Lesen

Dienstag, 11. März 2008

Unglaublich schön, rührend - und Angela Winkler

Leider bin ich ja dieses Wochenende wieder einmal verhindert, einer Lesung der Testsiegerin zu lauschen, aber vielleicht wäre ich auch so gar nicht aufmerksam gewesen.
Heute war ich in einer Veranstaltung in den Ehrbar-Sälen, wo Angela und Nele Winkler, begleitet von Ulrike Arzet auf der Trompete, Märchen von Hans Christian Andersen vorlasen.
Ich zitiere hier einmal die Einladung:

"Die zwei Frauen auf der Bühne sind Mutter und Tochter, doch ihre Sicht auf die Welt, ihr Spiel, ihre Ausdrucksweise könnten nicht verschiedener sein, denn die eine ist geistig behindert. Und gerade das macht ihre gemeinsame Lesung von Hans Christian Andersens Märchen so ergreifend und so charmant."

Berliner Zeitung

Angela Winkler machte zunächst eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart, doch die Leidenschaft fürs Theater führte sie nach München. Dort erhielt sie Schauspielunterricht bei Ernst Fritz Fürbringer. 1967 erhielt sie ihr erstes Theaterengagement in Kassel, anschließend spielte sie in Castrop-Rauxel.
1969 erhielt sie die Hauptrolle als Dienstmädchen Hannelore in dem Film Jagdszenen aus Niederbayern von Peter Fleischmann. Über diesen Film entdeckte sie Peter Stein für seine Berliner Schaubühne. Dort blieb sie von 1971 bis 1978.
Ihr nächster Film Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Volker Schlöndorff nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll machte sie 1975 bei Kritik und Publikum zum Star. Sie erhielt für ihre Rolle der Katharina Blum das Filmband in Gold. 1979 spielte sie die Mutter von Oskar Matzerath in Schlöndorffs Oscar-prämierter Film-Adaption Die Blechtrommel des gleichnamigen Romans von Günter Grass und wurde damit international bekannt.
In den letzten Jahren hat sich Angela Winkler vor allem auf ihre Theaterarbeit konzentriert und erschien nur selten auf der Leinwand oder im Fernsehen. Herausragend waren dabei die Arbeiten mit Peter Zadek: er besetzte sie 1999 als Hamlet oder aktuell 2004 am Berliner Ensemble als Mutter von Peer Gynt.
Angela Winkler ist mit dem Bildhauer Wiegand Wittig verheiratet und Mutter von vier Kindern. Ihre Tochter Nele wurde mit einem Down-Syndrom geboren; sie trat in die Fußstapfen ihrer prominenten Mutter und steht regelmäßig im Berliner Theater RambaZamba auf der Bühne.

Kinder mit Down-Syndrom besitzen einen enormen sozialen Wert. Das habe ich von meiner Frau gelernt. Sie strahlen Frieden und Liebe aus und das war auch bei den im Saal Anwesenden bemerkbar.
Die Show auf der Bühne, - man darf schon auch von Show sprechen - war von spürbarer Zärtlichkeit getragen. Eine derartige Form von Vortragsarrangement habe ich noch nicht erlebt. Das erste Märchen "Die Prinzessin auf der Erbse" wurde von Nele allein gelesen. Die anderen wurden in Doppelconference vorgetragen. Dazwischen wunderbare sanfte (!) Trompetentöne. Nele spielt selbst auch Trompete und gab als Zugabe den lieben Augustin.
Dazu hat Angela Winkler eine Stimme, die ich für mich als das weibliche Pendant zu Oskar Werner betrachte. (nicht im Klang sondern in der Qualität) Ein Glockenton, den sie auch genauso im Gesang vermitteln kann, der sämtliche Schattierungen beherrscht und durch unmerkliches (es muss aber irgendwie da sein) Spiel unterstützt wird. Diese Frau ist 64 und schaut auch weit jünger aus, doch wenn man die Augen schließt, könnte man sie für einen Teenager halten, wenn da nicht diese absolut genaue, auf den Punkt gebrachte Intonation wäre. Von der Sprache ist nichts dem Zufall überlassen, doch im Spiel mit ihrer Tochter, im gegenseitigen Aufeinandereingehen, schimmert mehr durch, als ich je auf einer Bühne sehen könnte.
Leider reist sie morgen schon nach Berlin zurück. Aber sie kommt sicher wieder einmal nach Wien. Und in Berlin kann man sie ja wohl auch erleben.

Sonntag, 17. Februar 2008

Tip

Ein nettes Forum für Leseratten habe ich gefunden.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Glück gefunden

in Minima Moralia

...
Mit dem Glück ist es nicht anders als mit der Wahrheit: Man hat es nicht, sondern ist darin. Ja, Glück ist nichts anderes als das Umfangensein, Nachbild der Geborgenheit in der Mutter. Darum aber kann kein Glücklicher je wissen, daß er es ist. Um das Glück zu sehen, müßte er aus ihm heraustreten: er wäre wie ein Geborener. Wer sagt, er sei glücklich, lügt, indem er es beschwört, und sündigt so an dem Glück. Treue hält ihm bloß, der spricht: ich war glücklich. Das einzige Verhältnis des Bewußtseins zum Glück ist der Dank: das macht dessen unvergleichliche Würde aus.

[Theodor W. Adorno]

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