Nicht der Gärtner, ...
- sprich der Lokführer - ist schuld.
Bei allen Berichten über das spanische Zugsunglück lese ich das an der Stelle des Zugunglücks das ältere ASFA-System eingesetzt ist, aber die Hochgeschwindigkeitsstrecke mit ERTMS ausgestattet ist.
ERTMS ist eine Zugbeeinflussung, die den Zug abbremsen kann, auch wenn der Lokführer einen Herzinfarkt oder sonstigen Ausfall erlitten hat.
Nur muss dieser Abbremsvorgang schon lange (4km) vor der Schnittstelle der beiden Systeme einsetzen. Wenn der Lokführer selbst nicht schon abbremst, muss das Sicherungssystem der Hochgeschwindigkeitsstrecke entsprechend eingreifen.
Jetzt kann man sich fragen, warum bisher nichts passiert ist. Die Lokführer haben eben aus Gewohnheit selber gebremst, weil das vermutlich schon von den Streckensignalen her vorgegeben ist. Möglicherweise hat sich der Lokführer des Unglückszug sogar darauf verlassen, dass der Zug wohl so schnell fahren darf, wenn das Sicherungssystem nicht eingreift. Dass er dann beim Tunnelausgang über die hohe Geschwindigkeit erschreckt war, glaube ich ihm. Da wird ihm die Tragweite seines Irrtums bewusst geworden sein.
Persönlich glaube ich aber, dass es ein Software- oder Spezifikationsfehler im Sicherungssystem ist. Oder auch die Konfiguration hat nicht gestimmt. Wenn das Überwachungssystem einen Endpunkt hat, muss das System so eingestellt sein, dass an dieser Stelle der Zug nicht schneller als einen vorgegeben Wert fährt. Im vorliegenden Fall wäre der 80km/h. Es muss daher eine Bremsrampe schon viel früher den Zug abbremsen.
Ist das je getestet worden?
Abgesehen von technischem Versagen müsste der Lokführer das System übersteuert haben. Das glaube ich nun doch nicht, dass das ein erfahrener Lokführer tun würde, selbst wenn er einem Alonso nacheiferte.
Vermutlich trifft ihn eine Teilschuld. Aber wenn das Sicherungssystem zugelassen hat, dass der Zug ohne Warnung im Tunnel noch 200km/h fahren durfte, dann sind wohl noch andere schuld.
-
Wenn sich das herausstellen sollte, (obwohl ich nicht glaube, dass eine derartige Bestätigung an die Öffentlichkeit gelangen würde) wäre es eine wunderbare Bereicherung meiner Katastrophensammlung, die zuletzt Heathrow Terminal 5 und Fukushima beinhaltet. Menschliche Hybris und Entscheidungsträger, die von Technik nichts verstehen, lassen es zu, dass kritische Systeme ungetestet bleiben.
Die Moral von der Geschichte: getestet wird nur, wenn es ums Geld geht. Bei Menschenleben ist der Test nicht so wichtig.
Eine der Quellen, aus der ich meine "Weisheit" beziehe. Andere schreiben genauso.
http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/lokfuehrer-verhaftet-1.18123731
Bei allen Berichten über das spanische Zugsunglück lese ich das an der Stelle des Zugunglücks das ältere ASFA-System eingesetzt ist, aber die Hochgeschwindigkeitsstrecke mit ERTMS ausgestattet ist.
ERTMS ist eine Zugbeeinflussung, die den Zug abbremsen kann, auch wenn der Lokführer einen Herzinfarkt oder sonstigen Ausfall erlitten hat.
Nur muss dieser Abbremsvorgang schon lange (4km) vor der Schnittstelle der beiden Systeme einsetzen. Wenn der Lokführer selbst nicht schon abbremst, muss das Sicherungssystem der Hochgeschwindigkeitsstrecke entsprechend eingreifen.
Jetzt kann man sich fragen, warum bisher nichts passiert ist. Die Lokführer haben eben aus Gewohnheit selber gebremst, weil das vermutlich schon von den Streckensignalen her vorgegeben ist. Möglicherweise hat sich der Lokführer des Unglückszug sogar darauf verlassen, dass der Zug wohl so schnell fahren darf, wenn das Sicherungssystem nicht eingreift. Dass er dann beim Tunnelausgang über die hohe Geschwindigkeit erschreckt war, glaube ich ihm. Da wird ihm die Tragweite seines Irrtums bewusst geworden sein.
Persönlich glaube ich aber, dass es ein Software- oder Spezifikationsfehler im Sicherungssystem ist. Oder auch die Konfiguration hat nicht gestimmt. Wenn das Überwachungssystem einen Endpunkt hat, muss das System so eingestellt sein, dass an dieser Stelle der Zug nicht schneller als einen vorgegeben Wert fährt. Im vorliegenden Fall wäre der 80km/h. Es muss daher eine Bremsrampe schon viel früher den Zug abbremsen.
Ist das je getestet worden?
Abgesehen von technischem Versagen müsste der Lokführer das System übersteuert haben. Das glaube ich nun doch nicht, dass das ein erfahrener Lokführer tun würde, selbst wenn er einem Alonso nacheiferte.
Vermutlich trifft ihn eine Teilschuld. Aber wenn das Sicherungssystem zugelassen hat, dass der Zug ohne Warnung im Tunnel noch 200km/h fahren durfte, dann sind wohl noch andere schuld.
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Wenn sich das herausstellen sollte, (obwohl ich nicht glaube, dass eine derartige Bestätigung an die Öffentlichkeit gelangen würde) wäre es eine wunderbare Bereicherung meiner Katastrophensammlung, die zuletzt Heathrow Terminal 5 und Fukushima beinhaltet. Menschliche Hybris und Entscheidungsträger, die von Technik nichts verstehen, lassen es zu, dass kritische Systeme ungetestet bleiben.
Die Moral von der Geschichte: getestet wird nur, wenn es ums Geld geht. Bei Menschenleben ist der Test nicht so wichtig.
Eine der Quellen, aus der ich meine "Weisheit" beziehe. Andere schreiben genauso.
http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/lokfuehrer-verhaftet-1.18123731
steppenhund - 27. Jul, 10:40
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steppenhund - 5. Aug, 19:44
Genau. So haben Zugsicherungssysteme ja überhaupt erst begonnen. Was passiert, wenn dem Lokführer schlecht wird?
Und mittlerweile ist man da schon viel weiter.
Und mittlerweile ist man da schon viel weiter.
bonanzaMARGOT - 9. Aug, 11:51
scheußlich mal wieder. technik ist eben nur so gut, wie sie der mensch installiert und anwendet.
das erinnert mich an diese airbus-geschichte, wo ein ingenieur irgendeinen fehler beim kabinendruck monierte. der whistleblower kam wegen dieser offenlegung eines konstruktionsfehlers, welcher im gefahrenfall menschenleben gekostet hätte, vor gericht ...
das erinnert mich an diese airbus-geschichte, wo ein ingenieur irgendeinen fehler beim kabinendruck monierte. der whistleblower kam wegen dieser offenlegung eines konstruktionsfehlers, welcher im gefahrenfall menschenleben gekostet hätte, vor gericht ...
steppenhund - 9. Aug, 21:38
Ja, das Schicksal ist mir bekannt. Gehört sozusagen zu meinem Berufsleben. Und weil es mein Job ist, Fehler in der Software aufzudecken, - heute ja nicht mehr selber - komme ich mir selbst wie Kassandra vor. Und die hat ja kein besonders gutes Schicksal.
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Meine Fragestellung lautet im vorliegenden Fall ja ganz einfach: wenn der Lokführer einen Herzanfall gehabt hätte, wer wäre dann am Unglück schuld gewesen?
Tja, diese Frage wird rhetorisch unterschlagen. Wir haben übrigens schon lange nichts mehr von dem Unglück gehört.
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Meine Fragestellung lautet im vorliegenden Fall ja ganz einfach: wenn der Lokführer einen Herzanfall gehabt hätte, wer wäre dann am Unglück schuld gewesen?
Tja, diese Frage wird rhetorisch unterschlagen. Wir haben übrigens schon lange nichts mehr von dem Unglück gehört.
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 10:39
ich kann dem, was du dazu sagst, nur beipflichten.
der zugführer hat durch sein fehlverhalten wahrscheinlich schuld; aber genau besehen trifft ihn nur eine teilschuld, wenn man die rolle der sicherheitstechnik bei solchen zügen berücksichtigt - denn die hat offensichtlich auch versagt, war mangelhaft oder fehlerhaft.
ja, so ist das bei katastrophen. nach der ersten großen betroffenheits-medienwelle hört man nichts mehr davon. dabei wären gerade die hintergründe interessant.
der zugführer hat durch sein fehlverhalten wahrscheinlich schuld; aber genau besehen trifft ihn nur eine teilschuld, wenn man die rolle der sicherheitstechnik bei solchen zügen berücksichtigt - denn die hat offensichtlich auch versagt, war mangelhaft oder fehlerhaft.
ja, so ist das bei katastrophen. nach der ersten großen betroffenheits-medienwelle hört man nichts mehr davon. dabei wären gerade die hintergründe interessant.
Da hat nicht nur der Lockführer geschlafen.
"Wird schon gut gehen" als Prämisse ist allerdings ziemlich zeitgemäß, und kostenreduzierend.