Zeitgeist

Montag, 14. Juli 2008

Über die Natürlichkeit in der Sprache

im letzten Hohlspiegel gab es ein Zitat aus der "Frankfurter Allgemeinen":
Im Frühsommer lockt Korsika mit einer üppig blühenden Fauna."
Ist alles nur Konvention, wie man auch dem folgenden selbstgedichteten Sinnspruch entnehmen kann:

Der Geißbock blüht, es blüht das Reh.
Und dann im Winter blüht der Schnee.
Ach Schnee, ferrarirot und schwarz,
Dich lieb ich mehr als Bernstein-Harz.
Doch fürcht ich mich zu Tode schier
Ob Blümelein, der wilden Tier'.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Portugal - Schweiz

Nein, diese beiden haben nicht gegeneinander gespielt. Dass Portugal gegen die Tschechen gewonnen hat, geht für mich in Ordnung. Dass die Schweiz gegen die Türkei verloren hat, geht auch in Ordnung. Es bedeutet für mich nur eines: wir - Österreicher - werden morgen auch gegen die Polen verlieren.
_
Wir sind da einfach zu ähnlich. Und wir werden nachher jede Menge Entschuldigungen haben.
-
Ist einfach so. Für drei Leute habe ich 82 Euro Bier bezahlt, dabei hatte der eine nur zwei Krügeln.

Ich schaue Fussball und wundere mich über mich selbst...

Dienstag, 27. Mai 2008

Mars

Beim Mittagessen in der netten Bar ein Stockwerk unterhalb meiner FIrma pflege ich in der Wartezeit bis zum Hauptgang das Presse-Sudoko zu lösen.
Heute habe ich allerdings voll Interesse die ersten beiden Seiten der Presse gelesen. Da gab es weder Außen- noch Innenpolitik sondern einen Bericht über die gelungene Marslandung mit anschließender Bildübertragung.
Über die Meinung, ob uns der Weltraum etwas angehen sollte, kann man geteilter Meinung sein. Ich finde die Bestrebungen, den Erdball zu verlassen genauso interessant und letztlich relevant, wie die Erforschung der Nordwest-Passage, die Reise von Columbus nach Indien oder die Wettfahrten zu den Polen.
Lustigerweise fand ich im Bookshop eine Remittende von Herbert Frankes "Flucht zum Mars". Auflage 2007. Es scheint mir sehr kindlich geschrieben. Von Franke bin ich einen anderen Stil gewohnt. Es liest sich wie ein Kinderbuch. Allerdings stellt es eine utopische Vision des Lebens auf der Erde in den Raum, die nicht nur eine Verfeinerung des bereits heute gelebten Stils mit Reality-Shows und immer weniger Arbeit zeigt, sondern so im Nebensatz erwähnt, dass die Bevölkerungskontrolle äußerst gewissenhaft ausgeübt wird, nachdem nach einem Krieg, die Lebensmittelvorräte beschränkt sind.
Es war nur die Presse, welche die Tatsache so hoch herausgestellt hat. Ein bisschen verwundert mich das - ein bisschen freut es mich. Wir können ein bisschen in den Goldgräberrausch der nächsten Jahrhunderte hineinriechen.

Montag, 19. Mai 2008

Journalismus korrumpiert

Ich mag ja Franzobel.
Ich stelle fest, dass er auch für die Presse schreibt. Da wird dann gleich literarisch überhöht.
Das passte gut zum Bild, dass Österreich mit seinen Priklopils, Axtmördern und Inzest-Fällen der Welt derzeit vermittelt.

Als Staatsbürger ermahne ich nun die Polizei: bitte findet die weiteren Priklopils und auch alle restlichen Axtmörder. Jetzt ist es ja bekannt, dass es da noch etliche gibt.
Also auf! Macht euch auf die Socken. Sagt nachher nicht, dass ihr nicht gewusst habt, dass es da noch mindestens einen Priklopil gibt.
-
Die Franzobels unserer Presse wissen es nämlich ganz genau. Die haben die österreichische Psyche durchleuchtet und wissen, wie sich dieselbe am liebsten darstellt. Durch Priklopils und Axtmörder. Von dem bissel Incest wollen wir erstmals nicht reden.
Make love not war!

Samstag, 17. Mai 2008

42 Jahre

Die Weltöffentlichkeit kann sich ja gar nicht an der österreichischen Verbrecherseele satt lesen. Wie kann es denn sein, dass so lange Jahre niemand etwas bemerkt hat wie in den Fällen K und K. K & K hat ja Tradition bei uns.
Jetzt habe ich vor wenigen Tagen etwas gelesen, was fehlende Aufmerksamkeit in ein ganz anderes Licht rückt. In einer Gratiszeitschrift, die ich in der Regel zwischen den Stationen Südtirolerplatz und Karlsplatz (3 min) ausgeblättert habe, finde ich die Meldung: Tote Kroatin saß 42 Jahre vor Fernseher.
Die Leiche von Hedviga Golik war bereits mumifiziert. In ihrer Wohnung im Fernsehsessel verstorben.
Ich frage mich nun: ist der Fernseher noch gelaufen? Wer hat all die Jahre die Stromrechnung bezahlt.
Aus dem gleichen Blatt entnehme ich das Déjà-vu-Schockerlebnis von Marianne Atzeroth-Freier, einem Ex-Mitglied der Mordkommission beim Landeskriminalamt Hamburg. Sie hatte große Ähnlichkeiten zwischen dem Fall Josef K und dem Fall Lutz R entdeckt.
1996 wurde Lutz Reinstrom (60), der "Säurefassmörder" zu einer lebenslangen Haftstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt. Er hatte ein ganz ähnliches Verlies wie Josef K gebaut.
-
Ich frage mich: ist es nicht schön, so umfassend informiert zu werden?

Montag, 5. Mai 2008

Töten und Stehlen

Einen bedauerlichen Totschlag besingen die Buggles.
Über einen Diebstahl hörte ich heute im Radio. Die Kirche hat den Muttertag gestohlen. Der fällt nämlich auf Pfingsten anstelle eines "gewöhnlichen" Sonntags.
Dafür gedeihen aber die Pfingstrosen im verwandschaftlichen Garten ganz hervorragend.
Pfingsten2008

Dienstag, 29. April 2008

Was steppenhund aus dem Fall Josef lernt ...

Wenn ich im Kaffeehaus sitze, blättere ich die Zeitschriften durch. Ich muss ja auch schauen, ob meine Voraussagen hinsichtlich der Schlagzeilen der Kronenzeitung eingetroffen sind.
Ich finde eine minutiös ausgearbeitete Darstellung des Kellers, Verlies genannt. Ich finde ebenfalls die Berichte über die psychischen Auswirkungen des Kellers auf die Kinder, die dort geboren, nie etwas anderes gesehen haben. Der Artikel kommt mir nicht einmal sonderlich reißerisch vor.
Ganz unmittelbar werde ich von zwei Assoziationen überrannt. Zuerst - etwas verschattet und nicht so klar - erinnere ich mich an ähnliche Darstellungen des Führer-Bunkers. (Sorry, dass wieder einmal die NS-Assoziation im Raum steht.) Da ich da aber gut im Verdrängen bin, drängt sich die andere Darstellung viel greller auf.
Kann sich denn jemand noch an die Darstellung der Überlebensbunker erinnern, die sich manche Leute aus Angst vor einem Atomkrieg angelegt haben.
Das erschien während des kalten Krieges als vorausschauend. Die Tokyoter U-Bahn ist so konzipiert, dass sie Platz für einen derartigen Fall für die halbe Tokyoter-Bevölkerung hat. Hat man mir erzählt.
Wir bedauern die Opfer des Verbrechens und stellen uns vor, wie unmenschlich man sich das Hausen in einem derartigen Verlies vorstellen muss.
Und wir - in diesem Fall nicht die Bewohner eines Landes mit menscheneinsperrenden Technikern - sondern wir als Bewohner "zivilisierter" Völker gehen noch immer ganz leichtfertig mit dem Krieg um und finden Erklärungen dafür, warum er manchmal doch notwendig ist.
Wir - das gleiche wir ist gemeint - scheren uns nicht darum, dass ein plötzliches Überschwappen einer Kriegsentwicklung, die Überlebenden in genau so ein Kellerverlies scheuchen kann, wie wir es jetzt noch für unmenschlich halten.
Ein Freund, ein recht bekannter Statistikprofessor, meinte - und das noch nicht einmal zynisch: "H, die Menschheit überlebt - und wenn es nur 5000 sind, die als Bevölkerungsgruppe zurückbleiben. Der Beweis wurde schon einmal angetreten. Der nächste Weltkrieg, er kommt ziemlich sicher, wird 2 000 000 000 Opfer fordern. Man wird seine Auswirkung auf die Bevölkerungskurve sehen. Vom zweiten Weltkrieg sieht man die Opfer nicht einmal als Knick."
Tröstlich, nicht? Sie können das auf einem Millimeterpapier nachvollziehen. Tragen Sie die Weltbevölkerung über der Zeit auf. Wenn Sie das Blatt waagrecht legen, können Sie die Weltbevölkerung so skalieren, dass 15cm 6 Milliarden entsprechen. Dass bedeutet 2,5cm entspricht 1 Milliarde. 60 Millionen entsprechen dann etwas 1,5 mm. Diese gehen in der allgemeinen Steigerung der Kurve praktisch unter. die 2 Milliarden entsprechen einem plötzlichen Abfall um 5 cm. Das wird man sehen.
-
Und jetzt überlegen wir mal. Falls wir überleben sollten, dann genau in solchen Kellern, wie sie im Fall Josef beschrieben sind. Und noch immer benehmen wir uns so, als gäbe es kein Morgen.

Nachtrag:
zur Veranschaulichung des vorletzten Absatzes
popgraph

Montag, 28. April 2008

Der Fall Josef

Ich werde mir keine Freunde mit diesem Eintrag schaffen. Doch ich fühle mich beeinträchtigt.
Nicht durch das Verbrechen an sich. Ich gebe zu, dass ich durch die Vorstellungen diverser Verbrechen in Bild und Ton und Film und Literatur abgebrüht bin. Es ist unglaublich, was da passiert ist. Vielleicht einzigartig auf der Welt, obwohl ich das nicht glaube. Ich muss mich an den Film "Die Frau in den Dünen" erinnern, wo ein Mann praktisch wie von einer Spinne gekidnapped wurde. (Ohne Incest, ohne eine so große Anzahl beteiligter Opfer.)
Aber jetzt laufen im Fernsehen gerade Berichte, Diskussionen und ich kann mir das nicht ansehen. Wie das bei mir ankommt? Da wird vom "genialen Verbrecher" gesprochen. "In der letzten Zeit kennt man solche Verbrechen hauptsächlich von Technikern. Die verfügen über das notwendige akribische Perfektionsstreben.
Und - man verzeihe mir - man begeilt sich am Verbrechen. Ist das nicht wunderbar? Besser als jedes Horrorkino? Da ist was Unglaubliches passiert. Das kann man sich nicht vorstellen. Und das ist real.
So heute habe ich es in den Nachrichten ein paar Mal gehört. Ich kenne den Zeitraum, das Alter der Töchter, die Anzahl der geborenen Kinder im Keller, den Todesfalls des einen Zwillings, das Leben oberhalb des Kellers. Ich brauche den restlichen Psychokram nicht. Und ich brauche nicht die scheinheilige Frage: "hätte man das nicht erkennen können? Früher? Bei den "weggelegten" Kindern?" - Antwort: man hat nicht.
Wird der Fall irgendetwas bewirken, dass ein ähnliches Verbrechen früher aufgeklärt wird. Ich bezweifle das.
Ich schmecke nur den schalen Geschmack von Quotenhascherei, von absolut scheinheilig geführten Gesprächen, deren rhetorische Fragestellungen ab und zu mit einer fast unfreiwilligen Komik beantwortet werden. "Sie haben den Betroffenen doch mehrfach getroffen." - "Nein eigentlich nur zwei Mal vor eineinhalb Jahren" mit einer Miene des Genierens, das überhaupt zugeben zu müssen.
Leute, macht euch eure Verbrechen selber, wenn ihr so geil darauf seid. Aber sprecht nicht drüber.
Der nächste wird planen, ein Opfer 36 Jahre einzusperren, damit er damit in das Buch der Rekorde kommt.
Erstmalig kann ich der EM-2008 etwas abgewinnen. Denn der Medienrummel um den Fall K wird spätestens dann abflauen.
-
Eine der nächsten Schlagzeilen wird lauten: "Noch grauenhaftere Details jetzt bekanntgeworden". Ich tippe auf Österreich oder Krone. Würde mich wundern, wenn ich falsch liege.

Samstag, 29. März 2008

Nackt, nackt, nackt!

Ein Erlebnis, dass ich leider nie geschafft habe, muss "Burning Man" sein.
Man sieht dort unter anderem Selbstdarsteller, bei denen die Piercing im Penis mehr Masse aufweisen als die Befestigungsbasis. Daran musste ich denken, als ich die heutigen Yahoo-Nachrichten las.

AFP - Samstag, 29. März, 10:02 Uhr
Los Angeles (AFP) - Die US-Luftsicherheitsbehörde TSA hat ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass eine 37-jährige Frau nach der Sicherheitskontrolle mit einem Metalldetektor ihre beiden Brustwarzen-Piercings abnehmen musste. Künftig würden Passagiere in solchen Fällen nach einer Sichtkontrolle an Bord gehen können, erklärte die Behörde. Mandi Hamlin hatte von TSA am Donnerstag eine Entschuldigung gefordert wegen der "totalen Demütigung vor Leuten, die ich überhaupt nicht kenne".
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Der pikante Vorfall hatte sich im Februar vor einem Inlandsflug von der texanischen Kleinstadt Lubbock nach Dallas ereignet. Die Grafikkünstlerin hatte die Piercings mit einer kleinen Zange entfernen müssen.


Diese Meldung regt mich zu einigen unterschiedlichen Überlegungen an. Ab wann ist ein Teil, der fix mit dem Körper verbunden ist, unverdächtig. Schließlich habe ich in meinem Körper ebenfalls ein paar Titanstückchen von einer Schulterfrakturoperation. Die werden offensichtlich toleriert. Aber wäre es nicht ein tolles Drohmittel, einem "Schläfer" eine Prothese in den Körper zu operieren, welcher als Behälter für Sprengstoff dient, welcher über Funkfernzündung zur Sprengung gebracht werden kann. Würde man solche Manipulationen entdecken können? Ich bin ja auch schon immer ganz amüsiert, wenn ich am Flughafen den Rechner aus der Tasche nehmen soll und rätsele, ob diesmal der Hosenträger anspricht oder nicht.
Vielleicht waren die Sicherheitsbeamten von der US-Behörde so geschockt, dass sie nicht wussten, was sie vor sich hatten. In manchen Teilen Amerikas geht die Prüderie so weit, dass auf Brustwarzen- oder Genital-Piercing sicher hohe Strafen stünden, wenn man sich das früher hätte vorstellen können.
-
Irgendwie geht das in eine Richtung, die ich schon mehrfach vorausgesagt habe. Die Leute müssen sich vor dem Abflug vollständig entkleiden, die Bekleidung wird gesondert transportiert. Um dem Anstand Genüge zu leisten, - besonders in Amerika - werden die Leute mit Ikea-Plastiksack-ähnlichen Ganzkörperüberziehern ausgestattet, in denen sie dann wie die Spermien aus Woody Allens Was Sie schon immer über Sex wissen wollten aussehen.

Ich würde mir dann aber in der Abflughalle eine richtige Sauna wünschen, damit ich im Flugzeug gut schlafen kann.

Sonntag, 17. Februar 2008

Hurra! Der Kosovo ist unabhängig.

Ich will gar nicht auf die politischen Hintergründe des ehemaligen Jugoslawiens eingehen. Doch jetzt, wo sich der Kosovo endlich - angeblich mit Hilfe der EU - selbstständig machen konnte, möchte ich doch nachfragen, wann ENDLICH sich
1. Bayern von Restdeutschland
2. Kärntnen von Österreich
3. Vorarlberg von Österreich
trennt.
Vielleicht könnte man auch noch die Autarkie einiger Städte vorantreiben.
Salzburg zB. Denen würden wir dann das philharmonische Orchester so geschmalzen verrechnen, dass die Staatsoper keine Subventionen mehr braucht.
Und vielleicht auch St. Pölten, die ungeliebte Hauptstadt eines Bundesstaates, der lange ohne Hauptstadt ausgekommen ist, und sich in Wirklichkeit gar nicht so schlecht macht. Obwohl der Spruch unvergessen bleibt:
Dem Mutigen bangt selten,
warum bangt dir vor St. Pölten.

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