Die
Story war ja noch nicht aus. Aber den Rest schreibe ich mich erst heute zu schreiben, weil ich Angst hatte, dass die DB noch einmal so rasch reagiert.
Ich habe mich doch über die fehlende Kühlung im Speisewagen mockiert. Irgendwer bei der DB muss mein Blog gelesen haben.
"Das lassen wir nicht auf uns sitzen!" mögen sie sich gedacht haben. In Passau gab es eine neue Garnitur. Die wird normalerweise nur hinzugefügt, um dem Reiseverkehr gerecht zu werden.
Nach einer gewissen Verbleibsdauer in Passau wurde uns aber dann mitgeteilt, dass wir in den vorderen Zugabschnitt wechseln müssten. Unserer wäre nicht mehr weiterfahrtauglich.
So wurden dann die bereits die neu zugestiegenen Erste Klasse Fahrer mit uns ausgefüllt, die wir aus zwei recht voll belegten 1,5 Erste-Klasse-Waggons kamen.
Das war richtig schön kuschelig.
Das es aber im neuen Zugabschnitt auch kein funktionierendes Buffet gab und von den angebotenen Sandwiches auch den Pute/Ei-angepriesenen nicht mehr bekamen hat schon merkwürdig angemutet.
Ich wurde an den Beginn des Romans
Master und Margerita, jener fantastischen Satire von Bulkakov auf das stalinistische Moskau erinnert.
An einem Stand im Park:
"Kann ich Bier haben?"
"Bier gibt es nicht."
"Limonade?"
"Limonade gibt es nicht"
"Was gibt es denn?"
"Kwas. Aber der ist warm."
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Der langen Rede kurzer Sinn. Auch ab Passau gab es kein offenes Bier. Und das Becks in Flaschen ist nicht zu trinken, da mischen sie irgendein Haltbarkeitsdingsbums hinein, von dem ich Kopfschmerzen bekommen.
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Aber es ist schön, dass die DB auf meine Gesundheit schaut. Es ist sicher besser, wenn ich kein Bier trinke.
steppenhund - 31. Aug, 11:52
Ich habe schon früher geschrieben, dass ich in einem "deutschen" Zug Richtung Westen fahre. Diesmal ist es die Garnitur "Coburg".
Friedrich Torberg lässt die Tante Jolesch sagen: "alles, was ein Mann schöner ist als ein Aff', ist ein Luxus."
Die DB hat sich das zu Herzen genommen. Sie funktioniert nach dem Prinzip: "alles, was ein Zug besser kann, als pünktlich zu sein, ist ein Luxus."
Manchmal schaffen sie ja nicht einmal das. Aber heute geht es wieder einmal darum, dass die Kühlung ausgefallen ist. Nachdem das schon das dritte Mal von acht Reisen passiert, erlaube ich mir, die Deutschen darauf hinzuweisen, dass es am Mond ziemlich kalt werden kann oder auch ziemlich heiß bei der Wiedereinreise in die Erdatmosphäre.
Und zum Mond wollten die Deutschen doch, erinnere ich mich deutlich.
Und heute ist es nicht einmal besonders heiß...
steppenhund - 30. Aug, 16:29
Nur ein kleiner Nachtrag: die Steigungen sind auf beiden Strecken gleich hoch. Das weiß ich jetzt auch erst seit kurzem, weil ich es in der Broschüre zum Weltkulturerbe gelesen habe. Zum WKE wird es noch mehr geben. Das ist hochinteressant, was motivierte Menschen im Bildungsbereich zusammenbrächten, wenn man sie ließe.
steppenhund - 17. Aug, 10:27
Es ist nahezu unglaublich. Der ICE hatte in Frankfurt keine Verspätung. Auf die Minute genau kam er an. Sonst waren nicht sehr viele Züge im Bahnhof zu sehen. Nicht so viele Züge wie sonst. Aber ziemlich viele Menschen waren am Informationsschalter angestellt. Ich bedauerte sie schon ein wenig.
Zehn Minuten später kam ich aber drauf, dass wir ein gemeinsames Schicksal hatten.
Die Unwetter, die Unwetter. Ja, wenn doch das blöde Wetter nicht wäre. Kann man das nicht abschaffen? Es waren ja schadhafte Unwetter. Die Unwetter hatten Schäden. Zumindest konnte man das so herauslesen:
"Auf den S-Bahn-Linien 3,4,5 und 6. kommt es wegen Unwetterschäden noch zu Verspätungen und Teilausfällen."
Die Anzeige steht 15 Minuten in dieser Form zur Verfügung. Eine kurze Zeit wird sie durch die Anzeige eines Zuges unterbrochen, wobei zuerst ein falscher Zug angezeigt wird, danach darf ich wieder nachdenken, was sie bedeutet.
Schmecks! ??
Du Trottel willst gar nicht wissen, was passiert ist. ??
Jetzt wart mal brav, sei froh, wenn Du heute überhaupt noch nach Haus kommst. ??
Das Informationssystem ist praktisch tot. Genauso wie in Österreich. Wollten die Deutschen nicht auf den Mond fliegen? Oje, das wird wohl nichts. Ohne Kommunikation ist man da oben so ziemlich tot.
Die Leute an der Front, z.B. ein Bahnmitarbeiter, der in Rödelheim den Weitertransport per Taxi organisiert, (und das nicht einmal so schlecht) versteht den Unmut der Leute. Er selber hilft dort schon seit sechs Stunden aus. Im Internet finde ich keine Information. Was heißt sechs Stunden. Nach sechs Stunden ist die Bahn noch immer nicht in der Lage, vernünftige Auskünfte zu erteilen?
Eine Oberleitung hat's abgerissen. Ein blöder Schaden. Da kann man im Prinzip gar nicht so viel dagegen machen, wenn der Sturm gerade ein Trum ungünstig durch die Welt wirbelt.
Aber das Informationssystem für die Fahrgäste derartig zu verschlampen und zu versauen, ist ein Verbrechen. Ich behaupte einmal, dass man mit der heutigen Technik ein vernünftiges System einziehen könnte. Umsetzbarkeit vielleicht in sechs Monaten. Doch mit all den Ausschreibungsskandalen, Bestechungen und Schmiergeldern dauert es natürlich länger. Vielleicht ist es dann auch gar nicht möglich.
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Ah, ihr Deutsche, auf den Mond wollt ihr also?
Wir schauen uns das aus der ersten Reihe an:)))
steppenhund - 17. Aug, 01:54
Eine teure Freundin erzählt von ihrer Italienreise.
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"Stell dir vor, niemand kann das Paradoxon erkennen. Weisst Du, was man in Assisi als Reisesouvenir kaufen kann. - Und sonst habe ich das noch nirgendwo in der Form gesehen."
"Aha, was denn?"
"Steinschleudern!"
Der heilige Franz von Assisi hat ja angeblich einen Wolf gezähmt und mit den Vögeln gesprochen. War sein Verständigungswerkzeug jetzt eine Steinschleuder?-
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Eine sehr bösartige Nachbemerkung von mir, in der auch Tiere vorkommen, wurde von ihr im Zusammenhang mit dieser Anekdote nicht autorisiert:)
steppenhund - 15. Aug, 14:36
Bei
Walhalladada finden sich in den Kommentaren zwei weitere Bilder zu dem untenstehenden Kontext.
So etwas wächst auf 2400 m Seehöhe.
Ein weiteres Textsegment aus diesem Kontext:
Gefallen und Gefangen
Verschliess deine Ohren, riet der Wassermann, sonst betören dich die Gespielinnen meiner Frau. Und schliess die Augen, sonst bist du meiner Frau auf ewig verfallen. Gegen die Macht ihres Gesanges und gegen die Macht ihrer Schönheit ist ein Steuervogt, ist ein Bäcker, ist gar ein Metzger ein Hanswurst.
"Und was hat das nun mit einem Blog zu tun?" riefen die empörten Leser, die sich keinen Reim darauf machen konnten.
"Österreich ist schön. Überall. Doch besondere Plätze findest Du auf den Bergen. Leicht ziehen dich die unzähligen Pferde hinauf. Bist du aber oben und kannst den höchsten Gupf von Österreich unverhüllt betrachten, vergiss nicht, den Gamsgrubenweg zu beschreiten. Er führt dich in eine andere Welt. In eine andere Zeit.
Und dann prüfe dich, ob du diese Eindrücke vergessen kannst.
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Nicht in hundert Jahren!
Besser noch, du bloggst sie nieder, so kommen sie näher und näher und nicht musst du dich bemühen um Erinnerung."
steppenhund - 11. Aug, 20:18
Vor einiger Zeit gab es hier eine Diskussion über die Gotthardbahn, die sich zwar mit friedlichem Ende ergeben hat. Doch in mir grummelt es noch weiter und daher führe ich hier noch einige Themen mit Seitenhieben gegen die Schweizer oder in der Schweiz lebende Österreicher oder Polinnen aus:)
Begonnen hat alles am Sonntag im österreichischen Fernsehen. Da wird gerade eine Sex-Offensive gestartet, sprich eine historische Abhandlung. In den zwei Features kamen einmal Hugh Hefner vor (inklusive der Revolution, die der Playboy ausgelöst hat) und einmal Kinsey, der in einem 2004 erschienenen Film mit Liam Neeson und Laura Linney sehr gut mit allen "wenn und abers" dargestellt wurde.
Den Playboy wollte ich mir also kaufen, um zu sehen, wie heute seine Qualität ist. Kurzurteil: einfach Scheiße.
Viel länger blieb ich allerdings in der Eisenbahn-Sektion stehen und bin sogar in das Parallelgeschäft gewechselt, weil ich mir etwas über die Gotthardbahn kaufen wollte. Die Special-Ausgabe 1/2009 des Eisenbahn JOURNALs ist ausschließlich der Gotthardbahn gewidmet. (Warum hier Special mit c geschrieben werden muss, verstehe ich nicht, das nur am Rande.)
Das Heft selbst von Beat Moser, Urs Jossi und Peter Pfeiffer liegt am anderen Ende der Wertungskala. Es ist einfach super, mit einer Menge an Information und traumhaften Bildern. Und für jemanden wie mich, der sich unbehaglich fühlt, wenn er nicht einigermaßen fundierte Fakten hat, eigentlich unentbehrlich. (Den Playboy werde ich hingegen im Zug liegen lassen.)
Im Anschluss an die vorige Diskussion würde ich mich dahingehend korrigieren, dass Semmeringbahn und Gotthardbahn sehr schwer zu vergleichen sind. Möglicherweise hätte man sich über manche technischen Lösungen der Gotthardbahn nicht drüber getraut, wenn es die Semmeringbahn noch nicht gegeben hätte. Das tut hier aber nichts zu Sache.
Vergleichsdaten:
Gotthardbahn: 25km, Höhendifferenz 900m (südseitig), Bogenradien 300m
Semmeringbahn: 41km, Höhendifferenz 459m, Bogenradien 190m
Was mich der Gotthardbahn begeistert, kann ich gar nicht an einer Hand aufzählen.
Dazu gehört die Entwicklung der Lokomotiven. Wenn die maximale Aufstiegsgeschwindigkeit ursprünglich 25km/h betrug, muss man auch berücksichtigen, dass manche Züge von drei Lokomotiven gleichzeitig gezogen wurden, wobei zwei davon Krokodile waren. Es gibt zwei erhaltene Krokodile in grün und rot und selbst dem Laien sollte die Leistungsfähigkeit von 12000 PS imponieren. Immerhin waren das damals die stärksten Lokomotiven und selbst heute verfügt meine Lieblingslokomotive, die Taurus, über genau die gleiche Leistungsfähigkeit. (Man wird sich fragen, das gibt es doch nicht, da wäre ja gar keine Verbesserung. Die Traktion ist heute besser, die erreichbare Geschwindigkeit, und heute können 2000 t mit einer Lok gezogen werden, usf.)
Die Landschaft begeistert selbstverständlich, doch da kommt noch ein Element der Trassenführung hinzu, die sogenannten Kehrtunnel. Ob das jetzt Häggrigerbach, Prato oder Freggio betrifft, ist allein die Idee, sich so etwas als Lösung der Höhendifferenz vorzustellen, unglaublich.
Für diejenigen, die das nicht kennen, sollte ich das erklären. Sie fahren in einen Tunnel hinein und kommen wieder heraus. Dabei sehen Sie die Stelle, wo Sie hineingefahren sind, und befinden sich jetzt entweder höher oder tiefer, je nach Fahrtrichtung.
Dann gibt es da ja noch Pianotondo-Kehrtunnel und den Travi-Kehrtunnel´.
Die Strecke muss ich also unbeding einmal fahren.
Dass in diesem Fall auch die Probleme des Winterbetriebs auf eigene Art gelöst wurden und spezielle Sicherheitsbegehungen gewährleisten, dass ein unfallfreier Betrieb ermöglicht wird, sind ein paar von den anderen Schmankerln.
Ich habe an anderer Stelle geschrieben, dass es mir einmal im Leben möglich war, in einem TEE-Zug zu fahren.
Es war der einzige TEE-Zug, welcher durch Österreich fuhr.
Über den Gotthard kann ich gleich drei Züge aufzählen: den Gottardo, den Ticino und den Roland., die unterschiedlich von den Garnituren ausgeführt waren.
Diese Luxuszüge haben sich überlebt. Eigentlich waren sie die Vorreiter der heutigen ICEs oder Railjets, was die Laufruhe und den Komfort angeht.
Doch hier geht es nicht nur um eine technische Ablöse. Es gibt keine Züge mehr, die quer durch die Schweiz von Deutschland nach Italien fahren. In Zürich heißt es umsteigen. Da gibt es zuwenig Bedarf. Es mag vielleicht noch interessieren, dass die dritte Generation der ICE-Garnituren auf dem Gottardo getestet wurden, wie es mit der Steigfähigkeit und dem Pendelbetrieb aussieht.
Jetzt komme ich zu den ursprüglichen Beanstandungspunkten, den überfluteten WCs und der Pünktlichkeit.
Irgendwo lese ich, dass die Pendolini ETR 470 und ETR 610 Vacuumklosetts haben. Die stelle ich mir so vor wie die in den ICEs. Die verstopfen oder überfluten, wenn man sich nicht an die Regeln hält, dass nur bestimmte Geschichten im Klo entsorgt werden dürfen. Ich gehe also davon aus, dass es in jedem Zug immer mindestens eine Person gibt, die entweder nicht lesen kann oder die sagt, ich probier, ob es nicht doch geht.
So unappetitlich das Thema sein mag, so sehr wundert es mich, dass man das nicht in den Griff bekommt.
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Was aber hingegen die Pünktlichkeit angeht, halte ich - und das sage ich jetzt mit Verlaub doch mit vollem Bewusstsein - die Schweizer für unbescheiden und vielleicht technisch vertrottelt. (Die Bahn wurde übrigens von zwei Deutschen entworfen.) Die technische Leistung der Gotthardbahn ist auch heute noch so überragend, dass sehr, sehr viele Umstände mitspielen muss, dass eine Fahrt minutengenau geplant werden kann.
Diese Strecke hat überhaupt nichts in den Herausforderung mit dem Shinkansen gemein, der von kesalop als Vergleichskriterium gewählt wurde. Die Bahn wurde zu einem Zeitpunkt gebaut, an dem man sich mit 25km/h zufrieden geben musste, heute fahren darauf Züge, die sechs mal so schnell fahren können. Die Shinkansenstrecke Tokyo-Hiroshima (alte Streckenführung) fährt heute mit derselben Geschwindigkeit wie 1964. Da sehe ich einen gewaltigen Unterschied.
Ich frage mich, ob es da nicht doch ein bisschen an der Demut mangelt, wenn sich Personen, die kein einziges Detail technisch bis zu Ende durchdenken und verfolgen könnten, sich über Unpünktlichkeit aufregen. (Frau Frogg nehme ich hier ausdrücklich aus, das ist nicht gegen ihren Beitrag gerichtet.)
Ich verstehe das Bestehen auf Pünktlichkeit dann, wenn es um Strecken Zürich-Basel oder Zürich-Bern handelt.
Persönlich würde ich mich jedesmal freuen, wenn die Gotthardbahn überhaupt technisch bezwungen werden kann.
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Und natürlich verstehe ich es schon gar nicht, wenn sich Personen aufregen, die ja auch im Auto fahren könnten und dann ungeplante Verzögerungen in ganz anderen Dimensionen hinnehmen müssten.
steppenhund - 6. Aug, 21:06
Heute gönne ich meinen Lesern das Vergnügen der Schadenfreude. "Das hat er davon, dass er immer so über das Zugfahren schwärmt."
"Was nichts kostet, ist nichts wert."
"Der ist eh zu fett, soll ruhig einmal abnehmen."
Also Sie dürfen gerne noch Ihren Senf beisteuern, ich werde nichts übel nehmen.
Der ICE, in dem ich sitze, Abfahrt 16.40 ab Wien, hat ein ausgedehntes Menü anzubieten.
Gulyas-Suppe, Tomatensuppe, Kartoffelsuppe. Das ist es. Schon bei der Abfahrt von Frankfurt gab es keine Kühlung im Bordrestaurant. Die wurde dann auf der Strecke Frankfurt Würzburg repariert.
Nachfüllen von Essensvorräten war nicht drin.
Ich sitze also jetzt 7 Stunden im Zug und werde mich ausschließlich von Gulyas-Suppe und Pils ernähren. Umkommen werde ich nicht.
Ob es daran liegt, dass ich ausgerechnet heute auf Sparschiene fahre, weiß ich nicht. Insgesamt kostet mich die Fahrt Wien-Frankfurt und retour ca. 160 € (in der ersten Klasse). Im September fahre ich noch günstiger nach Nürnberg. Hin und zurück um 78 Euro. Vielleicht muss ich dann hinten am Zug anschieben.
Was wirklich daran interessant erscheint: die ICE-Züge sind geschlossene Garnituren. Da kann man nicht so einfach einmal das Bordrestaurant austauschen. Und dass die Zweiergarnituren langsam ihre Schwachstellen zeigen, gehört auch dazu. Noch immer besser als im Auto.
Und schließlich: Man is born to have adventure!
steppenhund - 3. Aug, 18:12
Das Leben scheint wirklich unfair zu sein. Zu meinen Gunsten. Vor wenigen Tagen hat Frau Frogg ihre Erfahrungen mit dem
Cisalpino geschildert. Die Missstände werden mir unmittelbar von meinem alten Schulfreund bestätigt der mit seiner aus Polen stammenden Frau in Basel lebt. Sie bekräftigen Frau Froggs Darstellung, wobei es mich etwas belustigt, dass H, die Frau meines Freundes, 17 Minuten Verspätung als unzumutbar erachtet. Ich kann mich an Zustände in Polen aus einer Zeit erinnern, wo durch die Grenzkontrollen Verspätungen bis 120 Minuten an der Tagesordnung waren. Beim Heurigen in Perchtoldsdorf unterhalten wir uns köstlich über Schweizer Ansprüche an die Pünktlichkeit.
Das Weltkulturerbe Semmeringbahn war zur Zeit seiner Errichtung eine technische Pioniertat. Höchste Steigerungen, engste Kurven, eine stetige Abwechslung von Brücken und Tunnels. Die Bahn fährt vielleicht maximal 80 Stundenkilometer. Man hat den Eindruck, dass man Blumen pflücken könnte.
Ich sitze im Waggon, eine sehr freundliche ungarische Stewardess bringt mir Vorspeise, Hauptspeise und eine Flasche Blaufränkisch 2007 von Markowitsch an den Platz.
Der Sonnwendstein wird von der Abendsonne dekoriert, die alten Steinhäuser entlang der Strecke stehen unverändert wie vor einhundert Jahren da. Ich erinnere mich an die Geschichten über die Polleroswand. Während ich durch den Bahnhof Breitenstein fahre, kurz vorher hat meinen Blick in das Höllental bzw. kann links um die Ecke das Preiner Gscheid erahnen, natürlich nicht sehen, da liegen noch ein zwei Kilometer Berge dazwischen, erinnere ich mich an einen kürzlichen Eintrag von
David Ramirer mit den Doderer-Zitaten.
Der Semmering ist wunderbar, was der Gotthard ja zweifellos auch ist. Aber ist es nicht ungerecht. Dort fährt eine Dame in Begleitung ihres Liebstens in den Urlaub und leidet unter der Eisenbahnfahrt, Hier sitze ich im Zug, drei sehr anstrengenden Arbeitstagen entgegensehend (vier Assessment-Interviews pro Tag, Leute, die sich auskennen, wissen, was das heißt) und genieße die Fahrt an den Arbeitsort. Normalerweise arbeite ich ja im Zug. Doch heute ist die Landschaft in ihrer abendlichen Beleuchtung zu verführerisch. Ich erinnere mich, als ich in den Himbeersträuchern am Hirschenkogel als Zehnjähriger faktisch ertrunken bin. (Gekotzt habe ich dann erst zu Hause, hatte wohl zu viele Würmer mitgefressen. Ich erinnere mich, als ich Frau Columbo, die ich ja aus Deutschland "erbeutet" hatte, Österreich zeigte, vom Bodensee bis zum Neusiedlersee, natürlich fehlte da auch nicht der
Semmering. (Später war sie dann einmal nach einer Schilddrüsengeschichte auf Kur in einem Heim am Semmering, das war ein eher trauriger Anlass, hat sie jedoch sehr vertraut mit der Landschaft gemacht.)
Jetzt langsam fängt es zu dämmern an. Ich bin jetzt schon lang an Mürzzuschlag vorbei. Kapfenberg, Bruck an der Mur und dann Graz, wo ich meine Tochter und meinen Schwiegersohn treffen werde.Dass die liebe Tochter mir anbietet, mich vom Bahnhof abzuholen, finde ich einerseits ganz unglaublich - sie hat ja selbst viel zu tun, und es verschafft mir eine eigene warme Freude.
Aber ehrlich, heißt das nicht: Österreich - Schweiz 1:0?
Anmerkung: ähnliche Zugfahrten habe ich von Shizuoka nach Nagano erlebt. In Japan gibt es ähnlich schöne Eisenbahnstrecken. Man spricht ja auch von den
japanischen Alpen.
steppenhund - 20. Jul, 19:49
Genau genommen waren es nur dreizehn Tage, wovon ich drei sogar gearbeitet habe, doch dieser Urlaub war ein richtiger Urlaub, der jetzt durch vier freie Tage in Wien noch in der Nachstimmung verstärkt wahrgenommen wird.
Die Dichte des Erlebten reicht für zwei Monate Blog-Stoff. Der Besuch von
Freunden hat genauso dazu beigetragen wie das dichte Musikprogramm und kulinarische Höhepunkte, die bei den Obauers in Werfen ihren Abschluss fanden.
Diass meine Begleiterin und ich so gut mit einander auskommen würden, war zwar einerseits zu erwarten aber keinesfalls gesichert gewesen. Was wir aber über einander lachen konnten, war an sich schon ausreichend Therapie.
In den meisten Dingen verstehen wir uns aufgrund der mittlerweilen 25 Jahre dauernden Bekanntschaft ausgezeichnet, man könnte uns auch Ähnlichkeit bei vielen Verhaltensweisen zuschreiben.
Dazu gehört auch eine freie Planung, die sich durch Nicht-Planung auszeichnet. Es gibt ein ungefähres Reiseziel und einen ungefähren Reiseweg und ungefähre Essenstermine, die dann meistens hinsichtlich des Mittagessens in den Nachmittag hinein fallen. Das ist nicht so schlimm, wenn man weiß, dass man abends feudal speisen wird.
Kommt man aber so einfach über die Hochkönig-Alpenstraße nach Dienten, was sie vor drei Jahrzehnten und ich vor zwei Jahrzehnten besucht haben, dann grenzt es schon an zufällige Bestimmung, wenn uns unter all den Lokalen gerade der Forstwirt als gemütlich auffällt. Da sitzen vor dem Haus drei alte Männer und unterhalten sich. Ein großer und ein kleiner Hund tollen um das Haus herum.
Wir parken ein und fragen, ob geöffnet ist. "Ja, ja, setzt's euch in den roten Salon."
Es gibt keine Speisekarte, doch eine ganz frische Gerstlsuppe oder eine Leberknödelsuppe wird uns angeboten. Ich esse danach noch ein Speck-Ei-Brot. Vom leider arg verstimmten Klavier, das aber über eine ausgezeichnete Mechanik und auch auch schönen ausgeglichenen Klang verfügt, kenne ich nun die Herkunftsgeschichte.
Mit dem Lois (das Lokal wird von Lois und Luis geführt.) unterhalten wir uns über die Philosophie des Hauses, über Pferde, die in diesem Haus besonders geliebt werden. Ich spreche über meine Tochter - die mit dem Pferd.
Als wir noch auf das Essen warten, google ich das Haus und finde tatsächlich eine
Internetpräsenz.
Ja, dorthin würde ich abends auch Essen gehen, wenn ich in der Nähe wäre. Jeden Tag gibt es ein anderes viergängiges Menü, aus dem man natürlich auch Gänge auslassen kann. Die Nachspeisen kommen von einer Bäuerin.
Ich finde es großartig, wenn einen der Zufall dorthin führt. Auf dem Weg dorthin lauschten wir dem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan im Radio. Das Wetter war leicht verhangen, meistens aber trocken.
Ein wunderbarer Sonntagnachmittag.
Das Essen am Abend war eine eigene Geschichte und ist
dort kommentiert.
steppenhund - 15. Jul, 17:53