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Kultur

Samstag, 2. Mai 2009

Die Antwort

Zuvor ein Dankeschön an alle Kommentatoren. Bevor ich meinen eigenen Senf dazugebe, möchte ich feststellen, dass die Beantwortung der Frage durch die Weitläufigkeit, bzw. saloppe Formulierung zwangsläufig die unterschiedlichsten Antworten ergeben muss. Es wäre also nicht sinnvoll, jedem einzelnen Kommentar meine eigene Anschauung entgegen zu halten. Vielmehr werde ich mich in meiner Antwort um Präzisierungen bemühen und vielleicht manche Voraussetzungen , die zu bestimmten Ansichten führen, speziell anführen.

Ausgangspunkt

In der Frage stecken gleich mehrere Probleme und davon abgeleitet auch ein für mich primäres Ergebnis, bevor man noch ins Detail geht.
  1. Sowohl der Begriff „kulturelle Höchstleistungen“ als der Begriff „Religion“ sind unzureichend definiert, bzw. wurde verabsäumt, eine gemeinsame Ausgangsbasis zu schaffen.
  2. In dem Augenblick, in dem Religion für kausale Betrachtungen herangezogen wird, wird die Fragestellung eindeutig mit einer „Glaubens-“ bzw. Nichtglaubenskomponente beaufschlagt. Sie entzieht sich daher im Eigentlichen der Argumentationsmöglichkeit.
  3. Es handelt sich um eine Fragestellung, welche eine Ja/Nein-Antwort suggeriert. Wir sollten es in der heutigen Zeit zwar bereits besser wissen, als in diese Falle zu tappen, doch scheint niemand vor dem Drang zur Vereinfachung gefeit zu sein. Schließlich heißt es ja immer KISS. (Keep it simple and stupid)
Die Begriffe

Kulturelle Höchstleistungen

Kulturell sollte wohl von Kultur abgeleitet sein. Da begehe ich selbst bereits den ersten Fehler. Hätte man mir die Frage gestellt, so hätte ich automatisch kulturell mit Kunst verbunden. (was ich hier einmal als falsch hinnehme) Dabei wären meine Ausführungen automatisch in Richter der Dreiteilung Kunst, Wissenschaft, Religion (Philosophie) gegangen. Das war vermutlich weder vom Fragesteller beabsichtigt, noch wäre es nach landläufiger Meinung zu halten gewesen.
Eine der knappsten Definitionen von Kultur als Gesamtheit der menschlichen Leistungen, welche über die Gewährleistung des Grundbedarfs hinausgehen, findet sich in Wikipedia. Dabei dürfte es nicht schwer fallen, entsprechende bestätigende Quellen dafür aufzutreiben. Bei Kant wird noch zwischen Kultur und Zivilisation unterschieden, in dem er meint, dass für Kultur auch eine über die Ziviliertheit hinausgehende Moral im Spiel ist. (Kategorischer Imperativ)

Den Kultur-Eintrag habe ich als sehr interessant empfunden. Er zeigt auf, wie viele unterschiedliche Meinungen hier anzutreffen sind, die sich nach meiner Auffassung auch durchaus schlicht widersprechen.
Darauf kommt es jetzt aber gar nicht an. Im Zuge der Fragestellung erweitere ich meine Leistungen einmal von Kunst (was ich ursprünglich impliziert gesehen hätte) um Wissenschaft. Andere Errungenschaften lasse ich jetzt einmal links liegen, weil sie meine Antwort nicht stark ändern würden.

Höchstleistungen

Die habe ich bereits in einer Antwort in meinem Sinn definiert.
Der Begriff Höchstleistungen steht stellvertretend für diejenigen Leistungen, die sich in Errungenschaften oder Artefakten niederschlagen, die unabhängig von Ort, Zeit und Herkunft des Betrachters als bemerkenswert im positiven Sinn wahrgenommen werden.
In diesem Sinn mag die Konstruktion der Atombombe zwar eine wissenschaftliche Höchstleistung darstellen. Ich bezweifle aber, ob das allgemein so gesehen werden kann. Das heißt, ob sich eine entsprechende positive Betroffenheit beim Beurteilenden einstellen mag.
Die meisten Höchstleistungen, für die in den wissenschaftlichen Disziplinen Nobelpreise vergeben werden, entziehen sich dem normalen Betrachter in der Beurteilung. Da es sich bei den Leistungen ausschließlich um Grundlagenforschung handeln soll, kann es schon vorkommen, dass ein Nobelpreisträger antwortet: wir wissen nicht, was wir mit dem Wissen anfangen werden. Allerdings hat noch jede Entdeckung aus dem Bereich der Quantentheorie spätetens nach 40 Jahren ihren Einzug in die Allgemeinwelt gefunden.


Religion

Diesen Begriff unerklärt und unmodifiziert in der Frage zu verwenden, ist eigentlich eine Frechheit. (Dies wird dann auch deutlich belohnt: unterschiedlichen Antworten, die z.B. Gott stellvertretend für Religion verwenden oder die nur Offenbarungsreligionen als Religion akzeptieren.)
Im Zusammenhang mit Religion endet jede wissenschaftliche Deduktion bei einem Axiom und das ist ein Glaubensaxiom. Beispielsweise halte ich die Schlussfolgerung, dass nur ein Gott, der dem Weihnachtsmann ähnelnd als gutmütige, allmächtige Person visualisiert werden kann, wirklich Gott genannt werden darf, während alles andere „Natur“ bleibt, für eine stark vereinfachende und falsche Ansicht.
Ich habe ja schon mehrfach meine Abneigung gegen den Konstruktivismus geäußert, in dem ich ihm eine anthropozentrische Überheblichkeit zuschreibe. In dem Zusammenhang mit der Fragestellung fällt mir dazu ein Argument ein, welches ich für meinen Teil als schlagend ansehe. (Im übrigen kann ich mich keinesfalls als Philosophen bezeichnen und daher kann es sein, dass es mir an Verständnis des Konstruktivismus handelt.) Die Wahrheit ist eine Funktion der Zeit, hat einmal ein österreichischer Politik gerne zitiert. Wie ich den Konstruktivismus verstehe, akzeptiert er nur das, worüber man sprechen, worüber man sich verständigen kann. Die Menge jener Inhalte verändert sich nun mit der Zeit, und zwar nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ. Den Verlust des anthropozentrischen Weltbildes in den letzten paar tausend Jahren brauche ich hier nicht zu strapazieren. Selbst im letzten Jahrhundert wurden Erfindungen noch mit der Begründung abgelehnt, dass das nie funktionieren könnte. (Wir scheinen hier eine Nebenantwort zur gestellten Frage zu bekommen: manche kulturelle Höchstleistungen entstehen trotz des Widerstands der Kirche. Kirche und Religion sind aber eher Gegensätze als Synonyme.)
Es gibt Inhalte, die sich Menschen ausdenken können, welche Realität werden. Eines der schönsten Beispiele sind die Romane von Jules Verne. Es gibt aber auch menschliche Fabulierwerke, die wir vermutlich (!) nie erleben werden. Zur Zeit gehört die Zeitreise noch dazu. Aus meinem heutigen Verständnis sind Zeitreisen unmöglich und ich wäre bereit, dies auch bindend für die Zukunft zu behaupten. Trotzdem irre ich mich wahrscheinlich.
So glaube ich z.B., dass die Lichtgeschwindigkeit als Schranke nicht bleiben wird. Aber hier handelt es sich um eine Deductio nach dem Muster credo, quia absurdum. (Ich glaube es gerade deswegen, weil es absurd klingt.) Alle bisherigen Grenzen wurden überschritten, es besteht keinerlei Veranlassung zu glauben, dass wir gerade zum Zeitpunkt t (wobei t nach unserer zeitmessung in etwas 2*10³ Umlaufjahre nach der Gründung einer bestimmten Religion ist) auf einmal EINE Wahrheit gefunden haben sollten.

Die Suggestion

Ist die Antwort ja oder nein? Im mathematischen Sinne reicht es aus, wenn für eine einzige Leistung dargestellt werden kann, dass der Leistende erstens selbst areligiös war. Zweitens muss er die Leistung selbst erbracht haben, sonst wird der Nachweis schwierig, warum ihm die anderen geholfen haben. Kann die Leistung im luftleeren Raum entstehen? Da drängt sich die Frage auf, wie Astronauten mit ihrer Religion umgehen, wenn sie sich viel mehr als andere Menschen ihrer Nichtigkeit angesichts des Weltraums bewusst werden müssen.
Im Sinne einer mathematischen Antwort bin ich gewillt zu glauben, dass es auch kulturelle Höchstleistungen ohne Religion geben kann. Schließlich reicht eine oder zumindest zwei, um die Frage schlüssig mit Ja zu beantworten.
Im Allgemeinen (Und seit dem zwanzigsten Jahrhundert sollten wir gelernt haben, statistisch zu denken.) wird aber die Mehrzahl der Fälle zeigen, dass bei jeder persönlich initiierten Höchstleistung ein inneres Glaubensprinzip im Spiel ist. Natürlich lässt sich hier auch die Trotzreaktion mit einschließen: ich glaube an nichts, aber ich zeige es euch trotzdem.

Die Frage, die sich dann aber mir stellt, ist folgende: was treibt einen Menschen zu Höchstleistungen, wenn sich selbst nur als Zufallsprodukt der Natur sieht. Wenn er die ganze Natur selbst als Zufallsprodukt ansehen muss. Ex nihilo nil fit. Aus Nichts wird nichts. Ich denke, dass Personen, die so denken, prinzipiell zumindest unser Universum als Laborversuch oder Spaß sehen müssten, den irgendwas verursacht hat. In so einem Fall werden auch sämtliche Theodizeen überflüssig, den der Veranlasser eines solchen Experiments würde tunlichst nicht eingreifen wollen. Er will vielleicht nur, dass sich ein lebensfähiges System entwickelt.
In diesem Sinn rege ich ein Gedankenexperiment an, bei dem ich selbst schon gescheitert bin. Man nehme sich irgendein Detail in unserem Leben und versuche Gott zu spielen, bzw. zu denken. Was könnte man besser arrangieren. Ohne Nebenwirkungen. Eine gute Studie dazu hat einmal Dieter Dörner mit seinem Tanaland und Lohausen geliefert.

Die Frage bleibt aber: what makes a man tick, der sich zur Areligiösität bekennt und darüber hinaus sein eigenes Dasein als ausschließlichen Zufall ansieht.

Sonntag, 1. März 2009

70

Eine Frau, die ich sehr verehrt und geschätzt habe.
Ich mochte auch sehr, wenn sie gesungen hat. Ihre erste Chanson-Platte habe ich mir oft angehört.

Dienstag, 22. Juli 2008

Merwkürdig, dass

das Ableben von Michael Aichhorn zwar bei orf.at und Die Presse vermeldet wird, es aber am Standard unbeachtet vorbei geht.

http://www.michaelaichhorn.com/

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