Was wichtig ist

26
Okt
2010

Verdorben

Für die Frauenwelt bin ich verdorben.
Das habe ich heute wieder einmal gemerkt. Ich schalte FS2 ein, weil ich mich wie am Sonntag fühle und lande im Dreimäderlhaus, bei einem Film über Franz Schubert.
Und das gerade in einer Szene, die mir als Halbwüchsigen die Tränen in die Augen getrieben hat. Franz Schubert bittet seinen Freund Kuppelwieser, die von ihm selber komponierte Liebeserklärung zu singen, worauf "das Mäderl" dann "irrtümlich" den Kuppelwieser statt den Schubert heiratet. Der Name Kuppelwieser lebt im Kuppelwieserwalzer fort. Darüber gibt es eine andere, sehr nette Geschichte, die ich ein anderes Mal erzähle.
Ein paar Jahre später wurde ich durch eine Freundin mit Rostands Cyrano de Bergerac bekannt gemacht. Da verliebt sich die Frau in die Briefe eines Mannes, die aber von einem anderen geschrieben sind als sie glaubt.
Diese Verwechslungsgeschichte gibt es noch weitere Male in der Literatur. Und vermutlich auch im wirklichen Leben.
Das kann einerseits recht reizvoll sein, andererseits stellt sich immer die Frage, ob man selbst gemocht wird oder irgendein Artefakt, das einem zugeschrieben wird.
Eigentlich verlässt einen diese Frage nie mehr. (Ich beschwere mich allerdings nicht, ich habe es ganz gut getroffen.)
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12
Sep
2010

Gelassenheit

Vor ungefähr 35 Jahren kaufte ich mir die Hirt-Methode. Das war damals sautauer für mich und mit den Raten hatte ich wirklich ernstliche Schwierigkeiten. Ich hatte mir sie deswegen angelacht, weil sie ein Kollege auf der Uni machte. Der war Vorarlberger, kam aus einer Unternehmersfamilie, war nicht besonders intelligent, aber dafür effizient. Er hatte mir erzählt, dass er sie anwenden würde. Dadurch war er das beste Beispiel. Ursprünglich hatte ich immer die Werbungen in Readers' Digest gelesen.
Die Hirt-Methode nahm das vorweg, was später in Zeitplanbüchern durchgeführt werden konnte und auch Coaching, was damals noch nicht modern war. Das Gesetz von Lust und Unlust war auch sehr interessant zu lesen. 25 Jahre später bekam ich es in der Neufassung in die Hand. Einige der Kapitel, die die Vorgänge im Gehirn beschrieben, waren komplett umgeschrieben worden. Das halte ich für eine sehr seriöse Indikation. In der Gehirnforschung wurde unheimlich viel in den letzten Jahren dazu gelernt.
Die Methode umfasste auch eine Art autogenes Training.
Ich muss sagen, dass ich ein sehr schlampiger Anwender war. Ich bin überhaupt schlampig in solchen Dingen. Doch zumindest weiß ich heute noch, dass die Inhalte des Trainings die Konzentration auf 4 Begriffe, jeweils eine Woche lang, bestand.
Dankbarkeit, Gesundheit, Ruhe, Erfolg.
Und das hat wirklich funktioniert.
Wenn ich heute vor einigen wichtigen Terminen schlecht schlafe, werte ich das auch nicht als negatives Zeichen. Es ist fast so, als bekomme ich dadurch mit, dass ich noch lebe, dass ich noch Anteil nehme.
Aber tatsächlich bin ich inzwischen gelassen geworden. Ich merke das bei sowohl in beruflichen als auch in privaten Zusammenhängen. Und das Leben wird dadurch sehr lebenswert.
Ja, manchmal bin ich noch hektisch. Aber es ist eine andere Art von Hektik geworden. Eine Hektik, die nicht mehr die Übersicht überdeckt.
Josef Hirt ist schon verstorben. Aber ich bin ihm durchaus dankbar. Mir hat die Methode trotz all meiner Schlamperei etwas gebracht.
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29
Aug
2010

etwas Echtes

Ich freue mich über ein Mail, das ich heute von einem russischen Musiker erhalten habe, der ab Oktober in Wien studieren wird. Er hat mich nämlich auf einen youtube-Eintrag angesprochen, der auf youtube einzigartig ist. (Eigentlich der einzige, auf den ich stolz sein kann:)
Wenn ich es so richtig betrachte, gab es in meinem Leben nicht so viele Dinge, auf die ich stolz war. Und alle haben etwas gemeinsam: nur ganz wenige Menschen können mir dafür Anerkennung ausprechen.
Eines war ein von mir entwickeltes Gerät, an dem ich 3 Jahre lang gearbeitet habe. Etwas anderes war die relativ rasche Anerkennung und Akzeptanz, die ich nach 1,5 Jahren in Japan erhielt. Ein drittes war eine Software, die ich in erster Linie für mich geschrieben hatte und die heute nach zehn Jahren noch immer verwendet wird, obwohl ich die Firma schon lange verlassen habe.
Und das vierte ist eben jener youtube-Eintrag, der ein "einziger" ist und den es ohne mich nicht gäbe. Interessanterweise gab es danach wenigstens eine Reihe anderer Einträge von Konzert-Mitschnitten. Ich verrate nicht, welcher Eintrag das ist. Es geht mir gar nicht darum.
Es geht mir darum, wie wenig es doch ist, was so bewusst erarbeitet wurde. Und ich frage mich, was ich vielleicht hätte zusammenbringen können, wenn ich immer so hart gearbeitet hätte wie an dem Mikrospektralphotometer.
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28
Jun
2010

Es geht nicht um Fussball

Das ein Videobeweis das Spielergebnis erst am nächsten Tag ermöglicht, ist eine dumme Aussage, die ich FIFA-Funktionären zubillige. (Da gibt es ja mittlerweile sogar einen UEFA-Funktionär, der unter Bestechungsverdacht steht. UEFA ist nicht FIFA, aber warum sollten die besser sein?)
Dass ein Videobeweis das Spiel nicht über Gebühr aufhalten muss, kann man am amerikanischen Football sehen. Da bedarf es einer Anforderung von seiten der Mannschaft, die ihn fordert. Dann wird das Video angesehen und danach beurteilt.
Die Anzahl dieser Anforderungen ist beschränkt. Das wäre auch beim Fussball möglich, denn so viele derartige Situationen gibt es ja nicht in einem Spiel.
Aber wenn man schon so gegen elektronische Medien beim Spiel ist, dann sollte auch die Fernsehübertragung verboten werden, denn die nimmt den Spiel auch seinen Reiz.
Dabei sein, die Ausdünstungen des Nachbarn mitbekommen, das Bier über den Kopf geschüttet bekommen, Rempeleien um den Platz und lautstarke Beschimpfungen rund herum, das ist echter Fussball. Nicht auf der Couch vor dem Fernsehen sitzen und an kleinen Nüßchen knabbern.
Es gibt allerdings einen realen Grund, warum die Herrschaften den Videobeweis nicht zulassen wollen. Die fallweisen Ungerechtigkeiten sind erwünscht. Dann regen sich die Menschen auf, haben tagelang etwas zu diskutieren und werden von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Wir haben ja auch keine wirklichen Probleme, oder?
Das hat schon seit 2000 Jahren so funktioniert oder länger.
Panem et circenses. Es war ja auch nicht gerecht, dass ein paar Gladiatoren über die Klinge springen musten.
Daher ist alles, was das Spiel objektiviert, verpönt. Blut wollen wir sehen, gemeine Fouls (Tore sind ja selten geworden) und Ungerechtigkeiten.

Dann dürfen wir uns selbst gut vorkommen.
(Sorry, wenn ich da vielleicht jemanden ans Bein pinkle.)

-
Ich habe den obigen Kommentar bei carpe diem abgelassen, weil sich dort ein paar Leute gegen Videobeweise im Fussball ausgesprochen haben.
Ich gebe ihnen damit ja recht.
-
Und ich behaupte einfach, dass eine Fehlentscheidung bei der Toranerkennung "peanuts" ist, wenn man sie mit den Fehlentscheidungen in der Sicherheitstechnik vergleicht, die bei der BP-Bohrung passiert sind, wo nachweisliche Mängel keinen Aufruhr von Millionen von Menschen erzeugen. Oder zumindest nicht rechtzeitig.
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