26
Mrz
2012

Jetzt kann ich es eigentlich glauben

Als ich 1983 in Rotchina war, installierte ich eine Messanlage an der Uni in Tianjin. Ich wunderte mich damals, dass sich auf dem Unigelände so viele Ausländer tummelten. Man erzählte mir, dass es in Tianjin einen Spezialkurs für Ausländer, sprich chinesische Analphabeten gäbe, bei dem man in einem Semester alles an Chinesisch lernen würde, was man für ein Studium benötigte, also auch die Fähigkeit, Zeitungen und komplizierte Texte zu lesen. Man sprach von 6000-8000 Schriftzeichen.
Ich hielt das zwar für fast unmöglich, aber es hätte mich immer gereizt, einmal ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub zu nehmen und diesen Kurs zu machen. Damals hätte das vielleicht sogar mein Berufsleben beeinflusst.
Wie meine Leser ja leicht mitbekommen können, lerne ich jetzt das chinesische Vokabular auf der Plattform memrise.com.
Nach einer Woche kann ich folgende Überlegungen anstellen:
Bei intensivem Lernen kann man da schon einiges umsetzen.
(Momentan betreibe ich das ja nur tröpferlweise in meiner Freizeit.)
Ein englischsprachiger Student, (MonkeyKing) der in China lebt, hat jetzt bei einer Punkteanzahl von etwas über 600.000 ca. 2000 Worte intus. Das bedeutet, dass man beim Üben eines Wortes ca. 300 Punkte umsetzen muss. (Das entspricht im Durchschnitt 20 Wiederholungen.)
Das entspricht durchaus den Erfahrungen der letzten Woche. In einer Stunde kann ich 10 neue Wörter lernen und ungefähr 3000 Punkte machen. Vielleicht sogar mehr, wenn ich konsequent dabei bleibe.
Das macht bei einem 12 Stundentag 120 Worte pro Tag. Für 6000 Worte benötigt man dann also 50 Tage.
Die gehen für das Vokabular auf. Dazu kommt noch Grammatik und Schreiben. Das Schreiben ist eigentlich leichter, wenn man ein paar Grundregeln kennt und das Vokabular so gelernt hat, wie es auf memrise angeboten wird.
Und dann kommt noch das Training der Aussprache dazu. Dazu meine ich aber, dass bei "Total Immersion" im Land selbst tatsächlich relativ leicht die richtige Aussprache "erhört" werden kann. Wenn ich also die 50 Tage verdopple, käme ich mit etwas mehr als 3 Monaten durch.
6000 Wörter müssten also in einem Semester zu schaffen sein.
-
Wesentlich leichter muss dann das Japanisch fallen, welches wirklich mit 1843 chinesischen Schriftzeichen auskommt und keinerlei Aussprache schwierigkeiten aufweist. (Das gleiche Zeichen wird auf Chinesisch und Japanisch unterschiedlich ausgesprochen. Dasselbe gilt auch für Chinesisch und Chinesisch. Was auf Kantonesisch "Kü" ausgesprochen wird, lautet in Mandarin vielleicht "Ha" oder umgekehrt.)
-
Das wirklich Faszinierende dabei ist, wie man sich selber beim Lernen beobachten kann. Die Zeichen haben alle eine kleine Geschichte und nach einer gewissen Zeit verweben sie sich quasi zu einem Netz. Ich denke, das funktioniert ähnlich wie die chemischen Formeln, wenn sie ein Chemiker lernen muss.
-
Für mich ist das ja jetzt eine Spielerei und Entspannung. Aber es ist auch erfreulich, dass ich überhaupt noch etwas behalte. Also selbst als alter Trottel kann man noch Vokabeln lernen.
Wie viel leichter müssten es da die Schüler in der Mittelschule haben. Und was machen sie daraus?
read 891 times

Siegen wollen

Nun so richtig siegen kann man auf memrise nicht wirklich. Oder man siegt sowieso immer, weil man den inneren Schweinehund bekämpft und etwas "tut". Aber dann gibt es die Vergleichswut: wie gut sind die anderen, wie "schnell" lernen sie? Wieviel Zeit wenden sie überhaupt auf?
Ich bin ja momentan durchaus viel mit dem Beruf beschäftigt, weil ich zur Zeit wieder in Serbien weile. Doch zur Entspannung spiele ich mich zeitig in der Früh und spät am Abend noch mit meinem Mandarinkurs herum und mache nebenbei ein bisschen Serbisch, was allerdings keinen großen Sex-Appeal hat. Irgendwie glaube ich nicht, dass ich die Worte wie abwaschen oder staubsaugen im täglichen Leben oft verwenden werde.
Doch bei Chinesisch geht die Post ab. Eben ist ein Tag abgelaufen. (midnight at Greenwich meantime without summertime)
Ich schneide bei meinen Konkurrenten, die ungefähr gleichzeitig begonnen haben, ziemlich gut ab. In allen Zeiteinheiten glänze ich an erster Stelle.
Interessanter sind aber die absoluten Zahlen:
Es gibt einen täglichen Wettbewerb, da schneide ich als 34. zwar ganz gut ab, ich war aber in der Früh schon einmal 15. Da sieht man, wie eine Statistik missbraucht werden kann.
In der Wochenübersicht dürfte ich nicht eine ganze Woche zur Verfügung gehabt haben. Daher schleiche ich mich auf Platz 177 umher. Das sollte in einer Woche schon unter 100 sein. Das wäre ein Wochenziel.
In der Monatsübersicht stehe ich an 1094. Stelle. Da werde ich in den kommenden Tagen sicher noch dreistellig werden. In der All-time-Übersicht stehe ich derzeit an 4723. Stelle. Da frage ich mich, wann ich unter die 4000 komme.
Da ich nicht unendlich viel Zeit habe, absolviere ich die Fragerunden immer so schnell wie möglich, also dort wo ich die Vokabeln kenne, bin ich nach 2 Sekunden bereits bei der nächsten Frage. Bei Aussprachefragen dauert es länger. Wenn man acht Felder mit chinesischen Schriftzeichen lesen muss, dauert das Lesen schon einige Zeit, selbst wenn man dann nur klicken muss.
Aber für 40 Worte brauche ich zwischen 10 und 12 Minuten. Und die bringen dann in der Regel zwischen 1000 und 1500 Punkte. Da freut sich der kleine Hansi.
Und jetzt wundere ich mich schon nicht mehr, wenn ich für you2 bereits drei verschiedene Bedeutungen kenne oder für er2 ebenfalls mindestens zwei.
Das Schönste ist allerdings, wenn ich eine Frage bekomme und den Eindruck habe, dass ich total auf der Leitung stehe. Und fünf Sekunden vor Ablauf der Zeit schreibe ich dann etwas, was ich nur als geraten ansehen kann, - und es stimmt haargenau.
Also das Unterbewusstsein arbeitet da ganz schön mit. Und leider manchmal auch gegen mich, denn z.B. das Wort "jeder" habe ich immer wieder falsch, selbst wenn ich es genau weiß.
Den Überlebenswortschatz habe ich fast geschafft. Ob man damit wirklich überleben kann, bezweifle ich. Doch die besten Gerichte in den Lokalen aussuchen, müsste schon recht gut klappen. Da waren bis jetzt mindestens 10 Beispiele einer Speisekarte dabei.
Auch die Pekingente kann ich jetzt lesen und das nächste Mal bestelle ich mir unbedingt etwas, das am Anfang mit "fish fragrant" geschrieben wird.
Es muss nicht unbedingt Fleisch sein, es gibt auch eine "fish fragrant aubergine".
Vielleicht sollte ich doch wieder einmal nach Asien fahren...
read 601 times
logo

auf 70 steuernd

die Erfahrungen genießend

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Nachtrag zu diesem Jahr
Abschluss der Musikaktivitäten Die Leistung des Jahre...
steppenhund - 10. Dez, 18:59
Langsamer Abschied
Долгое прощание - Langsamer Abschied Dieses Buch von...
steppenhund - 13. Nov, 12:01
Aleksandra Mikulska
Es gibt drei Pianistinnen, die ich ganz hoch einschätze,...
steppenhund - 22. Okt, 14:44
Quietschen
Q U I E T S C H E N Als ich gestern nach dem Aufstehen...
steppenhund - 20. Okt, 12:36
Ich liebe meinen Induktionsherd....
Ich liebe meinen Induktionsherd. Brauchst auch den...
la-mamma - 18. Okt, 18:10

Meine Kommentare

wenn Sie der Lehrer meiner...
würde ich mich wundern, dass Sie nicht auf meinen Kommentar...
abohn - 7. Mai, 09:56
Gut gewagt!
Ein sehr ansprechender Text! So etwas würde ich auch...
abohn - 25. Apr, 15:30
Eigentlich habe ich deinen...
Eigentlich habe ich deinen Sohn erkannt. Der ist ja...
lamamma - 27. Mär, 12:44
Überrascht
Ich bin wirkliich überrascht, dass gerade Du lamentierst....
lamamma - 26. Mär, 15:30
Wobei nähen sich ja viel...
Wobei nähen sich ja viel direkter geboten hätte.
Schwallhalla - 26. Feb, 10:30

The bridge


Bloggen
Computer
ernst
Familie
Film
fussball
Icebreaker
Ist das jetzt das Alter
Kino
Kultur
Leben
Lesen
Musik
nichttägliche Mathematik
Philosophie
Politik
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren