Verklärung der Vergangenheit
Die meisten Menschen tendieren dazu, die Vergangenheit zu verklären. "Das waren noch Zeiten..." beginnt es dann meistens.
Im Zusammenhang mit der Schule fällt das vielleicht nicht allen gleich leicht. Deswegen ist ein Dokument wie eine Maturazeitung gar nicht so schlecht, um zu zeigen, dass bereits damals bestimmte Professoren geachtet, verehrt und vermutlich sogar geliebt wurden.
Bei Professor Egon Wahl, der Deutsch und Geschichte in den letzten beiden Jahren unterrichtete, konnten wir es erleben, wie die beseelende Begeisterung wirklich auf Schüler übertragen werden konnte. Er stotterte, wenn er aufgeregt war, was ihn nicht hinderte, uns stotternd Lyrik vorzulesen - und das in einer reinen Bubenklasse. Er mag nicht unwesentlich daran beteiligt gewesen zu sein, dass ein Drittel unserer Klasse erfolgreich einen Beruf ergriff, der unmittelbar mit der gesprochenen oder der gedruckten Sprache zu tun hat. Da gibt es Lehrstuhlvorstände und Chefredakteure und tatsächlich war es so, dass wir uns damals wirklich für Lyrik interessierten. Den im Artikel zitierte Vorfall mit den Mathematikaufgaben gebe ich auch heute noch gerne im Freundeskreis preis, denn eigentlich gehört da die Tonspur dazu.
Mich brachte er dazu, seinem Geschichtsvortrag andächtig zu lauschen, was seine Vorgänger in den sechs Jahren davor nicht geschafft haben.
Er war ein wunderbarer Mensch.
Dieser Professor verpasste mir auch die schlechteste Jahresnote in Deutsch. Das ging so: ich war in der siebenten Klasse als Austauschstudent in Amerika und musste während der achten Klasse bis kurz vor Weihnachten alle Prüfungen über die siebente absolvieren. In Deutsch gab es eine schriftliche und eine mündliche Prüfung. Das Stoffgebiet war ziemlich groß und besonders sattelfest war ich nicht, ich hatte vielleicht 2 Tage gelernt. Ich wurde also geprüft. Es gab vier Fragen. Danach rechnete er mir vor: eine Frage gewusst, eine so halbert, zwei Fragen gar nicht. Das macht weniger als 50 Prozent, also nicht genügend. Schriftlich hattest Du ein sehr gut, also der Mittelwert ist 3. Und das war dann auch die schlechteste Note im ganzen Zeugnis über die siebente Klasse. Ich fand das ganz in Ordnung, war aber nach der Prüfung etwas verdutzt und wusste nicht, wie mir geschehen war:)
Im Zusammenhang mit der Schule fällt das vielleicht nicht allen gleich leicht. Deswegen ist ein Dokument wie eine Maturazeitung gar nicht so schlecht, um zu zeigen, dass bereits damals bestimmte Professoren geachtet, verehrt und vermutlich sogar geliebt wurden.
Bei Professor Egon Wahl, der Deutsch und Geschichte in den letzten beiden Jahren unterrichtete, konnten wir es erleben, wie die beseelende Begeisterung wirklich auf Schüler übertragen werden konnte. Er stotterte, wenn er aufgeregt war, was ihn nicht hinderte, uns stotternd Lyrik vorzulesen - und das in einer reinen Bubenklasse. Er mag nicht unwesentlich daran beteiligt gewesen zu sein, dass ein Drittel unserer Klasse erfolgreich einen Beruf ergriff, der unmittelbar mit der gesprochenen oder der gedruckten Sprache zu tun hat. Da gibt es Lehrstuhlvorstände und Chefredakteure und tatsächlich war es so, dass wir uns damals wirklich für Lyrik interessierten. Den im Artikel zitierte Vorfall mit den Mathematikaufgaben gebe ich auch heute noch gerne im Freundeskreis preis, denn eigentlich gehört da die Tonspur dazu.
Mich brachte er dazu, seinem Geschichtsvortrag andächtig zu lauschen, was seine Vorgänger in den sechs Jahren davor nicht geschafft haben.
Er war ein wunderbarer Mensch.
Dieser Professor verpasste mir auch die schlechteste Jahresnote in Deutsch. Das ging so: ich war in der siebenten Klasse als Austauschstudent in Amerika und musste während der achten Klasse bis kurz vor Weihnachten alle Prüfungen über die siebente absolvieren. In Deutsch gab es eine schriftliche und eine mündliche Prüfung. Das Stoffgebiet war ziemlich groß und besonders sattelfest war ich nicht, ich hatte vielleicht 2 Tage gelernt. Ich wurde also geprüft. Es gab vier Fragen. Danach rechnete er mir vor: eine Frage gewusst, eine so halbert, zwei Fragen gar nicht. Das macht weniger als 50 Prozent, also nicht genügend. Schriftlich hattest Du ein sehr gut, also der Mittelwert ist 3. Und das war dann auch die schlechteste Note im ganzen Zeugnis über die siebente Klasse. Ich fand das ganz in Ordnung, war aber nach der Prüfung etwas verdutzt und wusste nicht, wie mir geschehen war:)
steppenhund - 20. Sep, 19:37




