Digitales Heroin
Nach den ersten dreißig Spielminuten sind zwei Dinge festzustellen: "SimCity" hat sich seit dem ersten Teil 1989 stark weiterentwickelt und, wie eh und jeh sollte man vor jeder begonnenen Partie sicherstellen, dass man die nächsten 24 Stunden nichts anderes vor hat. Städte bauen macht auch heute noch süchtig.
Dieses Zitat stammt aus dem unten verlinkten Artikel des orf.at.
Diese Sucht habe ich in den Neunzigerjahren kennengelernt. Simcity war dabei allerdings weniger gefährlich als Civilization, bei dem ein Spiel ca. 60 Stunden gedauert hat, wenn man auf einen High-Score hingearbeitet hat. Obwohl man unter bestimmten Bedingungen das Spiel auch in einer halben Stunde gewinnen konnte - durch Auslöschung sämtlicher fremder Zivilisationen, war es für mich interessanter, den High-Score zu erforschen. Bei Civilization-II gab es einen Softwarefehler, der verhinderte, dass ein High-Score von 300% erreicht werden konnte. Kurz vorher nahm die Umweltverschschmutzung derartige Ausmaße an, dass man nur mehr mit Beseitigung beschäftigt war. Irgendwann fingen dann die Pole zu schmelzen an. Die globale Erwärmung trocknete einst fruchtbare Gebiete aus und die größten Städte fingen an zu verhungern.
Civilization habe ich noch in den späteren Generationen weiter verfolgt. Civ-V habe ich mir gekauft und einmal gespielt, dann war der Anreiz vorbei. Vergleichsweise langsamer, weil schöner, war die Übersicht nicht mehr so klar gegeben, obwohl das hexagonale Landmuster schon eine nette Neuerung war.
Am meisten stieß mich aber ab, dass ohne bestehende Online-Verbindung nicht mehr gespielt werden konnte. Ein Lizenzserver ("Steam") musste im Zugriff stehen. Wenn das allein nicht schon ein Hindernis darstellt, so war der Umstand, dass vom Steam-Server einmal Kundendaten gehackt wurden, recht abschreckend.
Im Standard ist nun die neueste Version von SimCity beschrieben-
http://derstandard.at/1343744915943/SimCity-Die-Staedtesimulation-realistischer-denn-je
Was mich überrascht und gleichzeitig erfreut hat, war die Ablehnung einiger Forenteilnehmer, welche den Online-Zwang des Spieles bekrittelten. Darüber hinaus habe ich das erste Mal den Ausdruck "pay2win" gelesen. Der besagt ungefähr Folgendes: um sich im Spiel Vorteile zu verschaffen, kann man sich die virtuelle Währung einkaufen. Die ist sicher nicht so teuer, aber stellt für Spielsüchtige laufende Kosten dar, die sich beim Spielen anhäufen.
Ich würde sagen, jetzt hat endlich das Rauschgift seinen digitalen Einzug gefunden. Das bestimmte Spiele addiktives Verhalten auslösen, war mir nicht nur bekannt sondern ich habe es auch bereits als Verbesserungsmöglichkeit für interaktives Lernen gesehen. Die Form, die ich jetzt bei SimCity - nicht, dass das das erste Spiel mit diesem Modus wäre - gesehen habe, beleuchtet eine neue Form des organisierten Verbrechens. Cyberkriminalität spielt sich ja gewöhnlich auf anderen Schauplätzen ab. Doch analog zum normalen Glückspiel, welches für den Normalspieler ja nicht kriminell ist, sind die Hintergründe in den verschiedenen Glückspielzentren in der Regel im Bereich des organisierten Verbrechens anzusiedeln.
Nebenbemerkung:
In Österreich haben wir mit den Casinos Austria einen staatlich monopolisierten Glückspielbetriebe. Da kann man nicht unbedingt von Verbrechen sprechen. Ein bisschen schlechtes Gewissen haben sie ja schon, wenn sie gemeinsam mit Novomatic als Geldgeber für den Verein der Anonymen Spieler auftreten. Dagegen ist allerdings wirklich nichts zu sagen.
Die Casinos Austria sind aber auch einer der wesentlichen Geldgeber für das Olympische Komitee. Ihr oberster Boss war auch einmal mein oberster Boss, der es sich an der Spitze einer der größten Versicherungen stehend - noch "verbessert" hat. In Österreich ist gerade einer der Spitzenfunktionäre des olympischen Komitees zu fünf Jahren Gefängnis (noch nicht rechtskräftig) verurteilt werden, weil er Millionen der Gelder, die für Sportförderung gedacht waren, unterschlagen hat. Als kleine Nebenspitze darf bemerkt werden, dass Österreich heuer keine einzige Medaille gemacht hat. (Was ich selbst nicht besonders schlimm finde, vierte und fünfte Plätze in Disziplinen, die fast nicht gefördert werden, sind fast mehr wert.)
Dieses Zitat stammt aus dem unten verlinkten Artikel des orf.at.
Diese Sucht habe ich in den Neunzigerjahren kennengelernt. Simcity war dabei allerdings weniger gefährlich als Civilization, bei dem ein Spiel ca. 60 Stunden gedauert hat, wenn man auf einen High-Score hingearbeitet hat. Obwohl man unter bestimmten Bedingungen das Spiel auch in einer halben Stunde gewinnen konnte - durch Auslöschung sämtlicher fremder Zivilisationen, war es für mich interessanter, den High-Score zu erforschen. Bei Civilization-II gab es einen Softwarefehler, der verhinderte, dass ein High-Score von 300% erreicht werden konnte. Kurz vorher nahm die Umweltverschschmutzung derartige Ausmaße an, dass man nur mehr mit Beseitigung beschäftigt war. Irgendwann fingen dann die Pole zu schmelzen an. Die globale Erwärmung trocknete einst fruchtbare Gebiete aus und die größten Städte fingen an zu verhungern.
Civilization habe ich noch in den späteren Generationen weiter verfolgt. Civ-V habe ich mir gekauft und einmal gespielt, dann war der Anreiz vorbei. Vergleichsweise langsamer, weil schöner, war die Übersicht nicht mehr so klar gegeben, obwohl das hexagonale Landmuster schon eine nette Neuerung war.
Am meisten stieß mich aber ab, dass ohne bestehende Online-Verbindung nicht mehr gespielt werden konnte. Ein Lizenzserver ("Steam") musste im Zugriff stehen. Wenn das allein nicht schon ein Hindernis darstellt, so war der Umstand, dass vom Steam-Server einmal Kundendaten gehackt wurden, recht abschreckend.
Im Standard ist nun die neueste Version von SimCity beschrieben-
http://derstandard.at/1343744915943/SimCity-Die-Staedtesimulation-realistischer-denn-je
Was mich überrascht und gleichzeitig erfreut hat, war die Ablehnung einiger Forenteilnehmer, welche den Online-Zwang des Spieles bekrittelten. Darüber hinaus habe ich das erste Mal den Ausdruck "pay2win" gelesen. Der besagt ungefähr Folgendes: um sich im Spiel Vorteile zu verschaffen, kann man sich die virtuelle Währung einkaufen. Die ist sicher nicht so teuer, aber stellt für Spielsüchtige laufende Kosten dar, die sich beim Spielen anhäufen.
Ich würde sagen, jetzt hat endlich das Rauschgift seinen digitalen Einzug gefunden. Das bestimmte Spiele addiktives Verhalten auslösen, war mir nicht nur bekannt sondern ich habe es auch bereits als Verbesserungsmöglichkeit für interaktives Lernen gesehen. Die Form, die ich jetzt bei SimCity - nicht, dass das das erste Spiel mit diesem Modus wäre - gesehen habe, beleuchtet eine neue Form des organisierten Verbrechens. Cyberkriminalität spielt sich ja gewöhnlich auf anderen Schauplätzen ab. Doch analog zum normalen Glückspiel, welches für den Normalspieler ja nicht kriminell ist, sind die Hintergründe in den verschiedenen Glückspielzentren in der Regel im Bereich des organisierten Verbrechens anzusiedeln.
Nebenbemerkung:
In Österreich haben wir mit den Casinos Austria einen staatlich monopolisierten Glückspielbetriebe. Da kann man nicht unbedingt von Verbrechen sprechen. Ein bisschen schlechtes Gewissen haben sie ja schon, wenn sie gemeinsam mit Novomatic als Geldgeber für den Verein der Anonymen Spieler auftreten. Dagegen ist allerdings wirklich nichts zu sagen.
Die Casinos Austria sind aber auch einer der wesentlichen Geldgeber für das Olympische Komitee. Ihr oberster Boss war auch einmal mein oberster Boss, der es sich an der Spitze einer der größten Versicherungen stehend - noch "verbessert" hat. In Österreich ist gerade einer der Spitzenfunktionäre des olympischen Komitees zu fünf Jahren Gefängnis (noch nicht rechtskräftig) verurteilt werden, weil er Millionen der Gelder, die für Sportförderung gedacht waren, unterschlagen hat. Als kleine Nebenspitze darf bemerkt werden, dass Österreich heuer keine einzige Medaille gemacht hat. (Was ich selbst nicht besonders schlimm finde, vierte und fünfte Plätze in Disziplinen, die fast nicht gefördert werden, sind fast mehr wert.)
steppenhund - 17. Aug, 09:07
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