7
Feb
2014

Apropos Yenta

Untertitel: Was ich so lese

Als ich jung war, las ich sehr gerne Entwicklungsromane.
Es waren meistens Männer, die sich entwickelten. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Begeisterung vo Arrowsmith (Sinclair Lewis) oder "Of Human Bondage" (W.S.Maugham). Ebenso gehörte der "Wilhelm Meister" (s Lehrjahre) zu meiner Jugendlektüre und in Mignon muss ich wohl ebenso verliebt gewesen sein wie in Dostojewskis Sonja.
Als Kind las ich aber auch begeistert die Nesthäkchen-Bücher. Ich weiß nicht einmal, ob man das heute zugeben darf. Da wird sicher jemand Vorläufertum zum Nationalsozialismus zuordnen. Oder halt eine "heile, rechte Welt des Establishments."

Je älter ich wurde desto häufiger waren die Hauptpersonen Frauen. Es war interessant zu lesen, wie Frauen ihr Leben erleben. Jane Austin war nicht so mein Fall, trotzdem fand ich nach dem Ansehen des Films "Stolz und Vorurteil", dass ich etwas dazu gelernt hatte. Frauen haben mich immer sehr interessiert und ich hatte Glück, eine sehr tolerante Ehefrau an meiner Seite zu haben.

Diese brachte nun wieder andere Literatur in mein Leben. Eines der letzten Bücher, die ich in einem Sitz bis zum Ende durchlas, war "das Schloss aus Glas" von Jeannette Walls.

Jetzt habe ich über dieses Medium hier ein weiteres Buch gefunden, es heruntergeladen und gestern nach der Arbeit in einem Zug durchgelesen. Es ist "Wegen der Schuld" von Yenta E.
Das Buch hat bei mir eine Stimmung wie "Die andere Seite" von Kubin ausgelöst. Eine zunächst nicht so schlimm erscheinende Gesamtsituation wird durch die Schilderung der Psychotherapie zu einem Albtraum transformiert.
Es kommt immer noch schlimmer.
Würde ich das Buch ohne Begleitinformation lesen, hätte ich vielleicht irgendwann zum Lesen aufgehört. Es wurde schlimmer und schlimmer und unvorstellbar, wie die Protagonistin, (wenn man sie überhaupt so nennen kann) die Kurve kratzen könnte.
Offensichtlich hat sie das geschafft, denn die Geschichte endet mit einem Nachwort, was zehn Jahre nach dem Geschehen spielt oder vielleicht überhaupt erst nach einer viel längeren Periode verfasst wurde. Das Überleben ist also geglückt.
Die Autorin hat geschrieben, dass sie den 2. Abschnitt stark gekürzt hat, um den roten Faden nicht zu zerstören. Vielleicht wird aus dem doch noch ein separates Buch.
Es ist schwer zu sagen, ob sich das Buch verkaufen wird. Alles ist möglich: vom Bestseller zum Ladenhüter.
Für mich finde ich ein Attribut dafür: "packend".
Gegen dem Ende zu sind ein paar psychologische Befunde angeführt, deren Textierung einem die Haare aufstellen lässt.
-
Und wie es im Nachwort heißt: es ist leider möglich, an sehr schlechte Psychiater zu geraten. Wie sehr sie ein Leben beeinflussen können, ist hier deutlich genug geschildert.

Nachsatz: Im Buch sind einige Vorfälle geschildert, die ich in meiner Jugend nie für möglich gehalten hatte. Oder jedenfalls als sehr selten angesehen hätte. Mittlerweile kenne ich Statistiken über inzestuösen Missbrauch und bin überhaupt nicht skeptisch, wenn ich Berichte darüber lese. Aber manchmal ist es für mich unvorstellbar, was sich Menschen gefallen lassen. Wirklich unglaublich.
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HARFIM - 7. Feb, 13:05

Gibt es denn gute Psychiater?


la-mamma - 7. Feb, 13:14

glaub ich schon. ich kenn zumindest genau die eine therapeutin, die mir wirklich geholfen hat. es ist auch gar nicht so, dass in yentas buch ALLE therapeuten schlecht wegkommen.
steppenhund - 7. Feb, 13:19

Gute Frage!
Ich bin einmal selber zu einem gegangen und fand ihn recht gut. Trotzdem habe ich dann nach 9 Sitzungen aufgehört. (Es waren 10 geplant gewesen.)
Die Fragen waren schon in Ordnung und mir ist einiges klar geworden. Allerdings war ich vermutlich nicht wirklich krank. Ich hatte nur damals die Sorge, dass ich vielleicht wie meine Tante manisch-depressiv werden könnte.
Aber wahrscheinlich war die depressive Phase ein Hinweis auf ein beginnendes Burnout. Und manisch bin ich noch immer, allerdings unter der Kontrolle meines Alters, welches die Manie auf ein anscheinend erträgliches Maß reduziert.
Aber lustig und interessant fand ich eine Feststellung von ihm:
"es sei für ihn fast unvorstellbar, wie jemand mit soviel Angst wie ich eine so erfolgreiche Berufsposition erreichen könne."
Das fand ich damals lustig. Doch die Feststellung hat mir weiter geholfen. Es zeichnete den Beginn eines Loslassens aus. Und damit bin ich seither sehr gut gefahren.
david ramirer - 7. Feb, 13:22

ja.

denn mit der einen psychiaterin, die ich einmal aufzusuchen hatte, die auch mir wirklich gut+rasch geholfen hat, sind es nun schon drei (inklusive la-mamma und steppenhund).
plural also gerechtfertigt!
;)
la-mamma - 7. Feb, 13:26

@david ramirer: außer wir waren bei derselben;-)
steppenhund - 7. Feb, 13:36

@la-mamma
Natürlich hast Du recht. Nicht alle kommen schlecht weg. Aber die Gutachten sind schon ein Hammer, oder?
la-mamma - 7. Feb, 13:47

das stimmt. ich hab das einzige, das je über mich geschrieben wurde auch weggeschmissen, damit ich nie wieder in versuchung gerate, es zu lesen ...
steppenhund - 7. Feb, 13:52

Es gibt auch Gutachten, die "zu gut" ausfallen. Ich musste einmal bei einer Bewerbung ein graphisches Gutachten erbringen. Nach diesem zufolge bin ich ein Superheld mit lauter ganz tollen Eigenschaften. Wenn ich aber meine Handschrift ansehe, wird mir mittlerweile schon eher schlecht.
HARFIM - 7. Feb, 15:49

na ja,

da habe ich wohl immer die falschen "Seelenklempner" kennen gelernt, gerade was die psychischen Erkrankungen meiner ersten Frau betrifft, sträuben sich mir heute nach fast 15 Jahren danach die Nackenhaare. Ich hatte da etliche kennen gelernt und sie kennen lernen müssen...
Was mich selbst betrifft, hatte ich nur einen wenigstens ehrlichen Psychiater kennen gelernt, ein Professor in der Charité, der endlich sagte, "Sie sind nicht psychisch krank. Was Sie brauchen sind gute Hörgeräte, nichts weiter."
Da hatte er recht.
Yenta - 7. Feb, 18:05

Vielen Dank für diese Rezension,

die genau das trifft, was ich empfunden habe und transportieren wollte.
Ich habe das Buch in die Rubrik “Frauenliteratur” eingeordnet und bin daher etwas überrascht ...
Vor- und Nachwort sind im Zuge der Blogbeiträge entstanden.
Da ich mein anonymes Großstadtleben sehr schätze und hoffe, dass sich daran nichts ändert, wird es zu diesem Thema von meiner Seite in Zukunft weder Interviews, noch Teilnahme an Talkshows etc., und auch kein zweites Buch geben.

iGing - 7. Feb, 18:31

Bzgl. inzestuösen Missbrauch schreiben Sie: "Aber manchmal ist es für mich unvorstellbar, was sich Menschen gefallen lassen."

Müsste man hier nicht eher umgekehrt denken: Es ist unvorstellbar, was sich Menschen herausnehmen!?!

bonanzaMARGOT - 10. Feb, 11:35

da wird sich yenta freuen.

jeder eingriff ins seelenleben ist ... nicht ohne gefahr, wie auch jeder körperliche eingriff. darüber sollte man sich klar sein, wenn man sich in die hände von therapeuten, psychiatern und operateuren begibt.
ich halte tiefgreifende eingriffe nur dann für nötig oder gar zwingend, wenn alle anderen möglichkeiten ausgeschlossen sind, und die selbstheilungskräfte nicht ausreichen.
die seele ist ein fragiles wesen, in dem man nicht herumpfuschen sollte. jedenfalls sehe ich das so. ich glaube, dass heutezutage vieles behandelt wird, was nicht notwendigerweise behandelt oder therapiert werden muss. leider wird dann unter umständen die behandlung selbst zum problem.

steppenhund - 10. Feb, 20:32

Ich stimme dem so ziemlich zu.
wvs - 10. Feb, 14:42

Ich finde es erstaunlich, dass Sie diese Aneinanderreihung von Fragmenten derart 'positiv' bewerten.

"Die Autorin hat geschrieben, dass sie den 2. Abschnitt stark gekürzt hat, um den roten Faden nicht zu zerstören." - das ist mir ebenfalls ein Rätsel, denn einen 'roten Faden' konnte ich nicht finden.

Helfen Sie mir das zu verstehen. Bitte!

steppenhund - 10. Feb, 20:38

Jemand erlebt eine recht belastete Kindheit, heiratet jemanden, dessen Vorleben nicht alle akzeptieren würden.
Nach der Geburt der Tochter stellt sich eine vermutlich stark psychosomatisch verursachte Belastung heraus.
Der Versuch, diese durch Psychotherapie zu bekämpfen, scheitert aus zwei Gründen. Erstens verliebt sich die Patientin in den Arzt und deutet seine Aussagen falsch. Zweitens ist der Arzt nicht in der Lage, den Zustand der Patientin richtig zu erkennen, was letztlich dazu führt, dass die Heilung nicht ausreichend stattfindet. Allerdings wird die Trennung vom Ehemann veranlasst.
Dies erleichtert den weiteren Lebensweg insofern so weit, dass es offensichtlich nach mehr als 30 Jahren zu einer recht objektivierten, sich selbst gegenüber schonungslosen Betrachtung kommen kann.
Die dreißig Jahre bleiben im Verborgenen, weil die Autorin ihre Anonymität nicht aufgeben will. Soweit sehe ich einen recht deutlichen roten Faden.
iGing - 10. Feb, 21:12

Eine "Aneinanderreihung von Fragmenten"??

Meinetwegen nennen Sie es halt so. Wer im Lesen geübt ist, sieht das eher so, dass es nun mal halt nicht anders aufs Papier wollte. Selbst wenn es ein bewusst eingesetztes Stilmittel wäre, würde ich es gut finden! Hier glaube ich aber eher daran, dass die zutiefst anrührende Problematik sich einen Weg in den Ausdruck bahnen musste und dass die Form gewählt wurde, durch die sich das eigene Erleben am leichtesten erschließen ließ. Es handelt sich nicht um einen Roman!
wvs - 10. Feb, 22:56

@ steppenhund

Danke für die Zusammenfassung - das hat mir sehr geholfen den 'roten Faden' zu erkennen.
---
Meine Beurteilung des Inhalts fällt - auf Basis dessen, was ich als "gesellschaftliche Werte" bezeichne - weit weniger positiv aus:
Die Protagonistin stammt aus gestörten Milieu - und es gelingt ihr für viele Jahre nicht sich daraus zu lösen. Dafür sprechen Partnerwahl, Prostitution und Fehleinschätzung hinsichtlich der Absichten des Therapeuten.
Mit zunehmender Reife, Erkenntnis und Beobachtung des Umfeldes jenseits ihres eigenen, arbeitet sie sich aus ihrer Situation heraus und lebt fortan nach 'bürgerlichen' Maßstäben. Vehikel, nein, Anker ist zunächst die Sorge um das Kind - erst spät reift die Erkenntnis der Verschiedenartigkeit, die es zu überwinden gilt.
---
Die "Schuld" dem Therapeuten zuzuschieben halte ich für abwegig, denn Herkommen und (Nicht-) Erziehung haben die Persönlichkeit ruiniert und das Urteilsvermögen verzerrt. Wenn schon Schuldzuweisung, dann in Richtung mißbrauchendem Vater und schweigender Mutter.
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Stil und Schreibweise irritieren, Versalien in diesem Umfang habe ich selten in Texten gefunden. Das erleichtert nicht etwa die Lektüre, sondern erschwert sie. Mindestens verstehe ich nun, warum das "Werk" von vielen Verlagen abgelehnt wurde.
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Vollends unverständlich ist mir aber - nach wie vor - weswegen diese Niederschrift eine solche Aufmerksamkeit hat. Es gibt mehr als genug vergleichbare Schicksale von denen bereits Berichte (objektiv & in besserem Stil) vorliegen.
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Zudem bezweifle ich die geschilderten Sachverhalte und Begebenheiten und halte Vieles, was dargelegt wird, für Fiktion - auf Basis einer intensiven Beschäftigung mit einschlägigen Fachveröffentlichungen.
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Wenn also etwas zu loben wäre, so ist es die Fertigkeit der Schreiberin sich Sekundärwissen anzueignen und es geschickt mit Tatsachen zu so zu verweben, dass sie selbst als "Phönix aus der Asche" dasteht.
bonanzaMARGOT - 11. Feb, 12:17

nun, ich habe das buch (noch) nicht gelesen.
es wäre mir viel zu mühsam, über 200 seiten zu lesen, wenn ich mit inhalt und stil nicht einverstanden bin - nur um hinterher darüber herziehen zu können. das ist doch albern.
sowas macht man, wenn man dafür als kritiker oder lektor bezahlt wird.
wenn steppenhund meint, dass die geschichte ihn packte, dann denke ich, dass sie nicht ganz schlecht geschrieben sein kann. wahrheitsgehalt hin oder her. selbstverständlich sind biografische erzählwerke immer subjektiv. wichtig ist doch nur, dass der leser "gepackt" wird, ein positives leseerlebnis hat und vielleicht über das ein oder andere behandelte sujet des buches ins nachdenken gerät.
ich freue mich für yenta über den anklang, den ihr buch findet.
iGing - 10. Feb, 22:32

Ich würde gerne noch etwas zum Inhalt des Buches sagen (ich hoffe, Herr Steppenhund, es ist Ihnen recht, wenn ich das hier in Ihrem Blog tue):

Psychoanalytiker erscheinen in diesem Buch sozusagen selbst als "Problemfälle": Einerseits arbeiten sie auch nur für Geld, andererseits wissen sie wahrscheinlich manchmal selbst nicht, wie sie die Erwartungshaltung, die sich aufgrund der "Übertragung" im Patienten entwickelt, wieder auflösen sollen. Da sie selbst ein Teil des Prozesses sind, erfordert das eine Fähigkeit, sich von sich selbst zu distanzieren, die sehr viel Reife und Können verlangt. Dies lernt man aber wiederum nur, indem man sich immer wieder in diesen Prozess hinein begibt --- und natürlich auch wieder heraus!! Genau hier hapert es in dieser Story.

Die begrenzte Stundenzahl beschleunigt und verstärkt den Ablösungsprozess normalerweise. Hier hat man aber eher den Eindruck: Der Therapeut nahm sozusagen Reißaus vor der für ihn schwer handhabbaren Situation, indem er die Therapie abbrach. Was ihn (nachvollziehbar!) am meisten erschreckt hat, war der Hang zur Psychose, der sich bei der Patientin offenbarte. Ich meine, einmal irgendwo gelesen zu haben, dass Psychosen nicht mit klassischer Psychoanalyse behandelbar seien. Demgemäß führte er die Therapie im Sitzen fort.
Durch den Abbruch der Therapie forcierte er die Ablösung, nachdem er sichergestellt hatte, dass die Patientin einen Weg einschlagen würde, den er befürwortete, weil er überzeugt war, das sei das Beste für sie --- allerdings ohne die Bindung aufgelöst zu haben! So schob er die Patientin in eine Entscheidung, die nicht ihre eigene war.

Die (normalerweise auf den Vater gerichtete) positive Erwartung (eines Kindes) war auf den Therapeuten gerichtet. Die Konstellation in diesem Fall ist denkbar ungünstig: Bei dem familiären Hintergrund und der daraus resultierenden psychischen Disposition der Patientin musste dies darauf hinauslaufen, dass eine Missbrauchssituation entsteht bzw. dass sie sein Verhalten als Missbrauch deutet. (Das ist der Part, der diesen "Fall" m.A.n. so besonders macht; anders als eine "normale" Psychoanalyse sozusagen.)
Die eine Seite: Der Arzt verhält sich folgerichtig und konsequent - er distanziert sich. Die andere Seite: Die Patientin fühlt sich missbraucht. Erst nachdem sie sich - lange danach - ihrerseits distanziert, entwickelt sich der Heilungsprozess weiter. Sie nimmt ihr Leben in die eigene Hand. Die zweite Therapie, die ja glücklicherweise keine Psychoanalyse ist, hilft ihr dabei. Dass sie dieses Buch schrieb, dürfte man einerseits als Trotzreaktion verstehen (sie besteht darauf, dass der Therapeut "schuld" ist), gleichzeitig aber als erfreuliche Ablösungsreaktion, denn nachdem sie ihre Geschichte veröffentlich hat, ist ihr egal, was "die" über sie denken - und das ist gut so!

Ob es für die Vermittlung der Ablösung auch eine andere Sprache gegeben hätte als die, die der Therapeut anwandte (nämlich kurz angebundene Abweisung und Ignorieren des Bedürfnisses nach Zuwendung), weiß ich nicht. Aus Therapeutensicht hat er nichts falsch gemacht. Aber die zweite Therapeutin, Frau Dr. A., hat offenbar etwas verstanden und die Therapie durch ihr Gesprächsangebot "ergänzt". Denn was beim Abschluss der ersten Therapie gefehlt hatte, war eine vernünftige Einsicht in das, was das Beste war. Die Option, die Ehe unter anderem Vorzeichen (z.B. größere Gesprächsbereitschaft) fortzuführen, wurde beim ersten Therapeuten gar nicht zugelassen. In der Gesprächstherapie kam das zur Sprache. Erst unter Berücksichtigung der Gefühle, die auch eine Fortführung der Ehe möglich erscheinen ließen, hatte eigentlich die Vernunft eine Chance. Fähigkeit zur Vernunft ist für mich gleichzusetzen mit Vollendung des Heilungsprozesses. Denn die Gefühle waren und wurden in diesem Fall hochgradig verwirrt, einmal durch den sexuellen Missbrauch als Kind, zum Andern in der Therapie durch die scheinbare Bereitschaft des Therapeuten, eine Beziehung mit der Patientin eingehen zu wollen, die mit einer Zurückweisung endete (enden musste!).

Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich das Buch zur Pflichtlektüre für angehende Psychoanalytiker machen. Auch wäre es einmal interessant, etwas über die Supervision des Therapeuten zu erfahren. Aber das werden wir sicher nie.

wvs - 10. Feb, 23:00

Mit Verlaub:
Ist es nicht ein wenig gewagt als "Nicht-Fachfrau" das Fach Psychotherapie in dieser Form herabzuwürdigen? Von einem - nur aus einer Quelle behaupteten Versagen auf das Versagen einer ganzen Berufsgruppe zu schließen scheint mir sehr vorschnell geurteilt.
Es sind doch nicht nur Dilettanten am Werk ...!
iGing - 11. Feb, 13:14

Zwar bin ich keine "Fachfrau" im eigentlichen Sinn, aber Sie dürfen mir glauben, dass ich hier nicht den Mund aufgemacht hätte, wenn ich mich nicht intensivst damit befasst hätte. Zumindest für eine persönliche Stellungnahme vollkommen ausreichend! (Was natürlich nicht bedeuten muss, dass ich in allen Details recht hätte.)

Auch liegt es mir fern, das Fach Psychotherapie herabzuwürdigen, im Gegenteil, ich halte gelingende Psychotherapie in unserer Gesellschaft für notwendiger denn je. Und der Bedarf wird nicht weniger werden, sondern eher steigen! (Wie übrigens auch die als "psychische Störung" definierten Zustände sich erheblich zu vermehren scheinen, aber darüber kann man sich mal unabhängig von diesem Thema Gedanken machen.)
steppenhund - 11. Feb, 15:53

@iGing

Ich vermute, WvS hat eher Yenta gemeint als Sie, aber ich kann mich auch täuschen.
iGing - 11. Feb, 19:20

@ steppenhund
Ich glaube, da irren Sie sich; ich bin mir sicher, dass er mich meint.
Ich habe mir auch aufgrund seines Einwands noch einmal meinen eigenen Beitrag durchgelesen, und ich kann nicht finden, dass ich den ganzen Berufsstand verunglimpft hätte; noch nicht einmal diesen einen Analytiker. Sollte Yenta es getan haben, dann hatte das Gründe. Und da genügt es nicht, den einen als Experten und den andern als asozial hinzustellen.
Vielleicht hätte ich mal anders formulieren oder etwas noch deutlicher sagen sollen, aber im Großen und Ganzen stehe ich voll und ganz hinter dem, was ich geschrieben habe.
Ich würde auch gerne mal mit einem echten Fachmann, i.e. einem Psychoanalytiker, über dieses Buch sprechen.
HARFIM - 10. Feb, 23:12

Alle Reaktionen hier in verschiedenen Blogs

empfinde ich als sehr gewagt. Ich traue mich manches, aber das würde ich nie... ich habe das Buch nur kurz angelesen... man interpretiert also den Bericht einer Patientin - und gibt als Laie Urteile ab... was soll das sein: eine Fernheilung?
Oder meint jemand, es hier mit Literatur zu tun zu haben?

wvs - 10. Feb, 23:16

Oder meint jemand, es hier mit Literatur zu tun zu haben?

Hoffentlich nicht.
la-mamma - 11. Feb, 09:36

@harfim

warum gewagt? ich schreibe viele rezensionen (normalerweise für neuerscheinungen eines gar nicht so schlechten verlags, für freundinnen, die mich drum bitten (das ist schwerer), über bücher, bei denen es mir einfach ein anliegen nach der lektüre ist, etwas - egal ob positiv oder negativ - dazu zu sagen, und so eben auch über dieses werk. wo die grenze zu literatur ist, kann ich nicht definieren, genauso wenig auch bei manchen verlegten werken. ich denke, yenta hat ja ganz offen in ihrem blog "werbung" für ihr buch gemacht und um rezensionen gebeten, warum ist es dann vermessen, so einer bitte zu entsprechen? (wenn mich das buch völlig kalt gelassen hätte, hätte ich es halt unterlassen)

was ich selber nicht getan habe und auch nicht tun werde, ist natürlich, ihre eigene fallgeschichte zu sehr inhaltlich zu interpretieren - das geht nicht. und da hat sie völlig recht, zu sagen, dass ihr das jetzt egal ist und sein muss.
david ramirer - 11. Feb, 10:03

hm?

eröffnen wir jetzt hier eine diskussion darüber, was literatur ist und was nicht? wirklich?

gehen wir dann nach dem markterfolg und beziehen feingeistige ergüsse wie "feuchtgebiete" mit ein (das man ja auch wunderbar als buch an den gedruckten buchstaben erkennen kann), oder belassen wir es bei der grundsatzfrage, die sie etymologisch zu definieren versucht, und frischen uns bei der wikipedia oder anderen gescheiten quellen auf?

oder wollen wir einfach unsere persönlichen ansichten aufeinanderprallen lassen?

ich bin gespannt.
HARFIM - 11. Feb, 12:00

Natürlich werde ich dazu nichts weiter sagen,

sonst würde ich mir ja selbst widersprechen :-) Ich nehme schon an, dass die Autorin dieser Sache mitliest. Und wünsche ihr natürlich alles Gute.
iGing - 11. Feb, 13:16

Es ist ein Buch. Insofern ist es selbstverständlich Literatur (und das sage ich jetzt definitiv als Fachfrau! Aber um das zu sagen, braucht man keine Fachfrau zu sein).

Natürlich ist es Ihr gutes Recht, das Buch nicht weiterlesen zu wollen, nachdem Sie es "angelesen" haben. Sie können es ja für schlechte Literatur halten, das ist auch ihr gutes Recht. Aber Sie werden zugestehen, dass jemand, der das Buch mit großer innerer Anteilnahme gelesen hat, möglicherweise anders darüber urteilt und dies auch kundtut. Ohne fernheilerische Absicht.
HARFIM - 11. Feb, 14:49

Ich halte das Buch nicht für Literatur,

auch nicht für schlechte Literatur. Ich teile auch nicht die Ansicht, das alles, was zwischen zwei Buchdeckeln steht, automatisch Literatur sei.
Für mich ist das ein Krankenbericht aus der (einseitigen) Sicht einer betroffenen Patientin... zu dem ich mich nicht äußern würde, das ist alles. Da habe ich ja schon eine Scheu es zu lesen, weil das geht mich gar nichts an. Ich bin weder kompetent, noch kenne ich die Patientin persönlich...
Wenn jemand deshalb keine Bedenken hat sich zu äußern, kann ich daran auch nichts ändern... sorry, so ist das Internet halt.
Ich tue es jedenfalls nicht.
wvs - 11. Feb, 15:34

@ Harfim
" .. Ich halte das Buch nicht für Literatur, auch nicht für schlechte Literatur. Ich teile auch nicht die Ansicht, das alles, was zwischen zwei Buchdeckeln steht, automatische Literatur sei .. "
Zustimmung!

@ iGing
" .. mit großer innerer Anteilnahme gelesen .. "
Genau das ist in diesem Fall ein Hindernis für eine objektive Sicht & Wertung.
steppenhund - 11. Feb, 16:02

Also ich schreibe meine Meinung zu etwas Gelesenem, und zwar lieber dann, wenn mir etwas gefällt als wenn mir etwas nicht gefällt.
In diesem Fall hat mich die Geschichte interessiert. Sie ist spannend. Wie wird das ausgehen, wie kann das überhaupt ausgehen? Möglicherweise unterstellt man mir ein voyeuristisches Verhalten. Wäre mir egal.
Ich schaue mir lieber einen Porno als eine Parlamentsdiskussion an. Es ist für mich interessant zu sehen, was sich da innerhalb kürzester Zeit für eine Diskussion ergeben hat.
Also definitiv schreibe ich keinen Bericht über "Feuchtgebiete" oder "50 Shades of Grey". In beide Bücher habe ich in Buchhandlungen hineingesehen und ungefähr jeweils eine halbe Seite gelesen.
In beiden Fällen wäre mein Urteil mit einem Wort ausdrückbar. Hier war es das nicht.
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