Musik

Dienstag, 6. Mai 2008

Kann Schönheit in der Kunst entstehen?

377px-Venedig_typischer_kanalEs kommt vor, dass Menschen, die sonst wenig mit klassischer Musik zu tun haben, auf einmal über ein bestimmtes Stück zu schwärmen beginnen. Am Bekanntesten ist in dieser Richtung wohl Ravels Bolero, schließlich spielt hier die sexuelle Komponente eine wesentliche Rolle - and sex sells.
Vor wenigen Tagen gab es hierorts einen Hinweis auf Mahlers dritte Symphonie. Von dieser rankt sich ein Bogen über einen berühmten Film, der eine ebenso berühmte Novelle eines ebenfalls berühmten Schriftstellers verfilmt, wobei im Film aus der Figur eines berühmten Schriftstellers ein berühmter Komponist - mit persönlichen und künstlerischen Problemen - wird.
Die Schönheit begegnet diesem Komponisten in der Gestalt eines jungen polnischen Knaben, Tadzio genannt.
LeserInnen, welche gerne "wer war's"-Rätsel in der Zeit oder in der Presse lesen, wissen jetzt natürlich bereits, wovon die Rede ist.
Der Ausgangspunkt ist das Misterioso aus Mahlers 3. Sinfonie („O Mensch! Gib Acht!“), welches im Film erklingt, obwohl der eigentliche Hit, von dem 1971 jeder, den Film gesehen hatte, schwärmte, das Adagietto aus Mahlers 5. Symphonie war. Erotik war damals noch nicht so stark mit sadistischen Zügen vermischt. Es ging mehr um Schwelgen und Auflösung, bei Wagner früher noch Auslöschung genannt. (Der meinte zwar nur die liebesverhindernde Leuchte, aber es kommt auf das Gleiche heraus.)
In Luchino Viscontis Film "Der Tod in Venedig" erinnert sich der Komponist an sein Streitgespräch mit einem befreundeten Dirigenten, der meinte, dass Schönheit nur natürlich entstehen könne, etwas was Aschenbach, der Komponist, vehement bestreitet. Das würde ich wohl auch, wenn ich mich als Künstler bemühte, Schönheit zu "schaffen". (Ob Kunst überhaupt schön sein kann, muss oder darf, ist ja ein running gag in der Kunstdiskussion.)
Jedenfalls überwältigt die natürliche Schönheit des jungen Knaben Aschenbach so sehr, dass er aus dem erotischen Bann nicht mehr ausbrechen kann und schließlich dem Tod in der von der Cholera befallenen Stadt nicht mehr auskommen kann.
Vielleicht erinnern sich noch einige an den Film und an die bittersüße, ganz weiche Musik, die sich wie ein fortwährendes Streicheln anfühlt.
Kann Schönheit in der Kunst entstehen?

Sonntag, 4. Mai 2008

3. Mahler

mit Semyon Bychkov, der für Mariss Jansons eingesprungen ist. Dabei habe ich in einem geschlossenen Forum eine ungemein interessante Abhandlung über diese Symphonie gelesen, die aber auch public steht.
Wer sich für Mahler oder Bachmann interessiert, sollte sich die Lektüre zu Gemüte führen. Ich bin jedenfalls davon verführt.
einen schönen Sonntag noch.

Sonntag, 27. April 2008

jetzt ist gerade das Thema vom Siegfried-Idyll

Also die Oper ist noch nicht aus, aber musikalisch und gesangstechnisch fand ich sie über jeden Verdacht erhaben;)
Die Stemme gefällt mir gut.
-
Eigentlich ein guter Anknüpfungspunkt um zu erzählen, dass ich jetzt tatsächlich einen Bruckner-tauglichen Vierhändig-Partner gefunden habe. Lustigerweise lautet sein Nickname in einem anderen Forum Tastenwolf, was schon zu humorvollen Kommentaren Anlass gegeben hat. Es ist eigentlich egal ob Tastenhund und Steppenwolf oder umgekehrt.
Neben Bruckner IV und Bach, Brandenburgischen Konzerten haben wir auch Schubert Rosamunde-Quartett und zum fröhlichen Abschluss eben das Siegfried-Idyll gespielt.
Er hat schon ebenfalls so lange wie ich gesucht. Spielt auch besser als ich vom Blatt, was selten vorkommt, aber für einen Korrepetitor einer namhaften Wr. Oper wohl zu erwarten ist.
Bis September ist das Programm jedenfalls gesichert. Jeden Monat eine gleichziffrige Symphonie und dazu halt noch etwas anderes.
Manchmal muss man halt lange auf etwas Besonderes warten.

Für Wagnerianer und Interessierte

Ö1 überträgt heute ab 17:00 die neue Inszenierung des Siegfried an der Wiener Staatsoper. Vermutlich gibt es das auch als Webradio.

Und jetzt dem Hund sein Recht!

P.S.
Ist tatsächlich auf Web-Radio mit ziemlich guter Qualität zu vernehmen. Eine Ring-Inszenierung auf der Wr. Staatsoper ist immerhin ein ernst zu nehmendes Event;)

Sonntag, 13. April 2008

Also mit Klavierlehrern kann ich ja wohl nichts anfangen ...

Ich kenne viele Menschen, welche die Verabredung des heutigen Tages abgesagt hätten. Am Vormittag versuchte ich noch, so viel wie mögliche Aufräumaktionen durchzuführen. Die Gartentür bekam einen neuen, festen Zugang. Ich sollte noch etwas für die Firma vorbereiten. Und die ganze Woche wird überhaupt stressig.
Aber den mühsam zustande gekommenen Termin für Vierhändigspielen wollte ich einfach nicht sausen lassen.
So hatte jetzt der Sonntag vier Stunden weniger, aber mein Leben dafür vier Stunden und eine Ewigkeit mehr.
Nach unzähligen und vergeblichen Versuchen habe ich einen Vierhändigpartner gefunden, der - man staune - den Termin als Tradition fortsetzen möchte.
So gab es heute:
  • 4. Bruckner,
  • Rosamunde Streichquartett a-moll von Schubert,
  • 1,5 Brandenburgische Konzerte von J.S. Bach,
  • Siegfried-Idyll von R. Wagner.
Seine Freundin war Publikum und Frau Columbo, die Aufräumungsarbeitungen im Garten vornahm, konnte uns ebenfalls hören, wenn auch nicht sehen.
Der Spass an der Sache war ein allgemeiner. Sonst hätten wir sicher nicht netto drei Stunden gespielt. Da er ein Profi ist, darf ich mehr Patzer machen. Das ist angenehm;)
-
Das Interessante an der ganzen Sache ist, dass er ebenfalls schon lange gesucht hat und einige Versuche auch unternommen hat. Bisher haben aber alle bei Bruckner gepasst.
-
Da frage ich jetzt nur mehr: was ist mit der heutigen Gesellschaft los? Bringt die überhaupt nichts mehr, wo ein bisschen Leistung dazu gehört? Ich verstehe ja, dass Klavierlehrer sich nicht noch in der Freizeit freiwillig Fehler anhören wollen. Aber ist es nicht traurig, wenn Musik nur mehr als Beruf und nicht mehr als Vergnügen empfunden werden kann.
Es ist schon so, dass ich für einen Klavierlehrer nicht gut genug spiele. Für einen Korrepetitor an einer namhaften Wiener Oper reicht es aber anscheinend doch.
Es muss nicht Klavier sein. Ich schätze jeden hoch ein, der selbst aktiv ist - egal mit welchem Instrument. Aber dass es so wenig aktive Klavier-Dilettanten zu geben scheint, stimmt mich bedenklich.

Freitag, 4. April 2008

Karajan oder Bernstein?

In meiner Jugend wurden mir die beiden als Konkurrenten präsentiert. Ich konnte Gespräche der Erwachsenen belauschen, in dem sie die Vorzüge des einen oder des anderen hervorhoben. Ähnlich dumm wie die Frage nach dem Lieblingskomponisten oder noch dümmer wie die Frage, welchen Opa man denn lieber habe, schien es notwendig zu sein, Stellung zu beziehen.
Schon aus rein nationalistischen Gründen gewann Herbert von Karajan. Er gehörte uns, nicht den Amerikanern. Ich hatte auch den Eindruck, dass er die ernstere Musik produzierte, dass er nicht so viel Show aus seinem Dirigieren machte.
Ich habe in meinem späteren Leben mit einigen sehr bedeutenden Dirigenten gesprochen. Darunter zählte auch eine Umarmung von Bernstein, der ein sehr herzlicher Mensch war. Ich hatte den Eindruck, dass ich Bernstein unrecht getan hatte, als ich nach seinem Tode eine Gedenksendung gesehen hatte.
Heute sehe ich im Fernsehen eine ähnliche Gedenksendung über Herbert von Karajan.
Es ist unglaublich, wie bei beiden Dirigenten selbst noch im indirekten Medium Fernsehen diese Kraft spürbar wird, über welche die Musiker berichten, welche mit ihren Statements eingeblendet werden.
Es ist diese spürbare Energie, die in Wirklichkeit auf nichts anderes gerichtet ist, als Freude zu transportieren. Freude oder auch Schönheit, wie Karajan zitiert wird. Nicht nur bei Beethovens Neunter. Es ist die Schönheit des Wahrhaftigen. Ich bin sehr froh, dass ich heute nicht mehr Stellung beziehen muss.
Ich brauche keine Wertungen mehr abgeben. Und ich lerne davon auch, dass dieses ewige Trachten nach der Wertung, nach "dem Besten" vollkommen unsinnig ist, wenn eine Stufe des Unbewertbaren erreicht ist.
Ich fühle mich sehr glücklich, wenn ich Mahler unter Bernstein (gerade jetzt) höre und Bernstein gesagt hat, dass "wir jetzt dieses Stück für Karajan" spielen.
Es ist ein elitäres Denken, dem ich hier die Stange halten. Aber dazu stehe ich.

Sonntag, 24. Februar 2008

No na net!

Es muss 1965 gewesen sein, also ein Jahr später, als ich zu Sylvester in meinem Zimmer in Ptui lag. Meine Eltern und Freunde Grazer Ursprungs waren mit mir nach Slovenien gefahren. Ich glaube, dass ich krank war oder vielleicht musste ich wegen meiner Jugend ins Bett. Jedenfalls hörte ich einen slowenischen Sender und verstand nichts. Doch es wurde mir klar, dass es sich um eine Chartliste handelte. Als ich dann Nummer 1 hörte, war ich begeistert. Ich hatte noch nichts bewusst von den Beatles gehört, nur soviel, dass sie Anlass zu Kontroversen gaben. Damals wusste man noch nicht, wie sehr sie sich noch weiterentwickeln würden. Aber der Song gefiel mir so gut, dass ich ihn als einen von ganz wenigen am Klavier probierte und die Harmonien herausfand.



Meine weitere Hitliste der Beatles finden Penny Lane, Elenor Rigby, Get Back und vieles aus der Sg. Peppers Lonely Heart Club Band. Aber das waren alles viel spätere Geschichten.

Going back ...

Noch früher als im vorigen Beitrag hat mich dieser Schlager erwischt:



Es war der erste Schlager, der mich Begeisterung mit etwas von der U-Musik erfüllte. Bis dahin waren meine Werte eher von Beethoven und Mozart und Schubert gefüllt.
Meine Freude war riesengroß, als mir meine Schwester die Single schenkte. Das war damals meine erste eigene Schallplatte.

Das Lied gefällt mir heute noch sehr. Ich verstehe aber heute noch besser als damals, warum ich es so gemocht hatte. Gerade weil es mich heute nicht mehr so nach "downtown" drängt und ich abends lieber zuhause bleibe, kann ich die Erwartungshaltung besser betrachten. Downtown war das Leben und das Versprechen, dass unendliche, romantische Sehnsüchte einmal Erfüllung finden würden.
-
ein weiterer Hit.

Bevor der Alzheimer zuschlägt ...

Es gab 1970 nicht viele Gruppen oder Sänger, die ich mochte. Doch Donovan wurde mir nahe gebracht, als wir zu viert die Tage mit Tarockspiel verbrachten und jeden Tag aufs neue hofften, dass wir endlich auf einem Schiff anheuern könnten.
Unser Bekannter, der uns eine Kellerwohnung zur Verfügung gestellt hatte, versorgte uns auch mit Schallplatten. Das waren Raubpressungen asiatischer Herkunft, die sich durch grelle Farben auszeichneten. Da gab es grüne und orange Schallplatten und einiges von Donovan war dabei. An viele Songs kann ich mich heute noch erinnern.
Einer meiner Lieblingssongs war:

Samstag, 9. Februar 2008

G

Das habe ich mir zusammengehaut. Nicht die Saite ist gerissen. Die Taste schlägt nicht mehr an. Beim Bösendorfer gibt es im Repetierschenkel eine Filzgarnierung, die den Stößer in der Bewegung begrenzt. Die hat sich etwas gelöst und ich werde das selbst reparieren können.
Aus Interesse habe ich mir aber das Service Manual von Steinway (Die Mechanik ist ziemlich gleich der des Bösendorfers) angesehen. 108 Einzelteile werden dort pro Taste angeführt. Mein Flügel hat 92 Tasten, das ergibt also schon fast 1000 Einzelteile nur für die Mechanik. Und dann kommen noch ein paar Zerquetschte dazu, denn ein Notenpult möchte man ja auch gern haben, oder Saiten.
Abgesehen davon gibt es einen Text im Internet, der vielleicht Klavier Spielende interessieren könnte.
-
Nur ein kleines Detail: Bösendorfer verwendet die sogenannte "Herzfeder". Wer Bösendorfer spielt, spielt mit Herz.

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