9
Aug
2012

Hesse oder ...

der Triumph des Anton Bruckners über Hanslick

Ich lernte Marcel Reich-Ranitzky über einen seiner Auftritte im Fernsehen kennen. Er war mir von Anfang an unsympathisch. Ich wusste noch nicht über seine Ehrendoktorate, aber ich war nicht überrascht ihn als Literaturpapst tituliert zu sehen. So führte er sich ja auch auf. Seine Sprechweise irritierte mich und ärgerte mich. Es war immer der Unterton von "jetzt zeige ich es Euch." Als ich erfuhr, dass er für den Geheimdienst gearbeitet hatte, wertete ich das als Beweis für die Gemeinheit, die es auch auf der Seite der Unterdrückten geben kann. Aber MRR war damit für mich erledigt und im Prinzip egal. Er war der vorweggenommene Superstar des DSDS. Für ein Fernsehpublikum mag er Bedürfnisse befriedigt haben.
Er kommt sich selbst vermutlich sehr gut vor. Umso mehr muss es ihn wurmen, wenn bekannt wird, dass es um seine literarische Kritikfähigkeit gar nicht so gut bestellt ist. Er ist wie ein Gourmetkritiker, dem man ein Gericht von Bocuse hinstellt, welcher behauptet, dass es "nur" Kartoffelpüree sei.
Und so wird man nach dem Tod von MRR nach gewisser Zeit nichts mehr von ihm wissen. Ob sich die von ihm protegierten Autoren später noch dankbar an ihn erinnern werden und ihm Kränze flechten werden, sehe ich gar nicht sehr als gesichert an.
Von Hanslick wissen heute nur mehr die Musiktheoretiker etwas. Seine Rolle in der Ablehnung Anton Bruckners kann belächelt werden. Oder man sagt, das Schwein hätte nur aus opportunistischen Gründen eine gewisse Machtposition missbraucht.
Bruckner-Symphonien werden heute noch gespielt. Nicht nur gespielt, sie werden zelebriert und es ist für jeden Dirigenten eine neue Herausforderung, sich der Aufgabe einer besonders guten Interpretation zu widmen.
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In Kroatien habe ich mir um teures Geld den Spiegel gekauft, weil mich die Titelstory dazu animierte. Der Artikel hat mir gut gefallen und zwei Dinge sind mir dabei ins Auge gestochen. Einerseits wurde erwähnt, dass der Spiegel Hermann Hesse anno 1958 noch alles andere als ernst genommen hat. Es zeigt von einer gewissen Größe, wenn ein Blatt seine eigenen Irrtümer offen zugibt. Meistens wird das Archiv eher als Bestätigung verwendet, dass ein bestimmtes Medium das oder jenes eh schon immer behauptet hat.
Andererseits wird auf die Ablehnung Hesses durch MRR hingewiesen, die auch etwas näher behandelt wird. Im Gegensatz zum Spiegel hat MRR nichts dazu gelernt. Wenn man im Internet stöbert, findet man auch schon einmal einen Artikel wie jenen, (http://www.glanzundelend.de/Artikel/abc/h/volker-michels-hesse.htm) der noch genauer eine Ablehnung beschreibt, die mich zu folgender, nicht ganz unproblematischer Aussage hinreißen lässt. Dass MRR die Deutschen für das hasst, was sie ihm angetan haben, ist verständlich. Dass er umgekehrt "das Deutsche" genauso hassen kann, dass er an der Ablehnung eines Autors selbst dann festhält, wenn dieser den Nobelpreis bekommen hat, scheint für mich auf der Hand zu liegen. Dass man ihn in Deutschland so hochleben lässt, scheint am typisch schlechten, deutschen Gewissen zu liegen. Ablehnen darf man ihn nicht, dann wäre man antisemitisch.
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Es bleibt nur mehr festzustellen, dass ich MRR jegliches Verständnis von Hesses Büchern absprechen muss. Interessanterweise richtet sich MRRs Ablehnung ja auch gegen das Briefwerk Hesses, der einiges damit zu tun hatte, den Steppenwolf zu verteidigen. Der hatte eine ähnliche Wirkung auf die Jugend wie seinerseits "Das Leiden des jungen Werther" gehabt. Dass man Hesse in der Jugend leichter zu verstehen glaubt, als in dem Alter, in dem die Protagonisten sich befinden, hat immer schon irritiert.
Als ich Hesse anfang der Siebzigerjahre las, gefiel er mir ausnehmend gut. (Mit "Unterm Rad") konnte ich nicht so viel anfangen, bei den anderen Büchern empfand ich eine Parallele zu Bruckner, über den manche bösartig meinen, er hätte nur eine Symphonie geschrieben, diese aber neun Mal. Mit 20 Jahren dachte ich über Hesse dasselbe, ohne ihn dabei schlecht machen zu wollen. Hesse schreibt nur ein Buch, ob das Demian, Siddartha, Narziss und Goldmund, Steppenwolf oder Glasperlenspiel ist, das Thema bleibt gleich, es wird nur auf verschiedenen Stufen wiederholt. Die Auflösung der Dichotomie zwischen physischer und geistiger Existenz des Menschen wird in verschiedenen Beispielen dargestellt. Wenn ich heute in den Illustrierten beim Arzt den hundersten Vorschlag, wie man sein Leben verbessern könne, anschaue, denke ich nur, warum liest den keiner den Hesse.
Im Steppenwolf, verfeinert er die Dichotomie in tausend kleine Kristallsplitter. Das Einzige, was mir am Steppenwolf nie so gut gefallen hat, war seine Präferenz für Mozart, die alles daneben (außer dem Saxophon) minder bewertet hat. Brahms hat zuviele Noten, dasselbe gälte wohl auch für Bruckner, der aber namentlich nicht erwähnt wird.
Lange vor der Zeit des Internet, war ich in der virtuellen Welt mit dem Pseudonym Steppenwolf unterwegs. Es ergaben sich dadurch auch interessante Diskussionen mit Gesprächsteilnehmern aus aller Welt. Dass ich irgendwann zum Steppenhund wurde, war ein technischer Fehler einer Blogplattform, die meinen ursprünglichen Namen einfach registriert aber gleichzeitig verschluckt hatte. Steppenhund als domestizierte Form scheint heute auch wesentlich besser zu passen. Schließlich scheine ich mich jetzt auch recht sozialisiert zu verhalten.
Ich mag den Steppenwolf noch immer, obwohl ich im Glasperlenspiel die gelungenere Synthese oder zumindest Darstellung des "Problems" sehe.

Doch heimlich dürsten wir ...

Anmutig, geistig, arabeskenzart
Scheint unser Leben sich wie das von Feen
In sanften Tänzen um das Nichts zu drehen,
Dem wir geopfert Sein und Gegenwart.

Schönheit der Träume, holde Spielerei,
So hingehaucht, so reinlich abgestimmt,
Tief unter deiner heiteren Fläche glimmt
Sehnsucht nach Nacht, nach Blut, nach Barbarei.

Im Leeren dreht sich , ohne Zwang und Not,
Frei unser Leben, stets zum Spiel bereit,
Doch heimlich dürsten wir nach Wirklichkeit,
Nach Zeugung und Geburt, nach Leid und Tod.


[Hermann Hesse "Das Glasperlenspiel", Dezember 1932]

Möglicherweise steckt in diesem Gedicht unsere menschliche Beschränkung, "Weltfrieden zu erlangen". Immer wieder treffe ich Menschen, die wirklich kämpfen wollen. Und anders ist es wohl nicht zu verstehen, wenn bestimmte Kampfsportarten bei den olympischen Spielen vertreten sind. (Ich denke da weniger an Judo als an Wasserball. Es tut weh, und es soll weh tun.) Wir wollen Blut sehen. Wir dürsten danach.

Doch wenn der so belesene MRR diese Zeilen als schwülstige Romantik abtut, so fragt es sich, wem er mit einer solchen Beurteilung ein schlechtes Bild ausstellt.

Mir kann er den Hesse jedenfalls nicht schlecht machen!
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Sunnilein - 9. Aug, 17:15

Lieber Herr Steppenhund,...

ich danke Ihnen zutiefst für diesen Text! Vor mir stehen die Fotos meiner Reisen auf Hesses Spuren - mir wird ihn wahrlich ebenfalls keiner schlecht machen. Und ich habe auch keinerlei schlechtes Gewissen zu sagen, dass Herr MRR wundervoll und seit Jahrzehnten auf der Woge seiner selbstbefriedigenden(und das meine ich freílich nicht sexueller Art) Wiedergutmachung segelt und sich ironisierend diabolisch kaputt lacht über die Demut, die ihm zu Füßen liegt!Sunni

bonanzaMARGOT - 9. Aug, 17:18

mrr kann doch sagen, was er will. er hat eh narrenfreiheit.
und man kann zu ihm stehen, wie man will. ich kenne ihn nur aus seinen fernsehzeiten. da war er recht witzig und wortstark: ein unterhaltsamer giftzwerg. schade ist natürlich, dass abschätzige meinungen solcher "literaturkenner" tatsächlich die meinung zu manchen werken und autoren beeinflussen. letztlich dürfte sich aber immer das "gute" werk durchsetzen.

Gregor Keuschnig - 9. Aug, 17:34

Es geht nicht darum, ob jemand etwas sagen darf oder nicht. Es geht um Macht, die angewandt wird. MRR ist keine neutrale Person, er ist ein Funktionär - von niemandem ernannt, aber von vielen merkwürdigerweise als solcher akzeptiert. Er hat mit seinen unsäglichen Fernsehauftritten Literatur banalisiert und trivialisiert.
bonanzaMARGOT - 9. Aug, 17:42

man sollte weder die literatur noch den umgang mit ihr derart verbissen sehen. überall agieren nur menschen.
funktionäre unserer meinungen sind wir alle.
steppenhund - 9. Aug, 18:33

Wie schön es doch ist, dass mittlerweile (nicht rechtskräftig) bei uns ein Funktionär (der des olympischen Komitees) zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Man sollte das bei mehreren Funktionoären so handhaben;)
bonanzaMARGOT - 9. Aug, 18:38

steppenhund, einfach nur arschloch sein reicht im allgemeinen nicht aus, um verurteilt zu werden.
gott sei dank, oder?
steppenhund - 9. Aug, 18:51

Der Betreffende hat sich um 3 Millionen Euro aus der Kasse bereichert. Für das Arschloch-Sein hat er nichts bekommen.
bonanzaMARGOT - 9. Aug, 18:52

und was macht er mit den drei millionen? andere arschlöcher beeindrucken?
Gregor Keuschnig - 9. Aug, 18:55

man sollte weder die literatur noch den umgang mit ihr derart verbissen sehen
Wer sieht denn da was "verbissen"? Ehrlich gesagt geht mir bei solchen lächerlichen Äußerungen das Messer auf. Es kotzt mich einfach an, wenn jegliche ernsthafte Beschäftigung mit irgend etwas nach drei Sekunden schon als Verbissenheit ausgelegt wird. Die deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen haben exakt null Medaillen gewonnen. Nach ihrem sukzessiven Scheitern betonten sie immer, wieviel Spaß sie gehabt haben. Aber dafür sind doch eigentlich keine Sportler, oder? Wer Spaß haben will, soll doch besser Murmeln spielen.
bonanzaMARGOT - 9. Aug, 18:59

also, wenn du so reagierst, georg keuschnig - dann traf ich wohl ins schwarze.
steppenhund - 9. Aug, 19:16

Die deutschen Olympiateilnehmer haben eben ganz unverbissen das Dabeisein ausgelebt, eigentlich auf ganz untypisch deutsche Art:)
Sorry, das war aufgelegt.
P.S. Wir haben überhaupt nur mehr eine Chance irgendetwas zu reißen... Ist mir persönlich aber egal.
Allerdings gefällt mir die neue Form der Spiele schon recht gut. Es geht darum, wer am besten verlieren kann, ohne disqualifiziert zu werden. Das bringt einmal ein bisschen Abwechslung.
Gregor Keuschnig - 10. Aug, 08:30

@bonanzaMARGOT
Lesen, bitte, lesen.

@steppenhund
Ja, das triffts. Ich prognostiziere ja schon lange, dass der Leistungsgedanke bei den Deutschen nur noch maximal ökonomisch gilt. Aber da wird uns gerade in der EU das Rückgrat gebrochen. Ansonsten träumen wir von bedingungslosem Grundeinkommen - so sieht unser Ideal aus. Das deutsche Wesen muss in zwanzig Jahren niemand mehr fürchten. Bis dahin bauen die Chinesen auch noch die besseren Autos.
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 15:31

jo - ich lese `krampf, keuschnig.
natürlich darf auch ein wettkampf spaß machen.
ich würde mich nicht zum experten aufschwingen und rumtönen, warum die schwimmer diesmal bei den medaillen leer ausgingen.

auch literatur darf übrigens spaß machen (beim schreiben wie beim lesen) - man soll`s nicht glauben. der leistungsgedanke hat meines erachtens in der kunst sowieso nicht viel zu suchen.
ansonsten bin ich bei leuten skeptisch, welche den wert von "leistung" überbetonen ... aus meiner erfahrung leisten die oft am wenigsten.
steppenhund - 10. Aug, 15:43

Leistung

Nachdem der Begriff Leistung durch Arbeit pro Zeiteinheit (im Physikalischen) definiert ist, ist er auch sonst eher auf eine Zeiteinheit bezogen. Wenn man von Leistung in bezug auf Medaillen spricht, so meint man damit ja indirekt auch eine Proportion, z.B: Sportler, die eine Medaille erhalten pro Einwohner eines Landes. Wo Leistung im Bereich der Kunst angesiedelt ist, kann man z. B. die Leistung eines Schubert, Mendelssohn oder Mozart betrachten, wenn man die Anzahl der Kompositionen mit ihrer kurzen Lebensdauer in Relation setzt. Es kann aber auch eine Leistung sein, wenn jemand 20 Jahre an einem Buch oder Komposition sitzt, die Leistung dabei also recht klein ist. (Hoftstadter: Göder, Escher, Bach oder Borodin: Fürst Igor) Da kann man die Leistung höchsten an der Wirkung messen, die die Werke auf andere Menschen haben. Aber ich finde einen Leistungsbegriff auch auf den Menschen bezogen durchaus vernünftig, wenn die Umgebungsbediungen mit berücksichtigt werden.
Die Skepsis bei der überbetonten Leistung kann ich gut verstehen. Eine andere Spielart der Betonung sind nämlich Managementreden, die davon reden, dass die Mitarbeiter das größte Kapital der Firma sind. In drei Firmen hat einen Monat nach einer solchen Rede die Kündigungswelle begonnen...
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 16:01

man darf den lebenswert nicht mit z.b. der (arbeits)leistung im zusammenhang sehen. sonst ist man ruckzuck in der nähe der euthanasie.
per se kann man alles, was man macht, als eine leistung ansehen. auch der penner, der am bahnhof schnorrt, vollbringt je nach einnahmen eine tagesleistung; und der säufer, der drei flaschen schnaps am tag säuft, vollbringt auch eine bemerkenswerte leistung im trinken von alkohol.
keuschnig spricht dagegen wahrscheinlich von einer "sinnvollen" leistung, und er definiert dabei, was sinnvoll ist, und meint wohl, dass alle menschen selbstverständlich dasselbe wie er als sinnvolle leistung erachten sollten. diese folgerung ist ein großer fehler. ich finde z.b. dass 100 meter unter 10 sekunden rennen keine sinnvolle leistung ist. es gibt in unserer gesellschaft eine menge leistungen, die ich alles andere als sinnvoll finde. oft werden uns wert und sinnhaftigkeit einer leistung auch eingeredet ...
Gregor Keuschnig - 10. Aug, 20:59

@bonanzaMARGOT
Sie lesen derart genau, dass Sie noch nicht mal meinen Pseudonymnamen richtig schreiben können. Das tantenhafte "man darf doch" und "ist doch egal" ist mir immer schon auf die Nerven gegangen, weil es alles nivelliert und am Ende alles egal ist. Das mag Ihr Prinzip sein (wie dieses unverschämte Kleinschreiben). Aber ich frage mich, was solche Diskussionsbeiträge für einen Sinn haben.

@steppenhund (als Hausherr)
Die Diskussion ist sehr deutsch. Nach wenigen Kommentaren kommt zielsicher ein NS-Vergleich, weil das Wort "Leistung" genannt wurde. Natürlich gibt es übermotivierte Leistung, die sich im Sport in Doping zeigt (wobei ich glaube, dass nahezu alle dopen). Aber eine Gesellschaft, die sich primär über Spaß und Vergnügen definiert, beäugt solche Veranstaltungen wie OS natürllich mit Skepsis.

Am Rande: Endlich wurde in Deutschland publiziert, wieviele Medaillen man erwartet hatte. Hierfür war ein Gerichtsbeschluß notwendig, damit der Innenminister zur Publikation gezwungen wird. Man plante für London 86 Medaillen (in Beijing gab es 42; derzeit sind's 38). Das ist dann doch wieder Größenwahn.
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 22:10

keuschnig, wie wird "keuschnig" denn geschrieben? ich bitte um entschuldigung, wenn ich deinen nick falsch schrieb. ist eigentlich nicht meine art. sowieso nicht absichtlich.
gegen formalismenreiter habe ich was - schon. die bedeutung bzw. der inhalt zählt in meinen augen ca. tausendmal mehr als das formale.
wenn ich mit einem menschen rede, dazu gehören manchmal auch ausländer, die noch nicht gut deutsch können, oder deutsche, die auch nicht gut deutsch sprechen, dann sehe ich darüber hinweg und versuche einfach zu erfassen, was sie sagen wollen. normalerweise kommt man da "menschlich" trotz sprachbarrieren zusammen. oder auch nicht - das sind dann aber allermeist charakterliche barrieren.
mir ist mitnichten alles egal, wie du vielleicht merkst, keuschnig, denn wenn mir alles mehr oder weniger egal wäre, würde ich mir tatsächlich nicht die mühe machen, mich mit dir auseinanderzusetzen.
ein prinzipienreiter bin ich nicht. in dieser rolle sehe ich eher dich.
offensichtlich setzen wir unterschiedliche prioritäten. meine prioritäten sind: toleranz, geistige offenheit, gemeinsinn, menschenliebe und selbstkritik.
deine prioritäten sind (hier bisher): engstirnigkeit, formalismus und altbackener leistungsgedanke.
nun, das ist nur eine vermutung. ich will dich nicht beleidigen.
wir sollten nicht persönlich werden. sorry. auch ich lasse mich manchmal verleiten, eine diskussion leidenschaftlich aus dem ruder laufen zu lassen ...

lieber hausherr steppenhund. welchen ns-vergleich meinst du? euthanasie ist nicht allein nazi-geschichte. ich erwähnte mit keinem wort in dieser diskussion die nazis. und keuschnig stellte ich niemals in die nähe dieser braunen vergangenheit. wozu auch? spießer und engstirnige leute gibt es überall auf der welt und zu jeder zeit. ich würde sagen, die meisten zeitgenössischen spießer leben in den usa.

die olympischen spiele sind wie alle sportlichen großveranstaltungen und der profi-sport allgemein skeptisch zu betrachten - nicht allein wegen des dopings.
WladimirundEstragon - 10. Aug, 22:21

"die olympischen spiele sind wie alle sportlichen großveranstaltungen und der profi-sport allgemein skeptisch zu betrachten - nicht allein wegen des dopings."


Große Worte...
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 22:23

nö, keine großen worte, - ist nur meine meinung.
WladimirundEstragon - 10. Aug, 22:24

Warum duzen Sie den Herrn K
bonanzaMARGOT - 10. Aug, 22:34

weil ich keinen unterschied zwischen der anrede per sie oder per du sehe, solange man sich inhaltlich mit respekt begegnet.
wenn keuschnig es unbedingt wünscht, werde ich ihn siezen.
Gregor Keuschnig - 9. Aug, 17:31

Ich glaube nicht, dass MRR das "Deutsche" verabscheut. Er hasst die deutsche Romantik, oder, ins Leben gewendet: das Gefühl. Thomas Manns Prosa, die er so verehrt, ist ja das genaue Gegenteil: sie ist kühl, distanziert, in Teilen sogar kalt. MRR hat sich im übrigen seinen Thomas Mann zusammengebastelt, wie es ihm passt (die Kriegsbegeisterung 1914 blendet er immer aus; Hesse war von Anfang an gegen den Krieg; er ging 1916 in die Schweiz).

Zu MRR hat Handke schon 1968 alles gesagt, als er ihn als den "unwichtigste(n), am wenigsten anregende(n), dabei am meisten selbstgerechte deutsche Literaturkritiker seit langem" bezeichnete.

steppenhund - 9. Aug, 18:32

Danke, dass Du diesen Link beigebracht hast. Einerseits fand ich es beruhigend, dass ich damals schon ähnlich wie heute argumentiert hatte. Andererseits erinnert es an Zeiten, als noch viel mehr bekannte Blogger kommentierten.
Statt "Fear and Loathing Las Vegas" könnte man auch "Fear and Loathing twoday" schreiben:)
david ramirer - 10. Aug, 08:59

ich würde ja sagen: wer sich von irgendeinem, auch noch so gescheiten und freundlichen (da ist jetzt MRR damit nicht portraitiert und inkludiert, das ist klar :) kritiker oder germanisten die freude an hermann hesse nehmen lässt, hat dessen bücher nicht tief genug inhaliert.
wenn es irgend etwas in hesses werk gibt, das allgemeinen tiefen wert hat, dann ist es doch diese erkenntnis: selbst seine entscheidungen zu treffen und zu ihnen gelangen, wobei der weg dorthin das schöne am leben ist.

Ich halte es nicht für das wichtigste, welchen Glauben ein Mensch habe - sondern dass er überhaupt einen habe.
(Hermann Hesse)

Jossele - 10. Aug, 10:19

Eben wollte ich etwas schreiben, aber das wäre ziemlich deckungsgleich ausgefallen, weswegen ich mich hier nur anschließen kann.
steppenhund - 10. Aug, 13:45

Kann man nicht besser ausdrücken.
Teresa HzW - 11. Aug, 12:47

Mmmhmmm,
ich wußte, Sie werden sich "unserem" Hesse an seinem 50sten Todestag ausführlich widmen,
lieber Steppenhund, ich werde mir nach dem Wochenende das, was, Sie schrieben, in der nötigen Muse zu Gemüte führen,
da ich nun hinfort ["muss"].
Bis dahin
schönes Wochenende
- gleich ob mit oder ohne Hesse -
[allerdings ich habe ihn in den Koffer gepackt ;-)]

til333 - 16. Aug, 13:15

habe kürzlich eine Hesse-Doku gesehen:
ds Hermännle em Originalton mit seim schwäbisch, wunderbar!

Moscowitz - 19. Aug, 21:38

Einer der lausigsten und unnötigsten Jobs die ich kenne ist der Job des Buchkritikers. Ganz egal wie sie alle heissen. MRR ist nur ein Paradebeispiel des alten eitelen pseudokritiker und Profilneurotiker der in seinen Auftritten am liebsten die Aufmerksamkeit weg vom Buch und auf sich selbst lenken würde. Es gibt kaum einen gewissenhaften Buchkritiker. Absolut unabhängig davon ob positiv oder negativ, ein Schriftsteller der sich nach Kritik der Kritiker richtet, könnte eigentlich aufhören zu schreiben. Bemitleidenswert sind meines Erachtens auch Leser die bei Wahl ihrer Bücher auf Meinung der Kritiker zählen und somit viele schlechte Bücher mit einer positiven Voreinstellung beginnen und die womöglich guten gar nicht erst in die Hände nehmen.

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