21
Jul
2012

Europa

hier lesen

Ein ausgezeichneter Artikel über die Essenz Europas und die Begründung, bestimmte Bücher hervor zu heben, welche Europa in der Nachkriegszeit charakterisieren.

daraus ein Zitat:
Der große Europäer Paul Valéry, der in dem Jahr starb, in dem unser europäischer Kanon auf den folgenden Seiten beginnt, hat in seinem Essay Die Krise des Geistes im Jahr 1919 eine Definition des europäischen Geistes versucht, die noch vom letzten Abendsonnenschein des europäischen Weltmachtbewusstseins beglänzt war. Der europäische Geist, schrieb Valéry, beziehe seine welthistorische Einzigartigkeit aus genau drei Quellen. Erstens aus seiner Herkunft aus dem Römischen Reich und dessen Ordnungs- und Stabilitätssystemen. Zweitens aus dem christlichen Glauben, der gewissermaßen das Kulturprogramm des römischen Imperialismus wurde. Und drittens aus der griechischen Denkfabrik, die Rom in einer kultursynkretistischen Meisterleistung übernommen und weitergegeben hat.

etwas später folgt die Wirkung von Ausschwitz als Reduzierung der europäischen Stärke auf Null.

Lesenswert.
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404 - 21. Jul, 11:32

Nur EIN Blick über diesen riesigen Acker.

steppenhund - 21. Jul, 16:33

Deswegen wird es ja interessant sein, welche literarischen Werke für die Betrachtung durch unterschiedliche Brillen ausgewählt werden.
Jossele - 21. Jul, 18:10

Das wären drei absolutistische Denkansätze, Ausschwitz also nur eine der logischen Folgen.

steppenhund - 22. Jul, 15:57

Ich habe das so noch nicht betrachtet. Aber da ist was dran. Ein Volk, das gewohnt ist, alles zu denken, was ihm vorgebetet wird, ...
Sunnilein - 23. Jul, 15:57

Nur um es anzumerken:

und natürlich ohne Auschwitz in irgendeiner Form in Frage zu stellen, aber gab es nicht immer auch den klugen Gegenpart, der unzweifelhaft aus einer entsprechenden Bildung kam, auch wenn er natürlich nicht immer das große Unheil verhindern konnte? Ich tue mich sehr schwer damit, das Unheil des Braunen ohne die Gegenwehr, auch die innere, zu sehen. Und Europa als Idee an sich lässt sich sicher nicht allein auf die im Artikel genannten drei möglichen Säulen zurückführen, wenngleich sie ein immanenter Bestandteil des Denkens sind, ob man es nun wahrhaben will oder nicht. Mit Sicherheit sind philosophische, literarische und wissenschaftlich-grundlegende Ideen ebenso Bausteine der Grundidee, wie zerfahren und gefleddert sie auch in unserer Zeit sein möge.

Jossele - 24. Jul, 12:56

Ohne die Idee Europa infrage stellen zu wollen, denn der Grundgedanke ist gut, philosophische, literarische (?) und wissenschaftliche Ideen, nebst anderen gleichwertigen Ideen haben leider sehr selten Poltik bestimmt, was wir an unserem heutigen Dilemma durchaus sehen können.
Der Gedanke an Einheit ist sehr weit entfernt, nicht so der Gedanke an den "eigenen" Bereich.
Das Nationale hat immer noch Saison, Süd, Nord, Ost oder West gleichsam.

Auschwitz war trotz Goehte, Mozart, Kant und Schuch (Auswahl spontan) möglich, und ich fürchte, wir sind heute nicht viel "besser" als vor siebzig Jahren, womit ich keineswegs behaupten will, dass Konzentrationslager unmittelbar bevorstehen, aber das "Eigene" mit sehr überschaubarem Horizont ist nach wie vor sehr im Vordergrund.
Sunnilein - 24. Jul, 15:16

Ja, auch literarisch, ganz intensiv und ganz besonders. Natürlich nur da, wo der Anstoß auch gehört wird. Wer den "Faust" nicht versteht, der ist auch blind für andere Dinge, auf welcher Ebene sie liegen mögen!
Dass neben all dem das andere auch möglich ist und war und sein wird, braucht keine Diskussion.

steppenhund - 24. Jul, 16:48

Dass der Faust nicht verstanden, ja gar nicht erst gelesen wird lässt sich an folgenden Beispielen sehr leicht ablesen:
ENRON-Skandal 2000 in Amerika. Da hat ENRON seine Bilanzen frisiert, in dem es noch unerschlossene Gebiete, auf die sie Schürfrechte hatten, mit Höchstwerten in die Bilanz-Haben-Seite aufnahmen.
Mephisto lässt im Faust II den Faust einen Vorschlag für den Kaiser machen, wonach dieser Geld drucken soll, weil ihm ja schließlich die Erze in den Bergen gehören würden. Da gäbe es doch einige.
Und die heutige Finanzmarktsituation mutet sehr an die Homunkulus-Studien an. Irgendwie glaubt immer wer an ein Wunder.
Jossele - 24. Jul, 17:28

@Sunnilein, nichts für Ungut, aber dass Faust in Europa flächendeckend gelesen, geschweigedenn verstanden würde, das halt ich für eine Utopie.
Das Naheliegende, quasi "Mir sind mir, und jetzt wollen mir alles" steht weit über dem Umweg der Bildung.

@liebwerter Steppenhund, den Nagel so auf den Kopf getroffen tut fast ein bisserl weh, aber es ist eben so.
Sunnilein - 24. Jul, 20:15

@jossele
Das war doch meiner Rede Sinn! Unverstand in jeder Form gebirt das Elend!
@steppenhund
In jedem von uns eben Faust und Mephisto. Erschreckend nur der hohe Anteil des Argen, immer wieder.
Darf ich ein Zitat aus meinem ehemaligen Wirkungsbereich anfügen: "Nein, wir lesen den "Faust" nicht, schon gar nicht den Teil II, unsere Lehrerin hat gesagt, sie habe das alles selbst nicht verstanden!" Gütiger Gott, oder wer auch immer! Ich kann es nicht fassen, aber leider ist es so.

steppenhund - 26. Jul, 21:20

Der Faust II ist auch sehr schwer zu verstehen, würde ich konzedieren. Für mich stellt es sich so dar, dass man erst mit einer gewissen Lebenserfahrung feststellen kann, wie "zutreffend" er ist. Mich hätte z.B. die Szene mit dem "Geld drucken lassen" vor 30 Jahren nicht so beeindruckt. Auch die Anspielungen und Verwendungen der griechischen Mythologie muss sich einem erst allegorisch erschließen.
Ich verstehe natürlich jetzt auch das "Maskenspiel der Genien" wesentlich besser. (von Herzmanovsky-Orlando)
steppenhund - 26. Jul, 21:22

@Jossele

wobei der Mephisto ja der Interessantere ist. Sein Zynismus sagt mir mehr zu als der dumpfe Drang zu streben oder zu erforschen.
-
Etwas anderes, was in diesem Zusammenhang lustig (!?) zu lesen ist, ist "das Feuer des Heraklit" von Eric Chargaff. Polemisch aber kaum widersprechbar.
Sunnilein - 26. Jul, 15:52

P.S. und nebenbei -

Sagen Sie, werter Herr Steppenhund, memrisen Sie eigentlich noch oder hat es Sie auch so schrecklich genervt ständig angehalten zu sein Ihre Kenntnisse nicht sterben zu lassen, sie zu wässern und was auch immer? Hatte mich Ihnen chinesisch "genähert", gleiches auch im Italienischen, Französischen und Dänischen, mein Polnisch etwas aufpoliert, aber irgendwann fand ichs "nervig"...Schade, an und für sich ist es lustig. Immer noch die Beta-Variante? Irgendwann kommt der Bezahlakt..., denk ich mal.

steppenhund - 26. Jul, 21:17

Ich war die letzte Zeit unheimlich beschäftigt und konnte nicht einmal meinen coursera (coursera.com) hinsichtlich der Aufgaben "befriedigen".
Aber mein Serbisch-Vokuabular habe ich noch intus. Und mein Chinesisch ist nicht so wichtig.
Ich werde jetzt aber vermutlich in Kürze einen Schnellgang in Tschechisch einlegen. Im September habe ich ein Workshop in Ostrawa zu halten und vielleicht ergibt sich dort noch mehr. Obwohl alles auf Englisch läuft, kann ein bisschen Tschechisch nicht schaden.
-
Ostrawa Wien sind ja nur 3,5 Bahnstunden voneinander entfernt:)
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