31
Jul
2010

Langeweile ???

Ich behaupte oft, dass ich Langeweile nicht kenne. Ich nehme es umgangssprachlich als Synonym für "nicht wissen, was man tun soll" hin.
Ich hatte heute eher das Problem, "ob ich etwas tun soll."
Ich bin allein zuhause, der Hund ist schon versorgt und spazieren gegangen worden. Meine externen Verpflichtungen sind alle erledigt. Frau Columbo hat sich bedankt, dass ich ihre Reise so gut vorbereitet habe. Ihre Geschwister und sie sind glücklich am Urlaubsort angekommen. Am Nachmittag gab es ein kleines Schläfchen, was sich bis 7 Uhr ausgedehnt hat. Die Wäsche ist gewaschen.
Als ich mit dem Hund spazieren war, fühlte ich mich absolut ausgeruht und aufgrund eines bisherigen, bereits zweistelligen Gewichtsverlust (und das ohne eine Diät) bin ich recht beschwingt ausgeschritten. Noch bin ich fett! Aber der Umstand könnte bereits zu Weihnachten gefährdet sein.
Hätte ich ein Auto, würde ich mich hineinsetzen und in die Stadt fahren. Ich würde in ein bekanntes Schachkaffee fahren, in das mich kürzlich ein ehemaliger Schachmeister eingeladen hat, als wir uns in der U-Bahn trafen.
Vielleicht würde ich auch ein Kino besuchen.
Aber ich scheue den Aufwand. Selbst das Anrufen verschiedener Freunde scheint mir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr opportun.
Also sitze ich jetzt bei meinem französischen Käse und einem Grünen Veltliner Rosenberg 2006, der noch von gestern übrig geblieben ist, und werde dann Total Recall ansehen.
Den Film habe ich schon oft gesehen und so gut ist er eigentlich gar nicht. Aber ich mag die ursprüngliche Kurzgeschichte von Philip K. Dick so gern, dass ich auch die verfilmte Fassung immer wieder gern ansehe.
Und eigentlich ist der Film gar nicht so schlecht. Je mehr die Zeit fortschreitet, desto realer werden die politischen Implikationen.
An Blade Runner kommt er natürlich bei weitem nicht heran.
Eines kann ich aber sagen: heute habe ich mich gut erholt.
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29
Jul
2010

Sommerloch

Es ist leicht zu sehen, dass jetzt im Sommer weniger geschrieben und auch weniger gelesen wird. Ich muss zur Zeit auch relativ viel beruflich schreiben. Daher fällt mir für das Blog nichts Gescheites mehr ein.
Aber den folgenden Artikel habe ich recht interessant gefunden

http://derstandard.at/1277339143961/Stadt---Digital---Smart

Natürlich ist er sehr IBM-bezogen, selbst wenn es sich um das iPad handelt.
Die enthaltenen Gedanken sind deswegen nicht weniger wert.
Denn die Frage, die sich stellt, ist die der gesellschaftlichen Verwertung.

Wenn man davon ausgeht, dass Mitte unseres Jahrhunderts rund 80 Prozent der Menschen in urbanen Zusammenhängen, Städten und Regionen, leben werden, kann man sich vorstellen welche logistischen und gesellschaftlichen Anforderungen auf uns zukommen. Und die Aufgaben beginnen nicht in der Zukunft, sondern sie beginnen heute. Denn unser heute ist die Zukunft der Science-Fiction Romane aus den 1950er Jahren. Lesen Sie etwa Philip K. Dicks Roman "Player Piano" und Sie werden denken, dass es ein Bericht aus dem "Heute" ist.

In einem anderen Zitat kommt allerdings etwas vor, wo ich meine Haltung zwischen Arroganz und Schmunzelei ansiedeln möchte.

Die einzelnen Geräte (und ich meine wirklich alle Arten - vom viel zitierten Eiskasten bis zum Auto, vom Smartphone bis zum Fahrrad - sind in der Lage Informationen zu versenden und zu empfangen. Das heißt zugleich, dass ungeahnte Intelligenz im Alltag Einzug gehalten hat und viele tolle Lösungen denkbar geworden sind.

Ungeahnte Intelligenz! Vielleicht meint er damit ja auch tatsächlich ungeahnte Blödheit, wie man das bei 1984 interpretieren könnte. Diese ungeahnte Intelligenz hilft zum Beispiel überhaupt nicht, wenn sie nicht genutzt wird. Für Duisburg hätte man aus gegebenen Anlass die Intelligenz schon nützen können. Es hätte genügend Information gegeben.
Wenn die Veranstalter zu geil sind, (und ich meine geldgeil und sensationsgeil, die andere Geilheit finde ich ganz in Ordnung.) so hilft selbst ungeahnte Intelligenz überhaupt nichts.

Wie soll ich denn etwas für vernünftig halten, wenn ich die Intelligenz gar nicht erahnen kann?
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28
Jul
2010

Das Selbstgeschenk

Zu Weihnachten wollte ich mir Stiefel kaufen. Von Frau Columbo werde ich bedrängt: schau doch bei GEA hinein, die haben Waldviertler.
Ich hab hineingeschaut. Bei den Stiefeln brauche ich in der Breite Größe 48, in der Länge Größe 46. Man bekommt aber auch besondere Anfertigungen, allerdings muss dann Maß genommen werden und man bekommt die Schuhe in ca. 2 Monaten.
Dann war der "Maßnehmer" krank und ich verhindert und so habe ich keine Stiefel bekommen.
Heute hatte ich etwas Zeit, bevor ich meinen Ex-Chef treffen sollte, und war in der Nähe der Kirchengasse. Also ging ich wieder zu GEA und wollte Maß nehmen lassen.
Ich bekam aber ganz ohne Modifikationen einen Schuh Größe 46, der genau meinen Vorstellungen entsprach und super passt. Ich probierte beide Schuhe und ließ sie gleich an. Ich habe noch nicht einmal Blasen bekommen.
Die Schuhe sind super. Von der Fasson sind sie dort breit, wo ich es brauche, Verarbeitung und Material sind sowieso sprichwörtlich und dann werden sie ja auch noch in Österreich erzeugt.
Und so bin ich jetzt stolzer Besitzer eines Wunders.
Und werde fortan vermutlich nur mehr solche Schuhe tragen, weil die auch ein besonderes Fussbett haben, von dem ich schon gemerkt habe, dass es mir bekommt.

Und so sehen die aus: allerdings sind meine ganz schwarz, auch die Seitenkante der Sohle.
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26
Jul
2010

Zu groß

Morgen kommt ein neuer Kühlschrank. Es könnte sein, dass er zu groß ist.
Aber irgendwie wird es schon gehen.
Die Logistik wird lustig.

Es wird läuten.
Alter Eisschrank wird blitzartig ausgeräumt.
Leute bringen das Gerät herein. (Wiegt ca. 100 kg mit Verpackung)
Leute werden gebeten, den alten Kühlschrank aus der Nische herauszuschieben. (Der wird entsorgt)
Fußboden und Randstreifen wird geputzt.
Währenddessen packen die Leute den Kühlschrank aus und schlagen die Türen von rechts nach links um.
Boden ist sauber.
Kühlschrank wird, soweit es geht, in die neue Nische hineingeschoben.
Wir werden feststellen, dass er irgendwo ansteht.
Es gibt zwei alternative Stellweisen.
Die Leute können schon derweil den alten Kühlschrank einpacken.
Der Kühlschrank wird angeschlossen.
Die Sachen werden wieder eingeräumt.
(Die Tiefkühlware überwintert einige Zeit bei meinem Sohn, der erst übermorgen wieder zurückkommt.)
Der Kühlschrank wird bezahlt.
-
Fazit:
Die Küche ist extrem "aufgewertet".
es gibt einen Liebherr weniger und einen LG mehr.

So wird er aussehen.

GB7143A2RZ

Nicht schlecht für einen, der nicht plant. Oder? :
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24
Jul
2010

Zauber

Bei meiner Siesta, bei der ich schon einmal den Fernseher aufdrehe, bin ich durch Zufall auf einen sehr interessanten Film gestoßen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_wandelnde_Schloss
Erst auf Wikipedia habe ich die Hintergründe nachgelesen.
-
Ich bin begeistert davon, wie packend die Geschichte erzählt und die Graphik ausgestaltet ist. Es war mir unmöglich, mich dreissig Minuten vom Film zu trennen.
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Zeitungspapier

Wie man aus manchen meiner Einträge entnehmen konnte, bin ich mit dem Standard nicht wirklich mehr zufrieden und ich denke daran, das Abonnement abzubestellen. Gelegentlich scherze ich und meine, dass ich ihn nur wegen der Schachseite im Album beziehe, die ich Samstags beim Frühstück genieße. (Ich kann sonst alles online lesen und in der Firma liegt er auch auf.)
Heute beim Frühstück bin in allerdings über folgenden Artikel gestoßen, der mir großes Vergnügen bereitet hat:
http://derstandard.at/1277338803865/Salzburger-Festspiele-Ein-Objekt-Jedermanns

Es geht nicht um einen Buhlen, der seiner Lust ungehinderten Lauf verschafft. Nein. Die Mutter Jedermanns beklagt es. Es geht um den Unruhefaktor "lediger Mann" . Das immerhin ist wirklich mittelalterliche Katholizität. Der lange Weg der Zivilisierung des Mannes erfolgte über die Monogamisierung und deren Verrechtlichung in den kirchlichen Ehegesetzen. Das beschreibt auch den langen Weg der Zivilisierung in den europäischen Kapitalismus. Die Versammlung des Vermögens auf rechtlich anerkannte Erben von einer jeweils einzigen Frau und der Ausschluss der Priester aus einer solchen Erbmöglichkeit durch das Zölibat.

Es geht im Artikel mehr um die Buhlschaft als um den Jedermann. Aber der obige Abschnitt hat mich wirklich schmunzeln lassen. Ich empfinde auch den Hype um Jedermann als Salzburg-typisch, warum ich Salzburg Stadt mitsamt seinen Festspielen ja gerne an Bayern abtreten würde.
Ich mag Hugo von Hofmannsthal. In einer gewissen Weise ist der Jedermann auch eine geniale Schöpfung. Ein Dichter der folgenden Zeilen
Die Sonne sinkt den lebenleeren Tagen
Und sinkt der Stadt vergoldend und gewaltig,
So wie sie sank der Zeit, die viel zu sagen
Und viel zu schenken hatte, vielgestaltig.
Und Schatten scheint die goldne Luft zu tragen
Versunkener Tage, blaß und zartgestaltig,
Und alle Stunden, die vorübergleiten,
Verhüllt ein Hauch verklärter Möglichkeiten.


versucht sich erfolgreichst an der Löwingerbühne und gründet eine Institution, die vielleicht nur mehr vom Klatschen zum Radetzkymarsch* anlässlich des Neujahrskonzert übertroffen wird.
Das ist beste Handswerkskunst des Theaterautors.

Vor Marlene Streerowitz, die den Artikel geschrieben hat, ziehe ich meinen Hut.
Beim Waldbühnenkonzert in Berlin klatschen die Leute auch begeistert bei der Berliner Luft mit, die mittlerweile zum Militärmarsch mutiert ist. Allerdings stammt das Original von der Operette Frau Luna von Paul Lincke, die noch gar nichts Militärisches an sich hat.
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Eigentlich habe ich deinen Sohn erkannt. Der ist ja...
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Ich bin wirkliich überrascht, dass gerade Du lamentierst....
lamamma - 26. Mär, 15:30
Wobei nähen sich ja viel...
Wobei nähen sich ja viel direkter geboten hätte.
Schwallhalla - 26. Feb, 10:30

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