auch schon in den Schulen gegeben haben soll.
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Dass das Kreuz aber alle Menschen vertreten soll, halte ich für eine derartige Anmaßung einer bestimmten Glaubensrichtung, dass ich eine solche Aussage von vornherein einer dogmatisch ausgerichteten und in dieser Beziehung auch dummen Person zuordne. Da ist mir die Religionszugehörigkeit vollkommen wurscht. Es ist die gleiche Form von Kampfmissionarismus unter der wir selbst in den Zeiten der Türkenbelagerungen zu leiden hatten. Da böte sich der Halbmond doch viel eher an, den sehen wir wenigstens jede Woche in realiter.

Samstag, 19. September 2009

P.S. die erste ...

Seit längerer Zeit führe ich nun schon Peter Sloterdijks Du musst dein Leben ändern im Reisegepäck. Bei Begleitschreiben findet sich eine in meinen Augen großartige Beschreibung des Buches mit persönlichen Anmerkungen, von denen ich nur die letzte anschauungsmäßig nicht teile.
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Es ist unüblich, dass ich über ein Buch etwas schreibe ohne es ausgelesen zu haben. Mein Leseverhalten ist hier ein gänzlich anderes als normal. Nach einer gewissen Portion bleibe ich stehen und lasse die Gedanken und Überlegungen tagelang in mir nachwirken. Was kann ich nachvollziehen? Wie verändern bestimmte Inhalte meine bisherigen Erfahrungswerte?
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Dieses unterschiedliche Leseverhalten - sonst habe ich ein Buch gewöhnlich in einem Tag durch - veranlasst mich nun einen Zwischenbericht abzugeben, der auf dem Schlusssatz der Rezension von Begleitschreiben fußt.

Man bekommt eine Ahnung, wie man üben soll, aber eben nicht was und – vor allem - warum. Dem Leser bleibt fast nichts anderes übrig, auf diese Frage aller Fragen mit einem patzigen "darum" zu antworten. Oder die Handwerker zur Renovierung des Basislagers zu bestellen. Wortakrobatik hin oder her.


Selbst jetzt, mitten im Buch stehend, kann ich nachvollziehen, wie diese Aussage zustande kommt. Und sie ist höchstwahrscheinlich korrekt. Sie erscheint stimmig und die logische Konsequenz von dem, was ich bisher gelesen habe.
Eine der Aussagen, die ich bisher entnommen habe, und die ich höher bewerte als alles andere, drückt folgenden Umstand aus. Wir Menschen sind so verdammt überheblich. Wir glauben, dass wir uns mit unserem heutigen Wissen, mit der Kultur, die wir jetzt als die unsere ansehen, am Höhepunkt unseres Verständnisses und unserer eigenen "Selbstverständlichkeit" befinden.
Genauso, wie wir uns heute über den Aberglauben und die falschen Aussagen von Menschen vor Hunderten von Jahren mokieren, werden sich nachkommende Generationen über unsere Zweifel, aber auch über unser "Wissen" erheitern.
Ich mache einmal den Seitensprung in die Physik. Richard Feynman hat einmal gesagt, jeder der behauptet, die Quantenphysik zu verstehen, ist ein Trottel. (Er selbst bekam einen Nobelpreis in dem Gebiet.) Heute sind uns verschiedene Phänomene in ihren Widersprüchen nicht wirklich einsichtig. In funfhundert Jahren werden vielleicht Volksschüler lächeln, wenn sie über unsere Irrtümer unterrichtet werden.
Über Theodor Herzl kursierte folgende Anekdote: Er erzählte: "Einst reiste ichauf dem Schiff nach New York und traf dort Albert Einstein als meinen Begleiter. Er erklärte mir die Relativitätstheorie. Solange wir gemeinsam auf dem Schiff waren, hatte ich sie verstanden. Als wir in New York wieder auf festem Boden und getrennt waren, konnte ich nicht verstehen, dass ich sie jemals verstanden hatte."
Eines meiner persönlichen Anliegen und auch "Probleme" ist der Umstand, dass auf meinem Sachgebiet so viele Spezialisten nicht die Schwierigkeiten verstehen, die sich aufgrund der Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts zwangsläufig ergeben müssen. Gödel, Turing, Chaitin, Popper, Minsky geben ausreichend Aufschluss, warum es uns so schwer fällt, "fehlerfreiere" und menschenfreundlichere Programme zu schreiben. Wir könnten sogar etwas lernen und unser Verhalten umstellen, doch wir sind noch nicht reif dazu.
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Ich sehe in Sloterdijks Buch eine weitere Darstellung, die uns die Schwierigkeiten und unsere Begrenztheit aufzeigt. Er würde sich selbst widersprechen, wenn er im Abschluss ein Rezept lieferte. Vielleicht könnte man sein Buch auch als Exegese des sokratischen "scire me nescire" ("Ich weiß, dass ich nichts weiß, das griechische Zitat erspare ich mir) sehen. Es unterstreicht und belegt in einigen Ausführungen, warum wir nichts wissen. In einem Fall zitiert er einen Autor, dessen Werk bewusst oder unbewusst selbst dort nicht zitiert wird, wo es unbedingt stofflich hineinpassen würde. Ich verrate nicht, worum es sich handelt, vielleicht weckt es die Neugier. Tatsache erscheint mir eher, dass wir mit der "dummen" Entschuldigung Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. viele Fragen stellen, die schon längst beantwortet wären, wenn wir bereit wären, auch das Unsrige für die Beantwortung zu leisten.
Ich denke, dass Sloterdijk ganz bewusst keine Ausführungen zum "was" und "warum" angestellt hat. Es würde den Rest des Buches konterkarieren.

Samstag, 9. Mai 2009

Noch eine Frage

Was ist Zufall?
Die Frage schließt an die letzten Fragen an, weil der Begriff Zufall so oft in der Diskussion um Evolution, Gegenthese zum Determinismus eines Gottes und allgemein für Unbestimmbarkeit herangezogen wird.
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Die Frage ist also: bedeutet Zufall die Möglichkeit von irgendetwas oder liegt bereits in der Einschränkung der Ergebnismenge eine Bestimmung.
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Beispiel: wohin die Roulettekugel rollt, ist zufällig. Doch wird sie nie auf 138 landen. Wenn ich unendlich lange am Roulettetisch spiele, werde ich am Ende bankrott sein.
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Ist das Wort Zufall überhaupt legitim? Oder ist man Herr über seine eigenen Zufälle? Und wenn man zufällig Glück hat, ist nicht vielleicht die Tatsache, das Glück am Schopf ergriffen zu haben, eine persönliche Leistung?
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Ich bitte auch um eine Erklärung, ob eine Verteilung (eine Ansammlung von Zufällen) nicht schon wieder im strengen Sinn deterministisch ist.

Nachtrag:

Vielleicht ist das Festhaltem am "unendlichen" Zufall genauso ein Glaube wie ein Gottesglaube. Eine Unbestimmtheit zu postulieren bedeutet für mich nicht weniger Überwindung als an Gott zu glauben - und vice versa.

Sonntag, 3. Mai 2009

Eine weitere Frage

Obwohl ich eigentlich eine nicht mit Glauben verbundene Frage zur Abwechslung einstreuen wollte, gibt es jetzt doch noch eine Frage zum Glauben. (Auch im Sinne einer Antwort köppnicks, die mir sehr gut gefallen hat: um an Gott zu glauben, muss Gott nicht existieren.)

Frage:

Ist der Eingottglaube Zeichen der Intoleranz?

Meine statistisch angehauchte Antwort hätte ich schon parat:)

Dienstag, 3. Februar 2009

Wagner und ...

Als Hasi Töpfer von seinen Pflegeeltern auf das Gleis 7-1/4 am Wiener Südbahnhof gebracht wurde, - bekanntlicherweise wird dieser einstmals so wichtige Bahnhof ja Stück for Stück abgetragen, sodass mitunter nur Teile von Bahnsteigen mehr übrig bleiben - wusste er noch nicht, dass er sich in dem Zug nach Rom auf die gewaltigste und furchterregendste Abenteuerreise seines bisherigen Lebens begeben hatte.
Wahrscheinlich war es richtig gewesen, dass er vor dem Linzer Weihbischof geflüchtet war, der ihm ja indirekt mit dem Exorzismus gedroht hatte. Da die Züge von Linz nach Wien wesentlich schneller unterwegs sind als die auf der ramponierten Südbahnstrecke, war der rasche Aufbruch mehr als angebracht gewesen.
Wieso musste es denn ausgerechnet Rom sein, jenes Rom von dem man wusste, dass dort das Übel allen Bösen, aller Verfolgung saß?
Es existierte da eine Wahrsagung, die besagte, dass ein kleiner Junge einmal die Welt vor der größten Dogmatik-Sünde erretten würde. Die Pflegeeltern, die Hasi eigentlich erst viel später für eine Konfrontation vorbereiten hatten wollen, waren aber durch die Umstände überrannt worden.
Große Schneefälle, die die Bundesländer jenseits des Semmering ersticken wollten und eine allfällige Passage unmöglich gemacht hätten, ließen darauf schließen, dass die römische dunkle Macht sich mehr denn je mit dem, was sie Gott nannten verbündet hatte. Die Zeiten, als jene Macht als verzeihend und gütig hingestellt worden war, war schon einige Jahrzehnte vorbei. Jetzt schmiss jener Gott mit Flutwellen und Hurrikanen um sich herum, um seine Macht zu zeigen und die Menschen zu bestrafen, die sich nicht unmittelbar, unumwunden und widerspruchslos auf die römische Seite stellten.
Er hatte auch klargemacht, dass er ausschließlich mit der Stadt am Tiber korrespondierte, denn der Herrscher eines großen Landes, der sich regelmäßig in seinen Aktionen auf ihn berufen hatte, wurde einmal prophylaktisch mit dem Verlust einer großen und traditionsreichen Stadt bestraft. Auch dabei war Wasser im Spiel gewesen. Die Geschichte mit der Sintflut klappt ja noch immer vorzüglich. Dieser Gott ist vielleicht nicht mehr gütig, wie man es früher gerne behauptet hatte, doch ist er zumindest humorvoll. Anders kann man es nicht nennen, wenn er den Herrscher als Zeichen seiner göttlichen Macht ausgerechnet durch einen Neger benachfolgen ließ.
Damit hatte nun Hasi nichts zu tun, doch Eile war angesagt. Noch war er ein Kind. Und die Maxime lautete: "Selig sind die Kinder, denn ihrer ist das Himmelreich." Das würde ihm in Rom einen unschätzbaren Vorteil verschaffen, denn seine Gegner waren allesamt lange der Kindheit entwachsen. Sie waren besserwisserische, machtbesessene und skrupellose Greise. Man könnte sagen, sie waren ein bisschen wie jene Tempelpriester, denen einst ein anderer Junge die Leviten gelesen hatte.
Das ist aber eine andere Geschichte.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Morgenlektüre

In "Die Welt" lese ich heute morgen einen ganzseitigen Artikel über die erste deutsche gesamtheitliche Übersetzung der Septuaginta. (Luther verwendete bekanntlich den hebräischen Text und verwendete die Vulgata (lateinische Übersetzung und Basismaterial für die katholische Kirche) als auch die Septuaginta nur als Hilfsmittel.) Die Septuaginta ist die griechische Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen, die als Basis für die Lehre der orthodoxen Katholiken herangezogen wird.
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Im Artikel wird auch dargestellt, wie es rein durch Übersetzungen zu einer "Unbefleckten Empfängnis Mariae" kommen kann, wobei die Nicht-Einzigartigkeit anhand damaliger anderer Religionen, die über ähnliche Darstellung verfügten, nachvollzogen werden kann. (Bei den Äyptern gab es eine ähnliche Behauptung.)
Ohne jetzt eine Stellung hinsichtlich Glauben oder Wahrheitsanspruch stellen zu wollen, machen mich die verschiedenen Übersetzungswege stutzig.
Von überzeugten Christen aller Coleurs wird ja immer die Wahrheit von "Gottes Wort" als ultima ratio dargestellt. Wenn ich denke, dass sich seit dem römischen Imperium und den heutigen Zeiten wenig im Verhalten der Menschen geändert hat, nehme ich einmal an, dass es schon damals Modewörter, Modephrasen und sinnentstellende Formulierungen gegeben hat. Dass die Kirche nicht die Wahrheit gepachtet hat, lässt sich aus den unterschiedlichsten Revisionen zu ihren Verlautbarungen ableiten.
Was waren nur die entsprechenden Parallelen zu Wortschöpfungen wie "Gewinnwarnung" und "notleidende Banken" in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt?

Donnerstag, 11. September 2008

LHC - noch lebe ich

Selbstverständlich war nicht anzunehmen, dass die Welt gestern um10:00 MEZ untergeht. Die Versuche haben ja noch gar nicht begonnen. Bisher wurde nur die Anlage in Betrieb genommen und die Betriebsbedingungen werden langsam gesteigert, bis sie die benötigten Energiewerte liefern werden.
Es ist traurig, dass es kein schnelles Ende ohne Schrecken geben wird, sondern höchstens Schrecken ohne Ende.
Je nach Modell der Gegner werden wir in einem Jahr, in 4 Jahren oder in 50 Jahren hopps gehen.
Da schätze ich andere Weltuntergangsszenarien weitaus höher in ihrer Wahrscheinlichkeit ein.
Ich selbst stimme eher diesem Artikel zu.
Es mag sein, dass es Fragen gibt, die uns im alltäglichen Bereich wichtiger erscheinen. Ob z.B. der Wachteleier-Umsatz wirklich so groß ist, dass er eine eigene Ausnahme von der Mehrwertsteuer verdient, oder ob die Tiefkühlgarnelen jetzt endlich als Luxus betrachtet werden sollen.
Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral - und etwas später die Wissenschaft. (frei nach BB)

Mittwoch, 10. September 2008

LHC

Berechtigt oder nicht?
Darüber diskutierten mein Freund ein Wissenschaftler (allerdings nicht Physik) und ich angesichts der Kosten von 3 Milliarden €.
Könnte man damit nicht "Gutes" tun? Ist es sinnvoll, soviel Geld in die Beantwortung von Fragen hineinzustecken, von denen vielleicht nicht einmal 10 ppm (jeder Hunderttausendste) überhaupt ansatzweise ein Verständnis hat, worum es geht?
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Tja, was meint ihr?
Und welche Meinung hatte der Hund?

Donnerstag, 29. Mai 2008

Fundstück

"Wenn man etwas besser versteht, dann liebt man es mehr."

Schöner Satz, gerade eben im Club 2 von Eric Kandel, Nobelpreisträger, Neurowissenschaftler, ausgesprochen.

Sonntag, 18. Mai 2008

Versiegen (II)

Ist das nicht ein wunderbares Wort. Der Sieg wird durch das "ver" negativiert. Worin besteht aber der implizierte Sieg. Er steht für das Strömen, für das Fließen, für das Sprudeln, letztlich für das Entstehen. Alles, was Leben bedeutet.
Versiegen bedeutet einen Tod.

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