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[off BB] Recycling - sentimental

Auf der Suche nach einem Bild, das ich einmal hier hereingestellt hatte, habe ich in alten Beiträgen gestöbert. Ich habe einmal die Beiträge von eineinhalb Jahre offline gestellt, weil sie vom Inhalt nur momentanen Charakter hatten.
Beim Schmökern habe ich festgestellt, dass einige der Einträge auch heute noch zumindest für mich interessant erscheinen, selbst wenn sie Journalcharakter haben. Der folgende Beitrag war #3, nachdem ich von einer anderen Blogplattform auf twoday gewechselt bin. #1 und #2 könnte ich ohne weiteres löschen. Hier steckt eine Erinnerung und ein Twist drinnen. An beide erinnere ich mich gerne. Eigentlich sind fünf Jahre eine bessere Zeit, um zurückzublicken. Wo habe ich mich vor fünf Jahren heute gesehen? Und was hat sich seit den fünf Jahren in meiner eigenen Anschauung geändert? Vieles. Doch diesen Beitrag könnte ich heute genauso schreiben.

Damals:

Um mich da wirklich zurechtzufinden muss ich mir ansehen, wie das mit den Bildern so funktioniert.
Draußen scheint die Sonne, also nehme ich ein Testbild, in dem die Sonne eine Rolle gespielt hat. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir von London nach Dover. Über dem Kanal tobte ein Sturm, in Calais schüttete es, auf der Autobahn nach Belgien sah wir zwei Regenbogen gleichzeitig. Kann das überhaupt funktionieren?

Dover in der Sonne, Gewitter in Calais. Soll man da wirklich aufs Schiff steigen?

Das war im November 2005.
david ramirer - 30. Jun, 14:34

recyceln ist ja auch umweltschonend, auch in den bergen...

:-)

steppenhund - 30. Jun, 16:16

Ein bisschen hat mich ja auch dein Großvenediger angeregt. Ich nehme doch an, dass für dich heute der Rückblick etwas anderes bedeutet als deine unmittelbaren Empfindungen, die Du in V beschrieben hast.
david ramirer - 30. Jun, 16:27

das ist richtig.

aber die bach+berge-kombination passt für mich heute wie damals. ich schätze in den bergen diese ruhe so sehr, diese nähe zum himmel, dieses klare quellwasser, das auf schritt und tritt aus dem nackten felsen springt und bäche bildet.
bach ist mir auch deswegen so nahe, weil seine musik der natur so ähnlich ist. der prunk und die pathetische übersteigerung bei bruckner, mahler und anderen ist in meinen augen nur theaterdonner...

die berge sind "stille riesen". so erlebe ich sie.

mein "flashback" war ja eher überraschend beim herumsurfen in den gespeicherten fotos auf einmal da. die beschreibungen von tag V sind heute keine thema.
werden sie aber vielleicht wieder. man wird sehen.

:-)
david ramirer - 30. Jun, 16:43

...man sieht :-)
steppenhund - 30. Jun, 16:47

Das ist eine Diskussion für sich.
Ich kann deiner Assoziation Bach und Berge sehr gut folgen. Sie entspricht aber in meinen Augen sehr dem asketischen Erleben der Berge.
Ich selber erlebe teilweise ähnliche Gefühle, wenn ich in einer Waldlichtung stehen bleibe, in die sich die Sonne hineinlegt oder an einer Quelle stehenbleibe.
Was ich aber am meisten an den Bergen schätze, ist ihre Größe, die uns vor Augen führt, wie klein wir sind. Ich bin versucht, Berge mit eigenen Entitäten zu belegen, wobei es ganz unterschiedliche Wertungen gibt. So sind die Rax und der Schneeberg für mich ganz, ganz unterschiedlich. Der Großglockner ist nicht dadurch besonders herausgehoben, weil er der höchste ist, sondern weil er sich so individuell gebärdet.
Und in all ihrer Größe zeigen die Berge einen unermeßlichen Schöpfungsreichtum, der mir am besten in den Museen entlang der Großglocknerstraße entgegen kommt. Diesem Reichtum setze ich nun den Reichtum einer Musik entgegen, die diesen Reichtum beschreibt.
Dann wiederum bestätigt sich für mich in der Musik eine überdimensionale Musiksprache darin, dass die Gewitterszene in der Alpensymphonie und die Sechste Beethoven ganz ähnliche Gefühle bei mir auslösen, obwohl sie musikalisch zu anderen Zeiten und mit anderen Stilmitteln komponiert wurden.
Streiten würde ich mich deswegen nie mehr, obwohl ich da früher sehr diskutierfreudig bin.
Möglicherweise bist Du der Asket und ich der Hedonist, die sich aber gerade in diesen Dingen sehr stark in den Berührungspunkten fokussieren.
david ramirer - 30. Jun, 16:49

das unterschreibe ich alles sofort mit.
mit freuden nämlich...

:-)
steppenhund - 30. Jun, 16:49

@man sieht

Ja, ich sehe. Und es erinnert mich an Bergtouren, die ich mit meinem Vater gemacht habe...
Vielleicht scanne ich einmal diesbezügliche Bilder ein.
steppenhund - 30. Jun, 17:03

http://www.youtube.com/watch?v=PI0ydzzJJPA&feature=related

Wenn ich diese Musik höre, denke ich innerlich "Kommen wir noch trocken hinunter". Die drückende Schwüle wird durch ein Frösteln abgelöst. Die Farben der Steine am Weg verlieren ihren gelblichen Ton und wechseln in grau, blau, bräunliche. Und es ist unheimlich, weil es so unausweichlich ist.
Das ist die wilde Seite Rilkes "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr..." (Herbst) Wer jetzt noch unterwegs ist und sich nicht unterstellen kann, ist gefährdet.
Und vielleicht gerade deswegen empfindet man danach die klärende Wirkung so stark.
Am Schluss dieses Aufnahmeteils der Symphonie, marschiert man bereits auf dem breiten Weg unten im Tal. Man hat noch eine Stunde zu gehen. Man ist in triefende Regenmäntel des alten Stils eingehüllt. Die grau-braunen Bäche rinnen entland des Weges.
Regnet es noch?
Ja, es regnet. Man sieht die Tropfen in den Pfützen. Doch Entspannung hat eingesetzt.
steppenhund - 30. Jun, 17:09

der Schluss

http://www.youtube.com/watch?v=PeYHvLBXZ94&feature=related
Und ist dieser Schluss nicht traumhaft. Die Berge scheinen wieder durch Nebel und Wolken, sie zeigen ihr Gesicht.
Während ich dies schreibe, höre ich nur die Musik. Ich sehe nicht das Video, obwohl dies wunderbar gelungen erscheint.
Und die Nacht gehört dem Berg.
Ich kann mich an eine Tour vor wenigen Jahren im Hochschwab erinnern, wo wir zehn Stunden am Kamm unterwegs waren und dann einen relativ steilen Abstieg fast schon in der Dunkelheit antreten mussten. Da trat schon so etwas wie Sorge auf. Nur die beiden Hunden tollten noch munter vor uns herum.

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