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Lernen

Freitag, 16. Oktober 2009

Lernen 21. Jahrhundert

In einem Baccalaureats-Studienlehrgang am Technikum Wien erstaunt es besonders, wenn gerade im Studienlehrgang "Informatik" die Information, dass eine Vorlesung wegen Erkrankung des Professors, als Zettel an der Vortragssaaltür angebracht ist.
Dass hier einige Studenten extra von Niederösterreich anreisen, um dann festzustellen, dass sie sich den Strapazen der Reise nur deswegen ausgesetzt haben, weil es sich in der Verwaltung eines Informatik-Studienlehrgangs noch nicht herumgesprochen hat, dass es auch e-mail gibt, grenzt ja schon fast an Schikane.
Es ist nämlich zu bedenken, dass absolute Anwesenheitspflicht besteht und das freiwillige Fernbleiben im Gegensatz zu Uni und Hochschule nicht erlaubt ist.
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Aber schließlich diskutieren wir ja auch über Elite-Unis!!!

Montag, 28. September 2009

Angeregt durch Teacher

In irgendeiner Tageszeitung habe ich eine Anzeige gesehen, die sich mit Ausbildung beschäftigt hat. Man müsse feststellen, auf welchem Gebiet die Schüler Förderungen erhalten müssen, damit sie durch die Schule kommen.
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Ich hatte selbst kein wirkliches Problem. Ich brauchte nie Nachhilfestunden sondern gab welche - bereits als Schüler. Trotzdem wäre ich einmal, in der ersten AHS, fast von der Schule geflogen, weil ich die Unterschrift meines Vaters gefälscht hatte. Nach der Matura gab es dann den zweiten Eklat. Ich sollte die Prämie, die ich für meine Leistungen erhalten hatte, immerhin 1000 ATS, zurückzahlen, weil ich an der Maturazeitschrift beteiligt war. Das hat mein Vater, der das wütende Toben des Direktors am Telefon entgegennahm, damals ganz kühl abgeblockt hat. "Ich glaube das geht nicht, das hat er sicher schon ausgegeben."
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Es gab aber tatsächlich zwei wesentliche Förderungen für mich. Die eine stammte von meinem Vater, der sehr gut erzählen konnte. Fast jedes Wochenende gab es Familienspaziergänge, auf denen er mir 2-3 Stunden alles mögliche von der Welt erzählte. Er wusste viel, er konnte gut erzählen. Manches hat nicht ganz so gestimmt, hat sich später herausgestellt, doch da ging es um persönlich gefärbte Interpretationen. Und es war auch egal. Ich hörte ihm unheimlich gern zu. Was er mir erzählte, machte mich neugierig. Ich wollte das alles auch selbst in der Schule lernen.
Mein zweiter Förderer war ein Schulkollege, heute Dipl. Ing. und Hofrat, der immer einen Vorzug und - ganz wichtig - eine Märklineisenbahn hatte. Daher war ich sehr gerne bei ihm. Neben dem Spielen musizierten wir gemeinsam und in seiner Familie wurden manchmal auch Hausmusikkonzerte abgehalten, bei denen sich die Tanten und Onkel nicht lumpen ließen. Da fielen ein paar sehr willkommene Schillinge als Belohnung ab. Seine Förderung bestand allerdings darin, dass er zuhause keine schriftlichen Aufgaben machen wollte. Ihn hätte man eher als Streber bezeichnen können als mich, was aber auch nicht wirklich passiert ist, weil er es nicht war. Er hatte nur begriffen, dass man es als "guter" Schüler bei den Lehrern viel einfacher hat als als "schlechter". Nun sah das so aus, dass ich mich seiner Lebensart anschloß. Unsere Aufgaben machten wir in den Pausen, manchmal auch während langweiliger Unterrichtsstunden in Geografie oder Geschichte.
Ich habe außer zwei legendären Strafarbeiten ab der 2. AHS keine schriftliche Aufgabe mehr zuhause machen müssen. Bei Mathematikschularbeiten pflegte ich in der Regel seine Gruppe mitzulösen, um ihm bestätigen zu können, ob seine Resultate richtig waren. Da ich in der Regel in 20 Minuten fertig, hätte ich das sowieso getan, um mich nicht zu fadisieren.
Die meisten Lehrer werden nicht sehr zufrieden sein, wenn Hausaufgaben bereits in der Schule gemacht werden. Aber mit meinen zwei Förderern lernte ich zwei Dinge:
  • die Neugier an den Gegenständen
  • die Selbstorganisation, mit ungeliebten Pflichten umzugehen
Was ich allen Bekannten über Mathematik-Nachhilfe erzähle, ist extrem trivial und habe ich auch von meinem Vater übernommen.
Schlechte Schüler, die angeblich "nicht verstehen", werden in zwei Disziplinen übungsmäßig trainiert. Bruchrechnung und Prozentrechnung.
Besonders die Bruchrechnung ist ein echter Denkhemmer, wenn es um Trigonometrie oder Differenzialrechnung geht. Mit dem Erfassen und Ausrechnen von eigentlich niedergeordneten Tätigkeiten geht soviel Gehirnschmalz drauf, dass für das eigentliche Verständnis keine Energie mehr bleibt.
Insofern ist auch die Verwendung der heutigen Taschenrechner eher blockierend denn fördernd für das Verständnis des Mittelschulstoffes ab der 3. AHS.
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Machen Sie selbst die Probe, indem Sie sich eine Torte vorstellen. Und dann überlegen Sie, wo sie schneiden, wenn Sie
  • die Hälfte abschneiden
  • die Hälfte auf 5 Kinder aufteilen
  • jedem Kind 16% zuteilen wollen. Wieviel Kinder können Sie damit bedienen?
Wenn Sie bei diesen Überlegungen erst nachdenken müssen, dann hat das nichts mit dem Verständnis von Mathematik zu tun. Es geht um ein semantisches Verständnis, was mathematik-nahe angesiedelt ist.
Die relativ simple Methode des Integrierens einer polynomischen Funktion wird Sie vor echte Probleme stellen, selbst wenn die Rechenvorschrift dazu von einem Kind verstanden werden kann.

Samstag, 29. August 2009

Schnee von gestern

Das, was vor 30 Jahren geschrieben wurde, gilt doch schon längst nicht mehr, oder?
Leider kann ich den Typen nicht selbst am 2.9. anhören. Im Standard gibt es ein gutes Interview.
Ich mag den folgenden Abschnitt daraus:

Viele Wissenschafter begannen sich für die physischen Grenzen des Planeten zu interessieren. Aus der Motivation, uns zu bestätigen oder zu widerlegen, entstanden weitere Modelle globaler Entwicklung. Aber seitdem haben sich die Szenarien fragmentiert: Die einen konzentrieren sich auf Klimaprognosen, die anderen auf die Lebensmittelproduktion. Eine integrierte Modellierung, wie wir sie entwickelt haben, wird nicht mehr gemacht. Es ist typisch für die Wissenschaft, Dinge einzeln zu untersuchen. Dass, wenn man die Teile in Ordnung bringt, auch das Ganze wieder in Ordnung kommt, funktioniert in der Mathematik, aber nicht in der globalen Umwelt.

In den Kommentaren habe ich den Hinweis auf folgenden sehr interessanten Film gefunden. (Er dauert allerdings 1,5h)

http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8

Samstag, 4. April 2009

Die Welt um uns - Unsere Beschränkungen

Für einen Vortrag suche ich noch die exakten Quellenangaben zusammen. Immerhin kann man heutzutage durchaus noch Artikel aus den 30-Jahren finden, die in irgendeinem Reprint auch im Internet verfügbar sind. Dadurch erspare ich mir den Weg in die TU-Bibliothek.
Meine Interessen lagen bei Gödel, Turing und Chaitin sowie einer weiteren Studie, über deren Resultate ich einmal gehört hatte, die mir aber nicht im Text vorlag.
Bei Turing stößt man recht bald auf die Church-Turing-These, die grob gesprochen lautet:
"Alles geht!" Genauso leicht kann man aber aus ihrer Formulierung ableiten, dass "nicht alles geht", weil die Randbedingungen einfach nicht halten. Die letztere Interpretation ist auch meine.
Jetzt musste ich noch ein Analogiebeispiel suchen. Das ist eines, welches mehr ins allgemeine Bewusstsein eingedrungen ist. Deswegen bringe ich es hier.
Es geht um die FCKW - Fluorkohlenwasserstoffe. Die galten lange Zeit als Allerweltsmittel mit hervorragenden Eigenschaften, bis sie 1995 verboten wurden. Dann hatte man erkannt, dass sie für unsere atmosphärische Schutzhülle nicht so gut sind.
Eingesetzt wurden sie für Kühlschränke erstmalig von einem gewissen Thomas Midgley in den späten Zwanzigerjahren. Noch in den Sechzigerjahren galten sie als ideale Stoffe, (FCKW sind sehr beständig, unbrennbar, geruchlos, durchsichtig und ungiftig oder haben nur eine geringe Toxizität.)
Einem Herrn Midgley kann man nicht vorwerfen, dass er nichts über ihre Auswirkungen auf allfällige Ozonlöcher wusste. Auch zum Zeitpunkt des ersten Mondflugs schien die Welt noch in Ordnung. 1974 wurde allerdings in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature bereits von Molina und Rowland (Nobelpreisträger 1995) darauf hingewiesen, dass eine Gefährdung der Stratosphäre erkennbar war.
Es ist doch interessant, dass dann noch 19 Jahre verstreichen mussten, bis die Gefährdung "amtlich" wurde. Ich möchte hier nicht einmal die doch etwas lange Dauer anprangern. Die ist systemtheoretisch bedingt. Auch die Einführung neuer Technologien benötigt zwischen 11 und 25 Jahren (Mittelwert 17 aus einer Studie von 2000 AT&T), da ist es durchaus zu begreifen, dass auch die Abschaffung einer so wirkungsvollen Verwendungstechnik entsprechend lange dauert.
Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass bestimmte Warnungen - im Klimabereich z.B. - nicht so leichtfertig mit "das erlebe ich nicht mehr" abgetan werden sollten. Manchmal erleben wir die Dinge dann doch noch, weil sich schädliche Einflüsse viel früher bemerkbar machen, als es ein "optimistisches", mathematisches Modell darstellen kann.
Oder wir schaffen es, tatsächlich irreversible Fakten zu setzen, mit denen wir dann den Rest der Menschheit als Legat beglückt haben.
Fazit: nicht jede Warnung, unter der wir uns nichts vorstellen können, ist unwesentlich.

Sonntag, 29. März 2009

Die Geschichte vom Älterwerden

Eine der für mich als nachteilig empfundenen Eigenschaften des Alters ist das Nachlassen einer Fähigkeit: Lösungen träumen. Diese Fähigkeit ging schon mit 33 verloren, zumindest kann ich mich an kein späteres Vorkommen erinnern.
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Heute früh erlebte ich es wieder: ein Entwicklungsproblem, dass mich zwar nicht irritiert (es gibt auch eine pragmatische - nicht sehr schöne - Losung) aber den letzten Monat doch sehr beschäftigt hat, fiel mir heute im Traum zu. Plötzlich fielen alle Teilchen in ein logisches Ganzes zusammen. Manchmal sind diese Lösungen, wenn man aufwacht, ein absoluter Schwachsinn. Doch diesmal kann ich sie auch im Wachzustand verifizieren.
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Ich werte es als Rückkehr in die vergangene Zeit. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl.
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Es könnte sein, dass dieser Umstand mit meinem vorigen Beitrag zusammenhängt. Dieser steht für eine bestimmte Befreiung. Lange Jahre stand das Thema Bösendorfer in einem omnipräsenten Hintergrund. Ich fühlte mich ein bisschen verantwortlich, weil ich die Zustände vielleicht besser handhaben hätte können. Vielleicht hätte ich doch einmal wieder einen Job annehmen sollen. Ich brauch mir keine Vorwürfe zu machen. Meine Karriere nach Bösendorfer war in einem ganz anderen Gebiet und ich habe das Gefühl, in diesem Gebiet genauso viel tun zu können. Trotzdem gab es noch eine sehr starke emotionelle Bindung.
Jetzt denke ich, dass die Trauerarbeit nach 16 Jahren beendet ist. Möglicherweise hat auch der gestrige Abendspaziergang mit Frau Columbo geholfen. Ich habe ihr eine Geschichte erzählt, die viele Personen kennen, die ich ihr aber offensichtlich nie erzählt hatte. Der Grund dafür ist einfach der, dass es sich um eine sehr griffige Verkaufserfolgsstory handelt, mit der ich Eindruck schinden kann. Diese Art von Erzählungen war aber zwischen uns nie notwendig oder angebracht. Dass ich sie gestern erzählt habe, war ein bisschen von Zugeständnis, dass es mir trotzdem egal ist. Interessanterweise war Bösendorfer auch die einzige Zeit, wo Frau Columbo manchmal bei gesellschaftlichen Ereignissen dabei war.
Zweifellos hat sich gestern so etwas wie eine letzte Blockade gelöst.

Sonntag, 22. März 2009

Musik ist international

Wissenschaftlichen Erkenntnissen begegne ich mit einer ziemlichen Skepsis, wenn sie in der Presse veröffentlicht werden, teils aus Unverständnis teils aus Sensationslust.
Aber dieser Beitrag würde eine These bestätigen, die ich gerne glauben würde. "Bestimmte Elemente in der Musik erzeugen Emotionen unabhängig vom kulturellen Kontext."
Obwohl ich das angesichts meiner Erfahrungen mit asiatischer Musik, ich denke da nur einmal an die japanische Hofmusik Gagaku, doch immer wieder bezweifelt habe, fand ich, dass bestimmte Musikphrasen so eindeutig wären.
Wir kennen Terzen und Sexten bei Mozart, wir haben die gleichen Intervalle mit von Richard Strauss unterlegter Bedeutung kennen gelernt.
Also will ich die Studie einmal hier verlinken...
Eine andere Studie von Dr. Salthouse, die vor einigen Tagen in den Medien die Runde machte, halte ich hingegen für total falsch interpretiert. Salthouse hat Messungen über die intellektuelle Leistungsfähigkeit an 22 bis 60-Jährigen angestellt und eine stetige Verschlechterung bereits ab den Zwanzigerjahren festgestellt.
Die Messungen waren an der Reaktionsschnelligkeit bei Denkaufgaben und generell über den Faktor Zeitmessung skaliert.
Dazu gibt es zwei Konsequenzen. Salthouse macht diese Studien, um darauf hinzuweisen, dass wesentlich früher mit Abwehrmasßnahmen hinsichtlich Alzheimer, Altersdemenz etc. zu beginnen ist und dass es vermutlich auch Abhilfen gegen die Verschlechterung gibt.
Die in den Medien gewertete Verschlechterung der gedanklichen Leistungsfähigkeit wird fehlinterpretiert. Ich kann aus Selbstbeobachtung durchaus daraus schließen, dass ich mich heute langsamer an etwas erinnere als vor zwanzig Jahren.
Während ich sonst den heiteren Spruch "Ein Computer ist auch nur ein Mensch" auf den Lippen habe, muss ich diesen Spruch in diesem Fall umdrehen. Mein Gedächtnisumfang hat sich in diesen Jahren an Wissen und Erfahrung derart vergrößert, dass es eingezogene Inhaltsstrukturen geben muss. Der Weg zur Information ist ein längerer, weil er aus mehr Inhalten herausgesucht werden muss. In der Computerwissenschaft ist man froh, wenn man bei der Vergrößerung von Datenmengen mit zeitlichen Zunahmen von n*log(n) auskommt, warum sollte es da in der Gehirntätigkeit anderes sein.
Wenn ich den Kontext einmal eingeschaltet habe, und das kann mehrere Stunden dauern, bis sich mein Gehirn an den Gedanken gewöhnt hat, dass ich mich jetzt in einem neuen "Frame" bewege, ist die Zugriffszeit auf die entsprechende Untermenge wieder so schnell wie gewohnt. Gerade jetzt merke ich dass besonders, weil ich sowohl aus beruflichen auch aus privaten Gründen wieder etwas programmiere.
Wem geht das nicht so, dass er weiß, wie jemand heißt, aber der Name "liegt auf der Zunge". Der Name kommt dann eher durch Dekonzentration. Er befindet sich möglicherweise in einem anderen Zugangsbaum und es ist notwendig, sich soweit zu entspannen, dass die Suche wieder ganz an der Wurzel beginnt.
Ein Chef von mir beklagte immer sein schlechtes Personennamengedächtnis, obwohl er ein hervorragendes Personengedächtnis hatte. Meistens wusste er aber noch den Anfangsbuchstaben.
Beim Klavierspielen stelle ich fest, dass die Geschwindigkeit noch ganz ok ist. Da merke ich die Begrenzung nur dann, wenn ich sehr, sehr müde bin und an dem betreffenden Tag sehr viel gearbeitet habe.

Samstag, 21. Februar 2009

DUMM

Bei Köppnick liest man mitunter über Superintelligenzen. Es gibt mittlerweile die verschiedensten Artikel über Schwierigkeiten in der Kommunikation, verschiedene Stufen der Intelligenz und sehr gute Referenzen auf Intelligenzmessungen.
Interessanterweise hat noch niemand die Idee gehabt, (zumindest glaube ich das) die Dummheit zu messen. Dummheit bedeutet nicht einen geringen IQ. Es bedeutet in meinen Augen auch nicht einen fehlenden EQ. Auch die vermeintliche Dummheit einer Spontanentscheidung halte ich nicht für kriegsentscheidend. ("Wenn's Schwanzerl steht, steht's Hirn.")
Dummheit bedeutet für mich das Unvermögen, zwischen Taktik und Strategie zu unterscheiden. Das einfachste Auseinanderhalten der beiden Begriffe, die in Wirklichkeit etwas ganz Verschiedenes bedeuten, geschieht über den Zeitbegriff. Strategie ist langfristig, Taktik ist kurzfristig. Da sind keine absoluten Zeitwerte im Spiel. Während eines Schachspiels erstreckt sich der Strategiezeitrahmen über 5 Stunden. Während einer Berufslaufbahn kann sich der Zeitraum auf 20 Jahre erstrecken. (Bis man Vorstand wird. Ab dann scheint der Strategiebegriff der Taktik hundertprozentig zu weichen.)
Wie agiere ich in einer bestimmten Situation? Das lege ich "taktisch" an, ohne die Strategie aus den Augen zu verlieren. Die Strategie leitet sich normalerweise von einer Vision oder einer Mission ab. Fehlt diese, kann sich schwer eine Strategie entwickeln, weil die Ziele fehlen.
Und da komme ich zur Dummheit. Dummheit bedeutet für mich das Fehlen von persönlichen Zielen.
Jetzt ist das nicht so einfach, wie es scheint. Eigenes Haus, eigenes Auto, viel Geld lassen sich leicht formulieren, wenn man die "Nicht-Ziele" außer Augen lässt. Was gilt es zu vermeiden? Z.B. Soziale Integration, Gesundheitsverlust, Vermeidung von kriminellen Handlungen, wenn man nicht genügend skrupellos sein mag. Erst der Mix aus Zielen und Nichtzielen mag ein nettes Leben bescheren.
Ich möchte ein Beispiel geben: ich hatte einmal einen Kollegen, der war absolut gut. Technisch ok, kommunikativ, von den Anlagen her wäre er eine ausgezeichnete Führungskraft. Er hat darauf verzichtet, weil er nur einen 30-Stunden-Job wollte. Er hat es mir einmal erklärt, dass seine Frau auch arbeitet. Nur wenn sie beide lediglich 30 Stunden arbeiten, würde ihre Lebensplanung, die auf Kooperation und ausreichend Zeit haben, aufgehen.
Es werden viele aufschreien und sagen, dann soll er mit 30 Stunden Führungskraft werden. Da sage ich nun wieder, dass das nicht geht. (Ist sicher argumentierbar, aber bis auf einen Ausnahmefall, wo es um eine mehr ehrenhafte Geschäftsführungsaktivität ging, habe ich es noch nie erlebt.)
Den kurzfristigen Gewinn an Position, Gehaltsvermehrung und Ansehen hat dieser Kollege einer Lebensplanung geopfert, wo bei ich nicht wirklich glaube, dass es sich um ein Opfer handelt.
Habe ich ein oder mehrere Ziele, so weiß ich auch in schweren Zeiten, wo ich mich hinbewegen muss. Habe ich dieses nicht, treibe ich wie ein Blatt im Wind und bin jedwedem Einfluss ausgeliefert. (Hier denke ich besonders an Werbung, politische Indoktrination "und dem Anreiz, mich in unwahrscheinliche Vermögensvermehrungskonzepte einzulassen.)
Wenn ich nichts mehr habe, was meinem Getriebensein entgegensteht, dann bin ich DUMM.
Ich bin überzeugt, es ließe sich auch messen. Aber was sollten die Menschen dann mit den Resultaten anfangen?

P.S. Es mag Leute geben, die meinen, dass ich mit meiner Beschreibung nicht die Dummheit meine, sondern fehlenden Ehrgeiz, einen fehlenden Willen, ein Manko an Selbstdisziplin. Das wären alles nur Symptome. Die Dummheit besteht darin, gegen seine eigenen Interessen zu handeln.

Dienstag, 17. Februar 2009

Fließt der Rhein ...

ins Mittelmeer?

wurde mein Arbeitskollege gefragt, der heute eine Vorlesung an der Uni gehalten hatte.
"Was lernen die Leute eigentlich heute noch?" war seine Frage an mich.

Wie vertrottelt kann es noch werden?

Laut neuesten Meldungen sollen die EU-Bildungsrichtlinien überarbeitet werden. Bereits die Dreijährigen sollen doppelte Buchhaltung können und drei Sprachen sprechen und schreiben können. Neben der Beherrschung der Differenzialrechnung wird auch die Kenntnis der jeweiligen Landesverfassung vorausgesetzt.
Momentan streitet man sich noch darüber, ob das Alter nicht zu hoch gewählt ist. Bestimmte Fraktionen wollen diese Bildungsebene bereits bei Zweijährigen sehen, damit die PISA-Ergebnisse besser werden.
Diese Vorstellungen können doch eigentlich nur von Idioten kommen, die selbst mit 50 Jahren schlecht beim PISA-Test abschneiden würden.
Obwohl - ...
Wenn man die Sache zu Ende denkt, hat sie schon eine gewisse Berechtigung. In Wirklichkeit beginnt das Lernen ja bereits im Mutterleib, am besten noch vor der Zeugung. D.h. in Wirklichkeit sollten die Eltern vielleicht ein bisschen mehr als instinktbedingtes Kopulieren beherrschen. Da erinnere ich mich doch an die Achtzigerjahre, als in Singapur tatsächlich versucht wurde, ein Gesetz durchzubringen, nachdem Akademiker mehrere Frauen oder Männer haben durften und beim Kinderkriegen bevorzugt worden wären. Das Gesetz kippte wegen seiner rassistischen Untertöne.
Wenn ich aber von Bildungsstandards für Dreijährige höre, möchte ich gerne ein paar von diesen Hirnwixern persönlich an der Gurgel nehmen. Da fühle ich mich nämlich noch retroaktiv bedroht. Die hätten mich doch damals glatt abgemurkst.
Apropos Abmurksen : vielleicht ist das die Lösung. Alles abmurksen, was nicht den Bildungsstandard der Dreijährigen erfüllt. (Entschuldige Testsiegerin, Du weißt, es richtet sich nicht gegen deine Schützlinge.)
Die ersten, die es träfe, wären jene, die gerade diese Richtlinien verfassen. Sowas von vertrottelt!

Quelle: ORF-heute

Donnerstag, 11. September 2008

Sommer - oder Toastmasters

Das sollte jetzt ein anders Bild gezeigt werden, für dessen Veröffentlichung ich mir aber erst die Genehmigung der darauf befindlichen Kollegen holen muss.
Statt dessen heißt es jetzt hier:

Nachsommer

Es gibt einen Verein, welcher seit 1924 existiert und sich Toastmasters nennt und sich im Sommer nur "außerordentlich" trifft. Daher die Bezeichnung Nachsommer.
In Deutschland und in Wien gibt es eine Reihe von englisch-sprachigen und in Deutschland auch deutsch-sprachige Vereine, in denen man Präsentieren lernt. Mittlerweile gibt es auch ein eigenes Leadership-Programm.
In unseren Ländern dient die Vereinstätigkeit auch noch einem anderen Zweck. Zweimal im Monat taucht man in Englisch ein, was sogenannten non-native speakers ganz schön helfen kann, Englisch nicht nur lesen und verstehen zu können, sondern darin immer mehr aktive Flüssigkeit beim Sprechen zu erreichen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt bei den Wiener Vereinen momentan 150 € im Jahr. Das ist am möglichen Lerneffekt gemessen praktisch nichts. Für Studenten gibt es in der Regel Ermäßigungen.
Seit ganz kurzer Zeit gibt es in Wien einen zweiten "offenen" Verein. (Im Gegensatz zu den corporate clubs, die nur die entsprechenden Firmenmitglieder besuchen dürfen)
Gestern war das erste Meeting des neu gegründeten Clubs. Aus zeitlichen Gründen bin ich zur Zeit kein Mitglied meines alten Clubs, in dem ich über 15 Jahre die unterschiedlichsten Rollen gespielt habe.
Ein "erstes Meeting" musste ich mir geben. Es wurde hervorragend durchgeführt und machte mir große Lust, wieder einmal einige Zeit mitzuspielen. Mein Englisch ist in den vergangenen drei Jahren ziemlich eingerostet, da ich hauptsächlich mit Banken und Versicherungen im deutschsprachigen Raum zu tun habe.
Eine neue Mitgliedschaft hängt bei mir auch davon ab, ob ich längerfristige Engagements im Ausland habe oder nicht.
Etwas, was den neuen Club besonders auszeichnet, ist die Wahl des Vereinslokals. Das ist das berühmte Café Griensteidl

Aus dem verlinkten Wikipedia-Eintrag:


Besonders berühmt wurde es als Sammelplatz der Autoren des Jung-Wien, die ab Mitte der 1880er Jahre das Café zu ihrem Stammlokal machten wie auch als Treffpunkt der konkurrierenden, konservativen Künstlergruppe Iduna. Zu den Schriftstellern, die hier verkehrten, gehörten Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, der junge Rudolf Steiner sowie der junge Karl Kraus.

Im Januar 1897 wurde das Gebäude, in dem sich das Café befand, im Zuge der Neugestaltung des Michaelerplatzes abgerissen. Karl Kraus nutzte den Anlass, um in einem Aufsatz unter dem Titel Die demolirte Literatur mit den Caféhausliteraten des Jung-Wien abzurechnen. Am 25. Januar 1897 war im Illustrierten Wiener Extrablatt zu lesen: „Die treuen Stammgäste feierten den Untergang des Locales mit einem großartigen Leichenschmaus (...) Nach Mitternacht waren sämtliche Vorräthe an Speis und Trank vergriffen und es wurden nur noch Ohrfeigen verabreicht. Sonst war die Stimmung famos (...)“. Die Ohrfeige hatte Felix Salten Kraus für eine Passage der demolirten Literatur verpasst, was Schnitzler in seinem Tagebuch mit den Worten vermerkte: „gestern abends hat Salten im Kaffeehaus noch den kleinen Kraus geohrfeigt, was allseits freudig begrüßt wurde (...)“.


Im neuen Kaffeehaus ist ein sogenannter Karl-Kraus-Saal angeschlossen, in dem es sich schön konferieren lässt.
Fast noch schöner ist die Außenansicht, die ich gestern mit meinem nicht kleinen, aber doch umso feineren Handy gemacht habe, bevor ich mich ins Vereinsgeschehen gestürzt habe.
2008Fiaker

In solchen Momenten bin ich immer froh, im Umkreis von Wien zu leben.
Hier noch die Links zu den zwei Toastmaster-Vereinen in Wien:
Toastmasters International Club 551
Vienna Speakers Club



Eine ganz lustige Entdeckung ist mir bei der Suche nach den Internet-Adressen noch zugefallen. Im Jahr 1998 entstand meine erste Homepage. Sehr amateurisch, sehr ehrlich, viele Fotos von Leuten, die alle ihre Einwilligung nicht gegeben hatten, aber sich nachträglich freuten, als sie die Umsetzung eines Toastmasters-Ausflug ins Ennstal betrachteten.
Ich kann diese Seiten auch nicht mehr vom Netz nehmen, weil ich schon lange keine Berechtigungen mehr auf den ehemaligen Compuserve-Server habe. Dies soll nur eine kleine Warnung sein. Was man ins Internet stellt, kann man praktisch nicht mehr zurücknehmen. Ich wundere mich zwar, dass die Seiten nicht schon längst einer Aufräumaktion zum Opfer gefallen sind. Aber so ist es einmal. Vielleicht werde ich einmal eine bereinigte Fassung als historisches Dokument auf meine aktuelle Homepage stellen.
Aber es sind Momente wie diese, in denen man an eine Vergangenheit vor zehn Jahren erinnert wird, die plötzlich ganz präsent erscheint.
Ich weiß nicht einmal mehr, mit welchem Werkzeug ich die Homepage erstellt habe:)

Nachtrag:
Stimmt ja gar nicht. Das war schon die zweite Version der Homepage, wie ich aus der Einleitung: "Nicht viel hat sich geändert" entnehmen kann. Die erste Version muss schon um 1993 gewesen sein. Von der gibt es allerdings wirklich nichts mehr:)


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