Matura

Samstag, 20. September 2008

Verklärung der Vergangenheit

Die meisten Menschen tendieren dazu, die Vergangenheit zu verklären. "Das waren noch Zeiten..." beginnt es dann meistens.
Im Zusammenhang mit der Schule fällt das vielleicht nicht allen gleich leicht. Deswegen ist ein Dokument wie eine Maturazeitung gar nicht so schlecht, um zu zeigen, dass bereits damals bestimmte Professoren geachtet, verehrt und vermutlich sogar geliebt wurden.
Bei Professor Egon Wahl, der Deutsch und Geschichte in den letzten beiden Jahren unterrichtete, konnten wir es erleben, wie die beseelende Begeisterung wirklich auf Schüler übertragen werden konnte. Er stotterte, wenn er aufgeregt war, was ihn nicht hinderte, uns stotternd Lyrik vorzulesen - und das in einer reinen Bubenklasse. Er mag nicht unwesentlich daran beteiligt gewesen zu sein, dass ein Drittel unserer Klasse erfolgreich einen Beruf ergriff, der unmittelbar mit der gesprochenen oder der gedruckten Sprache zu tun hat. Da gibt es Lehrstuhlvorstände und Chefredakteure und tatsächlich war es so, dass wir uns damals wirklich für Lyrik interessierten. Den im Artikel zitierte Vorfall mit den Mathematikaufgaben gebe ich auch heute noch gerne im Freundeskreis preis, denn eigentlich gehört da die Tonspur dazu.
Mich brachte er dazu, seinem Geschichtsvortrag andächtig zu lauschen, was seine Vorgänger in den sechs Jahren davor nicht geschafft haben.
Er war ein wunderbarer Mensch.

matura31


Dieser Professor verpasste mir auch die schlechteste Jahresnote in Deutsch. Das ging so: ich war in der siebenten Klasse als Austauschstudent in Amerika und musste während der achten Klasse bis kurz vor Weihnachten alle Prüfungen über die siebente absolvieren. In Deutsch gab es eine schriftliche und eine mündliche Prüfung. Das Stoffgebiet war ziemlich groß und besonders sattelfest war ich nicht, ich hatte vielleicht 2 Tage gelernt. Ich wurde also geprüft. Es gab vier Fragen. Danach rechnete er mir vor: eine Frage gewusst, eine so halbert, zwei Fragen gar nicht. Das macht weniger als 50 Prozent, also nicht genügend. Schriftlich hattest Du ein sehr gut, also der Mittelwert ist 3. Und das war dann auch die schlechteste Note im ganzen Zeugnis über die siebente Klasse. Ich fand das ganz in Ordnung, war aber nach der Prüfung etwas verdutzt und wusste nicht, wie mir geschehen war:)

Mittwoch, 17. September 2008

Matura - die Zweite

Als ich noch in die Volksschule ging, hatte ich einen Freund, (er war es, der mir auch sämtliche Karl May-Bände borgte, als ich einmal krank war) der zwei Jahre älter war und bereits ins Gymnasium ging. Als es sich herausstellte, dass ich Prof. G. als Klassenvorstand bekommen wurde, lautete sein Urteil: "hart, aber gerecht."
Damit hatte ich keine Schwierigkeiten. In der ersten Klasse Gymnasium flog ich fast von der Schule, weil ich die Unterschrift meines Vaters gefälscht hatte. (Warum ich es tat, ist mir heute unklar. Die zu unterschreibenden Strafarbeiten hätten meinen Vater nicht sonderlich bekümmert, glaube ich heute.) Doch im zweiten Trimester (die gab es damals noch) stand ich wirklich kurz vor dem Rausschmiss.
Ab der zweiten Klasse hatte ich dann durchgängig einen Vorzug und hatte daher schon deswegen wenig Schwierigkeiten bei den Professoren, wenn man von meinen Betragensnoten absieht.
Meinen Klassenvorstand verehrte ich sehr. Ich mochte den Umstand, dass er uns Latein als lebende Sprache beibrachte. Sonst hatten wir bei ihm Englisch und das war ja eigentlich auch ein angenehmes Fach.
Wie gesagt, ich mochte ihn sehr. Doch dieser Umstand änderte sich in der fünften Klasse aufgrund der unten dargestellten Beschimpfung eines Klassenkollegens.
Dieser kam - zugegeben - oft zu spät in die Schule, weil er noch seine Geschwister in den Kindergarten bringen musste.
Er hatte schlechte Noten, was sich wohl damit begründen konnte, dass er zu Hause viel half. An seiner Intelligenz schien es nicht gelegen zu sein, da er heute als ein Institutsvorstand in der Wiener Universität fungiert und meines Wissens sogar einen doppelten Doktor hält. Tatsächlich war er zwei Jahre nach seinem Rauswurf als Gasthörer auf der Uni aktiv.
-
Having said that all - glaube ich, dass nicht nur ich sondern "wir" im Allgemeinen einen ganz wesentlichen Umstand bei Lehrern vernachlässigen. So ein Klassenvorstand, der einen acht Jahre lang begleitet, wird in dieser Zeit ja auch älter und am Prüfstand des Lebens nicht nur in der Schule geprüft. An privaten Agenden ließen uns damals nur wenige Lehrer teilhaben. Ich habe eigentlich nicht mehr die Gelegenheit gehabt, Prof G. später einmal zu fragen, wie sich die Angelegenheit mit meinem Schulkollegen für ihn dargestellt hat. Schließlich hätte er auch zugeben müssen, dass er sich geirrt hatte.
-
In der Anlage nun einer der sehr strittigen Artikel, wobei ich auf das Hauptthema der Strittigkeit in einem der nächsten Beiträge Bezug nehmen werde.
Die Art der Beschimpfungen wirft allerdings auch kein Ruhmesblatt auf die Schule. Die war dem Direktor aber gleichgültig...

[Die einzelnen Faksimiles verkleinert, damit die Seite besser lädt. Bitte auf die Bilder klicken.]
Matura_2_1

Matura_2_2

Matura_2_3

Matura_2_4

Ich versichere hier, dass es sich um keine Übertreibungen handelt. Die entsprechenden Aussprüche wurden wortwörtlich mitstenografiert.

Dienstag, 16. September 2008

Rückgrat

Eines Tages, es waren ungefähr fünf Tage seit der bestandenen Matura vergangen, - ich glaube, es war sogar Sonntag - läutete um 7 Uhr früh das Telefon. Mein Vater, sowieso früh auf, eine Respektsperson, meldete sich mit seinem Amtston. Ich hörte nicht, wer am anderen Ende war, doch ich konnte es erraten. Eine aufgeregte Stimme redete heftigst auf meinen Vater ein, der ungefähr sagte, dass ihn das nichts anginge und dass das nicht gehen würde, weil ich das Geld sicher schon ausgegeben hätte.
Es ging um eine Geldprämie, die ich für mein Maturaabschneiden aus der Schatulle des Direktors bekommen hatte und die er zurück wollte. Ich war nämlich einer der beiden Redakteure der Maturazeitschrift und die erregte Aufsehen und Widerspruch.
Mein Vater nahm es gelassen und teilte mir mit, dass ich in der Schule Hausverbot hatte. (Da war schon ein Wermuthstropfen dabei, denn ich hätte dort noch leicht Nachhilfeschüler gewinnen können.) Als ich ein, zwei Jahre später den Direktor auf dem Fussballplatz der Vienna traf, lachte er nur über das Ganze und fand, dass unsere Klasse ganz super gewesen wäre.
Was sie auch war, wenn man betrachtet, was aus uns geworden ist. (Darüber vielleicht in einer späteren Ausgabe mehr.)
In neun Monaten feiern wir unser 40jähriges Matura-Jubiläum. In der Vorbereitung darauf habe ich eine gescannte Matura-Zeitschrift bekommen, aus der ich in der Folge einiges zitieren werde.
Ich stelle fest, dass ich noch immer von Lachen geschüttelt werde, wenn ich einige Berichte und Sketches lese. Anscheinend waren wir um nichts besser als die heutige Jugend. Zumindest unsere Lehrer mussten da so empfunden haben.
Für heute gibt es das Vorwort, welches wir extra verfasst hatten, um den bereits im Vorfeld ausgesprochenen Warnungen etwas entgegenhalten zu können.
Vielleicht waren wir damals gar nicht so ehrlich, die Geschichte zeigt aber, dass das Vorwort eine faktische Ehrlichkeit besaß und in der Retrospektive einen hohen Wahrheitsgehalt besitzt.
Die geneigte Leserin muss hier mit dem Faksimile vorlieb nehmen. Aus dem Satz ist vielleicht erkenntlich, wie wir uns damals mit Matrizen und unzulänglichen Schreibmaschinen abgemüht habe.

Matura1

Aus der Zitatenkiste:
Da wir einen Landesmeister in Stenografie in unserer Klasse hatten, ware sämtliche Stilblüten der Lehrer seit der 5. Klasse (die letzten 4 Jahre vor der Matura) mitstenografiert worden.
Manches liest sich wie ein alter Witz, anderes war wirklich vollkommen spontan, vor allem #1:

Matura2

COMING NEXT

Mangels an kontemporären Einfällen nehme ich mit den nächsten Beiträgen Anleihen aus einer Veröffentlichung, für die ich vor 40 Jahren mitverantwortlich gewesen bin.

Nicht ganz so weit zurück liegen diese Bilder, die zwischen meinem 30sten und 40sten Lebensjahr fotografiert wurden.

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