Lifestyle

Samstag, 19. Juli 2008

Bilderrätsel für Kenner

Wer kann Automarke, Type und Baujahr dieses Wagens erkennen. Er ist innen genauso schön wie außen.

SchoenesAuto

Dienstag, 15. Juli 2008

Der 2. Juli - Teil 5 und Abschluss

Fortsetzung von Teil 4.

Der Ausklang des Abends sollte in der Münzgasse stattfinden. Ich war zwei Tage vorher darauf hingewiesen worden, dass ganz in unmittelbarer Nähe meines Quartiers eine Kneipenszene sein sollte, eben in der bereits einmal angesprochenen Münzgasse. Ich hatte keinen Stadtplan mit und fuhr auf gut Glück in die Gegend hinein. Tatsächlich konnte ich die Ecke wiedererkennen, an der die Gasse im spitzen Winkel von der Hauptstrasse abbog. Ich musste relativ weit zu Fuss laufen, weil die Strassenbahn gerade hier eine besonders lange Strecke zwischen den Stationen fuhr. Die Münzgasse war voll von Kneipen, doch es war schon halb elf und die meisten waren bereits beim Zusammenräumen. Nicht alle, doch die, in denen Hochbetrieb war, gefielen mir nicht so. Eigentlich wollte ich nur ein ruhiges Bier trinken, aber eines, das ich wollte, dessen Namen ich kannte, auf das ich mich schon bei der Bestellung freuen konnte. Ich ging die ganze Gasse ab, die übrigens wirklich keine fünf Minuten von der Villa Tilmanns entfernt ist. Doch ist die Gegend davor so ruhig und wirkt so abgeschirmt, dass ich es ohne Hinweis nicht erraten hätte.
Als ich die Gasse wieder auf der anderen Strassenseite zurückging, fiel mir ein japanisches Lokal auf, dass ebenfalls am Zusperren war. Ein Pärchen saß noch im Schanigarten. Die Kellnerin bestätigte mir, dass die Küche schon aus war wäre, ein Bier ginge sich aber noch aus. Ich fragte trotzdem nach der Speisekarte, weil ich ja vielleicht wieder kommen wollte. Nach kurzer Zeit kam eine Japanerin heraus und meinte, dass ich durchaus noch eine Kleinigkeit essen könnte. Ich bestellte Lachs-Sashimi, welches recht bald in einer sehr ästhetischen Aufmachung und in hervorragender Qualität am Tisch stand. Dass auf der Speisekarte Shabu-Shabu und Sukiyaki verzeichnet waren, wird mich ganz sicher wieder in diese Gasse bringen. Am nächsten Tag ging es sich leider nicht mehr aus.
Das Lokal heißt "Drei Schiffe", was man von der Strasse aus nicht erkennen war, weil es nur die japanische Beschriftung aufweist. Es könnte ein echter Geheimtipp sein. Ich trank noch zwei Becks Bier, dann schlenderte ich nach Hause und war versöhnt (ob der Null) und zufrieden. Ich hatte den Eindruck, dass es ein unheimlich dichter Tag gewesen war. Stichworte notierte ich mir noch vor dem Einschlafen, ich weiß aber, dass ich in dem japanischen Lokal meine ganzen japanischen Erfahrungen Revue passieren ließ. Das Schöne ist, wenn die Vergangenheit in solchen Momenten in voller Empfindung auferstehen kann. Bei solchen Gelegenheiten denke ich, dass ich wenigstens manchmal das Richtige getan habe.
Immer weiß ich das ja nicht.

Montag, 14. Juli 2008

Der 2. Juli - Teil 4 - DDR, Natürlichkeit

Fortsetzung von Teil 3.

Mein Videoprogramm besteht aus den Platzanweiserinnen am Eingang des Kellers unten. Die zwei stehen schwarz gekleidet am Eingang und versperren einmal den Zugang. Sie tun das nicht so wie in den alten DDR-Zeiten, wo es extrem schwierig war, vorbei zu kommen. Sie plaudern nur, teilweise auch zu dritt mit "meiner" Kellnerin. Wenn immer Gäste kommen, gehen sie wie Schiebetüren oder die Schleusen in Raumschiff Enterprise zur Seite. Die beiden sind für mich eine Augenweide. Die linke, groß, elegant, glatte Haare nach hinten zusammengefasst, könnte einem Film entsprungen sein. Die rechte, die ich aus der Entfernung für älter halte, als ich später aus der Nähe erkennen kann, besitzt eine derart liebenswerte Mimik, vor allem beim Lachen, dass ich meinen Blick nicht von ihr lösen kann. Bei jedem neuen Gast wiederholt sich das Schiebetürenspiel von neuem. Sie bewachen den Hades und erinnern mich an die Zeit vor zwanzig Jahren, als ich dieses Spiel unzählige Male in der DDR-Zeit oder in Russland beobachten durfte. Bei den männlichen Wächtern ging die Bestechung mit ein paar Dollar oder Zigaretten einfacher, bei Frauen tat ich persönlich mich sehr schwer.
Während ich noch die Wächterinnen bewundere und mich an den Goethe-Zitaten erfreue, sehe ich den Vizeweltmeister mit seiner Frau den Keller verlassen. Ich will ihm noch nachrufen, scheue mich aber seinen Namen zu gebrauchen, den ich ja mittlerweile aus der Zeitung kenne. Irgendwie erwarte ich, ihn später bei der Lesung zu sehen, was allerdings nicht der Fall sein wird.
Es geht sich sogar ein zweites Urkrostitzer aus, bevor ich mich wieder auf den Weg in die Buchhandlung mache. Ich setze mich in die erste Reihe und betrachte den Vortragenden. Ein sehr seriöser Typ in hellgrauem Anzug, wirkt wie 60, sehr gepflegt. Er testet die Audio-Anlage. Alles funktioniert. Die Sitzreihen füllen sich, der Vizeweltmeister ist allerdings nicht dabei. Er muss ja auch nicht mehr in bezug auf Mathematik überzeugt hat. Der Vortrag ist nicht schlecht. Er lässt nichts aus, was man in 45 Minuten unterbringen kann. Seine musikalischen Beispiele sind allerdings mager und dass er Escher und Bach besprechen kann, ohne Gödel zu erwähnen halte ich für einen schlechten Vorboten. Später bekennt er sich dann zum Platonismus. Unheimlich oft verwendet er natürliche Zahlen und ihre Wichtigkeit für die Pythagoräer. Es ermutigt mich, die Frage nach der Natürlichkeit der Zahl 0 zu stellen. Seine Antwort kommt so aalglatt daher, dass er bei mir ziemlich spontan unten durch ist. Es geht nur um Konventionalismus, ob die natürlichen Zahlen 0 einschließen oder nicht. Die Frage nach der Semantik verweigert er. Bei mir löst das eine Spannung.
Ich werde nicht weiter Don Quichotte spielen und mit den Windmühlenflügeln einer vertrottelten Normenausschuss-Senilität kämpfen. Und was ist schon natürlich? Homosexualität ist viel natürlicher als Heterosexualität. Heißt es nicht, gleich und gleich gesellt sich gerne? Sind wir nicht alle Kinder von abartigen, unnatürlichen Eltern? Auf der Basis, das 0 eine natürliche Zahl ist, kann ich das unmittelbar ableiten.
Die Lacher hatte ich allerdings auf meiner Seite, als ich anführte, dass die Deutschen nur an dritter Stelle der EM gelandet waren. Den nullten Sieger an erster Stelle kenne ich zwar nicht, als zweite gab es dann die Spanier und die Deutschen waren dritte. Das haben auch die Zuhörer verstanden. Als ich mich nachher mit ihm noch über die chromatische Stimmung unterhielt, verrechnete er sich noch einmal mit all der Autorität des Allgewaltigen. Das war mir im Prinzip schon egal. Getestet und für zu leicht befunden. Platonist von eigener Einstufung, Utilitarist von meiner Einschätzung, ein Typ, wie er oft in alten Columbo-Filmen dargestellt wird. Der Chefkoch, der Wissenschaftler, berühmte Leute in der Öffentlichkeit, die sich später als die Bösewichte herausstellen. Böse ist er sicher nicht, er ist seicht.
Im Nachhinein denke ich, dass ich mir den Besuch ersparen hätte können. Aber das stimmt nicht. Ich habe etwas dazu gelernt. Und die Null ist mir fürderhin egal. Ganz im Gegenteil, ich profitiere als Software-Tester, dass so viele Fehler gemacht werden, weil manche Auflistungen mit dem Index 0 beginnen, während andere mit 1 beginnen. LeserInnen, die einmal in Visual Basic oder .net-Umgebungen programmiert haben, werden verstehen, dass es notwendig ist, immer nachzusehen, ob eine Auflistung mit 0 oder mit 1 beginnt. Das ist ja alles nur Konvention. Alles ganz natürlich.
Natürlich.
Der Abend sollte aber trotzdem noch sehr befriedigend ausklingen.

Sonntag, 13. Juli 2008

Der 2. Juli - Teil 3 - Schubert mit Wiener Mechanik

Fortsetzung von Teil 2.

...Ich bin überzeugt, dass mich dieses (Test-)Thema noch recht lange begleiten wird.
An diesem zweiten Juli wird es halt einmal sehr pointiert hochgebracht, wobei die Wichtigkeit dadurch unterstrichen wird, dass mich dieser Hinweis des vergangenen Tages noch am 2. sehr stark beschäftigt hat.
Nach der Uni flüchte ich mich in meine Villa und betreibe das Klavier. Die Villa Tillmanns zeichnet sich gegenüber einem Hotel auch dadurch aus, dass es einen zwar alten - Wiener Mechanik - aber doch sehr attraktiven Blüthner-Flügel gibt, der bei akademischen Veranstaltungen genützt wird. Und ich habe die Schlüssel bekommen, die es mir ermöglichen, am Nachmittag am Flügel zu sitzen und einfach zu spielen. Da ich die Charakteristik des Flügels kenne, nehme ich aus Wien einen Band mit Schubert-Noten mit, darüber hinaus mein momentanes Übungsprogramm Prokofiev und Franz Schmidt. Eine mir bekannte Pianistin hat mich darauf hingewiesen, dass Schubert auf einer Wiener Mechanik ganz anders gespielt werden kann, die Wiener Mechanik mit ihren belederten Hammerköpfen ermöglicht auch eine ganz andere Hervorhebung der Melodien und eine andere Gestaltung der Begleitungsfiguren. Eigentlich habe ich das als Kind ja alles kennenlernen können, doch jetzt spiele ich Schubert mit einem besonderen mir-selber-Zuhören auf dem Blüthner.
Nach einer Stunde bin ich absolut müde und nehme eine Stunde Schlaf zu mir. Ich wache mit einem Hungergefühl auf und denke mir, dass die Zeit noch ausreicht, um in der Stadt nach der Erhältlichkeit des Buches "die Eleganz des Igels" zu forschen. Vom Hauptbahnhof ausgehend entdecke ich als erste größere Buchhandlung "Lehmann". Ich frage danach, was ich mir ersparen hätte können, denn es gibt dort eine Rubrik "Bestseller", die nach den Kritikern geordnet ist. Dort gibt es Igeln reihenweise. In Wien hieß es: Nachbestellung schwierig. Habe ich schon einmal geschrieben, dass man mich nicht in eine Buchhandlung gehen lassen darf? Natürlich fällt mir Thomas Pynchton auf. Alban Nikolai Herbst sollte die Kommission für diesen Einkauf bekommen. Dann fällt mir noch Brigitte Kronauer auf. Das ist eine Lieblingsschriftstellerin der Schwester der oben erwähnt
en Pianistin, also kaufe ich das Werk einmal ungeschaut und ungeöffnet auf Verdacht. Und weil ich in einer satirischen Zeitschrift "Eulenspiegel" eine Reklame für das Buch "FKK in der DDR" gesehen habe, frage ich ungeniert nach diesem Werk auch noch. Die Verkäuferin bezweifelt noch, ob es dieses Werk lagernd gibt, doch der Kollege eilt zielstrebig zu einer Ablage. Er erklärt mir auch, dass das Buch im selben Verlag herausgekommen ist. Ein späterer Blick bestätigt meine Annahme. Die Texte zeigen einen ganz bestimmten DDR-Stil, den ich gerne habe. Da steckt irgendwie sehr viel Stolz drinnen und auch ein gewisses Vermögen zur Selbstpersiflage. Mit den Bildern könnte man heute nicht einmal mehr eine Tageszeitung verkaufen. Aber Pornografie gibt es heute aus dem Internet, nicht im Buchgeschäft.
Bei Lehmann entdecke ich eine Ansammlung von Stühlen. "Ist heute eine Lesung?" Mir wird das Programm in die Hand gedrückt und "heute" gibt es einen Vortrag des Prof. Ehrhard Behrends, FU Berlin, zu seinem Buch "5 Minuten Mathematik", der in einer Stunde anfängt.
Also schnell etwas zum Essen gesucht. Das nächste Lokal, welches ich kenne, ist Auerbachs Keller. Dort arbeiten sie recht effizient, wie ich schon vor 5 Jahren feststellen konnte. Ich gehe also die Stufen hinunter und lande bei einer der Platzanweiserinnen. "Wissen Sie, ich weiss schon, dass man nicht hierher kommt, um fast food zu konsumieren, aber ich habe tatsächlich etwas wenig Zeit. Glauben Sie, dass ich einer Dreiviertelstunde mit Bestellung und Essen durchkomme." Kein Problem. Ich darf mir einen Platz aussuchen, den ich gleich beim Eingang wähle, was sich noch als großes Vernügen herausstellt. Unmittelbar kommt eine Kellnerin und erzählt mir, dass es neben dem "Mutzenbraten", der als Tagesempfehlung steht, auch die Rindsroulade in gleicher Rasanz zu bestellen gibt. Die Roulade ist in drei Minuten am Tisch. Nicht aus der Mikrowelle. Ich sehe einfach, dass ganze Heerscharen von Rouladen an mir vorbeigetragen werden. Einer von der Gesellschaft wird halt etwas später bedient werden.
Das Futter ist gut, aber noch besser ist mein Videoprogramm.
-- wird fortgesetzt

Samstag, 12. Juli 2008

Der 2. Juli - Teil 2 - Untertitel: Wenn der Mensch die Sprache nicht beherrscht, hat er in der Informatik nichts verloren.

Die Fortsetzung von Teil 1.

Danach ging es auf die Uni.

Hier hatte ich ein persönliches Erfolgserlebnis zu verzeichnen. Meine Stunden- und Vortragsplanung gingen dieses Jahr vollkommen auf. Ich war zum gewünschten Zeitpunkt mit den Vorlesungen durch. Danach gab es Übungen. Wer mich kennt, weiss, wie schwer es mir fällt, innerhalb einer vorgegebenen Zeit mit dem Reden (manchmal auch mit dem Schreiben) fertig zu werden. Bei Sieben-Minuten-Präsentationen schaffe ich das auf einige Sekunden genau. Habe ich eineinhalb Stunden zur Verfügung, verrenne ich mich leicht in Anekdoten. Die Anekdoten gab es auch diesmal, doch beim Streichen unbenötigter Details war ich heuer ausreichend konsequent.
Meine Vorlesung ist so etwas wie "Glueware". Klebstoff, der die Inhalte unterschiedlichster Studienfächer vereinigt und sie im Licht der tatsächlichen Praxiserfahrung neu beleuchtet. An der Vorlesung lerne ich auch selbst. Es ist ganz beachtlich, wie sich das Selbstverständnis in einigen Gebieten sein 2003 verbessert hat. Anderes stellt es mich vor Probleme, die ich schon in einem Eintrag angesprochen habe.
Es geht um das semantische Verständnis von bestimmten Begriffen, die im Leben eines Informatikers regelmäßig verwendet oder vorausgesetzt werden. Es sind Begriffe, deren Unkenntnis im Entfernten auch mit der Blamage eines Terminal T5 in London zu tun haben, die unter anderem auch vor einigen Jahren angesprochen wurden, als es darum ging, ob man mit Software nicht vermisste Personen im Umfeld der Tsunami-Katastrophe in Thailand finden könnte.
Ich muss mir bei solchen Fragen oft überlegen, ob ich nicht selber spinne. Ob ich einer persönlichen Paranoia unterliege, die mich Zusammenhänge sehen lässt, die gar nicht vorhanden sind, weil sie andere Personen scheinbar nicht wahrnehmen. Ich liebe ein bequemes Leben und eigne mich nicht zum Michael Kohlhaas oder zu einer missionarischen Leitfigur. Nach einer bestimmten Zeit resigniere ich. Wenn andere Leute meine Probleme nicht sehen können, ist es wohl mein Problem und nicht etwas, was die Welt angeht.
Aber ich erwarte von Studenten, dass sie wissen, wie eine Definition aufgebaut ist, und wie bestimmte Begriffe, die ihr tagtägliches Brot darstellen, erklärt werden können. Aufgrund meiner diesjährigen Erfahrungen habe ich meine Prüfungsfragen umgestellt. Statt sechs praktischen Problemen wird es dreißig Wissensfragen geben. Ganz gegen meine eigene Überzeugung, dass die Anwendbarkeit wichtiger ist als das Wissen. Es fehlt an der Basis. Ich empfinde keinen Ärger den Studenten gegenüber. Ganz im Gegenteil: die Mitarbeit war hervorragend und die Ideen, welche teilweise zum Vorschein kamen, zeigen von großem Potential. Ich glaube einfach, dass der Bildungs- und Ausbildungsbetrieb total fehlgeleitet ist. Ich möchte germanistische Fächer im technischen Unterricht sehen. Wenn der Mensch die Sprache nicht beherrscht, hat er in der Informatik nichts verloren.
Nichtsdestoweniger war der Tag an der Uni ausgesprochen positiv besetzt. Als nettes Detail hatte eine Studentin bestätigt, dass ihr Mann mit meinen Fragen durchaus etwas anfangen und unmittelbar beantworten konnte. Eine nette, auch ersehnte Bestätigung für mich, dass ich keinen absoluten Blödsinn erzähle. Manchmal glaube ich nämlich, dass ich irgendetwas vortragen könnte. Es würde unhinterfragt akzeptiert werden. Im beruflichen Leben verdirbt mir diese Angst manchmal auch einen geschäftlichen Erfolg, weil ich zu vorsichtig formuliere.
Wir stehen hier vor einem unauflösbaren Dilemma: die Menschen wollen klare Anweisungen. In der Lehre kann ich aber nicht einfach sagen: das ist so. Wenn immer in der Geschichte jemand etwas als gültige Aussage, Theorie oder "Wahrheit" behauptet hat, gab es später entweder entscheidende Erweiterungen oder Widerlegungen, zumindest Eingrenzungen des Gültigkeitbereichs.
Wenn ich nicht an die Beschränkung auf Lichtgeschwindigkeit im Rahmen der Relativitätstheorie glaube, liegt es einfach daran, dass mittlerweile diese Grenze so absolut akzeptiert wird. Das ist Schwachsinn. Im Laufe des zweiten Juli gibt es dazu noch etwas zu berichten.
Während ich noch meine Studenten karniefele (österr. für quälen) fällt mir ein, dass mir jemand am Vortag eine Eigenschaft zugeordnet hat: ich würde meinen Gesprächspartner immer testen. Das zugeordnete Treffen war vom Lungenkrebs eines Schwagers überschattet, aber die Bemerkung hat mich doch etwas frappiert. Die Aussage stimmt. Hundertprozentig. Und meine Verhaltensweise, die nicht immer eine solche war, ist das Resultat eines Lebens, in der ich manchmal in meinen positiven Erwartungen von anderen Menschen getäuscht wurde. Ich gehe im Grunde immer von einem sehr positiven Bild des anderen aus. Ich gehe auch davon aus, dass sein Selbstbild, welches er mir von sich vermittelt, stimmt. Diese an sich ziemlich naive Vorgehensweise hat mitunter auch schon unschöne Folgen gehabt. Daher dieses Testen. Ist das, was mir der andere erzählt, auch wirklich "konsistent". Es ist nicht so, dass ich wegen Inkonsistenz jemanden verurteilen möchte. Da könnte ich mich ja selbst nicht mehr im Spiegel ansehen. Aber ich möchte halt so gerne wissen, woran ich bin.
Ich bin überzeugt, dass mich dieses Thema noch recht lange begleiten wird.
- wird fortgesetzt.

Freitag, 11. Juli 2008

Achtung! Nur für Leser! - Teil 1

Es wird Leute geben, die bei diesem Beitrag meinen werden: nimmt sich der wichtig!
Ich sollte ihnen recht geben, denn nichts der hier beschriebenen Details ist wirklich so weltbewegend, dass es einen Blog-Eintrag rechtfertigen würde. Oder umgekehrt, vielleicht ist
jedes Detail so wichtig, dass man ihm in Wirklichkeit ganze Bücher widmen sollte, die ich widerum nicht schreiben kann, weil das viel zu viel Arbeit bedeutet.
Der folgende Beitrag ist das Kondensat eines verlebten Tages im Leben des Steppenhunds, eines Tages ohne besondere Planung, ohne besondere Vorkommnisse, denn die meisten der erlebten Vorfälle bedeuten anderen Menschen nicht so viel wie mir. Oder sie bedeuten so viel, aber sie behalten ihre Stellungnahme dazu für sich. Es sind teilweise private Gedanken. Doch will ich niemanden bekehren.
Ich will Nachvollziehbarkeit erreichen. Dokumentation, von Dingen, die man getan hat, scheint eine Unmöglichkeit zu sein, will mir scheinen. Man lernt es in der Schule, dort heisst es Nacherzählung. Manche Kinder können es besser als andere. Ein Schulkollege von mir, der sich im Alter von 50 Jahren das Leben genommen hat, schrieb of 10 Seiten zu dem Thema. In einer Stunde - er schrieb sich rasend das Erlebte vom Leib. Als Kind fand ich das nicht so besonders aufsehenserregend. Heute könnte ich mich mit ihm vermutlich sehr gut verständigen.
Vielleicht schreibe ich dies auch für meine Kinder, weil ich mit ihnen nicht so viel zum Reden komme, wie es mein Vater mit mir tat. Außerdem muss ich mittlerweile sowieso glauben, dass ich zu viel rede. Ich weiss nur, dass man diesen Vorwurf auch meinem Vater gemacht hat - und heute würde ich es sehr sehr schätzen, wenn er nur weiter reden könnte.


Der 2. Juli 2008 war ein unspektakulärer Tag. Die Randdaten waren Urlaub, Vorlesungstätigkeit, keine weiteren Termine. Allerdings liegt schon in dieser Beschreibung eine Merkwürdigkeit. In der Vorlesungstätigkeit liegt ein ganzer Arbeitstag, wieso schreibe ich dann von Urlaub? Nur ganz kurz am Rande, ich lese diese Blockvorlesung als Folge meines letzten Jobs. Da ich in meiner derzeitigen Firma etwas anderes mache, gilt die Vorlesung als privates Vergnügen, für das ich mir Urlaubstage abzwacke. Tatsächlich habe ich auch das Gefühl, dass ich mich trotz der durchaus vorhandenen Anstrengung dabei erhole. Es ist einfach Abwechslung, auch wenn sie sich im gleichen Berufsumfeld abspielt. Schließlich machen andere Personen harte Gartenarbeit, um sich zu entspannen. Es ist die Begeisterung für die Tätigkeit, welche den Urlaubscharakter erzeugt.

Der 2. Juli begann mit dem Frühstück in der Villa Tillmanns, dem Gästehaus der Uni Leipzig. Schon vor 5 Jahren war ich dort untergebracht. Der familiäre Charakter des Hauses kann auch ein in der Qualität besseres Hotel einfach aus dem Rennen schlagen, - selbst wenn die Betten miserabel sind.
Beim Vorbeigehen am Büro drückt mir der Hausverwalter die Zeitung in die Hand. Ich freue mich, weil meine Angewohnheit beim Frühstück die Zeitung lesen zu wollen, registriert und besonders beachtet wird. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber daran knüpft sich bereits das nächste Ereignis. Auf der Titelseite finde ich die Weltmeisterschaft im Kopfrechnen erwähnt. Ein Spanier hat gewonnen, den zweiten Platz hat ein Bilanzbuchhalter aus Emden gemacht. In manchen Disziplinen war er der Erste. In meinem Kopf läuft die Szene des vergangenen Tages ab. Ein Pärchen verlässt gleichzeitig mit mir die Villa, um sich ein Abendessen zu suchen. Wir kommen ins Gespräch. Relativ unvermittelt platzt die Frau heraus: sie sprechen mit einem Weltmeister. Der Weltmeister, ein sehr sympathisch wirkender, sehr leiser Mensch mit einem von im Nahmen, (was ich ja dann am nächsten Tag in der Zeitung lesen kann) korrigiert milde. In einigen Disziplinen habe er gewonnen. Die beiden wollen eine Pizza, ich will aber in die Gottschedstraße, daher trennen sich unsere Wege recht bald.
Während ich noch die Zeitung lese, kommt das Pärchen zum Frühstück. Ich weise darauf hin, dass schon alles in der Zeitung steht. Ich überlege während des ganzen Frühstücks, ob ich ihn fragen soll, ob er die Teilbarkeitsregel kennt, mit der man feststellen kann, ob eine Zahl durch 7 teilbar ist. Mein Mathematikprofessor hatte die einmal erwähnt, aber gemeint, dass die Regel schwieriger zu berechnen sein, als wenn man die Division unmittelbar zu Ende rechnen würde. In einem russischen Rechenbuch fand ich die Regel einmal, vergaß sie aber mittlerweilen wieder. Und wichtig ist nicht einmal mir diese Regel. Aber angesichts dieses Vizeweltmeisters im Kopfrechnen kam die Frage wieder wie ein ungewünschtes Aufstoßen hoch. Ich habe ihn nicht gefragt. Man sollte ja auch einen Arzt nicht während des Frühstücks nach den Wehwechen befragen. Tut man dieses bei einem Rechtsanwalt, kann man vermuten, dass sofort die Verrechnungsuhr zum ticken beginnt.

Danach ging es auf die Uni. (wird fortgesetzt)

Samstag, 5. Juli 2008

ein guter Start

Nachdem ich mich um halb fünf nachmitags einquartiert hatte, war ich hundemüde und schlummerte ein bisschen. Wie es der Zufall so fast immer will, ist mein Vermieter ganz zufälligerweise Musiker, der sich in der Branche auskennt.
Zumindest vermute ich das und frage ihn daher um Rat. Nachdem nicht überall gespielt wird, empfiehlt er mir das A-Trane. Dort performt das Little Shop of Jazz. Der Schlagzeuger Ernst Bier bringt seit 20 Jahren Künstler zusammen, die in genau dieser Formation noch nicht gespielt haben.
Heute waren es:
Matthias Schubert - Tenor-Saxophon
Regis Molina - Alt-Saxophon
Kelvin Scholar - Piano
Martin Lillich - Bass
Ernst Bier - Schlagzeug
Das Lokal war voll, anfangs musste ich stehen. Aber es war nicht so schlimm, dass sie Gäste abgewiesen haben, was mir jemand in der U-Bahn als durchaus wahrscheinliche Möglichkeit dargestellt hatte.
Vorher fiel ich noch auf meinem Weg zur U-Bahn-Station in das persische Restaurant Safran in der Oranienstraße, eine durchaus nette Erfahrung. Eher ein kleines, aber auch gemütliches Lokal, welches mir durch eine Hintergrund-CD auffiel, auf der sich Schubert und Chopin abwechselten.
Also ich gehe einmal davon aus, dass es morgen mit Fremdenführerin noch schöner wird, und lege mich jetzt einmal beruhigt schlafen.
Moment einmal: apropos schlafen. Ich währe ja bereit gewesen ein Taxi zurück zu nehmen, aber sicherheitshalber hatte ich doch nachgefragt. In Berlin fahren U-Bahn und S-Bahn die ganze Nacht. Das imponiert mir wahrlich. Da entdecke ich doch einmal einen großen Unterschied und ein großes Plus gegenüber Wien.
Ich bin also recht gut aufgelegt in S-Bahn und U-Bahn gesessen und habe die Fahrgäste betrachtet. Durchaus sympathisch, diese Berliner, auch wenn sie türkisch oder chinesisch sprechen.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Kompatibilität

Kann es mit Liebenden auf die Dauer gut gehen, wenn der eine Partner als Scheidungskind groß geworden ist und der andere Partner in einer behüteten Familie aufgewachsen ist.
Allein aufgezogene Kinder werden hier unterschiedlich zugezählt.
Verwitwet (verunfallt) .. Familie
Kein Vater präsent .. Familie
Mutter und Vater mit Besuchsrecht des einen .. keine Familie
-
Ich kann es mir mittlerweile schwer vorstellen und habe dafür ziemlich viele Anschauungsbeispiele. Ab sich die aber statistisch erhärten lassen, weiß ich nicht.

Sonntag, 22. Juni 2008

Berlin Unterkunft?

Frage:
Ich plane, das Wochenende 4. bis 7. Juli, 2008 in Berlin zu verbringen. Berlin ist so ungefähr die einzige Stadt, wo es keine Verwandten gibt, bzw. nicht mehr. Die einzigen Bekannten, die ich dort kenne, sind hier aus dem Blog.
An sich möchte ich die Stadt einfach einmal so besuchen - ohne Zwang, ohne berufliche Verpflichtung, wenn es Bloggertreffen geben sollte, Vernissagen oder eine Lesung, bin ich natürlich durchaus interessiert.
Ich habe mich schon so weit umgesehen und eine Unterkunft werde ich schon finden. Die Frage ist jetzt, wo soll ich mich ansiedeln? Wo spielt die Musi? Vor allem abends: Kaffeehäuser, Jazzlokale. Meine erste Wahl ist nähe Hbf, weil ich ja auch mit dem Zug komme. Oder gibt es da noch bessere Plätze? Und gibt es günstigere Pensionen als 35 €/Nacht? Die wären soweit ok, aber vielleicht hat jemand einen Geheimtipp?
Vielen Dank für zahlreiche Antworten.

Donnerstag, 19. Juni 2008

6) Wie geht man mit Misserfolg um?

Nick Drake hat offensichtlich sehr darunter gelitten, dass er nicht angenommen wurde. Wie hier schon erwähnt wurde, war er vermutlich seiner Zeit zu weit voraus.
(Wenn ich Erfolg habe, denke ich im Stillen, dass ich doch nicht so gut bin;)
Aber prinzipiell sehe ich drei Möglichkeiten beim (vorläufigen Scheitern):
a) den Schwanz oder etwas Entsprechendes einziehen und aufgeben
b) immer wieder probieren, bis es einmal funktioniert
c) nachdenken, ob man mit einer geänderten Strategie mehr Erfolg haben kann und es auf eine neue Weise versuchen

Zu c) fällt mir allerdings ein, dass der Mensch oft ein Gewohnheitstier ist und aus alten Verhaltensweisen nicht heraus kann, selbst wenn er es besser wüsste. Und das endet dann in: "So ein Blödsinn, hätt' ich doch wissen müssen! Wieder den gleichen Unfug angestellt."

Und zu welcher Verhaltensweise bekennt ihr euch?

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