Alt! "Da kann man alt werden." ist eine beliebte Redewendung um zu kennzeichnen, dass man auf etwas lange warten muss. Wenn man im
Uerige auf ein Alt wartet, kann man alt werden.
Alt heißt übrigens das obergärige Bier, wofür Düsseldorf berühmt ist, und an dass ich mich durchaus gewöhnen könnte. Wenn es einfach ins Glas käme. Sowohl beim Kölsch als auch beim Alt versucht man mir weis zu machen, dass das Nachschub-Bier früher am Tisch steht, als man das alte ausgetrunken hat.
Mitnichten!
Dr. Scheins Augenbrauenheben hat ja in Köln den gewünschten Rhythmus erzeugen können.Gregor Keuschnig war hingegen chancenlos. Da brüllte es durch den Saal (siehe Bild): "Schreien kannst Du mit deinem Papa, nicht mit mir!" Das galt nicht Gregor Keuschnig sondern dem anderen Kellner. Es war in einem ausländischen Dialekt hervorgebracht, der später als griechisch diagnostiziert wurde. Mit Hilfe der pixelisierten Nachbarn, die tatsächlich aus Düsseldorf stammten.
Anfangs war dieser Grieche noch sehr reserviert, schlussendlich gab er mir zum Abschied sogar die Hand.
Auf dem Häusl gibt es eine bestens aufgelegte Afro-Amerikanerin (muss aber nicht aus Amerika stammen), die lacht und trällert und mir mit ihrer guten Laune ein schönes Trinkgeld entlockt hat.
Und insgesamt ist das Lokal schon in Ordnung. Ich bekam auf dem Weg zum Häusl Schnupftabak aufgedrängt, durfte Wiener Operettenlieder intonieren.
Und in Wirklichkeit hat es schon gepasst, was nicht zuletzt dem Umstand zuzuschreiben ist, dass Gregor Keuschnig in persona genauso eine erfreuliche Überraschung war, (obwohl man das eigentlich gar nicht so sagen kann, die Erwartungshaltung war schon in diese Richtung.) wie es sich zwei Tage zuvor bei Dr. Schein herausgestellt hat.
Wie sagt Gregor Keuschnig? "Hinter all der Anonymität verstecken sich reale Personen. Wirkliche Personen." Diese stellen sich dann nach einem zweijährigen Virtualkontakt als äußerst angenehm und umgänglich heraus.
Wie sagt Hans Sachs? "Keiner kann ganz schlecht sein, er hält's auf die Dauer nicht aus." Genauso kann keiner schlecht sein, von dem man jahrelang Erfreuliches und zum Nachdenken Verleitendes liest.
Jetzt habe ich eigentlich Lust, all die anderen kennenzulernen, an deren Blogeinträgen ich mich tagtäglich ergötzen kann.
Manchmal ist es ja besser, es bei einer guten Vorstellung zu belassen. Doch die letzten Tage haben mir gezeigt, dass die virtuelle Welt durch den realen Kontakt noch sehr dazugewinnen kann.
Es sei denn, man muss auf sein Alt warten.
Da kann man alt werden.