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Dienstag, 20. Oktober 2009

Die große Stille 6

6. Kapitel
(zum Anfang)


Wenn die Schule zu Ende ist, dann kann man mit einer Ausbildung für einen Beruf beginnen.
In der Ausbildung ist man ein Anfänger im Beruf.
Man lernt, wie man mit dem Werkzeug arbeitet. Man lernt auch, was in den Fachbüchern steht. In einem Fachbuch für Maler steht zum Beispiel welche Farbe man braucht, um die Tapete im Zimmer zu streichen.
Es gibt viele Ausbildungen. Eine Ausbildung dauert 2 oder 3 Monate. Eine andere Ausbildung dauert mehrere Jahre.
Wenn die Ausbildung zu Ende ist, dann macht man eine Prüfung. Man bekommt ein Zeugnis.
Das Ziel der Ausbildung ist ein Berufsabschluss.

Alle behinderten Menschen haben ein Recht auf eine Ausbildung.
Gehörlose und schwerhörige Menschen müssen gut lernen können.
Zum Beispiel: Die Maschinen müssen Lichtsignale haben.
Die Ausbilder brauchen Gebärden.
In den Arbeitsblättern sind Bilder und Zeichnungen.
Das bedeutet: Die Ausbildung ist angepasst.

Wenn man eine gute Ausbildung hat, dann hat man auch eine gute Zukunft!

Information für gehörlose und schwerhörige Menschen mit zusätzlichen Handicaps
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Projekt imh
Leitung: Prof. Dr. Manfred Hintermair


Es war für alle überraschend, wie rasch sich das Leben komplett umgestellt hatte. Ein Leben ohne Sprache, in dem teilweise Menschen bevorzugt waren, die vorher aufgrund ihrer Taubheit Schwierigkeiten hatten oder vom Ausgeschlossensein bedroht waren. Jetzt waren sie gesucht. Als Lehrer, als Dolmetscher, in den wesentlichen administrativen Bereichen.
An zwei Stellen waren die Auswirkungen besonders groß: in der Politik und im Bildungswesen. In der Politik machte sich ein sehr positiver Effekt breit. Es gab Ähnlichkeiten zu den Nachkriegszeiten, wo die Sachprobleme über das parteipolitische Hickhack dominierten. Das galt sowohl national als auch international. Ganze Nationen, die ein Vierteljahrhundert noch energisch auseinandergestrebt hatten, bildeten jetzt wieder Zweckbündnisse. Sogar der Bereich der ehemaligen Sowjetunion war enger zusammengerückt. Am wichtigsten erschien das Handelswesen und die Versorgung mit Nahrung und Rohstoffen. Die Börsen funktionierten eigenartigerweise, allerdings waren manche Firmen verschwunden wie z.B. sämtliche Unternehmen der Unterhaltungsindustrie-
Im Bildungswesen war es katastrophal. Es gab viel zu wenige Lehrer, die sich auf die veränderte Situation einstellen konnten. In den Kindergärten lief es recht gut. In den Volksschulen traten die Schwierigkeiten auf, dass es noch keine eindeutigen Richtlinien gab, was man den Kindern unter den veränderten Zuständen hätte beibringen sollen.
Die Haupt- und Mittelschulen lösten sich bis auf ein paar wenige Privatschulen auf. Niemand verstand, was ein Lehrer in einer Schule beibringen konnte, was man nicht selber lesen konnte. Im Gegensatz zu manchen Hochschulen gab es keine Infrastruktur, die einen interaktiven Zugang über Chat oder Foren ermöglicht hätte. Die arbeitslosen Lehrer wurden mit einer etwas höheren Mindestabsicherung versorgt, was für die meisten Betroffenen zu wirklichen Härtefällen führte. Als Gegengewicht konnte man allerdings beobachten, dass das Leben an sich billiger wurde. Man verstand sich ja bereits im eigenen Land nur schwer. Auslandsreisen waren damit sehr unattraktiv geworden. Das Paradoxe an der Situation war die materielle Zufriedenheit der Menschen. Obwohl das stark negative Wirtschaftswachstum die Arbeitslosenzahlen an die 50% herangeführt hatte und sozusagen ein Viertel der Erwachsenen die Güter für alle anderen erwirtschaften mussten, reichte die Mindestabsicherung aus, um sich Wohnen und Nahrung und medizinische Versorgung leisten zu können. Den Bauern ging es besser als zu anderen Zeiten, dafür waren andere Berufsgruppen sogut wie tot. Bei den meisten schlug sich die Situation auch auf die Libido nieder, was nach zehn Jahren zu einer zweistelligen Geburtenrückgangsrate führte. Weltweit. Die größten Rückgänge hatten gerade die Länder zu verzeichnen, die sich sonst durch stetiges Wachstum ausgezeichnet hatten. Die Bevölkerung von China hatte in den letzten drei Jahren um acht Prozent abgenommen. Indien hatte einen Rückgang um zwölf Prozent zu verzeichnen.
Die Hochschulen und Universitäten funktionierten noch. Es gab vier Hauptströmungen: Medizin, Soziologie, Naturwissenschaft, vor allem Physik und Ingenieurswesen. Die Studenten an den technischen Hochschulen konnten sich ein Zubrot verdienen, sofern sie elektronisch ausgebildet waren. Sie richteten elektronische Inseln in den anderen Lehrstellen ein, die ähnlich wie das System in der UNO aufgebaut waren. Sie versuchten auch krampfhaft, Verbindungen zwischen den einzelnen Häusern zu schaffen, in dem sie mit optischen Richtstrecken die ungeschützte Distanz zu überbrücken versuchten. Das klappte sogar, war aber bei den Nahtstellen so anfällig, dass es selten benutzt wurde. Jedenfalls kann man sich die Vorlesungen und Seminare wie riesige LAN-Parties vorstellen, wobei es hier nicht um Spiele sondern um Forschung ging.
Die Soziologie beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage, wieso der Ausfall von Sprache eine so radikale und vor allem rasche Änderung herbei führen konnte. Es gab keine schlüssige Erklärung dafür. Die Realität triumphierte über alle möglichen Theorien. Man hätte mehr negative Auswirkungen erwarten. Positive Auswirkungen kündigten alle Modelle erst in einem Zeitraum von vierzig bis fünfzig Jahren an. Diesbezüglich hatte eine unheimliche Beschleunigung stattgefunden. Nach drei Jahren liefen sich anarchische und terroristische Übergriffe tot. Nach zehn Jahren hatte sich eine stabile Gesellschaftsform herausgebildet, deren Mitglieder sogar einen zufriedenen Eindruck machten.

Die esoterischen Interpretationen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Die Kirchen hatten es relativ einfach. Sie konnten eine Strafe Gottes unterstellen, ähnlich einer zweiten Sintflut. Die Idee war nicht so abwegig. Im Manuskript fand sich eine ähnliche Darstellung, die allerdings keine Sintflut unterstellte.

Nachdem ich feststellen konnte, dass die ethischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Musik stellten, in immer engeren Zeiträumen auftraten und mit immer negativeren Resultaten in Verbindung gebracht werden konnten, stellte ich eine Vermutung an. Entsprach der Entzug von Musik einer Vertreibung aus dem Paradies? Hatte der Mensch die Droge Musik so weit missbraucht, dass sie ihm entzogen werden musste? War der freie Wille gerade anhand der Musik in ein Gebiet geraten, dass ihm nicht zustand? Ich musste an die Lieder denken, die von den Nazis gesungen wurden. Genau die gleiche Beeinflußbarkeit des Menschen setzten die Amerikaner bei ihren Ausbildungsprogrammen ein, wenn sie die Leute im Takt laufen ließen. Mit einer glorreichen Kriegsmusik im Hintergrund verlieren die Soldaten sogar viel von ihrem Selbsterhaltungstrieb. Ich möchte hier aber festhalten, dass es mir bei meiner Erklärung nicht um Mystifikation oder religiöse Unterstellung gelegen ist. Es steht allerdings fest, dass jemand uns die Musik entzogen hat.(Aus dem Manuskript)

"Willst Du an dem Sprachseminar teilnehmen?" chattete Albert Natalia an. Sie befanden sich im Hörsaal 1 der soziologischen Fakultät. Die Soziologie wurde tatsächlich als neue Fakultät gehandelt und beinhaltete eine Reihe von Instituten, die man sonst in Medizin, Jus, Philosophie vermutet hätte. Der Hörsaal selbst war bei den Technikern am Karlsplatz untergebracht.
Das Sprachseminar hatte nicht wirklich etwas mit echtem Sprechen zu tun. Es ging um die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Musik und Sprache. "Das bringt ja nichts. Wenn wir etwas herausfinden, wird es sicher unterdrückt." schrieb Natalia zurück. Das stimmte. Die Regierung hatte das Recht, von sämtlichen Unterhaltungen und Ergebnissen Mitschnitte zu erhalten. Diese wurden täglich von einer eigenen Kommission eingesehen und im vermeintlichen Bedarfsfall wurden die Daten gelöscht. Aus den Instituten konnte nichts hinausgelangen. Die Studenten mussten sich bis auf eine kondomartige Sichtschutzbekleidung ausziehen, um die Kontrollen zu passieren. Alles Nichtorganische wurde beanstandet und der Student solange festgehalten, bis die Unverdächtigkeit auf Datentransport bestätigt wurde.
Diese Verfahrensweise machte einigen Studenten große Schwierigkeiten, die einmal Unfälle gehabt hatten und irgendwo im Körper ein Stück Titan als Verheilungshilfe oder zwecks Stabilität einoperiert bekommen hatten. Zahnkronen durften überhaupt nur mehr in einer Art keramikähnlichen Kunststoff verwendet werden.
Im Laufe der Zeit hatte es die fantasievollsten Versuche gegeben, Information nach außen zu bringen. So gab es auf der Technik Untersuchungen zur Speicherung von Daten auf Tesafilm. Ein Student hatte die benützt, um eine Folie zu beschreiben, die er dann als Pflaster auf dem Körper hinausschmuggeln wollte. Er hätte es fast geschafft, doch eine der Kontrollorinnen hatte das Pflaster gesehen und ohne darüber nachzudenken durch ein neues ersetzt. Keine Artefakte aus dem Institut verlassen das Haus. Die Daten landeten im Papierkorb und dem Studenten passierte nichts, doch war es ein ziemlicher Rückschlag. Dabei ging es nicht einmal um bestimmte wichtige Informationen. Man wollte einfach das System knacken.
Die Überwachungen und Sicherheitsmaßnahmen waren nicht durch Misstrauen begründet. Die Politiker hätten sich gewünscht, dass die Studenten und Professoren etwas Signifikantes entdecken könnten. Daher gab es auch keine direkte Online-Überwachung. Man musste dem menschlichen Geist schon einen gewissen Freiraum lassen. Der wesentliche Motor für alle Restriktionen war Angst. Es gab keine Erklärung, warum es keine Musik mehr gab. Es gab keine Erklärung, warum kurz darauf die Menschen das Sprechen verlernten. Obwohl noch nicht von einer ausdrücklichen Xenophobie zu sprechen war, hatten die Regierenden die Angst, dass ihnen etwas oder jemand die Kontrolle aus der Hand genommen hatte. Musik und Sprache waren tabu. Sie wollten nicht die unbekannte Macht reizen, in dem sie Beschäftigungen mit dem Thema zuließen. Tatsächlich waren sie selbst aber die Neugierigsten.
"Es soll ein Neuer vortragen, der angeblich neue Theorien hat." antwortete Albert.
"Na gut. Dann setze ich mich zu dir und schaue bei dir zu." Albert frohlockte. Er hätte sich nichts Schöneres wünschen können. Das Flirten war schwierig geworden. Zärtliche Blicke konnten leicht missdeutet werden und getextete Ansprachen waren vielleicht zu aufdringlich.
Am Nachmittag nahm sie den Platz neben Albert ein. Dieser öffnete das Chatfenster und wollte sich anmelden, da stieß ihn Natalia an und zog die Tastatur zu sich. Sie tippte: "Ich mag dich auch." und schaute zu ihm. Als sie sicher war, dass er es gelesen hatte, löschte sie mit den Text komplett weg. Der Tatstaturpuffer wurde nicht geloggt oder übertragen.
Albert lief rot an und schluckte. Jetzt wusste er nicht, wie er sich verhalten sollte. Verlegen tippte er seine Matrikelnummer ein und drückte die Enter-Taste. Es meldete sich der automatische Begrüßungsschirm des Seminars.

Fortsetzung folgt

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Montag, 19. Oktober 2009

Die große Stille 5

5. Kapitel
(zum Anfang)


Was also machen glückliche Ehepaare anders als der Rest? Sie reden gerne miteinander, und sie sorgen aufmerksam für das Wohl des anderen. Im Schnitt reden Ehepartner nach ein paar Jahren aber gerade sechs bis zehn Minuten täglich miteinander.
John Gottmans, Beziehungsforscher


Artana und Klaus stehen sich gegenüber. Sie setzen sich an den Tisch in der Küche. Fast gleichzeitig ziehen sie einen Notizblock heraus und beginnen zu schreiben.

Zettel Artana: "Wir müssen reden."

Zettel Klaus: "Ja, wir müssen reden." Unmittelbar und direkt.

Zettel Artana: "Aber nicht hier."

Zettel Klaus: "Wo?"

Zettel Artana: "Kennst Du einen sicheren Ort?"

Zettel Klaus: "Ich war bei meinem Vater."

Artana stutzte. Vor ihrem Schwiegervater hatte sie einen Heidenrespekt. Als alter Herr machte er zwar einen sehr harmlosen Eindruck, doch hatte sie den Eindruck, dass er mehr durchschaute, als ihr lieb war. Sie wußte nicht, was er ihrem Mann erzählt hatte.

Zettel Artana: "Worüber habt ihr gesprochen?"

Zewttel Klaus: "Er riet mir, mit dir zu sprechen." .

Artana dachte nach. Wenn das stimmte, was sie vermutete, und wenn ihr Schwiegervater Klaus zu ihr geschickt hatte, konnte das nur bedeuten, dass er Klaus vertraute. Das war aber etwas, was sie bisher nicht tat. Nicht, weil sie ihm grundsätzlich misstraute. Aber Klaus hatte eine technische Anstellung, die mit dem Innenministerium zu tun hatte. Er hatte also einerseits eine Sicherheitseinstufung, andererseits bedeutete das aber auch, dass er verpflichtet war, alles zu melden, was als "Abweichung" gewertet werden konnte. Es gab zwar keine Gesetze, in denen "Abweichungen" beschrieben waren, doch wusste jeder, dass alles was mit Sprache oder mit Musik zu tun hatte, als gefährlich eingestuft wurde.

Zettel Artana: "Sollen wir noch einmal gemeinsam zu deinem Vater gehen?" klopfte sie auf den Busch.

Zettel Klaus: "Nein. Ich war erstens etwas nachlässig und weiß nicht, ob es dort noch sicher ist. Außerdem will ich meinen Vater da nicht mit hineinziehen. Aber das sollten wir wirklich nicht hier besprechen."

Zettel Artana "Gehen wir ins Bett!" Gemeinsame Schlafzimmer waren effizient abgeschirmt und videoüberwachungsfrei. Doch es war absolut tabu, dort etwas zu bekritzeln, was nicht zum Eheleben gehörte.

Es war einige Zeit her, dass Artana zuletzt mit ihrem Mann geschlafen hatte. Er schien nicht ganz bei der Sache zu sein, obwohl er sich Mühe gab. Artana machte es nichts aus. Was sie hoffte, war ein Gefühl dafür entwickeln zu können, wie weit sie ihrem Mann vertrauen konnte. Der Sex gab diesbezüglich nichts her. So kam sie nicht weiter. Sie versuchte Klaus auf den Bauch zu drehen. Als es ihr gelungen war, zeichnete sie Buchstaben auf seinen Rücken. V, E, R, T R, ... und so weiter. Als sie das Wort zu Ende hatte, stupste sie ihn an. Klaus klopfte mit der flachen Hand einmal auf das Leintuch. Das war einmal ihr Spiel gewesen. Rückenlesen. Einmal klopfen bedeutete ja, zweimal nein. Artana fing noch einmal an: vertraustdumir. Einmaliges Klopfen.

Vertrauichdir. Keine Antwort. Wie sollte Klaus auch wissen, ob sie ihm vertraute. Sie versuchte es noch einmal:

sollichdirvertrauen. Dreimaliges Klopfen. Das bedeutete: ich weiß es nicht.

Mit dieser Antwort kam sie nicht weiter. Es war eine total verkorkste Situation. Sie wusste ja nicht einmal, wonach sie ihn fragen sollte. Denn jeder Hinweis darauf, dass sie etwas über das Manuskript wusste, würde ihn bereits in eine Zwickmühle versetzen, bei der sie nicht wusste, wie er reagieren würde.
Sie beschloss die Flucht nach vorne:

vaterwas fuhr sie buchstabenmäßig auf seinem Rücken und klopfte danach auf seinen Rücken. Danach legte sie sich selbst auf den Bauch. Artana wusste nicht, dass Klaus auch die Gebärdensprache beherrschte. Die ganze Unterhaltung hätte sich leichter gestalten können. Allerdings war es im Schlafzimmer finster. Es gab keine Beleuchtung in Schlafzimmern. Im Gegenteil, selbst Restlichtkameras hätten hier versagt, weil es eine Art Dunkelfeldgenerator gab, der nur Schwärze ausstrahlte.
Jetzt war Klaus dran.

wennichessagegefahr

neuer Anlauf:

gefahrfürdich

Fortsetzung:

undfürmich

vatersagtaber

ichsolldirvertrauen

hastdugehörtvon

Klaus machte eine Pause. Danach:

manuskript. Klopfen auf den Rücken.

Artana klopfte ganz schwach einmal mit der Hand.

Klaus streichelte Artana ganz sanft mit der Hand über den Hintern, dann wälzte er sich weg und stand aus dem Bett auf. Er verließ das Schlafzimmer und kam nicht zurück. Artana, die eine Zeit gewartet hatte, stand schließlich auch auf. Klaus hatte die Wohnung verlassen, aber einen Zettel dagelassen. Auf dem Zettel stand eine Buchstabenziffernfolge, die sie als Wegbeschreibung erkannte. Der beschriebene Endpunkt musste ungefähr zwei Stunden außerhalb der Stadt sein. Allerdings war die Richtung genau gegengesetzt zu ihrem geheimen Treffpunkt. Sie fragte sich noch, wann sie dorthin aufbrechen sollte. Als sie zufällig in den Spiegel blickte, konnte sie einen weiteren Zettel erkennen, der ziemlich unauffällig zwischen Büchern eingereiht war. Er sah wie ein Lesezeichen aus. Auf dem Lesezeichen stand "sofort".
Sie dachte, dass ihr Mann offensichtlich ganz geschickt in derartigen Abmachungen und Anordnungen war. Sie überlegte noch, ob sie das Fahrrad mitnehmen sollte und entschied sich dafür. Schlimmstenfalls war sie zu früh dort. Das konnte kein Fehler sein.
Zwei Stunden später landete sie in angabengemäß in einem Waldstück. Es war niemand da. Doch während sie überlegte, was sie tun sollte, vernahm sie ein Geräusch. Dreißig Meter von ihr entfernt stand Klaus und bedeutete ihr in Gebärdensprache, dass sie zu ihm kommen möge. Als sie auf zwei Meter herangekommen war, fing er in Gebärdensprache zu reden an: "Egal was passiert, bitte vertraue mir. Ich liebe dich, ich will dich nicht in Gefahr bringen. Wenn Vater nichts gesagt hätte, hätte ich dich aus allem herausgehalten." Dann trat er auf sie zu und umarmte sie. Artana hatte das Gefühl, dass sie mehr über ihren Mann wusste als er über sie.

Klaus bedeutete ihr: "Wir müssen reden lernen."

Fortsetzung

copyright 2009 by steppenhund

Sonntag, 18. Oktober 2009

Die große Stille 4

4. Kapitel
(zum Anfang)

Bei den Untersuchungen zur Musikgeschichte und des Einflusses der Musik auf den Menschen fand ich heraus, dass die Kirchenmusik des frühen Christentums sich auf Gesang beschränkte. Die Begründung der Abgrenzung vom jüdischen Tempeldienst und manchen heidnischen Kulturen, wie sie Hieronymus angab, wurde etwas aufgelockert, als Clemens von Alexandria die Verwendung der Harfe oder Khitara gestatete, da König David ein ähnliches Instrument zum Lobe Gottes benutzt hatte.
Von den vier Beschränkungen, welche die katholische Kirche über die Kirchenmusik ausgesprochen hat, war die Encyclica "Docta Sanctorum Patrum", die 1562 im Konzil von Trient ausgesprochen wurde, deswegen besonders augenscheinlich, weil sich eine ganze Oper mit der Geschichte von Giovanni Pierluigi da Palestrina beschäftigt, der in einer verklärt dargestellten Form die Kardinäle mit seiner Missa Papae Marcelli vom Nutzen der polyphonen Musik für die Andacht bein Gottesdienst überzeugt. Es ging hier also nicht einmal so sehr um die Musik sondern um die Vielstimmigkeit. Ähnliche Auseinandersetzungen gab es auch im Islam.
Es ist hier also bereits erkennbar, dass der Einfluss von Musik nicht nur erkannt sondern auch hinterfragt wurde. Wie kommt es nun aber zur hinterfragten Mehrstimmigkeit? Entstammt die einer natürlichen Anpassung des Menschen an die Natur. Man könnte das vermuten, wenn man Vogelgezwitscher im Wald lauscht. Hier erscheint eine Vielfalt unterschiedlicher Vogelmelodien als angenehmer Zusammenschluss und erzeugt sogar Wohlgefühl. Allerdings ist keine Harmonielehre der Vogelstimmen bekannt, wie sie bei den Kompositionen der Menschen immer stärker Bestimmung wurde. Ich markiere als 1562 als einen Markstein in der menschlichen Geschichte, an der die Musik ernsthaft in Frage gestellt wurde, vergleichbar der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies.

(Aus dem Manuskript)


Der emeritierte Professor Kurt Hoffmann grübelte. Er war nicht sehr vom Manuskript überrascht worden. Die Aussagen darin waren schon mehrfach spekuliert worden und selbst in seinem Fach Philosophie wurden die entsprechenden Thesen ernsthaft erörtert. Er musste allerdings zugestehen, dass der Verfasser des Manuskripts recht mit seiner Behauptung hatte, dass die Musik in der Philosophie vernachlässigt würde. Das stimmte in der Tat und es war überraschend, dass es unter Ärzten und Technikern viel mehr Musikliebhaber als unter den Philosophen gegeben hatte. Ja selbst Einstein musste man in dieser Richtung den Technikern zuordnen, auch die Naturwissenschaftler schienen mehr von Musik zu verstehen als die Philosophen. Wieviel Auswirkung die Musik auf den Menschen hatte, wurde zwar in Psychologie untersucht, doch irgendwelche Implikationen auf "die wichtigen Fragen" des Lebens wurden nicht angesprochen.
Wenn man es genau nahm, galt dasselbe ja auch für Nahrung. Keine Philosophie beschäftigte sich je mit der Frage, warum der Mensch nicht auf andere Weise seinen Energiehaushalt decken könnte. Warum leben tierische Zellen nicht einen Chlorophyllhaushalt. Gab es da einen Zusammenhang zum Reflexionsvermögen, überhaupt einmal zum Denkvermögen?
Hoffmann dachte nach. Einerseits beschäftige ihn die Frage, ob er seinem Sohn den richtigen Rat erteilt hatte, andererseits grübelte er, ob man an der bestehenden Situation irgendetwas ändern hätte können. Hätte man etwas geändert, wenn man das Ausmaß der Veränderung rechtzeitig erkannt hätte.
Er hatte seinem Sohn geraten, sich mit seiner Frau zu besprechen. Er wusste über Artana, dass sie in einer Art Untergrundbewegung war. Er wusste auch, dass das Manuskript möglicherweise als regierungsfeindlich angesehen werden konnte. Die Vorsichtsmaßnahmen waren sicher nicht unnotwendig gewesen. Ein bisschen schimpfte er noch still mit seinem Sohn in sich hinein, weil er erst so spät die Schutzschirme aufgestellt hatte.


In einem kleineren Sitzungssaal der UNO saßen die Innenminister der G20 zusammen. Seit es keine Musik und kurz darauf später keine vokalen Gespräche mehr gab, waren Kriege, sei es Handel oder militärisch ziemlich rasch beendet. Es gab keine wirkliche Erklärung bisher dafür, wenn man vom Naheliegenden absieht, dass kein Mensch sofort losstürmt, wenn ihm ein Befehl erst einmal schriftlich vermittelt werden muss und der Eindruck des Angebrülltwerdens stark verblasst. Die Länder hatten momentan andere Probleme, die nicht durch außenpolitische Ablenkung zu lösen waren. Anarchisten, die anfänglich noch versucht hatten, aus der veränderten Situation Kapital zu schlagen, mussten erkennen, dass sie nicht durchdrangen. Terrorhandlungen konnten nicht wirksam angekündigt werden, damit erreichten sie lediglich lokale Bedeutung. Der Bürgerschutz und die Aufmerksamkeit nahm zu und nach einiger Zeit nahmen Terroraktivitäten deutlich ab.
Das Problem der G20 war ein anderes. Obwohl sie nicht in Kenntnis "des Manuskripts" waren, hatten ihre Geheimdienstler die Aussage des Manusskripts als sehr wahrscheinlich dargestellt. Ohne noch das Manuskript zu kennen, fürchteten die Befehlshaber, dass die Kenntnis des Manuskripts die Bevölkerung zu unüberlegten Handlungen hinreißen könnte. Eine dieser befürchteten Handlungen betraf das Erlernen des Sprechens. Die Geheimdienste waren mit ihren Forschungen gar nicht so sehr auf dem Holzweg, nur die Schlussfolgerungen, die sie selbst zogen, waren rein spekulativ und, wie sich noch herausstellen sollte, falsch.

Der kleine Sitzungssaal war strengstens abgeschirmt. Die Teilnehmer verständigten sich in Chat-Manier. Innerhalb des Sitzungssaal war ein abgeschottetes Netzwerk ohne Verbindung nach außen errichtet. Das benutzte Protokoll war das von Skype, das noch immer als das sicherste galt. Die Gerüchte, dass die Verschlüsselung von Skype vom israelischen Geheimdienst stammte, konnten bisher weder bewiesen noch wiederlegt werden.

In der Sache Manuskript kam folgender Chat zustande:

[Th. Okt 16 2025 22:47:02] India: the meeting is opened: agenda: knowledge transfer (Das Treffen ist eröffnet, Agenda Wissenstransfer)
[Th. Okt 16 2025 22:47:16] Russia: source? (Quelle)
[Th. Okt 16 2025 22:47:29] India: vienna, austria
[Th. Okt 16 2025 22:47:38] USA: reliability of source? (wie zuverlässig)
[Th. Okt 16 2025 22:47:48] India: 45%
[Th. Okt 16 2025 22:48:22] GB: what type of transfer? (Inhalt?)
[Th. Okt 16 2025 22:48:49] India: appearance of the manuscript (das Manuskript ist aufgetaucht)
[Th. Okt 16 2025 22:48:58] France: we have heard that before (Alter Hut)
[Th. Okt 16 2025 22:49:15] India: Do we take it seriously? (Nehmen wir die Sache ernst)
[Th. Okt 16 2025 22:49:32] _SYSTEM: 16 no, 3 yes, 1 without decision (geheime Abstimmung, 16 * nein, 3 * ja, eine Enthaltung)
[Th. Okt 16 2025 22:49:43] India: any recommendations (Empfehlungen?)
[Th. Okt 16 2025 22:49:47] France: repeat issue in 28 days (Wiedervorlage in 28 Tagen)
[Th. Okt 16 2025 22:49:56] India: pls vote
[Th. Okt 16 2025 22:50:18] _SYSTEM: 3 no, 17 yes (geheime Abstimmung, 3 * nein, 17 * ja, keine Enthaltung)
[Th. Okt 16 2025 22:50:37] India: decided (ist beschlossen)
[Th. Okt 16 2025 22:50:43] ...


Wie man sehen konnte, wurde die Geschichte nicht ernst genommen. Tatsächlich hatte eine Drohne, eine von den silbernen Kugeln, die am Fenster Kurt Hoffmanns vorbeigeflogen waren, einen Teil des Manuskripttextes empfangen können. Allerdings war der empfangene Teil nicht ausreichend, um wirklich dem Thema zugeordnet werden zu können. Dies erwies sich als ein Glücksfall, wie sich später herausstellte. Nicht jeder der anwesenden Innenminister glaubte überhaupt an die Existenz des Manuskripts.

Kurt Hoffmann wusste nicht, wie knapp er einer sehr unangenehmen Prozedur des deutschen Geheimdienstes entgangen war. Länder, die nicht zu den G20 gehörten, wurden von den Geheimdiensten der Länder betreut, die geografisch nahe lagen.

Fortsetzung

copyright 2009 by steppenhund

Die große Stille (interludium)

Für Menschen, die noch hören...

Die große Stille 3

3. Kapitel
(zum Anfang)

"Die Buchmenschen: jeder war ein Buch. Er hatte es auswendig gelernt und rezitierte es beim Gehen vor sich hin, damit er es im Gedächtnis behielt." (nach Ray Bradbury, Fahrenheit 451)


Obwohl die ganze Gegend etwas verwahrlost erschien, war es ein idyllischer Ort. Am Rande eines Waldes befand sich direkt in der angrenzenden Wiese ein Gebäude, dass einmal als Schule gedient haben mochte. Jedenfalls zeigte die Fensteraufteilung jene Regelmäßigkeit, die auf mehrere gleichartige Zimmer schließen ließ. Der gelbliche Verputz war teilweise arg beschädigt, doch war das Dach in Ordnung, zumindest ließen das die einzelnen andersfarbigen Dachziegel, die sorgfältigt eingefügt waren, vermuten. Der Weg zur Eingangstür war ausgetreten, doch sonst waren äußerlich keine Spuren von Bewohnung festzustellen. Vom Haus weg führte ein ebenfalls ausgetretener Grasweg ungefähr fünfzig Meter zu einem einfachen Pfad mit Traktorrinnen, von denen eine sonderbar blank war, während die andere vom Gras überwuchert wurde. Die Wiese stand hoch mit jeder Art von Pflanzen und Unkraut. In der Ferne konnte man ein Kukuruz-Feld erkennen. Ab und zu flogen kleine Flugzeuge über das Gelände, ohne sich sonderlich um das Gebäude zu kümmern. Ihr Zweck war aussschließlich Beobachtung.
Im Inneren des Hauses sah es etwas anders aus. Hier ließ sich eine Geordnetheit und Zweckmäßigkeit feststellen, die von außen nicht vermutet werden konnte. Das Stockwerk unter dem Dach war mit Solarzellen ausgelegt. Vom Dachstuhl bis zu den Zellen waren es ungefähr vier Meter und die waren auch notwendig, um die Sonnenstrahlen wieder zu entbündeln. In den ausgebesserten Dachziegeln, die nur etwas dunkler erschienen, befanden sich nämlich optische Systeme, die zuerst die Sonnenstrahlen fokussierten und danach wieder auffächerten, damit die Energiemenge gerade die Solarzellen beschicken konnte, ohne sie in Flammen zu versetzen. Im Erdgeschoss konnte man einen sorgfältig gemauerten Brunnen entdecken. Ebenso gab es einen Abfluss zu einer Senkgrube, die aber sehr tief angelegt war. Über deren Entsorgung konnte man keine Anhaltspunkte finden, aber sicher gab es welche. Geheizt wurde mit drei großen Wärmepunpen. Ein Teil der Energie wurde ebenfalls vom Dachgeschoss abgezweigt. Aber es fiel auf, dass die Hauswand, die von außen alt und verkommen aussah, innen zusätzlich isoliert war. Außerdem waren die Fenster selbst hinter den vereinzelt zerbrochenen Außenscheiben mit dreifachem Verbundglas hinterlegt. Die Fenster selbst waren nie geöffnet, doch über vergitterte Schächte, die unauffällig hinter einem Weinbewuchs an der Wand angebracht waren, wurde regelmäßig Frischluft angesaugt und im Haus über ein geschicktes Luftleitsystem verteilt und wieder abgeblasen.
Vom Keller des Gebäudes führte ein Tunnel zu dem Pfad. Wäre man ihm gefolgt, hätte man kurz vor dem Ausstieg eine kleine Kammer sehen können, auf der Monitore die Umgebung anzeigten und auch den Himmel nach allfällig vorbeifliegenden Flugzeugen und Drohnen überprüften.
Im Haus befanden sich zur Zeit sieben Frauen und ein Mann. Der Ort war eines der Klassenzimmer und zwar eines, das für Sprachunterricht ausgerichtet war. Jeder Platz verfügte über Kopfhörer, Computer und Aufzeichnungsgeräte. Doch die Personen beschäftigten sich zur Zeit nicht damit. Artana, die eine leitende Rolle einzunehmen schien, schrieb an die Tafel: "Ich werde jetzt sprechen." Sie schrieb nicht den Text sondern ein Zeichen, welches aus einem Quadrat bestand, das an der rechten Kante von einem offenen Winkel gekreuzt wurde. Der Scheitel des Winkels befand sich im Inneren des Quadrats. Das Zeichen bedeutete "Sprechen" und war ausreichend um im Zusammenhang mit der Körpersprache als Ankündigung verstanden zu werden.
Die Anwesenden verkrampften sich etwas und blickten erwartungsvoll auf Artana.
"Problem!" fing Artana an. Ihre Stimme passte überhaupt nicht zu ihrer Erscheinung. Sie war eine attraktive Frau um die Vierzig mit dunklem, gewelltem Haar, schien sportlich durchtrainiert zu sein, burschikos in Jeans und einer etwas verwaschenen Bluse gekleidet. Diese sehr kindliche, hohe und ungeübte Sprechweise war nicht zu vermuten.
"Manuskript gefunden, mein Mann, gespeichert"
Die Zuhörer schienen unter den Klängen der Worte zu leiden, doch waren sie überaus aufmerksam. Einige Gesichter zeigten Besorgtheit.
"Mann nicht Feind", "doch Gefahr" setzte sie fort, "Handlungsbedarf!"
"Lesen!" Sie teilte acht Exemplare einer Seite aus, die offensichtlich mit einer Schreibmaschine auf eine Matrize getippt und mit einer mechanischen Vervielfältigungsmaschine kopiert worden waren.


Die neue Gefahr

Wir wissen, dass unsere Sprache von jemandem bewusst unterdrückt wird. Wer das ist, wissen wir nicht. Doch als wesentliches Hilfsmittel zur Unterdrückung dienen elektromagnetische Wellen. Zum Teil haben wir die Art, mit der Geräusche verzerrt werden, noch nicht verstanden. Wir wissen aber, dass der Mechanismus besonders stark die Musik beeinflusst hat. In dem Manuskript ist beschrieben, wie und warum es zu dieser Unterdrückung kam. Ich konnte einmal einen Blick hineinwerfen, als mein Mann es auf seinem Schreibtisch liegen hatte. Er nahm es mir weg und deutete mir an, dass es gefährlich sei, den Inhalt zu kennen. Er selbst allerdings hatte etwas vor damit. Soweit kenne ich ihn. Ich weiß aber nicht, was.
Er ist längst nicht so vorsichtig wie wir. Vermutlich hat er es schon eingescannt und der Text liegt elektronisch vor. Wenn das so ist, werden sie, wer immer das ist, mitbekommen. Die Kontrollen werden verstärkt werden und wir sind damit ebenfalls stärker einer möglichen Entdeckung ausgesetzt.
Bitte verfasst Vorschläge, was wir tun sollen. Ich werde sie lesen und zusammenfassen. Danach treffen wir uns morgen wieder hier.


Die Anwesenden lasen das Dokument und der Ausdruck von Besorgtheit auf ihren Gesichtern nahm zu. Danach verließen sie einzeln den Raum, wobei manche zweifelnd auf Artana blickten. Der Mann blieb als letzter. In Gebärdensprache fragte er Artana: "Hast du selbst irgendeine Idee, was wir tun können, was du tun kannst?" - Artana bedeutete ihm: "Nein, ich weiß noch nicht einmal, was mein Mann vorhat. Ich muss zurück und es herausfinden. Vielleicht unterschätze ich ihn ja auch."

Am darauffolgenden Tag trafen sich die acht Menschen wieder. Es gab keine wesentlichen Vorschläge, wenn man dem absah, den Artana bereits in Auge gefasst hat. Sie ging in den Keller, durch den Tunnel, kontrollierte die Monitore und als alles ruhig erschien, schlüpfte sie durch die Falltür, wobei sie ein kleines Paket mit sich zog.
Mit dem Paket trottete sie noch einige hundert Meter auf dem Pfad entlang, dann packte sie das Paket aus. Es war ein kleines Faltrad. Auf diesem fuhr sie die restlichen eineinhalb Stunden in die Stadt. Eine Stunde wäre sie als alleinfahrende Person wohl aufgefallen, doch im Umkreis der Stadt gab es Erholungsgelände auf der viele Menschen Rad fuhren, Fussball spielten oder sich sonstwie vergnügten. Somit war sie nach Erreichen dieser Zone in relativer Sicherheit. In der Stadt selbst stellte sie sich auf ein Förderband. Diese waren einfache mechanische Vorrichtungen, die ausschließlich auf Elektrik beruhten. Sie bewegten sich mit ungefähr zehn Stundenkilometer quer durch die Stadt. Man musste oft umsteigen, was den Bewohnern aber schon lange keine Schwierigkeiten mehr bereitete.
Nach einer Dreiviertelstunde langte sie zu Hause an. Fünf Minuten später kam ihr Mann nach Hause.

Fortsetzung

copyright 2009 by steppenhund

Samstag, 17. Oktober 2009

Die große Stille 2

2. Kapitel
(zum Anfang)

"Musik ist nicht notwendig um das Überleben zu sichern und dennoch begleitet sie die Menschheit über die Geschichte hinweg. Es gibt keine Epoche, die nicht auch mit ihrer Musik charakterisiert werden kann. Seit jeher verbinden die Menschen mit ihr etwas Besonderes, beinahe Göttliches. So geht aus der griechischen Mythologie hervor, dass der Gott Apoll und die Musen den Menschen die Musik gaben, und auch die Musikinstrumente sollten göttlichen Ursprungs sein: der Götterbote Hermes brachte die Lyra, die Göttin Athene Trompete und Schalmei und der Hirtengott Pan die Flöte. Aber nicht nur griechische Mythen berichten von der Musik, auch in Indien erzählt die dortige Mythologie, dass die Göttin Saravati die Tonleiter erfand. Die Chinesen erhielten die Tonleiter von einem Wundervogel und das japanische Saiteninstrument Koto wurde von einem Gott erfunden." (Spitzer Musik im Kopf 2002)


Das Manuskript fuhr fort:

Ich habe mich immer gewundert, warum bei den Fragen über das Leben, werden sie jetzt von der Philosophie oder von der Religion behandelt, die Musik derart vernachlässigt wird. Die Mythen sprechen vom göttlichen Ursprung, die Forschungen unterstreichen den wesentlichen Einfluss von Musik. Trotzdem gibt es kaum Werke, welche den Ursprung der Musik hinterfragen. Ich beschloss daher, mich diesem Thema zu widmen und habe vermutlich den größten Teil meines Lebens mit dieser Frage verbracht.
Ich hatte beschlossen, die Frage zuzuspitzen. Kommt die Musik vom Menschen oder kommt sie von Gott. Zu einem späteren Zeitpunkt, als ich mich mit den verschiedensten Religionen beschäftigen musste, formulierte ich die Frame um. Ist die Musik menschlich oder unmenschlich?
Im Rahmen meiner Forschungen beschäftigte ich mich mit drei wissenschaftlichen Richtungen: Musiktheorie, Psychologie und Physik. Später kam noch Theologie dazu. Ich hielt nicht allzuviel von esoterischen Erklärungen. Eine Zeitlang hing ich dem Gedanken nach, dass es sich bei Musik um ein körperaffines Verhalten handelt, dass sich der Mensch selbst in einer rückkoppelnden Manier gönnt. Er empfindet Lust am Rhythmus, dies findet in der Fortpflanzung sein Entsprechen, er empfindet Lust bei verschiedenen Schwingungsverhältnissen, die genauso wie in der bildenden Kunst zuerst einmal am goldenen Schnitt ihre erste Bestätigung finden. Periode Vorgänge schläfern ein, in bestimmten Fällen bedient sich der Psychologe des Pendels, um den Patienten in Hypnose zu versetzen.
Doch wie lassen sich Bach oder Mozart in diesem Kontext erklären? Warum sind gerade die Posaunen ein wesentlicher Bestandteil eines religiösen Textes. Zu viele Einzelheiten stimmen da nicht überein.
Ich fing an, ein Musikinstrument zu lernen. Das war ein sehr mühevoller Vorgang, der mich daran zweifeln ließ, ob ich die Angelegenheit weiter verfolgen solle. Das selber Spielen bereitete mir überhaupt keinen Genuss. Außerdem erkannte ich, dass mit dem Notenlesen sehr viel Gehirnarbeit notwendig war und sich meine ursprünglichen Überlegungen von der "natürlichen" Musik gar nicht leicht eingliedern ließen.
...
...

Der Sohn, der anfänglich lethargisch an seinem Whisky genippt hatte, wurde sichtlich lebendiger und fing an, aus seiner Tasche ein Metallgeflecht heraus zu räumen. Er begann dieses, rund um den Rechner aufzustellen und mit einem Kabel an die Steckdose anzuschließen. Einen durchsichtigen, von Kupferfäden durchzogenen, Schirm brachte er zwischen den Rechner und seinen Vater. Die Schrift am Bildschirm war leicht auch durch diesen Schirm zu lesen. Als sein Vater fragend aufsah, deutete er auf seine Ohren und nach draußen und gab zu verstehen, dass es möglicherweise Mitleser geben könnte. Auf einen Zettel, der immer bereitlag, kritzelte er: "ich erkläre es dir später." Der Grund für diese Aktion, die möglicherweise zu spät eingeleitet wurde, konnte durch das Fenster betrachtet werden. In der Gasse flogen ungefähr fünf glänzende Kugeln, die silbrig funkelten und sichtlich der Schwerkraft trotzten. Sie bewegten sich systematisch den Häusern entlang und blieben bei jedem Fenster ein paar Sekunden stehen, um danach weiter zu gleiten. Auch durch das Fenster in der Küche waren so eine Kugel zu sehen, doch offensichtlich hatte sie nichts wesentliches aufgeschnappt. Nach der üblichen Verweilpause bewegte sie sich zum nächsten Fenster.
Als der Vater die Kugel sah, schüttelte er den Kopf und sah vorwurfsvoll auf seinen Sohn. Danach drückte er auf einen Knopf und vom oberen Fensterrandr rollte eine Jalousie herunter, die ebenfalls mit metallischen Fäden durchzogen war. Die Geste drückte deutlich das Befremden aus, warum der Sohn nicht schon früher darauf hingewiesen hatte, dass der Text möglicherweise eine Zensurbehörde alarmieren könnte.

Fortsetzung

copyright 2009 by steppenhund

Die große Stille (Teil 1)

Die Welt war verstummt. Es gab kaum Geräusche, welche die Menschen noch bewusst wahrnahmen. Ein gewisser Hintergrundlärm, der von den sich bewegenden Fahrzeugen herrührte und manche Gerätevibrationen setzten noch Schwingungen in der Luft ab. Doch selbst in den größten Menschenansammlungen war kein Wort zu vernehmen. Die Menschen verständigten sich durch knappe Gesten, manchmal wurde geschwind etwas auf ein Papier gekritzelt. Vereinzelt konnte man ein Baby schreien hören.
Wenn man es genau nahm, waren schreiende Kinder die einzige Lautquelle, die überhaupt toleriert zu werden schien. Die Erwachsenen schienen sie geräuschmäßig auszublenden. Manchmal konnte man ein erstauntes Aufmerken erkennen, wenn ein Erwachsener plötzlich ein Kind plärren hörte. Außerhalb der Stadt war es anders. Da bewegte der Wind die Felder, man hätte die Bäume rauschen gehört und eine Bewegungen des Wassers wahrgenommen. Doch schienen diese Geräusche die Menschen zu verschrecken.
In der Stadt selbst konnte man in den Schaufenstern von Elektronikläden Fernsehprogramme laufen sehen. Trickfilmprogramme mit unterlegten Untertiteln. Gab es einmal eine Sportübertragung, so wurde der Sportkommentar in Form von Blitzen und Blasen textlich eingeblendet. Insgesamt war es sehr, sehr leise. Eine Welt von Taubstummen, die zwar reden konnten, es aber nicht taten, weil sie niemand anhören hätte wollen.
Im seiner Wohnung im zweiten Stock des Gebäudes einer Nebenstraße murmelte ein älterer Mann vor sich hin. Er sprach mit sich selbst, konnte es aber selbst nicht hören, da er schwerhörig war. Obwohl er sehr gute Hörgeräte besaß, verwendete er sie schon lange nicht, da es nichts zu hören gab.
Sein Murmeln beschäftigte sich mit dem Gedanken, ob er aufräumen sollte. Aufräumen hätte bedeutet, dass er seine Schallplatten, die er schon lange Zeit nicht mehr abgehört hatte, entsorgen sollte. Er konnte sie nicht mehr abspielen. Er konnte es nicht, ebensowenig wie irgendjemand anderer es tun hätte können. Die Musik hatte aufgehört. Es gab keine Musik mehr. Weder gespielt noch aufgenommen. Die alten Tonkonserven waren aus einem unbekannten Grund nicht mehr abspielbar.
Der Mann entschied sich gegen das Wegwerfen. Er hätte in das Erdgeschoss gemusst und das hieße, dass er sich anziehen hätte müssen. In seinem leicht löchrigen Pyjama wäre es nicht möglich gewesen, sich dem Anblick durch andere Leute auszusetzen.
Er schlurfte in die Küche und stellte Wasser für einen Tee zu. In der Küche blinkte ein Signal. Das bedeutete, dass jemand an der Haustür war. Er hatte keine Ahnung, wen er erwarten sollte. Er ging zur Türöffneranlage und schaltete die Videoüberwachung an. Vor der Tür stand sein Sohn, den er schon zwölf Jahre nicht mehr gesehen hatte. Er drückte den Türöffner und machte sich auf den Weg zur Eingangstür. Als er öffnete, hob sein Sohn die Hand zum Gruss. Er lächelte seinen Vater an und hatte dabei jenen traurigen Zug um die Mundwinkel,den fast jeder hatte. Er war gut gekleidet und sah gesund aus, doch die Traurigkeit deutete auf eine Art inneres Leiden hin.
Er begleitete seinen Vater in die Küche, wo eben ein oranges Licht aufflammte. Es war das Signal, dass das Wasser für den Tee kochte. Während sein Vater den Tee zubereitete, holte er aus seiner Tasche einen Laptop und schaltete ihn ein. Schweigend wartete er, bis das Betriebsssytem hochgefahren war. Unterdessen hatte sein Vater zwei Tassen auf den Tisch gestellt und eine frische Zitrone aus dem Eisschrank geholt, die er mit einem scharfen Messer in zwei Teile teilte.
Sein Sohn stellte den Rechner so hin, dass beide den Bildschirm sehen konnten und wählte eine Datei aus. Nach kurzer Zeit erschien auf der Anzeige ein Film.
Der Titel des Films war: "Ich habe es herausgefunden!" Der Sohn drückte auf "Pause" und schaute seinen Vater erwartungsvoll an. Der nickte ihm nur müde zu. Die ersten Einstellungen des Filmes zeigten ein analoges Aufnahmegerät und die darauf befindlichen Aussteuerungsgeräte. Dann gab es Einstellungen die eine Straßenkreuzung, ein konzertierendes Orchester und ein Kaufhaus zeigten. In allen Fällen schlugen die Pegelmeßgeräte sehr heftig aus. Die Einstellung mit dem Orchester wurde noch einmal wiederholt. Sie ging in das anschließende Klatschen des Auditoriums über. Auch hier schlugen die Meßgeräte fast bis zum Anschlag aus. Es gab einen Kapiteleintrag zum Film: "Künstliche Wiedergabe". Man konnte einen Plattenspieler sehen, auf dem gerade die Nadel aufgesetzt wurde. Diesmal wurden keine Lautstärkemessung angezeigt. Stattdessen sah man ein Schwingungsmeßgerät, auf dessen Bildschirm verwobenen Schwingungen in unterschiedlichsten Formationen zu sehen waren. Ein kurzer Text erschien: "Heute". Die gleiche Anordnung zeigte nun auf dem Schwingungsmeßgerät etwas anderes. Es gab Schwingungen mit einer ganz kleinen Amplitude, die offensichtlich sehr unregelmäßig waren. Ein Techniker hätte von Rauschen gesprochen.
Der Sohn drückte erneut auf "Pause" und blickte seinen Vater an. Der nickte leicht und sah fragend zurück. Sein Gesichtsausdruck konnte als "Und was gibt es jetzt Neues?" gedeutet werden.
Sein Sohn drückte auf "Fortsetzung" und es erschien eine Zeitskala. Sie fing im sechzehnten Jahrhundert an und setzte sich bis in die Jetztzeit fort. Als erste Zeitmarkierung war ein Balken, der 1545 bis 1563 einschloss, markiert. Danach gab es mehrere Zeitbalken, deren Abstände sich immer mehr verdichteten, bis sie im zwanzigsten Jahrhundert in eine fast kontinuierliche Markierung weitergingen. Nach 2022 gab es keine Markierung mehr. Als Nächstes erschienen Tabellen, die die Zeitmarkierungen mit weiteren Daten verknüpften. Einige Sekunden erschien eine Formel auf dem Schirm. Danach konnte man ein Zimmer mit einem Tisch und einem darauf liegenden Manuskript sehen. Das Manuskript war ein Computerausdruck, der etwas vernudelt und unordentlich zusammengeheftet war. Die Kamera machte einen Schwenk und man konnte einen leblosen Körper sehen, der schief im Lehnsessel hing. Der Arm hing über der Armlehne und auf dem Boden sah man Glasscherben.
Der Sohn stoppte den Film und brachte einen Text zur Anzeige. "Ich habe das Manuskript!"
Beim Vater blitzte in den Augen etwas von Interesse auf. Er hob seine Augenbrauen und machte mit der Hand eine Bewegung, die wohl "und jetzt?" ausdrücken sollte.
Der Sohn rückte den Rechner so, dass er vor allem von seinem Vater eingesehen werden konnte und startete eine neue Datei. Sie war ein Textdokument. Der Sohn bedeutete dem Vater, sich das Dokument in Ruhe anzusehen. Er selbst stand auf und ging zur Speis. Ja, sein Vater bewahrte noch immer den alten Whisky auf, den er nur tropfenweise trank. Der Sohn nahm den Whisky, fischte sich ein Glas aus dem Wandschrank und schenkte sich einen Zentimeter ein. Dann setzte er sich auf einen entfernteren Sessel und schaute versonnen seinem Vater zu, wie er das Dokument las.
Die erste Seite des Dokuments bestand aus drei großen Worten: Die große Stille.
Auf der zweiten Seite war der Verfasser genannt.
Die dritte Seite begann mit dem Text.

"Manchmal kommt es mir vor, als würde sich kein Mensch dafür interessieren, warum es keine Musik mehr gibt. Musik scheint sich zu einem Tabuthema entwickelt zu haben. Dabei kann das nicht immer so gewesen sein, wie die Geschichtsbücher und Enzyklopädien beweisen. Doch es muss einen ganz entscheidenden Bruch gegeben haben, der unser Leben so einschneidend verändert hat.
Ich habe mein ganzes Leben diesem Thema gewidmet und kann nun mit fester Überzeugung behaupten, dass ich die Ursache herausgefunden habe. Ich will mich den damit verbundenen Implikationen aber nicht mehr stellen. Das dürfen andere nach mir tun, wenn mein Text in die richtigen Hände fällt.

Als ich ein Kind war, muss ich Musik gehört haben und sie muss mir auch gefallen haben. Trotzdem kann ich mich an kein einziges Thema mehr erinnern. Genausowenig kann ich mich an den Eindruck erinnern, den Musik auf mich gehabt hat.
...
...

Der Vater lehnte sich zurück und sah seinen Sohn an. Der nickte ihm zustimmend zu und wollte, dass er weiter lese.

Fortsetzung

copyright 2009 by steppenhund

Dienstag, 29. September 2009

Sprache

Gestern nacht habe ich noch die Folien des englischsprachigen Vortrags auf deutsch übersetzt. Ich bin immer wieder überrascht, wie unterschiedlich die Sprachen wirken, wenn man nur ganz kurze Sätze oder Schlagwörter übersetzt.
Ohne freie Übersetzung werden vollkommen andere Inhalte transportiert als sie es im Original werden.
Auch heute bin ich wieder gespannt, wie die Aufnahme sein wird;)

Sonntag, 20. September 2009

Literaturrätsel

Es gibt einen Schriftsteller, den ich sehr schätze. Er ist während meiner aktiven Blogzeit gestorben, womit einige LeserInnnen natürlich wissen können, um wen es sich handelt.
In einer Rede hat er einmal gesagt:
"Wir fürchten den Tod nicht, und das sollten Sie auch nicht tun. Sie wissen, was Sokrates über den Tod gesagt hat, natürlich auf griechisch? Der Tod ist nur eine weitere Nacht."
-
Und an einer anderen Stelle kommt folgende nützliche Anweisung:
"Aber sehen Sie mal: Wenn Sie jemanden töten sollten, ob versehentlich oder absichtlich, und damit unsere Spezies verbessern, bitte, kopulieren Sie anschließend nicht. Da kommen nämlich die kleinen Kinder her, falls Ihnen das Ihre Mutter nicht gesagt hat."

So schwer ist das nicht. Es zählt also die erste richtige Antwort;)

Mittwoch, 12. August 2009

Vergleich

Während der Lektüre von Sloterdijk komme ich auf folgenden Vergleich:
Religionen sind wie Aktien.
Nicht die Dinger an sich sind schlecht sondern ihre Derivate.
Kirche, wörtlich genommene Bibeltexte, Sekten, Inquisition, Machtanspruch, .....
Derivate, Put-Optionen, Get-Optionen, undurchschaubare Optionen, High-Frequency-Trading, ...
-
Und so bringt der Mensch es ja mit Leichtigkeit zustande, jede noch so gute Erfindung als Waffe zu verwenden.

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religion
sollte privatsache sein. auch in österreich. hier...
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Bei Elsa Laska findet sich ein Zitat von Natalia Ginzburg...
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Und mit welchem Zeug kann ich den Radius so vergrößern,...
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The latest version of Tasktop Pro, Application Lifecycle...
Srini Penchikala - 7. Nov, 03:00
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Eric Nelson explains what are ORM, EDM, and ESQL, what...
Eric Nelson - 6. Nov, 15:00
Article:Web Service Contract Versioning
Today we introduce the book “Web Service Contract...
Thomas Erl, Anish Karmarkar, Priscilla Walmsley, Hugo Haas, L. Umit Yalcinalp, Canyang Kevin Liu, David Orchard, Andre Tost, James Pasley - 6. Nov, 10:23
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Adrian Colyer and Karl Rumelhart - 6. Nov, 09:00

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