14
Mrz
2011

Publikumsbeschimpfung

Als ich Mitglied bei twoday wurde, hatte ich den Eindruck, dass das Niveau der Mitglieder sich von dem des durchschnittlichen Bloggers abhob.
Dass Libyen bereits komplett von Japan verdrängt wurde, zeigt, dass der Mensch nur ein Ein-bit-Schieberegister im Hirn hat. Sprich, jede Nachricht wird von der neueren Nachricht ersetzt.
Aber die Katastrophe in Japan kümmert uns nicht. Wenn ich durch die Beiträge der letzten Tage gehe, (und momentan habe ich Zeit, weil ich noch marode zuhause sitze) dann stelle ich fest, dass sich nicht einmal 1 Prozent der schreibenden Mitglieder mit der Japan-Problematik auseinandersetzt.
Möglicherweise ist der Schock einfach zu groß.
Aber muss sich nicht jeder die Frage stellen, was es für ihn oder sie eigentlich bedeutet?
Tschernobyl ist bereits vergessen. Was vor 25 Jahren passierte, ist bereits vor einer Generation passiert. Der zweite Weltkrieg ist bereits vor 3 Generationen passiert. Darüber gibt es kein Bewusstsein mehr.
Der Golfkrieg und das Anzünden der Ölfelder in Kuwait ist bereits vergessen, obwohl die Auswirkungen noch heute sichtbar sind. Man kann in dem Zusammenhang von der größten Ölkatastrophe sprechen, größer noch als der im Golf von Mexico.
Das könnte sich z.B. in Libyen auch wieder abspielen. Das würde uns ziemlich böse betreffen.
Aber Japan ist so weit weg. Und die Katastrophe ist so groß, dass wir sie nicht fassen können. Und im Verdrängen sind wir Weltmeister. Das Einzige, was ich vernehmen kann, ist die Anschuldigung, dass die Japaner so riskant auf AKWs setzen.
Was machen wir? Wir verlängern die Laufzeitbewilligungen und setzen die Bewilligungen jetzt aus.
Sobald sich die Zustände in Japan auf ein nicht mehr wachsendes Katastrophenmaß eingependelt haben, wird die Laufzeitzulassung wieder verlängert. Da möchte ich fast wetten drauf.
Meines Erachtens geht es hier um eine überpolitische Fragestellung. Einer der Atomkraftgegner (ich glaube von Greenpeace) hat es sehr interessant formuliert. Atomkraft ist nichts für unsere Art der Gesellschaft. (Dem stimme ich zu, obwohl ich selbst durchaus "sichere" AKWs, allerdings wesentlich kleiner, für möglich halte.)
Wir sind nicht einmal instande, die Katastrophe für uns selbst zu akzeptieren. Da laufen fast alle Blogs weiter wie gehabt.
Heiliger St. Florian,
Verschon' mein Haus,
Zünd's and're an!
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Nichts anderes kann ich denken, wenn ich heute durch die Titel von Twodays-Beiträgen scanne.
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Fickhase - 14. Mär, 19:10

Das sich Blogger nicht in ihren Blogs mit Japan auseinandersetzen heisst ja nicht, dass sie sich damit gar nicht auseinander setzen.

Du sagst, fast alle Blogs laufen weiter wie gehabt. Vielleicht haben die Blogger schon mit Partner, Arbeitskollegen, Freunden usw. über das derzeitige Tagesgeschehen diskutiert und möchten das ganze nicht nochmal (oder auch gar nicht) im Blog thematisieren?

steppenhund - 14. Mär, 19:47

Sehen Sie, ich erwarte ja nicht, dass sich jedes Blog damit auseinandersetzt. Ihres ist ein reines Themenblog, das auch sonst kein weiteres Thema aufgreift. Davon spreche ich ja gar nicht.
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Ich habe bei den Bloggern nachgelesen, bei denen ich meistens zu Gast bin. Die haben fast alle entsprechende Beiträge verfasst.
Doch die große Menge geht daran vorbei. Vielleicht ist es müßig von mir zu erwarten, dass jemand, der sich auch sonst etwas von der Seele schreibt, auch die Betroffenheit mit der derzeitigen Lage schreiberisch verarbeiten muss.
creature - 14. Mär, 22:48

ich mach das im standard, da ist das publikum größer

mich beschäftigt das so sehr und ich kann an nichts anderes ernsthaft denken, darum hatte ich letzte zeit nix geschrieben.
david ramirer - 14. Mär, 19:29

wie sieht er nur aus, der durchschnittliche blogger?
heute wohl sicher ganz anders als damals, als du bei twoday angefangen hast. ich glaube ja nicht, dass der "durchschnitt" bei etwas so wenig niveaugesteuertem wie dem bloggen leicht erkannt werden kann (und ich glaube noch weniger, dass die plattform da irgendetwas beisteuern kann).

jedenfalls haben sich die möglichkeiten der betroffenheitsbekundung doch sehr zum himmelblauen "f" hinverschoben. dort wird beweint, bedacht, kritisiert, in wenigen buchstaben "analysiert" (diese anführungszeichen sollen unterstreichen, wie wenig von einer analyse der "durchschnittliche" f-book-beitrag hat) und mittels rascher gruppenbildung scheindemokratisch zusammengerottet was das zeug hält.
in den blogs ist - auch daher - gerade bei tagesaktuellen dingen, weniger los, denke ich.

kaum jemand fühlt sich auch berufen, das unvorstellbare (und katastrophen wie die in japan übersteigen das vorstellungsvermögen bei weitem - da widerspreche ich einem eintrag hier von dir vor paar tagen) in einem kurzen text zusammenzufassen. da reicht ein wenig trauer in form von statusmeldungen, ein schleifchen beim profilbild und der beitritt in zwei bis drei betroffenheitsgruppen.
und die meinung ist deponiert. heutzutage genügt das den meisten - und das ist der eigentliche GAU.

steppenhund - 14. Mär, 19:45

Wenn Du mit Widersprechen meinst, dass das Vorstellungsvermögen nicht ausreicht, dann gebe ich dir ohne Weiteres recht. Für die meisten Menschen stehen bestimmte Dinge außerhalb ihrer Perzeptionswelt.
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Aber Gegenbeispiel: ich hätte mir bei Tschernobyl vorstellen können, dass es das Ende der Welt in relativ kurzer Zeit bedeuten hätte können. Tschernobyl hatte keine Absicherung gegenüber dem Boden. Es hätte sein können, dass sich dort eine Kernschmelze nach unten fortpflanzt und zu einer strukturellen Beschädigung der Erdkruste geführt hätte. Und das hätte dann durchaus in einem Zerplatzen des Planeten führen können, wie es sonst nur in Comics oder Katastrophenfilmen dargestellt wird.
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Mit dem eigentlichen GAU hast Du absolut recht.
david ramirer - 14. Mär, 19:55

das vorstellen (bzw. aufstellen) von katastrophenszenarien auf der basis physikalischer theorien meinte ich nicht. mir ging es um das "vorstellen" der bedeutung in seiner ganzen tragweite. angefangen vom millionenfach potentierten leid der betroffenen bis hin zu den auswirkungen für die kultur und das soziale gefüge des landes. hier setzt (vor allem dann, wenn es bis hinunter zum einzelnen betroffenen reicht) das vorstellungsvermögen sehr rasch aus.

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es ist zwar möglich, mehrere unendlichkeiten mathematisch in berechnungen einzubauen und sie entsprechend theoretisch zu begründen - und es ist ja auch möglich, mit imaginären zahlen eine reale architektur statisch auszuwiegen - aber was es wirklich bedeutet, wenn etwas nur ein halbes lichtjahr groß ist; wie sich das anfühlt, wenn man so heiß wie die sonne ist; wie der tod sich anfühlt... das können wir uns nicht wirklich vorstellen.
was nicht bedeutet, dass wir es immer wieder versuchen müssen und aus dieser anstrengung großes erwachsen kann. aber kein vorstellungsvermögen kann hier ohne hochrechnung und auslassung operieren. das halte ich aber für keine schwäche, eher für eine stärke.
la-mamma - 14. Mär, 20:04

vielleicht ist ja auch schon

alles gesagt, aber nicht von allen ...

wenn ich grundsätzlich keine gerade die ganze welt durchaus zu recht betreffenden probleme/fragen abhandle, weil ich absolut NICHTS außer meiner eigenen schon- oder nichtbetroffenheit zum ausdruck bringen könnte, besagt das keineswegs, dass ich anhängerin des florianiprinzips bin.

kurz hab ich sogar an einen beitrag gedacht, von wegen anti-akw, waldsterben, angst vor der bevölkerungsexplosion, angst vor dem dritten weltkrieg, angst generell, gleichgültigkeit usw., usf. alles gründe, warum "wir" uns damals gar nicht vorstellen konnten, kinder in die welt zu setzen. (der fehlte aber nun auch niemandem, außerdem hat ihn so ähnlich schon die werte frau swa geschrieben.)

steppenhund - 14. Mär, 21:35

Deinen Artikel hätte ich aber trotzdem gerne gelesen;)
Trithemius - 14. Mär, 20:23

Jetzt verstehe ich Ihren Kommentar bei mir erst richtig. Zu den twoday-Bloggern möchte ich aber zunächst etwas sagen: Ihr Eindruck deckt sich mit meinem, und da ich vorher bei blog.de ein Blog hatte, habe ich den Vergleich. Hier geht es etwas intelligenter und höflicher zu als bei Blog.de, was aber im Einzelfall nicht stimmen mag. Politisch aktive Blogger gibt es da wie hier. Es ist ein Problem unserer Tage, dass die Themen immer gleich so gewaltig sind und alles andere zu verdrängen scheinen. Ich glaube, keiner kann an den Gedanken an die Katastrophe und die GAUe in Japan verdrängen. Die Frage ist natürlich, ob man sich ständig damit beschäftigen will. Den 10. Eintrag über Atomunglücke in Japan lese ich nicht mehr. Das Thema Atomkraft wird an so vielen Stellen kritisch beleuchtet, da kann man la-mamma zustimmen, wenn sie Karl Valentin zitiert: "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen."
Die Laufzeitenverlängerung der AKW in Deutschland sind skandalös. Das habe ich schon so oft überzeugend dargelegt gelesen, dass es mir zu den Ohren rauskommt. Was soll man zu diesem Wahnwitz noch sagen? Trotzdem habe ich mich geäußert, aber nur, um mein Gewissen zu beruhigen.

profiler1 - 14. Mär, 20:31

alles richtig, meines erachtens nach, nur, was soll man groß schreiben wenn man auf einem bildschirm sieht, wie halbe städte in einer schwarzen sperrmüllwasserbrühe dahergespült werden, da und dort ein kopf aufragend, dessen innewohnende seele nur mehr kurz in dieser welt weilend.
von den ganzen uraniumplutoniumcäsiumgeschichten, die uns noch lange verfolgen und heimsuchen werden, einmal abgesehen, all dies menschliche leid welches uns da via tv, internet nach hause geliefert wird, was soll man da jetzt dazu sagen.
....
energiewirtschaft und energiepolitik wird den menschen aufoktruiert, war immer so, wird immer so sein. daß österreich kein akw hat ist bloß eine absurde randnote der geschichte und nicht ein dem vernunftentscheid der bevölkerung zuzuschreibender umstand, was, wie wie wir alle wissen, keinen sicherheitsgurt darstellt.

walhalladada - 14. Mär, 20:41


steppenhund - 14. Mär, 21:34

Das ist schon ein schöner Kommentar:)
diefrogg - 14. Mär, 21:49

Ich verstehe Ihren Ärger...

sehr gut. Es hat, seit ich im Journalismus bin, zwei Ereignisse gegeben, nach denen hatte ich das Gefühl: Danach ist das Übergehen zur Tagesordnung einfach unvorstellbar, nur schon das Einlegen eines Kostümschinkens in den DVD-Träger ein Akt ungeheurer Frivolität. Das war 9/11 und die Katastrophe in Japan. Ich lege zwar trotzdem noch einen Kostümschinken ein. Aber ich tue es im Bewusstsein dafür, dass ich etwas Frivoles tue. Und ich empfinde ein gewisses Befremden Leuten gegenüber, bei denen man den Eindruck hat, sie hätten dieses Gefühl der Frivolität nicht.

Aber eben... mit Schleifchen ist es auch nicht getan.

katiza - 14. Mär, 22:13

Ja. Und auch der sich bei mir einhschleichende Sarkasmus ist frivol, aber hilft im Verarbeiten des Unfassbaren.
diefrogg - 14. Mär, 22:17

Oh ja!

steppenhund - 14. Mär, 22:29

Sarkasmus kann ich verstehen.
Auch Ohnmacht.
Doch kann man andere Beiträge im Zustand der Ohnmacht schreiben?
steppenhund - 14. Mär, 22:32

Für mich gab es auch Tschernobyl.
das war am 26.4. 1986.
Am 2.1.1986 musste ich nach Moskau fahren. Das war zwar wesentlich ungefährlicher als Minsk. Doch Angst hatte ich trotzdem. Aber nicht um mich, sondern um die Welt schlechthin.
10 Jahre später fuhr ich in Deutschland in einem ICE. Im Speisewagen traf ich einen Arzt, der bei der Beurteilung des Schadens von Tschernobyls mitargumentiert hatte. (WHO)
"Nur ganz wenige Todesfälle.", "Ein bisschen überhöhtes Aufkommen von Lymphdrüsenkrebs in Weißrussland".
Ich hätte ihn erschlagen können...
katiza - 14. Mär, 22:40

Ja, kann man, Herr Steppenhund. Im Tagesjournalismus war es mein Job alle möglichen Beiträge, Sendungen oder Nachrichten in verschiedensten Formen der Ohnmacht (private Tragödien, Zorn, Missachtung, Liebe, Unausgeschlafenheit, Kater etc.) zu produzieren. Ich muss das kaum mehr machen und kann doch meinen Beruf leben und dafür bin ich dankbar. In diesem Fall habe ich sehr schnell über die Ohnmacht geschrieben und dann einen Haiku. Ich will nicht journalistisch reagieren in meinem Journal.
OT Und ich habe keine Ahnung, warum ich mich bei Ihnen immer gleich angegriffen fühl - aber da komm ich noch drauf ;-)
steppenhund - 15. Mär, 00:03

[OT] Verstehe ich im betreffenden Fall auch nicht. Den Haiku habe ich ja wohl registriert. Da sollten Sie sich doch gar nicht angesprochen fühlen.
steppenhund - 15. Mär, 00:10

[OT2]
Möglicherweise deswegen, weil ich zynisch und sarkastisch bin und das besonders gerne an Gutmenschen auslasse. Vielleicht ist auch mein Frauenhass spürbar.
rosmarin - 15. Mär, 01:58

lieber steppenhund,
da ich sie als mensch wirklich schätze, und die bloggerei ja auch der meinungsäußerung dient...
muss ich einfach mal sagen: ich finde dieses posting einfach eine unglaubliche arroganz.
ja ja... vielleicht und ehrlich gesagt denke ich das auch, geht es hier etwas gebildeter und kultivierter zu, als auf anderen blogplattgformen.
anders als sie.... denke ich: gut... ich kann das betroffenheitsgelaber nicht mehr ertragen. alle diksussionen zu staaten, politik, atomkraft, wissenschaft, macht, .... ähz.... mir wird schlecht.
und wenn blogger dies einfach ignorieren, finde ich es zunehmend sympathisch. nicht etwa als ausdruck der resignation.... sondern als ausdruck von "ich mach das nicht mehr mit".
die blogs laufen vielleicht nicht weiter "wie gehabt" sondern trotzdem.
wenige sind so blöd, wie Sie meinen und halten es mit dem florianprinzip.
ich denke, die meisten wissen genau, dass es uns allen gleich gehen kann, das wir irgendwann oder jetzt schon im selben boot sitzen.... und sind sich für betroffenheitslyrik einfach zu schade.

steppenhund - 15. Mär, 02:28

Wenn dieses Posting als arrogant betrachtet wird, habe ich ja wenigstens einen Zweck erreicht, nämlich ausreichend zu provozieren. Der vorige Eintrag, der eigentlich viel eher meine Betroffenheit ausdrückt, nämlich die Anprangerung der journalistische Verwendung von Superlativen, ging ja recht unbemerkt über die Bühne.
Wenn ich die Nachrichten sehe, egal ob in den Medien oder in den Zeitungen, kann ich die gleichlautenden Berichte schon nicht mehr lesen.
Ich würde mir erwarten, dass Blogger eben etwas anderes über die Situation beitragen können, etwas Persönlicheres, etwas, aus dem vielleicht eine etwas bessere Argumentation destilliert werden kann.
Meine bisherige Zusammenfassung lautet nämlich so: in zwei Monaten wird das Thema nicht mehr erwähnt werden. Nein sagen wir 9 Monate, wenn dass Wahljahr in Deutschland vorbei ist.
Vielleicht mag das Posting als arrogant rüberkommen. Dafür geniere ich mich nicht im Geringsten. Ich geniere mich sogar so wenig, dass ich denke, dass man einen so arroganten Kerl wie den Schreiberling auch gar nicht schätzen sollte. Denn jener vertschüsst sich von Personen, die hinter der Arroganz nicht die Betroffenheit ermessen können.
Gerade wenn man das Betroffheitsgelaber nicht mehr ertragen kann, wäre man gefragt, zu einer anderen Stellungnahme als der öffentlichen zu finden. Und einige tun das ja auch. In ganz unterschiedlichen, unterschiedlich langen, unterschiedlich stilisierten Beiträgen.
Doch die Prozentzahl kommt mir halt sehr wenig vor. Aber was soll das, Prozentrechnung gehört zur Mathematik. Und die braucht man sowieso nicht. Da lässt man sich lieber von Leuten etwas vorrechnen, die nur auf ihren Profit schauen.
Heute in einem Interview im Fernsehen: "Mein zehnjähriger Sohn hat mich gefragt, warum wir nicht alle Atomkraftwerke morgen abschalten?" Das sind die "intelligenten" Fragen, die gestellt werden.
So: warum können wir nicht?
rosmarin - 15. Mär, 02:47

leider liegt die provokation nicht im inhalt.... sondern in der art und weise...
und natürlich wird kein sender in zwei oder drei oder auch "neun monaten" (meinen sie, das hat was mit geburten zu tun??) darüber berichten. aber blogger sind keine berichterstatter.

"Gerade wenn man das Betroffheitsgelaber nicht mehr ertragen kann, wäre man gefragt, zu einer anderen Stellungnahme als der öffentlichen zu finden. Und einige tun das ja auch."

... bitte welche stellungnahmen außer öffentliche zugänglichen, könnten wir wahrnehmen????

... und warum gleich so heftig?

"Ich geniere mich sogar so wenig, dass ich denke, dass man einen so arroganten Kerl wie den Schreiberling auch gar nicht schätzen sollte. Denn jener vertschüsst sich von Personen, die hinter der Arroganz nicht die Betroffenheit ermessen können."

falls Sie wirklich glauben, meine Kritik hätte etwas damit zu tun, dass ich Arroganz und Betroffenheit nicht unterscheiden könne, so finde ich das erneut arrogant. Denn man kann arrogant und betroffen sein. Und "vertschüssen" kann man sich ob der blöden bloggerschaft natürlich auch.

*schüttelt den kopf.... * Sie wettern gegen die falschen.... aber wurscht....
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 08:20

Ein typischer Fall von deutsch-protestantischer Klage, auch bitteschön die richtige Betroffenheit heraushängen zu lassen. Hans, das ist - mit Verlaub - Unsinn. Einerseits wird bei jeder Gelegenheit das Meutentum auch im Blogs beklagt - andererseits kommen dann Stimmen, dass man sich nicht ausreichend mit der Welt beschäftige. Bitte verzeih' mir, dass ich aus 5000 km nicht die 245.000 Meinung dazu äußere, ob der japanische Regierungssprecher nun die Wahrheit sagt oder nicht. In Wirklichkeit wissen wir nicht einmal, ob er richtig übersetzt wird.

In Deutschland hat man aus Protest gegen die amerikanische Invasion des Irak anläßlich der Besetzung Kuwaits 1990/91 weiße Bettlaken aus dem Fenster gehängt. Vielleicht regst Du eine entsprechende Reaktion für die "twoday"-Blogger mal an, wenn es denn Dein Gewissen beruhigt. Oder irgendjemanden fällt eine andere Masturbationsvorlage ein.

steppenhund - 15. Mär, 08:52

Lothar, was ich beklage, ist das Fehlen von einer bestimmten Art von Stellungnahmen. Ich vermisse eine gewisse Frustration. Du deutest an, dass wir nicht wissen können, was wirklich passiert, dass die Berichterstattung möglicherweise mit Fehlern der Übersetzung beaufschlagt ist.
Es ist genau das, was ich vermisse: das zwischen den Zeilen lesen. Heute früh gab es neue "dramatische" Nachrichten. Das eigentlich Dramatische ist die Veränderung der Windrichtung, bei der man jetzt hofft, dass sie in 12 Stunden wieder auf Nordwest dreht und damit die Wolke von Tokyo abwendet.
Dass ein weiterer Reaktorblock explodiert ist und diesmal die strukturelle Hülle beschädigt zu sein scheint, ist zwar ebenfalls dramatisch, war aber bereits abzusehen, als Reaktor III seine Hülle verloren hat. Man hat kein thermisches Gleichgewicht mehr herstellen können.
Jetzt wird ganz - so nebenbei - erwähnt, dass Reaktor IV zwar abgeschaltet war, aber im Falle von weiteren Explosionen der Brennstoff genauso zur weiteren Radioaktivitätserhöhung beitragen könnte.
Er könnte nicht, er wird.
Und heute habe ich zum ersten Mal einen Strahlenwert gehört.
400 mSievert.
Ich beziehe mich im folgenden auf folgenden Artikel, den ich für einigermaßen seriös halte.
//www.focus.de/panorama/welt/tsunami-in-japan/radioaktivitaet-wieviel-strahlung-ist-gefaehrlich_aid_608449.html
400mSievert, das ist ungefähr ein halbes Sievert.
Für locker ionisierende Strahlung entspricht 1 Gray = 1 Sievert.
...Ab einer Schwellendosis von 1 bis 1,5 Gray im gesamten Körper tritt die akute Strahlenerkrankung auf. Je nach Strahlendosis kommt es zu unterschiedlichen Symptomen: Ab einem Gray Ganzkörperdosis kommt es bereits zu Blutbildveränderungen aufgrund einer Schädigung des Knochenmarks. Bei Strahlendosen bis fünf Gray kommen Symptome im Magen-Darm-Bereich mit Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfällen dazu.
...
[Quelle: siehe oben]

Jetzt beginnt die gleiche Verschleierungstaktik wie damals bei Tschernobyl. In jeder Nachrichtensendung wurde eine andere Strahlungseinheit angegeben. An Gray kann ich mich damals nicht erinnern.
//de.wikipedia.org/wiki/Strahlendosis
Dort sind bestimmte Zusammenhänge erklärt. Vor 25 Jahren sprach man noch von Rem und Röntgen, und wenn man es möglichst undurchsichtig darstellen wollte, von Becquerel.
Ich weiß, man soll nicht aus Wikipedia zitieren, aber in diesem Fall erlaube ich mir die Zusammenfassung:
...
Die Katastrophe von Tschernobyl von 1986 hat auch Fallout erzeugt, der in Mitteleuropa niederging und bis heute messbar ist. In Neuherberg bei München maß die Gesellschaft für Strahlenforschung am 26. April 1986 19.000 Becquerel pro Quadratmeter für Cäsium-137 - fast fünfmal so viel wie durch die Kernwaffentests. Außerdem lagerten sich pro Quadratmeter 210 Becquerel Strontium-90 ab. 90Sr ist ein Betastrahler mit einer Zerfallsenergie von 0,546 MeV und zerfällt mit einer Halbwertzeit von 28,78 Jahren zu 90Y, das wiederum unter Betazerfall zum stabilen 90Zr zerfällt. 90Sr ist ein häufig auftretendes Spaltprodukt bei der Kernspaltung von Uran, zum Beispiel von 235U in Kernkraftwerken.
Ursache der großräumigen Verfrachtung war der heftige Graphitbrand im Tschernobyl-Reaktor, der die radioaktiven Teilchen hoch in die Atmosphäre hinauf beförderte. Einen zwar sehr großen, aber dadurch doch relativ geringen Anteil des Fallouts ging auf die umliegenden Regionen der Ukraine, Weißrusslands und Russlands nieder. Die Bevölkerung im unmittelbaren Nahbereich des Kernkraftwerks hatte insofern Glück, dass der Wind vor der Evakuierung von Städten wie Pripjat vor allem dünnbesiedelte Gebiete bestrich.
Zusammengefasst ist zu sagen, dass in Tschernobyl eine sehr hohe Freisetzung erfolgte, die sich stark über den Erdball ausbreitete. Bei den im Westen gängigen Leichtwasser-Reaktoren ist infolge des vorhandenen Containments in der Regel mit einer geringeren Freisetzung zu rechnen. Diese bleibt aber infolge der hier fehlenden Brand-Thermik relativ bodennah (unsichtbare Wolke) und kann damit zu höheren Strahlendosen in der Nah-Umgebung führen als in Tschernobyl.

Vor zwei Tagen hieß es noch von interviewten Wissenschaftern: Fukushima hat nicht die Auswirkungen von Tschernobyl.
"Hat nicht!" Wenn ich aus obigem Text "ist infolge des vorhandenen Containments in der Regel mit einer geringeren Freisetzung zu rechnen." herausnehme, so geht dieses "Hat nicht!" von der Voraussetzung aus, dass das Containment hält. Und genau das hat es offensichtlich im Reaktorblock II nicht.
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Es geht nicht darum, was wir erfahren. Es geht darum, was wir nicht erfahren und aus diesem Grund sehr genau hinterfragen müssten. Wenn es die Journalisten nicht tun und die Blogger auch nicht, dann wird es wohl niemand hinterfragen.

Und offen gestanden ist es mir mittlerweile auch scheißegal. Ich stimme David Ramirer zu, dass man sich vom menschlichen Leid keine Vorstellung machen kann. Doch vom Ausmaß der technischen Katastrophe habe ich genügend Informationen, um das Szenario abschätzen zu können.
Und was war eine der "wichtigsten" Fragen bisher: wie wird das die Weltwirtschaft verkraften?
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Noch weitere Fragen?
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 10:58

Nein, keine weiteren Fragen. Ich bin das Betroffenheitsgeseiere leid. Man muß akzeptieren, dass es insbesondere aus Japan keine verwertbaren Informationen gibt. Das hat TEPCO noch nie gemacht - mit all den Störfällen, die sich da schon ereignet haben. Die Informationen, die uns vorliegen, sind wertlos, weil sie nur einen Ausschnitt zeigen, der mehrfach gefiltert ist. Abgesehen davon, dass Japan nur mit großem Wohlwollen als Demokratie bezeichnet werden kann, würde dies überall der Fall sein. Ich frage mich zum Beispiel, warum es keine Messungsergenisse aus Tokio gibt? Weil auch "unsere" Journalisten nicht das wahre Ausmaß wissen wollen.
Phorkyas - 15. Mär, 11:36

Wenn Sie beklagen, dass sich nicht einmal 1 Prozent der schreibenden Mitglieder mit der Japan-Problematik auseinandersetzt, dann ist mir das doch zu sehr in Nähe dieser FAZ Reaktion: Hey Leute, da ist Geschichte, sagt doch bitte was dazu. - Wenn Sie schon das Publikum beschimpfen, dann darf das doch auch zurückschimpfen;-) - Die "Geschichte" geht mir so was von am A.. vorbei, die kann auch gut ohne mich. Ich habe den ganzen Tag Beiträge zu diesem Thema, Feautures, die die allgemeine Ahnungslosigkeit, das Ausbleiben verlässlicher Information auf zwanzig Minuten dehnen. Vor einer Woche, als wir gerade die Aufbackbrötchen aus dem Ofen holten, da lief im Radio ein kleiner Beitrag zu der Qualität von Aufbackbrötchen. So wünsche ich mir das, das ist relevante Information!
steppenhund - 15. Mär, 11:46

@g

Weil auch "unsere" Journalisten nicht das wahre Ausmaß wissen wollen.
Ist der Punkt am Schluss wirklich beabsichtigt? Oder sollte es besser ein Fragezeichen sein?
steppenhund - 15. Mär, 12:02

@Phorkyas

Ich habe den ganzen Tag Beiträge zu diesem Thema, Feautures, die die allgemeine Ahnungslosigkeit, das Ausbleiben verlässlicher Information auf zwanzig Minuten dehnen.
Aber genau darum geht es mir doch!
Zu den Zuständen in Japan können Blogger wenig schreiben, was mehr Informationsgehalt hat oder nicht in den Geruch der Spekulation fällt. (Das könnte man mir z.B. vorwerfen, obwohl ich bis jetzt verdammt noch einmal viel zu recht behalten habe.)
Aber anhand dieser Katastrophe könnte man das Geschehen so wunderbar "aufblatteln", wie man bei uns in Österreich sagt.
Beispiel 1:
Heute um ca. 11:00 gab es eine Nachrichtensendung. Da wurde ein Bild von Fukushima-I gezeigt, das nach meinen bisherigen Informationen aus 4 Reaktoren besteht. Die waren auch schön im Bild mit Zahlen bezeichnet. 1,2,3,4.
Gleich darauf wurde von den Reaktoren 5 und 6 gesprochen.
Wo sind die jetzt? Sind das die Reaktoren 1 und 2 von Fukushima-II? Oder sind das Reaktoren in anderen Kraftwerken, da waren noch andere gefährdet.
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Beispiel 2:
Man hört große Betroffenheit bei den berichterstattenden Journalisten. Die glaube ich ihnen auch ohne Weiteres.
Und trotzdem erscheint mir die Berichterstattung wie bei einem der jetzt gängigen Spiele. DSDS, Dancing Stars, etc.

Passiert ist .... auch ..... der ..... Reaktor .......II ....... ist jetzt ......................................................explodiert.
-----Und das ist jetzt etwas Besonderes. Da tritt Radioaktivität aus.
................... Reaktor 4 ....................... ist nicht explodiert. ..................der war ............................. schon abgeschaltet ...............................aber trotzdem .............................. gab es ..................... einen Brand. ............ (Hurra! doch etwas) ...................Der Brand ist schon gelöscht........................... Aber es ist Radioaktivität ausgetreten.....................................................................................................................

Und jetzt bitte eine Erklärung? Wo hat es den Brand gegeben. Wie sieht es dort mit dem Containment aus. Wenn das strukturell in Ordnung ist, warum kann Radioaktivität austreten.

Und in keinem bisherigen Beitrag (möglicherweise heute schon) wurde erwähnt, dass die Kühlung mit Meerwasser, kontaminiertes Wasser wieder in den Ozean zurückliefert. Das muss mindestens bei Reaktor II der Fall sein. Vermutlich aber auch bei I und III.

Zurückschimpfen ist schon ok:) Darauf habe ich es ja durchaus angelegt.
Mir Arroganz vorzuwerfen, verkennt allerdings meine Absicht. Und die dürfte inzwischen ein bisschen klarer sein.
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 13:20

@steppenhund

Nein, ohne Fragezeichen. Die haben doch meist keine Ahnung und plappern nur das nach, was sie vorgelegt bekommen. Die TEPCO-Pressemitteilungen kann ich im Internet lesen. Sie sind derart nichtssagend, dass man Schlimmstes befürchten muss.
Phorkyas - 15. Mär, 14:37

Mir Arroganz vorzuwerfen, verkennt allerdings meine Absicht. Des heb ich nicht getan und fiele mir auch nicht ein (wenn sollte man es meinen Aufbackbrötchen vorwerfen). Und die dürfte inzwischen ein bisschen klarer sein. Ja, und deshalb hatte ich überlegt, ob ich meinen Kommentar überhaupt noch versenden sollte.

Natürlich sollte man den gesunden Menschenverstand einschalten, bei solchen Nachrichten, die einem da untergejubelt werden (mit einem irrelevanten epsilon hab ich mich auch kurz befasst:
//phorkyas.wordpress.com/2011/03/14/politische-sprachverwirrung/ )

- Was mir in der Tat befremdend erscheint ist die Art von Erregungsöffentlichkeit. Ein kräftiger Stoß Boulevard.. und was der Fall ist, muss auch verhandelt werden... und welche MACHT dies hat. (Die Aufregung bei Guttenberg war doch groß genug, um ihn aus dem Amt zu drängen - jetzt geht es mit der Abschaltung der alten Atommeiler plötzlich ganz schnell?)
steppenhund - 15. Mär, 14:42

@Phorkyas

Nein, Sie waren das nicht mit der Arroganz. Das Thema ist auch schon abgehakt.
Aber in meinem nächsten Beitrag, hat mich yonsequepasara auf www.heise.de hingewiesen und da gibt es ja doch ganz interessante Informationen zu finden: Stichwort Masashi Goto.
virtualmono - 15. Mär, 08:43

Ich hatte ja etwas dazu geschrieben - nämlich, daß ich nichts dazu schreibe, weil mich das nur unnötig aufregt. Was mich daran aufregt? Nun, diese unglaubliche Salami-Taktik bei der Berichterstattung, diese unglaubliche Dreistigkeit, mit der sich ein Röttgen hinstellt und behauptet "das kann bei uns ja gar nicht passieren", diese aufgesetzte Betroffenheit überall in den Medien, und ja, auch das "Aussetzen der Laufzeitverlängerung", was letztendlich wieder nur ein politischer Schachzug des schwarzen korrupten Packs ist, um bei den anstehenden Wahlen nicht vollends abzukacken (danach werden die Laufzeiten dann doch verlängert, wartet nur ab...).

Das wird alles zusehends unerträglicher, und deshalb rege ich mich nicht mehr auf. Die Natur hat immer recht, und die Erde kann auch sehr gut ohne Menschen auskommen (oops hat dazu einen sehr schönen Film verlinkt).

Wie war das doch gleich?
Norbert Blüm (CDU): "Die Renten sind sicher".
Norbert Röttgen (CDU): Unsere Kernkraftwerke sind sicher".

Na sicher.

steppenhund - 15. Mär, 08:55

Naja, unsere Beiträge waren jetzt zeitgleich. Bei dir fühle ich mich verstanden.
steppenhund - 15. Mär, 09:01

Unser Verteidigungsminister:
"Die Wehrpflicht ist in Stein gemeißelt!"
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 10:53

Eine Sicherheit hat virtualmono vergessen: Die Versicherung an die "Sparerinnen und Sparer", dass deren Einlagen sicher sind (05.10.2008). Der GAU steht noch aus. Kriegt Mutti aber bestimmt auch noch hin
pathologe - 15. Mär, 08:45

Ich

lasse mich natürlich gerne beschimpfen.

Mein Problem bei dieser Japangeschichte im Moment ist, dass da bei mir zuviel Sarkasmus oder Zynismus herauskäme, mit welchem ich fraglos einige Leser verscheuchen würde. Mir sind da einige Sprüche eingefallen, die zu bloggen ich mich zurückgehalten habe, um nicht als gefühl- oder herzloser Blogger im Angesicht all diesen Unglücks dazustehen. Obgleich es mich noch immer juckt. In den Fingern, in den Hirnwindungen. Also, was tun? Selbst beim Twittern, wo man mangels Kapazität innerhalb von 140 Zeichen einen raushauen muss, hielt ich mich zurück.

(Oder was hielten Sie von einer Aussage "Japan, das Land der aufgehenden Sonne. Die Strahlungsquelle hatte ich aber etwas anders in Erinnerung."?)

virtualmono - 15. Mär, 08:47

Oder richtig böse: "Japan - nichts gelernt aus Hiroshima".
pathologe - 15. Mär, 08:49

Provozieren

Sie mich bloß nicht, Herr Virtualmono! "Die Japaner sollten doch eigentlich historische Erfahrung im Umgang mit radioaktiver Strahlung haben."
steppenhund - 15. Mär, 09:01

Die Japaner tun mir leid. "Das Land der aufgehenden Sonne" finde ich ausgezeichnet. Ihre Zurückhaltung verstehe ich schon.
Ich würde es höchstens mehr schätzen, wenn Sie den gleichen Sarkasmus mit ein bisschen mehr europäischer Zielrichtung positionieren:
"Liebe Angela, also was jetzt: verlängern oder nicht?"
oder
"Was eine Penispumpe schafft - Verlängerung, schafft eine schwarz-gelb-Regierung schon lange. Wir verlängern die Laufzeit."
"Es gibt keine Tabus. Ich darf schließlich in drei Monaten dazulernen!"
steppenhund - 15. Mär, 09:07

Im Übrigen

A.M. ist ja Physikerin und hat sich darüber hinaus noch speziell mit Isotopenuntersuchungen beschäftigt. Dass sie der einer Verlängerung der Laufzeit zustimmen konnte, halte ich für einen Beweis, wie politische Macht eine Eigendynamik bekommt, die auch gescheite Menschen in kürzester Zeit korrumpieren kann.
pathologe - 15. Mär, 09:14

Wissen

wir, wie oder von wem die Rente einer A.M. gesichert wird? (Zitat Norbert Blüm "Die Renten sind sicher!")

Die Zeit der 4 Besatzungszonen in Deutschland ist noch lange nicht vorbei. Doch statt England, Frankreich, Russland und den USA sind es nun E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW.
steppenhund - 15. Mär, 09:18

Irgendwann in den letzten Tagen habe ich eine ähnliche Stellungnahme gehört.
Es sind nicht mehr die Herrscher, die gegeneinander aufmarschieren und uns über die Klinge springen lassen. Es sind jetzt die "Korporationen", zu denen die angeführten natürlich zählen.
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 08:52

Hier gibt es gerade jemand, der darüber bloggt. Einer dieser twoday-Blogger. Dort steht u.a.: "Könnte es sein, dass die Linken und Grünen, die alles, aber auch wirklich ALLES zu tun bereit sind, um den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken zu verhindern, geholfen haben, drei Reaktoren des Atomkraftwerkes Fukushima zur Explosion zu bringen?"

Da kann man Zeuge einer Kernschmelze im Gehirn werden. Zufrieden?

pathologe - 15. Mär, 08:56

Aber

aufpassen, dass man keinen Wasserkopf hat, da sonst Knallgas entsteht!

(Und ja, die Grünen und Linken sind schuld. Die haben auf dem Meeresgrund solange ihre Friedenstänze getanzt, bis dies einen Tsunami auslöste, der wiederum...)
steppenhund - 15. Mär, 08:57

@gk

Dieser Hinweis gefällt mir schon besser und führt zu folgender Entgegnung:
Ein Bauer zum anderen:
"Heut hab ich mich gegen Feuer und Hagel versichern lassen."
-
"Aha! Sag, wie machst Du den Hagel?"
steppenhund - 15. Mär, 09:08

@pathologe

Ach, so geht das. So nach dem Prinzip der Regenmacher. Das leuchtet ein.
lovehunter - 15. Mär, 09:33

Es fehlen die Worte, mit der sich diese Katastrophe fassen ließe; zu apokalyptisch ist ihr Ausmaß.

Und dennoch tragen wir alle eine Mitschuld. Denn hängen wir nicht alle artig am Gängelband diverser Lobbys, die uns jederzeit ins Verderben stürzen können, und konsumieren brav, was uns vorgesetzt wird und folgen allen neuen, künstlich erzeugten, Bedürfnissen? Oder gibt es hier jemanden, der jeden Tag ein paar Stunden ohne Strom sein möchte, sein Auto mehrere Tage in der Woche nicht in Betrieb nimmt, auf das Internet verzichten will...usw?

Die Menschheit ist und bleibt ein Trottelhaufen. Nach dem Entsetzen gehen wir wieder zur Tagesordnung über und sind erleichtert, dass es uns nicht erwischt hat. Politker bereiten bereits ihre Lügen vor, mit denen sie uns weismachen wollen, man hätte aus der Katastrophe gelernt...blablabla

steppenhund - 15. Mär, 09:34

seh ich auch so!
virtualmono - 15. Mär, 10:26

.
pathologe - 15. Mär, 09:37

Wer

sich informieren will, der kann hier recht gut mitlesen. Ein wenig Spreu ist auch vertreten.

steppenhund - 15. Mär, 09:51

Danke

Ich schätze z.B. diesen Eintrag sehr, der dort gefunden wird:

Sonntag, 13. März 2011

250.000 Jahre

Diese Zahl musste ich für mein Abitur auswendig lernen: Alle 250.000 Jahre würde einmal ein Reaktorkern durchbrennen. Das war 1985/86, und trotz der Berechnungen fuhr ich nach Wackersdorf und liess mich mit Tränengas bewerfen. Heute, 750.000 Jahre später, schreibe ich in der FAZ über das, was ich von solchen Berechnungen halte, trotz bayerischem Abitur.
[Quelle: rebellmarkt.blogger.de]
Jossele - 15. Mär, 14:17

Ja was willst du denn darüber in Blogs schreiben?
Betroffenheitskundgebungen, Solidaritätsbezeugungen, Moralisierendes wie, "ich habs ja gesagt"?

Wir wohnen der Live-Übertragung eines Reaktorschmelzprozesses bei (Schafft´s die 2 vor der 3?), mit an Zynismus grenzender Berichterstattung (Die Weltwirtschaft ist davon kaum betroffen, Europa droht keine Gefahr,...).

Das Begreifen ist uns offensichtlich noch eine Nummer zu groß.

Es gibt keine "sichere" Technik, und bei AKW´s, wie du schreibst, auch wenn sie noch so klein sind, schon überhaupt nicht.
Wir haben uns jahrelang etwas vorgelogen. Du kannst nicht etwas als sicher bezeichnen, dessen Auswirkungen ein paar tausend Jahre beträgt, und bis heute kein Mensch wirklich weiss, welche Maßnahmen für tausend Jahre Endlagerung reichen (für 30 Jahre Profit). Und das ohne Störfälle.

Was wir jetzt erleben ist die Rechnung für Überheblichkeit, und nicht nur die der Japaner. Wir werden fieberhaft nach Beschwichtigung suchen und weiter brave Lemminge sein (Der Lemming legt das ihm angedichtete Verhalten übrigens nicht an den Tag!).

Ändern werden wir uns müssen, so oder so, sonst geht der übernächste Schritt wirklich über die Klippe.
Aber trotzdem scheint heute die Sonne, und warum nicht bloggen, dass die Primeln sprießen?
All die inflationären Betroffenheitskundgebungen, oder zumindest sehr viele davon, halte ich für scheinheilig, so wir nicht wirklich etwas ändern, an uns.

Ich nehme an, auch auf deinem Blog wird bald wieder über Klaviersonaten zu lesen sein, und das ist gut so.
Wichtig erscheint mir, dass wir diese Gelegenheit jetzt nützen, endlich einmal etwas dazu zu lernen.

steppenhund - 15. Mär, 14:48

Lieber Jossele, ich würde dir so gerne recht geben. Vielleicht wäre es angebracht, über Primeln zu schreiben, um etwas wie Optimismus aufkommen zu lassen.
Aber Du schreibst:
Wir wohnen der Live-Übertragung eines Reaktorschmelzprozesses bei (Schafft´s die 2 vor der 3?), mit an Zynismus grenzender Berichterstattung (Die Weltwirtschaft ist davon kaum betroffen, Europa droht keine Gefahr,...).
Die Berichterstattung unterscheidet sich im Stil und Tonfall kaum von einer Berichterstattung über Dancing Stars oder Lugners Partygästen.
Es ist nicht die Betroffenheit über eine Naturkatastrophe oder eine imminente Bedrohung, die mich aufregt. Es ist die Demaskierung dessen, was man in unser Hirn füttert. Ja, Live-Übertragung, das trifft es genau.
Jetzt habe ich ja doch schon einige Blogs und Kommentare hier gelesen, die diese Richtung einschlagen.
Vorher waren es mir einfach zu wenige.
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 15:06

Wenn nicht jetzt über Primeln schreiben - wann dann?
Jossele - 15. Mär, 15:10

Die Primeln laufen ja parallel dazu. Keineswegs wollte ich sagen, das Eine statt dem Anderen.

Und da stimme ich dir zu, die Berichterstattung hat über weite Strecken durchaus Rasierklingenmentalität. "Stimmen sie mit, per SMS, zum Ortstarif, wer schmilzt als nächstes?".
Vermutlich wird auch grad eine "Doku" gedreht, "Lugner schaut sich die Sondersendung ZIB2 an", Mausi oder Hasi haben dabei ein "Atomkraft, nein Danke" Button am Schulterriemchen ihres Nachmittagskleidchens und lächeln betroffen.
steppenhund - 15. Mär, 15:42

@gk

:) Is woar!
steppenhund - 15. Mär, 15:43

@Jossele

Mitstimmen zum Ortstarif. Großartig!
Wäre mir nicht so bald eingefallen;)
walküre - 15. Mär, 16:41

Im Grunde genommen müsste man an der Profitgier und Dummheit (=Fehlen von Herz und Verstand) eines großen Teiles der Menschheit verzweifeln - und sich in letzter Konsequenz darob selbst entleiben.
Wenn ich anfange, über Japan zu schreiben, kann ich auch andere Katastrophen nicht außer acht lassen, wie zum Beispiel (Bürger-)Kriege, Umweltverschmutzung (auch viele kleine Teile summieren sich !), Menschenrechtsverletzungen, Hunger, Armut, Ausbeutung, die in Ländern der Dritten Welt zum Alltag gehören. Wo fängt es an, wo hört es auf ?

Die Schuld den Unternehmensführern und Politikern zuzuschreiben, ist einfach - und geht an der eigentlichen Problematik vorbei, denn Politik fängt im Kleinen an, bei alltäglichen Dingen wie Einkäufen, Bankgeschäften, der höchstpersönlichen Einstellung zum Autofahren, dem Buchen (oder Nichtbuchen) von Urlaubsreisen, bei der Auswahl des Arbeitgebers.

Wir sind besessen von Slogans wie "Geiz ist geil" und wundern uns, wenn wir die Rechnung dafür bekommen, dass wir dem Teufel unsere Seele verkauft haben, um es metaphorisch zu formulieren.

steppenhund - 15. Mär, 16:46

Wir sind besessen von Slogans wie "Geiz ist geil".
Sehe ich genauso. Japan ist nur insofern anders, als es sich dabei um eine irreversible Beschädigung handelt, die man nicht mit noch so viel Geld reparieren kann.
Es wird noch ein paar derartige Katastrophen geben müssen, bis wir ein bisschen nachdenken.
Vielleicht einmal ein bisschen Mochovze.
Gregor Keuschnig - 15. Mär, 16:56


steppenhund - 15. Mär, 17:03

Absolut!!!
Hab ja auch schon kommentiert:)
Ist schon unglaublich, was?
Metepsilonema - 15. Mär, 17:52

Ich habe den Eindruck es wird ohnehin zu oft über Ereignisse geurteilt (und geschrieben), obwohl eine umfassende Beurteilung noch gar nicht möglich ist, weil die Ereignisse noch nicht einmal ansatzweise zu Ende sind.

"Japan" hat m.E. sehr viele in seinen Bann gezogen, ohne dass ich jetzt darüber urteilen möchte warum (und es ist auch müßig sich zu überlegen welche Gefühle da hineinspielen, denn über die sind wir nicht Herr).

Anousch - 16. Mär, 12:35

Hm, auf Twitter gibt es so gut wie kein anderes Thema als Japan, Kernenergie und übrigens nach wie vor Libyen.

steppenhund - 16. Mär, 12:49

Das ist gut, dass Libyen nicht vergessen wird.
Aber Twitter ist nicht meines.
Ich sehe das als Vorstufe zur Kommunikation nur mehr über Pics bzw. Icons an. Irgendwann werden wir bei Chinesisch landen.
Eigentlich ein hübsche Überlegung.
Und danke für diese Ergänzung.
pathologe - 16. Mär, 12:52

Andere

Themen gehen dafuer gaenzlich unter. Habe zwei Mails erhalten, eine von der deutschen Botschaft in Doha, die andere ueber ein Netzwerk, ausgehend von der englischen Botschaft. Beide empfehlen, am heutigen Tage (angekündigte) Demonstrationen in Doha weiträumig zu meiden. Es glimmt also auch schon in Qatar.
steppenhund - 18. Mär, 00:18

Irgendwo habe ich ja auch die Frage gelesen, wie Gaddafi das mit dem Erdbeben so hinbekommen hat. Für ihn ist das ja ein wahrer Segen.
teacher - 17. Mär, 15:44

Ach, ich rede in vielen Klassen über nichts anderes mehr: Japan, Erdbeben, Katastrophen, Tsunami, Super-GAU. Aber in meinen Blog wird es erst einsickern können, wenn ich es verdaut habe!

steppenhund - 18. Mär, 00:17

Wie ich schon jemandem anderen geantwortet habe: ich will damit niemanden angreifen, (eigentlich überhaupt niemanden) der selbst ein sehr themenbezogenes Blog führt. Mein Unmut wird da falsch verstanden.
Im Prinzip beschreibt ja Ihr Blog auch eine Art von Supergau. Allerdings einen, dessen Radioaktivität noch unmerkbarer als die atomare ist. Was im Schulwesen an konstanter Schädigung von außen einwirkt, rächt sich ebenfalls erst in Jahren, aber wenn der Krebs dann ausgebrochen ist, wird er wohl unheilbar sein. (Ich beziehe mich da darauf, dass so viele auf die Lehrer einhauen, insbesondere die Medien.)
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