Lesen

29
Jul
2019

Langsames Lesen

Manchmal habe ich auch ganz langsam gelesen. Einmal kaufte ich mir in Schwechat für eine Flugreise nach Japan "Das Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco. Neben dem Buch gab es auch als gleich dicken Wälzer die Kommentare bzw. Fussnoten dazu zu kaufen.

Im Flugzeug fing ich an zu lesen. Bei jedem Kommentar las ich aus dem "zweiten" Buch. Das war echt interessant.

Aber die Steigerung kam dann in Japan. Ich fuhr mit dem Zug von Tokyo nach Osaka. Ich saß ganz bequem mit meinen Bücher. Die Geschwindigkeit des Zuges war ca. 250 km/h. Auf den Dächern von manchen Häusern konnte man Japaner sehen, die den Golfabschlag übten. Im Buch wurde beschrieben, wie sich das Pendelachse millimetergenau entlang des Uhrumfangs bewegte. Einmal um 360 Grad in einem Tag.

Das hat auf mich einen enormen Eindruck gemacht. Die drei verschiedenen Geschwindigkeit, Zug, Golfball, Pendel im gleichen Moment zu erleben, war schon ein sehr starker Eindruck.
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29
Jul
2019

Nicht gescheit, aber belesen :)

Von meinem vermutlich 8. Lebensjahr bis zum 40. habe ich im Durchschnitt mehr als ein Buch pro Tag gelesen.
Mit 8 Jahren war es nur ein Buch pro Tag, ca. 600 Seiten Dünndruck Karl May. Ich bekam das von einem Freund geborgt, als ich krank war. Später waren es dann zwei, mit einem Ausnahmejahr, nämlich dem Austauschjahr in den USA. Da gab es zu viel andere Eindrücke. Aber in Wien zurückgekehrt waren es dann wieder zwei Stundn Lesen pro Tag. Als ich studierte wurde ich ungefähr folgender Statistik gerecht. Eine Stunde Fachliteratur, eine Stunde Belletristik. Eine Stunde lesen war in deutsch, die andere in englisch, wobei das weder von den Büchern noch von der Art der Bücher abhängig war. Pornografie habe ich auf holländisch gelesen, da war es egal ob ich ein Wort einmal nicht verstand. Der Kontext hat die Verständlichkeit gefördert. Aber diese Literatur lasse ich nicht in die generelle statistische Erhebung einfließen. So viel war es dann ja auch nicht.
In den letzten Jahren war das Lesen für mich anstrengender. Vermutlich brauche ich eine Brille, aber irgendwie lese ich mit Brille auch nicht viel besser und die Müdigkeit stellt sich trotzdem ein.
Aber jetzt zu meinem 68. Geburtstag habe ich sechs Bücher geschenkt bekommen, die ich alle gleichzeitig lese. Zu verschiedenen Tageszeiten, je nach momentaner Aufnahmefähigkeit und Lust am Lesen.
Eines habe ich schon weiterempfohlen: "Der schwarze Tiger" von Hans Stösser. Das ist eher Dokumentation, politisch, wirtschaftlich, faszinierend zu lesen. Es ist über die Entwicklung der Wirtschaft in Afrika. Hätte mich überhaupt nicht interessiert. Da ich aber einen Vortrag vom Autor gehört habe, hat sich ein neues Interessensgebiet erschlossen.
Zwei Bücher sind auf englisch: "Sail of Hope" von Nikola Malovic und "The Fortress" von Nesa Selimovic. Beides sind ziemliche, historisch schwerlastige Wälzer. Seit mir Ivo Andric so gut gefallen hat, spreche ich auf diese Bücher an.
Mein Sohn hat mir einen Wunsch erfüllt und mir "Maschinen wie ich" von Ian Mc Ewan geschenkt. Ich habe es angefangen zu lesen, aber von den ersten Seiten bin ich enttäuscht. Da ist zu viel Allgemein-Wischiwaschi als Einführung und es gibt das, wogegen ich selbst argumentiere: eine absolute Anthropozentrik. Aber ich werde es natürlich ganz lesen und dann vielleicht erst ein abschließendes Urteil abgeben.
Von meinem Sohn habe ich aber noch ein anderes Buch geborgt bekommen, das er selbst noch gar nicht gelesen hat, obwohl er es für sich gekauft hat. "Selbstbildnis mit russischem Klavier" von Wolf Wondratschek. Ich habe mich gewundert, woher der Autor relativ tiefe Einsichten in die Gedankenwelt eines Pianisten bekommen hat. Ich habe aber beim Recherchieren erfahren, dass er mit Heinrich Schiff, einem berühmten Cellisten, sehr gut befreundet war. Und ebenfalls dürfte er mit Leonskaya befreundet sein. Also dieses Buch lese ich vergleichweise langsam mit großem Genuss.
Gestern trudelte noch das sechste Buch ein: "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari. Ein zweites Buch vom selben Autor hatte ich früher meiner Frau geschenkt "Homo Deus", das habe ich aber selbst noch nicht gelesen. Möglicherweise mache ich mich im Anschluss daran.
Alle Bücher sind so "spannend", dass ich sie nicht der Reihenfolge nach lese, sondern mehr oder weniger gleichzeitig, Das ist eine neue Erfahrung für mich. Aber bis jetzt keine schlechte.

Soweit ich bis jetzt sehen kann, ist jedes Buch empfehlenswert, mit Ausnahme vielleicht Ian Mc Ewan, den ich als Autor aber sonst durchaus schätze. Und serbische und montenegrinische Geschichte, bzw. bosnische, wird auch nicht alle so interessieren.
Für Musikbegeisterte sollte aber der Wondratschek gut zu lesen sein.
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25
Nov
2018

HALLO zu einem Verwandten

In der österreichischen Tageszeitung erschien heute in der Rubrik "Wissen" ein Artikel, der mich begeistert hat, obwohl ich in Naturgeschichte nicht das überragende Genie war.

Untertitel eines Bildes von Lanzettfischchen:
Heute stecken die Lanzettfischen im Sand, und wir lesen Zeitung. Aber wir haben gemeinsame Ahnen.

Titel des Artikels: "Die Schädellosen und wir"

Den biegsamen Stab, die Chorda dorsalis, hatten wir auch im Mutterleib, ab dem 25. Tag nach der Befruchtung als Übergangsorgan. Teile davon bleiben uns erhalten, die Gallertkerne, die etwas bei einem Bandscheibenvorfall auf die Nerven drücken.

Der ganze Artikel in der Presse, von Thomas Kramar geschrieben, liest sich so kurzweilig, dass ich ihn - ohne biologisches Interesse zu haben - ganz durchgelesen habe. Zum Schluss gibt es eine Formulierung, die nicht nur mich sondern auch meine Frau mit großer Erheiterung erfüllt haben.

...
"Zwei Verdopplungen des Genoms erlaubten den Wirbeltieren Spezialisierung.
--
So können sich einerseits Gene besser spezialisieren (z.B. nur in bestimmten Geweben aktiv werden), andererseits kann die DNA von Genen, die ihren orthodoxen Sinn (als Bauanleitung für ein Protein) verloren haben, für regulative Zwecke umgewidmet werden.
So ist über die Jahrmillionen [550 Millionen, lässt sich im Artikel früher herauslesen] der genetische Apparat entstanden, der im Lauf der Embryonalentwicklung an einem Ende der Chorda ein Hirn aufbaut - dazu zwei Augen, mit denen wir jetzt den Schädellosen anschauen können, und einen Mund, mit dem wir sagen können: HALLO, DU ALTES CHORDATIER, ICH BIN AUCH EINES."
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29
Feb
2016

50 Jahre

Vor 50 Jahren ist Anna Achmatowa gestorben

Sie schreibt über ihre Begegnung mit Robert Frost zu einem Zeitpunkt,als sie wieder "fast" präsentabel war.

„Bei mir zu Hause durfte ich ihn doch nicht empfangen. Das Potjomkinsche Dorf wurde in der Datscha des Akademiemitglieds Alexejew errichtet. Ich weiß nicht mehr, woher man diese feine Tischdecke, das Kristall geholt hatte. Ich wurde festlich frisiert, elegant gekleidet... Und dann erscheint ein alter Mann. Ein amerikanischer Opa, aber so einer, wissen Sie, der schon langsam zu einer Oma wird: rötliche Backen, weiße Haare, sehr munter. Wir sitzen nebeneinander in Korbsesseln, man legt uns allerlei Leckerbissen vor, schenkt uns verschiedene Weine ein. Wir unterhalten uns in aller Ruhe. Aber ich denke immerzu: Du, mein Lieber, bist also ein Nationaldichter, jedes Jahr, jedes Jahr bringt man deine Bücher heraus, und natürlich gibt es bei dir keine Gedichte, die nur „für die Schublade“ geschrieben wurden. Alle Zeitungen und Zeitschriften rühmen dich, in den Schulen hören die Schüler von dir, der Präsident empfängt dich als Ehrengast. Dir sind alle denkbaren Ehrungen, Reichtum und Ruhm zuteil geworden. Und ich? Welche Hunde hat man nicht auf mich gehetzt! In welchen Dreck hat man mich nicht getreten?!
Alles gab es – Armut, Elendsschlangen vor den Gefängnissen, Angst, Gedichte, die man nur auswendig kannte, nur im Kopf hatte, und verbrannte Gedichte. Demütigungen und Leid, immer wieder Leid… Nichts von all dem weißt du und würdest es auch nicht verstehen, wenn ich davon erzählte... Aber nun sitzen wir nebeneinander, zwei alte Menschen in Korbsesseln. So als ob es keine Unterschied gäbe. Und das Ende wird für uns beide das gleiche sein. Aber vielleicht ist der Unterschied auch nicht so groß?"

Und zwei Gedichte:

Der nicht gegangene Weg

Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht' ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.

Ging dann den andern - der, genauso schön,
den größer'n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn -
obgleich die Wand'rer, muß ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.

Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ'n zu and'rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, daß keiner wiederkehrt.

Und seufzend werd' ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich -
ich ging und wählt' den stilleren für mich -
und das hat all mein Leben umgedreht.

[nicht von Achmatowa und den Übersetzer kenne ich nicht :) ]
Aber das Gedicht ist eines der berühmtesten, welche die Studenten bestimmter Studienrichtungen einfach auswendig kennen müssen.

Und ein ganz anderes:

Die Rauhnächte waren von Feuern erwärmt,
Es rollten die Kutschen dicht über die Brücken.
Die in Trauer gekleidete Stadt
Schwamm mit unbekannter Bestimmung
Die Newá hinab oder gegen den Strom, −
Nur fort von den Gräbern.
Es dunkelte der Galernaja Bogen,
Im Sommergarten die Wetterfahne
Sang im Falsett, und der silberne Mond
Fror hell überm Silber der Zeit.
Und weil sich auf allen Wegen
Und bis zu allen Schwellen hin
Zu langsam der Schatten genähert,
Riß der Wind von der Wand die Plakate,
Tanzte der Wind auf dem Dach Kasatschok,
Roch der Flieder nach Friedhof.
Und, verflucht von der Zarin Awdotja,
Versank in ihrem Nebel die Stadt,
Das dämonische Petersburg Dostojewskis.
Und aus der Finsternis sah
Wieder der alte versoffene Piter,
Wie vor der Hinrichtung schlug eine Trommel…
Und in der frostigen Schwüle des Vorkriegs,
In der verbuhlten und drohenden, hörte
Man immer ein künftiges Grollen.
Doch damals wars dumpfer zu hören,
Obwohl: die Seelen hats kaum gestört,
Es versank in den Schneewächten an der Newá.
Aber so wie ein Mensch im Spiegel der Nacht
Wie ein Besessener tobt und sich nicht
Wiedererkennt, näherte sich auf dem Kai,
Dem legendären, das nicht reguläre −
Das wirkliche neue Jahrhundert.

[Übersetzt von Heinz Czechowski]
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7
Feb
2014

Apropos Yenta

Untertitel: Was ich so lese

Als ich jung war, las ich sehr gerne Entwicklungsromane.
Es waren meistens Männer, die sich entwickelten. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Begeisterung vo Arrowsmith (Sinclair Lewis) oder "Of Human Bondage" (W.S.Maugham). Ebenso gehörte der "Wilhelm Meister" (s Lehrjahre) zu meiner Jugendlektüre und in Mignon muss ich wohl ebenso verliebt gewesen sein wie in Dostojewskis Sonja.
Als Kind las ich aber auch begeistert die Nesthäkchen-Bücher. Ich weiß nicht einmal, ob man das heute zugeben darf. Da wird sicher jemand Vorläufertum zum Nationalsozialismus zuordnen. Oder halt eine "heile, rechte Welt des Establishments."

Je älter ich wurde desto häufiger waren die Hauptpersonen Frauen. Es war interessant zu lesen, wie Frauen ihr Leben erleben. Jane Austin war nicht so mein Fall, trotzdem fand ich nach dem Ansehen des Films "Stolz und Vorurteil", dass ich etwas dazu gelernt hatte. Frauen haben mich immer sehr interessiert und ich hatte Glück, eine sehr tolerante Ehefrau an meiner Seite zu haben.

Diese brachte nun wieder andere Literatur in mein Leben. Eines der letzten Bücher, die ich in einem Sitz bis zum Ende durchlas, war "das Schloss aus Glas" von Jeannette Walls.

Jetzt habe ich über dieses Medium hier ein weiteres Buch gefunden, es heruntergeladen und gestern nach der Arbeit in einem Zug durchgelesen. Es ist "Wegen der Schuld" von Yenta E.
Das Buch hat bei mir eine Stimmung wie "Die andere Seite" von Kubin ausgelöst. Eine zunächst nicht so schlimm erscheinende Gesamtsituation wird durch die Schilderung der Psychotherapie zu einem Albtraum transformiert.
Es kommt immer noch schlimmer.
Würde ich das Buch ohne Begleitinformation lesen, hätte ich vielleicht irgendwann zum Lesen aufgehört. Es wurde schlimmer und schlimmer und unvorstellbar, wie die Protagonistin, (wenn man sie überhaupt so nennen kann) die Kurve kratzen könnte.
Offensichtlich hat sie das geschafft, denn die Geschichte endet mit einem Nachwort, was zehn Jahre nach dem Geschehen spielt oder vielleicht überhaupt erst nach einer viel längeren Periode verfasst wurde. Das Überleben ist also geglückt.
Die Autorin hat geschrieben, dass sie den 2. Abschnitt stark gekürzt hat, um den roten Faden nicht zu zerstören. Vielleicht wird aus dem doch noch ein separates Buch.
Es ist schwer zu sagen, ob sich das Buch verkaufen wird. Alles ist möglich: vom Bestseller zum Ladenhüter.
Für mich finde ich ein Attribut dafür: "packend".
Gegen dem Ende zu sind ein paar psychologische Befunde angeführt, deren Textierung einem die Haare aufstellen lässt.
-
Und wie es im Nachwort heißt: es ist leider möglich, an sehr schlechte Psychiater zu geraten. Wie sehr sie ein Leben beeinflussen können, ist hier deutlich genug geschildert.

Nachsatz: Im Buch sind einige Vorfälle geschildert, die ich in meiner Jugend nie für möglich gehalten hatte. Oder jedenfalls als sehr selten angesehen hätte. Mittlerweile kenne ich Statistiken über inzestuösen Missbrauch und bin überhaupt nicht skeptisch, wenn ich Berichte darüber lese. Aber manchmal ist es für mich unvorstellbar, was sich Menschen gefallen lassen. Wirklich unglaublich.
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8
Okt
2013

Statistik

Eine Million kann kaum lesen...

//orf.at/stories/2201460/2201462/

Es gibt ja den Spruch, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälschst hast. Allerdings scheinen mir die Ergebnisse, die im Artikel präsentiert werden, durchaus glaubwürdig, wenn ich sie mit eigenen Erfahrungswerten vergleiche.
Wenn ich denke, 12,8% nicht sinnerfassend lesen können, kann ich zwar annehmen, dass es nicht unbedingt etwas mit der wirtschaftlichen Stellung dieser Personen zu tun hat. Tatsächlich kommt es aber auch vor, dass Leute mit besserer Ausbildung, in gehobenenen Berufen arbeitend, über dem Durchschnitt abschneiden.

Meine Erfahrungen haben mich manchmal vor den Kopf gestossen. Da gibt es Personen mit einem Bruttogehalt von mehr als 3.500 Euro, die weder lesen wollen, noch lesen, noch eine Beschreibung ihrer eigenen Arbeitstätigkeit geben können.

Mir selbst tut das nicht weh. Es hilft mir, mich gegenüber Konkurrenz abzugrenzen, trotz meines Alters nicht entsorgt zu werden und einen guten Job zu haben.

Aber erwartet man von mir Mitleid mit denen, die wegen Mangel an Bildung und fehlenden Grundfertigkeiten keine vernünftigen Jobs ergattern können? Da fühle ich noch eher mit den Studienabgängern mancher Fächer, die bestenfalls ein Praktikum bekommen.
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31
Mrz
2013

Träumen, Wagen und Vollbringen

Eigentlich wollte ich ja den 3. Teil der Philosophie für Computer schreiben. Aber diese Geschichte muss jetzt dazwischen, weil ich sie doch für mitteilenswert halte.

Es geht um Bücher.

Meine Schwester ist um siebeneinhalb Jahre älter als ich. Als sie bereits verlobt war und sich eine Freundschaft zwischen ihren Schwiegereltern und meinen Eltern entwickelte, kam ich in den Genuss von Weihnachtsgeschenken eben jener Schwiegereltern.

Dabei kann ich mich an zwei Bücher erinnern, die einen besonderen Eindruck auf mich - und auf mein Leben - machten. Ich stelle hier fest, dass es ähnliche Bücher schon zuvor von meinen Eltern gab und der Boden quasi bereits aufgearbeitet war.
Gestern fiel mir eines dieser Bücher in die Hände, da mein Sohn ausgezogen ist und momentan die Buchbestände neu gesichtet werden müssen. Das andere "der zwei" habe ich leider nicht mehr. Ich weiß nicht, wo oder wann es verschwunden ist. Es hieß ungefähr "Die Wunder der Physik" und behandelte in sechs Kapitel die Grundelemente der Physik. Dabei gab es Mechanik, Elektrizität, ... und Atomphysik, wie man sie damals kannte. Es gab noch keine Quarks und keine Suche nach dem Higgs-Boson. Doch den Anfang des Kapitels werde ich nie vergessen. "Eine Sonne herzustellen ist ziemlich einfach. Nehmen Sie eine Quintillion Wasserstoff-Atome und bringen Sie sie in einem verfügbaren Raum zusammen. Die Schwerkraft tut ihr Übriges." Dann wurde erklärt, wie die leichten und die schwereren Elemente im Rahmen einer Fusion entstehen. Das Buch hatte ungefähr 500 Seiten, einen gelben Umschlag und ich liebte es heiß. Ich las darin, als ob ich in eine andere Welt versetzt wäre. Das Buch hat sicher einen großen Einfluss auf meine spätere Studien- und Berufswahl gehabt.
-
Das gestern gefundene Buch ist von Paul Herrmann (von seiner Frau aus seinem Nachlass herausgegeben) und führt den Titel: "Träumen, Wagen und Vollbringen" (Das Abendteuer der neuen Entdeckungen)
Es besteht vier Teilen:
Die Strasse der hellen Nacht
Seelen, Nelken, Seide
Terra Australis incognita
Zauber der weißen Wüsten
und hat auch fast 500 Seiten. Illustriert noch mit den gesonderten Fotografie-Seiten, wie ein Buch von 1959 damals gestaltet war.
Die Geschichte von Amundsen Rennen zum Südpol kannte ich schon von früher. Nansen, Fram, Amundsen, Scott, sogar Peary waren mir damals schon ein Begriff.

Das Buch übte einen subtileren Einfluss auf mich aus. Obwohl ich mich nie mit den Strapazen einer Südpolexpedition anfreunden hätte können, lernte ich die Möglichkeit von Zielstrebigkeit und Ausdauer erfassen. (Ich selbst war in meinem Leben nur selten wirklich zielstrebig, und für Ausdauer reicht meine Geduld nicht.) Doch ich lernte, was Überzeugungen sind. Ich lernte, dass sich große Abenteurer immer mit der Ungläubigkeit ihrer Zeitgenossen konfrontiert sehen. Das half mir in meinem späteren Leben, zu meiner Meinung zu stehen. Ich habe einige Male gehört, "das etwas nicht gehen (funktionieren) könnte" solange bis ich es vorgehüpft bin. Als ich noch eitel war, hat mich das angetrieben, immer wieder etwas noch Neueres zu probieren.
Heute frage ich mich: "wozu". Möglicherweise wird mir noch einmal etwas einfallen, was wirklich eine neue Kombination von bekannten Erfahrungsschätzen ist. Doch ich laufe nicht mehr "dem Großen" hinterher.
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In diesem Zusammenhang möchte ich an eine der schönsten Werbeaktionen erinnern, die ich überhaupt kenne. Die Voest-Alpine hatte ein Video mit ungefähr dem folgenden Inhalt: "Ideen klopfen bei jedem an. Man muss ihnen nur aufmachen." Das wäre eine Werbung, die mich dazu bringen könnte, mich dort um einen Job zu bewerben.
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Das Wesentliche erscheint mir bei "Träumen, Wagen und Vollbringen", dass die geschilderten Abenteuer wirklich zum Träumen anregen können. Als ich 1997 einen Testjob bekam, stellte ich fest, dass im gesamten Computerbereich das Feld des Software-Tests unbestellt war. Ein riesiger weißer Fleck auf der Landkarte. Heute kennt man mehr. Es gibt noch immer weiße Flecken, die haben sich etwas verlagert. Aber für mich war Testautomation damals wie die Reise zum Südpol. IBM und meine Firma hatten beide ein Attest geschrieben, dass eine bestimmte Software nicht automatisiert werden konnte. Es war die Herausforderung, der ich mich damals stellte. Würde ich heute nicht mehr tun.
In der heutigen Zeit kann man in der IT nicht mehr "blood, sweat and tears" versprechen. Heute regieren die Hypes. Umbenennung von bestehenden Werkzeugen in ein gängiges Schlagwort.
Bücher der oben genannten Art gibt es in Form eines Bestsellers: "Die Vermessung der Welt". Das Buch ist großartig, der Film einfach schön ohne Wirkung. Kann das Buch eine Wirkung bei Heranwachsenden verursachen? Ich bin ein bisschen skeptisch. Die Abenteuer der heutigen Zeit stellen sich der Jugend als "Einer wird irgendetwas gewinnen". Nach erfolgtem Gewinn erfolgt der Wechsel in die Versenkung.
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Wenn ich länger darüber nachdenke, meine ich zu erkennen, dass die Grundvoraussetzung etwas Neues zu schaffen, zu entwickeln, zu entdecken, zu erforschen, im Lesen liegt. Denn bei allen Neuerungen muss man sich etwas vorstellen, was es noch nicht gibt. Und genau dieses Vermögen wird beim Lesen und der Ausbildung der Fantasie gefördert und trainiert. Es ist vermutlich zu einfach, eine Klassifizierung von Lesern und Nichtlesern danach vorzunehmen, ob sich jemand zum Neuerer oder zum Konsumenten entwickelt. Aber eine entsprechende Statistik würde mich echt interessieren.
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28
Jan
2013

Fundstück

Das ist natürlich nur etwas für Leute, die Russisch können oder es sich zumindest gerne anhören wollen und an Literatur interessiert sind. Das ist die erste Episode einer neueren Fernsehverfilmung von Master und Margarita aus dem Jahr 2005. Interessant ist hier das Vorkommen der gesamten Pilatus-Erzählung also des Romans im Roman. Die Schauspieler sind großartig und die Verfilmung absolut buchgetreu. In der ersten Episode sieht man nicht den Kater. Da verweise ich auf Episode 4.


//www.youtube.com/watch?v=pTnFTlVQe4Q

The Master and Margarita (2005) Ep. 1/10
www.youtube.com
//www.facebook.com/cinematicart Optional Subtitles (ENGLISH, SPANISH, PORTUGUESE, GERMAN, RUSSIAN, ROMANIAN)
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24
Dez
2012

Fröhliche Weihnachten

fröhliche Feiertage und eine gute "Jahresüberwindung" wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern.
Im Prinzip gilt das allen mit zwei Ausnahmen.
Ausnahme 1: BonanzaMargot, dem die Feiertage laut wiederholten Einträgen irgendwo vorbeigehen. Es ist traurig, bei ihm über soviel Resigniertheit zu lesen.
Ausnahme 2: Elsa Laska. Diese Frau versprüht derartig viel bösartiges Gedankengut innerhalb einer an sich positiv anmutenden Gemeinschaft, dass ich sie da nicht einschließe. (Wobei sie wahrscheinlich eh nicht bei mir liest.)
-
Jetzt kommt aber noch die Ausnahme von den Ausnahmen: man kann Weihnachten nicht feiern, (selbst wenn man bestimmten christlichen Auswüchsen negativ gegenübersteht) wenn man nicht einen Frieden gefunden hat. Und der Frieden gestattet es nicht, irgendjemand davon auszuschließen. Daher sind die obigen zwei Ausnahmen ebenfalls in die Festtagswünsche inkludiert. (Einfach zwangsweise:), weil mir bestimmte Erkenntnisse wichtiger sind als meine eigenen Aversionen.
-
Und wer die Wünsche nicht annehmen will, mag selber entscheiden, wie er sie entsorgt:)
-
Für all diejenigen, die normalerweise immer ein Weihnachtsschreiben von mir bekommen haben, entschuldige ich mich für heuer. Es wird in absehbarer Zeit einen Todesfall geben und es fällt mir schwer, hier einfach über die Belanglosigkeiten des täglichen Lebens zu schreiben.
Ich werde diese Weihnachtsschreiben vielleicht noch nachholen.
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18
Dez
2012

Die Weltformel

Bekanntlich ist ja Einstein an der Entwicklung einer "Weltformel" gescheitert. Doch jetzt gibt es eine neue Formel, die alles erklärt:

Hirscher durschaut Formel.
Solche Formulierungen findet man sonst nur in den Gratisblättern.
-
Dass dieses in ORF-online zu lesen ist, hat mich etwas von den Socken gehauen.
Vermutung, Verdacht, Überlegung, ... und noch ein paar andere Möglichkeiten hätte es gegeben, um einen Rückstand von über zwei Sekunden in einem Skirennen zu erklären.
-
Doch Marcel Hirscher ein überaus sympathischer und bescheidener Bursche hat "die Formel" gefunden. Bei aufmerksamen Lesen des Beitrags bin ich auf keinen einzigen Bestandteil gestoßen, den man in einer Formel auffinden sollte.
Er hat das auch sicher nicht selbst behauptet.
-
Natürlich macht es mir seither weniger aus, dass ich Schildpatt als Schildplatt geschrieben habe, ja überhaupt macht mir vieles weniger aus. Denn ich habe jetzt die Formel für Österreichs Journalismus gefunden:

D = ∞

Dabei ist D eine Masszahl für die sprachliche Dummheit von Journalisten und ∞ das Zeichen für unendlich.

Vielleicht ist das aber auch keine Formel sondern nur eine Vermutung.

Dieser Beitrag ist meinem Kollegen nömix gewidmet.
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abohn - 25. Apr, 15:30
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lamamma - 27. Mär, 12:44
Überrascht
Ich bin wirkliich überrascht, dass gerade Du lamentierst....
lamamma - 26. Mär, 15:30
Wobei nähen sich ja viel...
Wobei nähen sich ja viel direkter geboten hätte.
Schwallhalla - 26. Feb, 10:30

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