Lesen

Donnerstag, 3. Juli 2008

Unwissenheit

Bin ich zu pitzlig? Setze ich zu viel voraus?
Sollten Informatiker überhaupt wissen müssen, was
a) ein Modell
b) Konsistenz
c) Verifikation
d) Validierung
e) referentielle Integrität
ist?
-
Ich weiss ja auch nicht alles.
Bis gestern war mir nicht geläufig, was eine Inkunabel ist.
f) Inkunabel

Wenn das eine 54-jährige Concierge weiss, sollte ich es doch auch wissen. Ich verrate nicht, was es ist.
Das Wort kommt in Die Eleganz des Igels vor, ein Buch, das mittlerweile ein Bestseller geworden ist.
Ich kann die Empfehlungen weitergeben, die ich aus unterschiedlichsten Richtungen bekommen habe.

Sonntag, 15. Juni 2008

1) Einfluss von Literatur auf Kinder

Im Standard wurde heute der in einem Kinderbuch versteckte Rassismus behandelt. Ein Hinweis auf die näheren Quellen findet sich dort.
Ich habe mich oft gewundert, wie die Untersuchungen über die Brutalität in Zeichentrickfilmen a la Tom und Jerry immer wieder zu dem Ergebnis kamen, dass Kinder hier abstrahieren können. Ganz glaube ich es heute noch nicht.
Ich kann aber bestätigen, dass mir eine Geschichte wie Hatschi Bratschis Luftballon nicht als Türken-verdammend in Erinnerung geblieben ist.
Geschichtsbücher hingegen - und ich mag keine Geschichte - sind mir hängen geblieben. 1529 und 1683 sind Jahreszahlen, die ich erinnert habe, obwohl ich sonst kaum historische Jahreszahlen kenne.
Was ich behalten habe, sind Geschichten. Geschichten, die mir Lehrer erzählt haben, Lehrerinnen und mein Vater. Oder ein Hinweis von meiner Schwester, die mir Wilhelm Hauff sogar vorgelesen hat, obwohl ich mich nur an einmal erinnern kann. Aber sie brachte mir das Buch nahe. Die Hauff-Märchen erschienen mir als realistischer als so manche reale Geschichten.
Der langen Schreibe kurzes Resümee: ich halte nichts vom Verschönern eines literarischen Werkes. (Hier zähle ich auch Franz Karl Ginzkey als Literat.) Wenn wir das mit moderner Literatur machten, gäbe es bald nichts Auszuzeichnendes mehr, sprich, das, was heute ausgezeichnet wird, wäre nach wenigen Überarbeitungen unlesbar.
Was sind eure liebsten Kinderbücher, an die ihr euch erinnern könnt?

P.S.
Der Anfang der Rahmenerzählung rund um den Räuber Orbazan findet sich hier. Hier befindet sich die Geschichte von der abgehauenen Hand.

Sonntag, 8. Juni 2008

Vatertag

Weder Muttertag noch Vatertag wird bei uns gefeiert. Aber eine Anspielung darauf machte mich auf eine Eigentümlichkeit meiner Denktätigkeit aufmerksam.
Von Wilhelm Busch gibt es den Reim:
Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.

Das sollte man doch so verstehen können, wie es gemeint ist. Ich weiß nicht, wann es genau war, als ich den Spruch zum ersten Mal gelesen habe. Vielleicht 12 oder 14.
Ich habe ihn definitiv missverstanden. Erst mit vierzig Jahren wurde mir bewusst, dass der Satz ganz klar und geradlinig ist.
Was habe ich verstanden?
Vater werden ist nicht schwer.
Vater ist sehr dagegen.
Ich hatte das "sein" so interpretiert, als würde man mit einem Ausländer sprechen, der nicht weiß, dass "ist" die dritte Form von "sein" ist.
Im Zuge der damaligen Moral, die "passierte" Kinder in vielerlei Dramen und Romanen verarbeitete, war ich immer davon ausgegangen, dass Busch die Szene meinte, wo der künftige Vater von seinem Nachwuchs erfahren hatte. Überraschung, Schock und Ablehnung. Das steckte in den zwei Busch-Zeilen für mich drinnen.
Eben erst viel später erkannte ich, dass man den sprachlichen Umweg gar nicht benötigt. Auch so hat der Satz seine Richtigkeit.

10. November - Jetzt ist es heraus!

Leben Sie wohl, mein unerkennbarer Freund. Ich schließe meine unbeantworteten Briefe ebenso, wie ich sie begonnen habe, mit einem Dank. Ich danke Ihnen daß Sie eine Antwort schuldig geblieben sind. Es wäre auch noch schlimmer, wenn es anders gewesen wäre. Was hätten Sie mir sagen können? Und wann hätten wir, ohne ein Gefühl der Verlegenheit, unsern Briefwechsel abbrechen können? Und was hätte ich Ihnen, außer dem bereits Gesagten, noch sagen können? Nichts mehr - ich habe alles gesagt. Eigentlich beansprucht jedes menschliche Leben nicht mehr als zwei, drei Zeilen. O ja, nur zwei, drei Zeilen.
Ich bleibe wieder allein, mit meinem Haus, mit dem nebligen Ozean in der Nähe, mit dem herbstlichen und winterlichen Alltag, aber mit dem eigentümlichen Gefühl, als hätte ich jemand verloren, und kehre wieder zu meinem Tagebuch zurück, von dessen Notwendigkeit, wie von derjenigen Ihrer Werke, Gott allein wissen mag.
Vor einigen Tagen habe ich von Ihnen geträumt. Sie waren eigentümlich schweigsam, saßen in der Ecke eines dunklen Zimmers, fast unsichtbar. Und dennoch sah ich Sie. Noch träumend fühlte ich: Wie kann man von jemand träumen, den man im Leben nie gesehen hat? Vermag nicht Gott allein aus dem Nichts zu schaffen? Mir wurde richtig unheimlich, und ich erwachte voller Angst, mit einem schweren Gefühl.
Fünfzehn, zwanzig Jahre später werden wahrscheinlich weder ich noch Sie auf dieser Welt sein. Bis zu einer Begegnung in einer andeen! Wer kann sicher sein, dasß es sie nicht gibt? Nicht einmal unsere eigenen Träume, Geschöpfe unserer eigenen Einbildungskraft, verstehen wir. Ist sie denn unser, diese Einbildungskraft, oder, genauer gesagt, das, was wir unsere Einbildungskraft nennen, unsere Einfälle, unsere Träume? Folgen wir denn unserem Willen, wenn es uns nach der einen oder anderen Seele verlangt, wie es mich nach der Ihren verlangt? Leben Sie wohl. Nein, vielmehr: Auf Wiedersehen.
Seealpen 1923
-

Jetzt ist es also heraus: Iwan Bunin, Ein unbekannter Freund.
(Aus dem Russischen von Swetlana Geier)
Fischer Taschenbuch Verlag ISBN-10: 3-596-16465-6

Walküre hat es herausgefunden.
Bis 1986 wusste ich nichts von Bunin. Eine russische Freundin, der ich viele Literaturtipps verdanke, hat mich zuerst einmal auf Visitschky Karty gebracht. Ich bin damals tagelang gesessen, habe mir extra einen erweiterten Diktionär gekauft und mich mühsam durchgekämpft.
Dann habe ich versucht, deutsche Übersetzungen zu bekommen. Außer dem Der Herr aus San Francisco konnte ich damals nichts bekommen.
Später bekam ich dann noch andere Werke zu Gesicht. Russisch wollte ich mir nichts mehr antun. Ich habe die Erfahrung schon bei Bulgakov gemacht. Obwohl ich die deutsche Version fast auswendig kenne, kann ich im Russischen kaum den Satzbau erkennen. Es sind einfach zu viele Phrasen und stilistische Feinheiten enthalten, für die ein Alltagsrussisch nicht reicht.
Die obige Erzählung finde ich unheimlich interessant. Ein Künstler beschreibt in der dritten Person, wie er sein Werk aufgenommen sehen möchte und welchen Fallen man dabei erliegen kann. Das Werk und den Menschen zu verwechseln, ist eine Falle.
Ich stelle die These auf, dass der Künstler wirklich aus sich heraustreten muss, um etwas Wertvolles zu schaffen. Mal sehen, auf wieviel Widerspruch ich da stoße.

Samstag, 7. Juni 2008

3. Versuch - Nachts

Vielleicht haben Sie deswegen nicht an mich geschrieben, weil ich für SIe zu abstrakt bin? Dann also einige Details aus meinem Leben. Ich bin schon sechzehn Jahre verheiratet. Mein Gatte ist Franzose. Ich habe ihn damals im Winter an der französischen Riviera kennengelernt, wir wurden in Rom getraut und ließen uns nach der Hochzeitsreise durch Italien für immer hier nieder. Ich habe drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Ob ich sie liebe? Ja, aber doch anders als die meisten Mütter, die die Erfüllung ihres Lebens nur in der Familie und in ihren Kindern sehen. Solange die Kinder klein waren, habe ich sie unermüdlich umsorgt, ihre Spiele und ihre Beschäftigungen immer geteilt, jetzt aber brauchen sie mich nicht mehr, und ich habe viel freie Zeit, die ich mit Lesen verbringe. Meine Verwandten sind in weiter Ferne, unsere Lebenswege haben sich getrennt, die gemeinsamen Interessen sind so gering, daß wir sogar nur selten korrespondieren. Die Position meines Gatten macht es mir zur Pflicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Besuche zu machen und zu empfangen und bei Soireen und Diners nicht zu fehlen. Aber Freunde und Freundinnen habe ich keine. Mit den hiesigen Damen habe ich wenig Gemeinsames, und an eine Freundschaft zwischen Mann und Frau glaube ich nicht.
Aber nun genug von mir. Sollten Sie antworten, dann erzählen Sie wenigstens kurz von sich. Wie sind Sie? WO ist Ihr Zuhause? Lieben Sie Shakespeare oder Schelling? Goethe oder Dante? Balzac oder Flaubert? Lieben Sie Musik, wenn ja, welche? Sind Sie veheiratet? Sind Sie durch bereits lästige Bande gebunden, oder haben Sie eine Verlobte, in jenem zärtlichen und wunderschönen Stadium, da alles neu und freudig ist, da es noch keine Erinnerungen gibt, die einen nur bedrücken, täuschen, als hätte es ein Glück gegeben, das man verkannt und vergeudet hätte?

Quellenangabe zu einem späteren Zeitpunkt

Anmerkung: ich finde diesen Brief besonders dicht. die eigene Person wird ziemlich deutlich an Hand des Verhaltens zu den eigenen Kindern und Verwandten beschrieben. (Ich gewinne da einige Assoziationen.) Der erheischte Informationsbedarf ist einer, der mich auch interessieren würde.
Die Novelle ist von einem Autor geschrieben, der die Briefe von einer Frau stammen lässt. Es würde mich interessieren, ob sich Frauen in diesem Brief wiederfinden oder ob an dieser Stelle der Mann im Autor deutlich heraus zu erkennen ist.
-
Vor einigen Jahren habe ich einen Autor und seine Frau im British Council kennen gelernt. Der Autor, Norman Rush, las aus seinem Buch (Die Massnahme, Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins) Im 660 Seiten langen Roman schreibt eine Frau in der Ich-Form. Bei den Fragen nach der Lesung hat man seine Frau gefragt, ob sie meinen würde, dass man den Mann im Autor aus dem Stil entnehmen könne. Sie antwortete, dass es nur zwei kleine Stellen in dem ganzen Buch gäbe, wo sie allenfalls merken könnte, dass es nicht eine Frau geschrieben hat. (Ich kann mich nicht mehr erinnern, was es war. Aber es ging jeweils um einen Absatz.)

21. Oktober

Hèlas! Kien Brief! Und es sind schon fünfzehn Tage vergangen, seitdem ich Ihnen zum ersten Mal geschrieben habe ...
Aber vielleicht hat Ihr Verleger Ihnen meine Briefe nicht nachgesandt? Vielleicht werden Sie durch dringende Arbeit, durch gesellschaftliches Leben in Anspruch genommen? Das wäre sehr traurig, aber immerhin besser als der Gedanke, Sie hätten meine Bitte einfach ignoriert. Dieser Gedanke wäre sehr kränkend und schmerzlich. Sie könnten sagen, mir stehe es nicht im mindesten zu, Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, und von Schmerz oder Kränkung könne nicht die Rede sein. Stimmt es denn, daß ich keinen Anspruch erheben darf? Vielleicht habe ich bereits diesen Anspruch, weil ich bestimmte Gefühle für Sie empfunden habe? Hat es denn je auch nur einen einzigen Romeo gegeben, der nicht bedingungslos Gegenliebe verlangt oder einen Othello, der ein Recht auf Eifersucht gehabt hätte? Beide fragen: Ich liebe, ist es denn möglich, mich nicht zu lieben, ist es denn möglich mir nicht treu zu sein? Geliebt zu werden, das ist kein schlichtes Wünschen - das ist viel komplizierter und und viel mehr. Wenn ich etwas oder jemand liebe, dann ist es schon mein, dann ist es in mir ... ich kann es nicht richtig erklären, ich weiß nur, daß die Menschen es schon immer geglaubt haben und es immer noch glauben ...
Wie dem auch sei, eine Antwort von Ihnen ist nicht da, ich aber schreibe abermals. Unversehens hatte ich mir eingeredet, Sie seien mir irgendwie nahe - habe ich es mir wirklich nur eingeredet? -, und glaubte nun selbst an meine Phantasie, schrieb beharrlich an Sie und bin inzwischen überzeugt, daß es, je länger ich an Sie schreibe, mir immer notwendiger wird, weil dadurch die Beziehung zwischen mir und Ihnen immer mehr erstar,t. Ich kann Sie mir nicht vorstellen, ich habe nichts vor Augen, nicht einmal Ihr Äußeres. An wen schreibe ich denn? An mich selbst? Aber das ist gleichgültig. Denn auch ich bin - Sie.

Für die, welche den ersten Eintrag nicht gelesen haben. Dieser Text ist nicht von mir, die Quellenangabe erfolgt erst, wenn es chancenlos erscheint, dass jemand den Autor oder den Titel der Novelle errät.

Dienstag, 3. Juni 2008

Quelle wird nachgereicht ...

doch jetzt würde mich nur interessieren, wie diese Zeilen, nur ein kurzer Ausschnitt, auf die LeserInnen wirken.

... Auch heute nieselt es schon den ganzen Tag auf unsern unnatürlich grünen Garten, in meinem Zimmer ist es schummrig, und seit dem Morgen wird der Kamin geheizt. Ich möchte Ihnen vieles sagen, aber Sie wissen ja besser als alle anderen, wie schwer es ist, fast unmöglich, sich mitzuteilen. Ich lebe immer noch unter dem Eindruck von etwas Unerklärlichem und Unbegreiflichem, aber unendlich Schönem, das ich Ihnen verdanke - erklären Sie mir doch, was es ist, dieses Gefühl? Und was die Menschen überhaupt erfahren, wenn se sich der Wirkung der Kunst überlassen? Verzauberung durch menschliches Können und durch eine Kraft? Der erwachte Wunsch nach persönlichem Glück, der immer, immer in uns lebt und hin und wieder hoch auflodert, unter dem Einfluß einer sinnlichen Wahrnehmung - einer Musik, eines Gedichts, eines lebhaften Erinnerungsbildes oder gar eines Geruchs? Oder ist es die Freude an dem Gewahren der göttlichen Schönheit der menschlichen Seele, die uns nur wenige, solche Menschen wie Sie, offenbaren und uns daran erinnern, daß es sie, die göttliche Schönheit, gibt? ...

Oder ist das heute antiquiert?

Dienstag, 11. März 2008

Unglaublich schön, rührend - und Angela Winkler

Leider bin ich ja dieses Wochenende wieder einmal verhindert, einer Lesung der Testsiegerin zu lauschen, aber vielleicht wäre ich auch so gar nicht aufmerksam gewesen.
Heute war ich in einer Veranstaltung in den Ehrbar-Sälen, wo Angela und Nele Winkler, begleitet von Ulrike Arzet auf der Trompete, Märchen von Hans Christian Andersen vorlasen.
Ich zitiere hier einmal die Einladung:

"Die zwei Frauen auf der Bühne sind Mutter und Tochter, doch ihre Sicht auf die Welt, ihr Spiel, ihre Ausdrucksweise könnten nicht verschiedener sein, denn die eine ist geistig behindert. Und gerade das macht ihre gemeinsame Lesung von Hans Christian Andersens Märchen so ergreifend und so charmant."

Berliner Zeitung

Angela Winkler machte zunächst eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart, doch die Leidenschaft fürs Theater führte sie nach München. Dort erhielt sie Schauspielunterricht bei Ernst Fritz Fürbringer. 1967 erhielt sie ihr erstes Theaterengagement in Kassel, anschließend spielte sie in Castrop-Rauxel.
1969 erhielt sie die Hauptrolle als Dienstmädchen Hannelore in dem Film Jagdszenen aus Niederbayern von Peter Fleischmann. Über diesen Film entdeckte sie Peter Stein für seine Berliner Schaubühne. Dort blieb sie von 1971 bis 1978.
Ihr nächster Film Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Volker Schlöndorff nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Böll machte sie 1975 bei Kritik und Publikum zum Star. Sie erhielt für ihre Rolle der Katharina Blum das Filmband in Gold. 1979 spielte sie die Mutter von Oskar Matzerath in Schlöndorffs Oscar-prämierter Film-Adaption Die Blechtrommel des gleichnamigen Romans von Günter Grass und wurde damit international bekannt.
In den letzten Jahren hat sich Angela Winkler vor allem auf ihre Theaterarbeit konzentriert und erschien nur selten auf der Leinwand oder im Fernsehen. Herausragend waren dabei die Arbeiten mit Peter Zadek: er besetzte sie 1999 als Hamlet oder aktuell 2004 am Berliner Ensemble als Mutter von Peer Gynt.
Angela Winkler ist mit dem Bildhauer Wiegand Wittig verheiratet und Mutter von vier Kindern. Ihre Tochter Nele wurde mit einem Down-Syndrom geboren; sie trat in die Fußstapfen ihrer prominenten Mutter und steht regelmäßig im Berliner Theater RambaZamba auf der Bühne.

Kinder mit Down-Syndrom besitzen einen enormen sozialen Wert. Das habe ich von meiner Frau gelernt. Sie strahlen Frieden und Liebe aus und das war auch bei den im Saal Anwesenden bemerkbar.
Die Show auf der Bühne, - man darf schon auch von Show sprechen - war von spürbarer Zärtlichkeit getragen. Eine derartige Form von Vortragsarrangement habe ich noch nicht erlebt. Das erste Märchen "Die Prinzessin auf der Erbse" wurde von Nele allein gelesen. Die anderen wurden in Doppelconference vorgetragen. Dazwischen wunderbare sanfte (!) Trompetentöne. Nele spielt selbst auch Trompete und gab als Zugabe den lieben Augustin.
Dazu hat Angela Winkler eine Stimme, die ich für mich als das weibliche Pendant zu Oskar Werner betrachte. (nicht im Klang sondern in der Qualität) Ein Glockenton, den sie auch genauso im Gesang vermitteln kann, der sämtliche Schattierungen beherrscht und durch unmerkliches (es muss aber irgendwie da sein) Spiel unterstützt wird. Diese Frau ist 64 und schaut auch weit jünger aus, doch wenn man die Augen schließt, könnte man sie für einen Teenager halten, wenn da nicht diese absolut genaue, auf den Punkt gebrachte Intonation wäre. Von der Sprache ist nichts dem Zufall überlassen, doch im Spiel mit ihrer Tochter, im gegenseitigen Aufeinandereingehen, schimmert mehr durch, als ich je auf einer Bühne sehen könnte.
Leider reist sie morgen schon nach Berlin zurück. Aber sie kommt sicher wieder einmal nach Wien. Und in Berlin kann man sie ja wohl auch erleben.

Sonntag, 17. Februar 2008

Tip

Ein nettes Forum für Leseratten habe ich gefunden.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Glück gefunden

in Minima Moralia

...
Mit dem Glück ist es nicht anders als mit der Wahrheit: Man hat es nicht, sondern ist darin. Ja, Glück ist nichts anderes als das Umfangensein, Nachbild der Geborgenheit in der Mutter. Darum aber kann kein Glücklicher je wissen, daß er es ist. Um das Glück zu sehen, müßte er aus ihm heraustreten: er wäre wie ein Geborener. Wer sagt, er sei glücklich, lügt, indem er es beschwört, und sündigt so an dem Glück. Treue hält ihm bloß, der spricht: ich war glücklich. Das einzige Verhältnis des Bewußtseins zum Glück ist der Dank: das macht dessen unvergleichliche Würde aus.

[Theodor W. Adorno]

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Gregor Keuschnig - 8. Jul, 10:09

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Einige Jahrzehnte früher haben wir immer mit Freunden...
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