18
Sep
2010

Merkwürdige Veränderungen

Es ist fast unglaublich, wie stark sich manche Irrtümer über die Jahre hinweg halten können. So würde ich meinen, bei jedem Bild in meinem Haus sagen zu können, wer es gemalt hat. Nur für den angeblichen (unsignierten) Romako gilt das nicht, weil ich mich da auf die Aussagen meines Vaters verlassen muss. Offiziell wurde es noch nie bestätigt.
In meinem vorigen Beitrag hatte ich ein Bild gezeigt, dass ich fälschlicherweise meinem Großvater zugeschrieben hatte. Dabei hatte ich noch extra betont, dass es für seinen Malstil besonders untypisch wäre.
Es ist kein Wunder: das Bild ist nicht von meinem Großvater sondern von seinem Lehrer.
Nur wegen eines Kommentars nahm ich das Bild von der Wand und inspizierte die Signatur, weil mein Großvater oft auch die Jahreszahl dazugeschrieben hatte.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen.
-
Es ist merkwürdig, wie ich erkenne, mit wie vielen kognitiven Fehlern ich lebe, leider auch mit Denkfehlern. Ich kann mir meiner Schlussfolgerungen nicht mehr sicher sein. Die intuitive Richtigkeit ist dahin. Ich muss wirklich alles überprüfen oder überprüfen lassen.
Das wäre an sich nichts Besonderes. Doch weiß ich, dass das früher anders war. Die Fehlerhäufigkeit war vielleicht nur ein Zehntel von heute. Anscheinend rechnete im Hintergrund immer ein Kontrollmechanismus mit.
Was folgt daraus:
1) ich werde toleranter gegenüber den Fehlern anderer.
2) ich muss vielmehr Zeitbedarf für meine Aufgaben einplanen.

Ich schätze meine geistige Präsenz noch immer als ausreichend ein. Bestimmte Aufgaben muss ich allerdings heute erarbeiten, ihre Bewältigung fliegt mir nicht mehr spielerisch zu.
Doch ich kann damit leben;)
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profiler1 - 19. Sep, 10:50

meine mutter sagt bei solchen gelegenheiten immer zu sich selber: "leise rieselt der kalk"

steppenhund - 21. Sep, 23:41

Ja, dieser Satz war in unserer Familie auch recht geläufig:)
bonanzaMARGOT - 19. Sep, 12:54

ich kann mir gar nicht so recht vorstellen, was für irrtümer oder fehler du meinst. es ist ganz normal, dass man sich aufgrund unvollständiger oder falscher informationen irrt. umso mehr informationsfluss in der welt, desto mehr irrtümer.
ansonsten gibt es auch jene fehler, die wir aus psychologischen gründen unabhängig von informationen oder wissensstand machen.
je nach wichtigkeit sind korrekturen notwendig. von einer perfektion bzw. fehlerlosigkeit auszugehen ist allein schon ein denkfehler.

ich kann nicht finden, dass es früher eine geringere fehlerhäufigkeit gab. ich würde eher sagen, dass früher ganz allgemein die lebenswelt eine unkompliziertere war - und somit weniger fehler bedingte. relativ zur informationsflut dürfte die fehlerhäufigkeit konstant bleiben. selbst kontrollmechanismen, wie sie zur zeit per qualitätsmanagement in der wirtschaft mode sind, verkomplizieren oft nur die verhältnisse und arbeitsstrukturen, anstatt aufklärend fehler zu beheben.
es ist geradezu schildbürgerhaft, wie heutezutage jeder furz per statistik und pi pa po belegt werden muss, obwohl man lediglich seinen gesunden menschenverstand gebrauchen müsste.
dabei sollte doch das vertrauen in die eigene denkfähigkeit unterstützt werden. es wird immer mehr nur noch gedankenlos wissen und information reproduziert und nicht mehr selbständig "erdacht". hierin liegt wirklich ein zunehmender mangel gegenüber früher ...
so kommt es zu dem mißverhältnis, dass es zwar immer mehr wissen gibt, aber wir immer weniger wissen. profan ausgedrückt: wir verblöden vor glotze und pc.

gehe mit dir nicht so streng zu gericht, steppenhund. der fehler liegt nicht bei dir sondern im system.

steppenhund - 21. Sep, 23:45

Ich spreche allerdings nicht über das System sondern über relativ einfache und objektivierbare Beobachtung. Wie lange brauche ich eigentlich um ein Schachproblem zu lösen, dass ich früher auf einen Blick gesehen habe?
Wie orientiere ich mich heute in einer Stadt, wenn ich früher fast blindlings zum Bahnhof gefunden habe? Wieso kann ich die Himmelsrichtungen nicht mehr jederzeit zuordnen? Das sind Fragen, die ungefähr der Verwechslung von links und rechts entsprechen. Ich weiß heute zwar wo links und rechts ist, aber ich muss manchmal ein bisschen nachdenken.
da geht das System vollkommen außen vorbei.
bonanzaMARGOT - 22. Sep, 10:51

dann verstand ich dich miss, steppenhund - was daran liegen mag, dass ich an mir mit dem älter werden solche geistigen defizite nicht entdecken kann; im gegenteile fühle ich mich geistig in vielen bereichen - wie organisation und überblick, sprache und einfühlungsvermögen - fitter als vor 20-30 jahren.
nun spiele ich selten schach ..., und in mathematische problemlösungen müsste ich mich wieder einarbeiten.
ich weiß nicht, wie alt du bist, steppenhund ..., ob die von dir empfundenen defizite dem normalen geistigen abbau im alter entsprechen - denn falls nicht, solltest du einen arzt aufsuchen.
virtualmono - 19. Sep, 13:09

Für mich besteht der Trick heutzutage darin, für mich vollkommen irrelevante "Informationen" einfach nicht mehr an mich heranzulassen bzw. auszublenden. Auch wenn ja eine bekannte "Religionsgemeinschaft" mi dem Einstein-Zitat? Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potentials wirbt, so halte ich dennoch die Aufnahmekapazität - jedenfalls bezogen auf eine definierte Zeitspanne, sagen wir einfach mal pro Tag - meines Gehirns für relativ begrenzt, gemessen an dem ganzen Irrsinn, der tagäglich so auf einen einprasselt...
Anders ausgedrückt: Theoretisch hätte ich mir natürlich sämtliche Autokennzeichen derer merken können, die gestern irgendwann vor mir hergefahren sind - aber wozu? Theoretisch könnte ich Nachrichten schauen, aber wozu? Was interessiert es mich, was sonstwo auf der Welt passiert (wahrscheinlich leitet sich aus einer ähnlichen Haltung auch der sprichwörtliche Sack Reis in China her)? Wichtig ist doch, was in meiner unmittelbaren Umgebung und was mit mir (oder mit uns) geschieht, denn nur das betrifft uns unmittelbar und unterliegt überhaupt unserer Einflußnahme...

Die Gechichte mit dem Bild würde ich an Deiner Stelle jetzt nicht überbewerten - da bist Du schlicht einer Fehlinformation aufgesessen ;-)

bonanzaMARGOT - 19. Sep, 19:38

... oder wir mutieren langsam zu autistischen Informationsjunkies.
Einerseits bewundernswert wegen der abgehobenen, speziellen Fähigkeiten - andererseits im Alltag nur sehr bedingt überlebensfähig.
Dahingehend liefern wir uns einer von uns selbst geschaffenen Kunstwelt aus.
virtualmono - 19. Sep, 20:56

Keine Sorge - zumindest was mich betrifft sind meine Fähigkeiten dann doch recht breit gestreut, und ich lebe mitnichten in einer Kunstwelt, ganz im Gegenteil ;-) Und der Herr Steppenhund ebenso.
bonanzaMARGOT - 21. Sep, 12:34

leider merken wir gar nicht mehr, wie wir immer mehr in einer kunstwelt leben. wir bedienen doch den lieben langen tag nur noch geräte, gehen in den supermarkt ...; fast alles, was wir uns alltäglich angedeihen lassen, ist mit technik bestückt, die wir in den meisten fällen weder überblicken noch verstehen. wir müssen lediglich alles richtig bedienen.
mit der nahrung, die wir essen, haben wir zu 99% nichts mehr zu tun - außer wir sind landwirt - und selbst in landwirtschaftlichen betrieben schreitet die entfremdung von der natur und dem produkt immer mehr voran.
wir wissen so gut wie nichts mehr von der welt außerhalb von technik, mensch und kultur.
virtualmono - 21. Sep, 19:43

Auch hier kann ich sowohl für den geschätzten Bloginhaber als auch für mich selbst sprechen - wir überblicken die Technik, die wir permanent bedienen (schon rein berufsbedingt) in völlig ausreichendem Maße ;-) Und eingekauft wird auf dem Markt.
steppenhund - 21. Sep, 23:47

@vm

Ich habe mir früher Telefonnummern gemerkt, ohne sie zu lernen. Dass ich sie mir jetzt nicht merke, ist die Folge eines aktuellen Unterdrückens.
virtualmono - 21. Sep, 23:50

Yep - ich brauchte früher eine Nummer nur einmal zu hören und habe sie mir gemerkt - aber seit die alle sowieso gespeichert sind ist der Kopf in dieser Hinsicht etwas faul geworden. Ich weiß noch nicht genau, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden soll (wie so manches andere auch im Moment...).
steppenhund - 21. Sep, 23:52

@bm

Virtual mono hat eigentlich schon recht genau in meinem Namen geantwortet.
Autismus würden sich nicht einmal meine Feinde getrauen, mir zuzuschreiben. Es ist eher das Gegenteil der Fall, dass sich Leute nämlich wundern, was ich von ihnen erinnere und auf welche Informationen ich aufpasse.
Das Einzige, was ich an der heutigen Technik nicht verstehe, ist die Funktionsweise eines Quantencomputers. Damit kann ich aber recht gut leben. Ich wundere mich auch, was man heute über normale Kupferleitungen an Bandbreiten transportieren kann. Aber wie das geht, kann ich verstehen, nachdem man es mir erklärt hat.
bonanzaMARGOT - 22. Sep, 13:54

ich behaupte, dass unsere zivilisation autistisch wurde, steppenhund, - nicht du speziell.

wer da noch den überblick hat, den kann ich nur beglückwünschen.

es geht nicht nur um technik in ihrer nachvollziehbaren funktionsweise - sondern um die vernetzung von technik in den unterschiedlichsten anwendungsgebieten.
wobei ich sagen muss, dass ein tiefgehendes begreifen der naturgesetze - auf welchen die technik basiert - noch niemandem vergönnt ist. logik geht immer von regeln und grundannahmen aus ..., und bleibt in der dialektik letztlich oberflächlich.
außer man verschleiert sie, um als wissenschaftler oder philosoph in besonderen weihen zu baden.

einen quantencomputer verstehe ich auch nicht. ich verstehe noch nicht mal genau ein atomkraftwerk.
darin liegt freilich auch ein risiko der heutigen gesellschaft, dass immer mehr menschen immer weniger verstehen, was aber ihre lebenswelt wesentlich ausmacht.
im autoverkehr z.b. zeitigt diese tatsache jeden tag viele verkehrsopfer.
Jossele - 22. Sep, 14:39

Authismus wäre die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit mit unserer Umwelt.
Ich denke, eher das Gegenteil ist der Fall. Wir haben den Informationskollaps.
Dass, mit dieser Verarbeitungskapazität ausgelastet, unsere, altersbedingt etwas undurchlässigeren, Synapsen etwas langsamer leiten, en wundert´s?

Mit etwa vierundzwanzig Lebensjahren ist unser Gehirn am Zenit seiner Leistungsfähigkeit. Na ja, das ist ja nun auch schon ein Weilchen her, obschon, fleißig trainiert läuft das Werkel noch ganz redlich.

Was wir nicht an Spontanlösung parat haben, das können wir mit Erfahrung durchaus wett machen.

Frag mich nach dem Namen von einem Maler, hätt ich dir vor zwanzig Jahren noch sofort sagen können. Heut muss ich nachdenken, aber dafür ist er in einen größeren Kontex eingebunden.
Schach detto, Springer bedroht Dame (wenn ich´s nicht übersehe ;-) ), die Standartartwort fällt mir nicht sofort ein, aber eine Flut an Möglichkeiten.

Segen oder Fluch des Alterns, ich neige eher dazu, es Segen zu nennen, auch wenn der Bahnhof einer Stadt sich gelegentlich versteckt hält.
bonanzaMARGOT - 22. Sep, 16:14

solange wir nicht demenzkrank werden oder durch andere beschissene krankheiten gebeutelt sind, stimme ich dir zu, jossele, dass alter auch segen bedeuten kann.

das dumme ist doch, dass die informationsflut ständig zunimmt, wir aber immer weniger davon zu haben scheinen - als im ergebnis durch den immer wieder präferierten technischen fortschritt. wir machen uns damit letztendlich zu affen in einer raumkapsel, die wir nicht mehr steuern können.
vorallem nimmt offensichtlich unsere kritikfähigkeit und selbstkritik ab.
die evolution, die wir technisch und wissenschaftlich in die welt riefen überfordert leider den normalen geist, so dass sich spezifikationen herausbilden mussten.
wir müssen heute mehr denn je menschen unterstützen, die integrativ und gesamtheitlich denken können. ansonsten rasseln wir unwiederbringlich ins chaos.
steppenhund - 22. Sep, 18:31

@bm

Ich würde ja für mich eher behaupten, dass meine Kritikfähigkeit und Selbstkritik zunimmt. Nur deswegen werde ich ja auch gegenüber den Fehlern von anderen Menschen toleranter.
-
Aber egal, wie auch immer: das Wichtigste ist doch die Erkenntnis, dass wir selbst in unserer Zeit in der Mitte einer Entwicklung stehen. In 200 Jahren werden die Menschen über unseren Aberglauben lachen, sie werden über unsere Smart-Handy-Verliebtheit lachen. Es wird so etwas wie eine Barockzeit der Elektronik benannt werden.
Und so wird die Entwicklung immer weitergehen, wenn wir uns nicht vorher umbringen. Die Affen in der Raumkapsel waren wir schon vor 2000 Jahren. Die werden wir auch bleiben, wenn wir nicht den Weltraumflug beherrschen lernen.
Jossele - 22. Sep, 20:30

@bm, Na ja, eine Chance haben wir.
Selbst wenn ich heute, was nicht ganz mein Begehren war, erfahren habe, dass Paris Hilton am Flughafen von Tokio festgehalten wurde, entbindet mich das nicht der Aufgabe, jener zu sein, der, unter Fortlassung aller Beiwerke, ich selbst bin.
Anders wäre es, hieße ich Per Gynt.

Ähm das mit den Affen, warum nicht? Haben wir denn jeh unsere Raumkapsel gesteuert?
bonanzaMARGOT - 23. Sep, 14:06

mit dem bild des affen in der raumkapsel meine ich unsere immer größer werdende ausgeliefertheit gegenüber dem technischen fortschritt, aber auch gegenüber von konsum, mobilität, moderner medizin etc.
wir sind spielball der von uns selbst ins leben gerufenen entwicklung und der sich dadurch ergebenden systeme - die geister, die wir riefen ... (faust).
das fatale dabei ist, dass wir aus dieser geschichte nicht mehr raus kommen - bis uns die luft in der raumkapsel ausgeht ..., mager tom läßt grüßen. oder bis uns ein größerer gesteinsbrocken aus dem all allesamt in paradies, hölle oder nirwana schießt.

über die zukunft wage ich besser keine prognose, steppenhund.
höchstens die eine - dass wir dann nicht mehr leben werden.

jossele, klar behält jeder mensch seine identität. man darf sich aber zwischendurch schon mal gedanken darüber machen, wie sehr unsere bedürfnisse, unser denken und unser alltagsleben von gesellschaftlichen bedingungen, anforderungen, werten und moden beeinflusst werden - ja, ich würde sagen: oft wesentlich bestimmt sind. wenn man da mutigerweise richtig in sich geht, ist das unter umständen überhaupt nicht lustig.
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