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Das Neue und die Wiederholung

Der Steppenhund schwelgt manchmal oft in der Vergangenheit und macht sich dabei über sich selbst lustig.
Die Wiederholung liegt ihm nicht, obwohl er sich gerne wiederholt.

Darstellung A:
Was er bewundert, ist die Veränderung im Rahmen einer Form. Anlässlich einer musikalischen Untermalung gab es einmal folgende Aussagen. Ausschnitt:

Ich zitiere Joachim Kaiser:
... Aber was ist das eigentlich. Eine Beethoven-Sonate? Warum werden Beethoven-Sonaten geliebt und gespielt, obwohl sie doch, laut Gulda (der sie bewunderungswürdig beherrscht), „nicht die Probleme des heutigen Menschen haben>? ...
... Für jeden halbwegs musikalischen Mitteleuropäer sind die Beethoven-Sonaten Mischung aus Jugendeindruck und unverwandter, sich ständig wandelnder Bewunderung, aus Reiz und Überdruß, aus musikalischem Indianerspiel mit Pathétique oder Sturm-Sonate und mystischer Sehnsucht: einmal möchte man den letzten Satz der Opus 111, die Fuge der Hammerklaviersonate, die Spiritualität der Les Adieux-Sonate ohne Rest begriffen haben, vom „Spielen-Können“ ganz zu schweigen...
... Die Sonaten sind ein Werkkosmos im Beethovenschen Gesamtkosmos, ein intimes Laboratorium reiner Produktivität.
... Beethovens geniale Unfähigkeit, sich zu wiederholen, seine nur mit Bewunderung zu konstatierende Fähigkeit, Zartes, Zärtliches, Einsilbiges, Wildes immer ganz neu zu sagen: das alles muss für ihn ein elementares Nicht-anders-Können gewesen sein.

Nur die besten Pianisten ihrer Zeit haben Gesamteinspielungen aller Sonaten hinterlassen oder haben überhaupt ihr Programm darauf ausgelegt, alle zu spielen. Und jeder oder jede von ihnen hat bestimmte Sonaten besser als jeder andere und andere wieder nicht so exzellent gespielt. Vielleicht kann man behaupten, dass der aufgespannte Kosmos so weit ist, dass er von einem Menschen nicht in alle Weiten ausgelotet werden kann, dass er aber so viel Platz gibt, dass sich jeder darinnen finden und ausleben kann.

Das sagt eigentlich schon fast alles. Ich bewundere die angesprochene "geniale Unfähigkeit".

Darstellung B:

Durch einen Zufall stoße ich auf eine Patentdatenbank, in der sich mittlerweile abgelaufene Patente finden, darunter eines aus dem Jahre 1986, in dem der Hund als Erfinder genannt ist. Ich sehe zum ersten Mal, den vollen Text des Patents mit Zeichnungen. Das Prinzip ist mir auch heute noch klar, die Beschreibung fordert mich verständnismäßig schon etwas. Könnte ich heute noch etwas neues erfinden? Bei dem angesprochenen Patent bekam ich einmal unverhofft die Bestätigung, dass Zeiss die größten Schwierigkeiten damit hatte und eineinhalb Jahre versuchten, darum herum zu bauen, bevor sie später in Lizenzverhandlungen eintraten. Das alles ging ziemlich spurlos an mir vorüber. (Wenn man während der Arbeit etwas erfindet, fließen die Nutzungsrechte der Firma zu. Das war aber schon in Ordnung, ich wurde kompensiert.)


Darstellung C:

Seit mittlerweilen Jahren versuche ich mir ein Beispiel an der Praxis Dr. Schein zu nehmen. Dort gibt es zwar Wiederholungen, aber ein Unmaß an neuen Gedanken, die sich doch in den allermeisten Fällen über das Niveau des Klamauks emporheben. Da kann ich nicht konkurrieren. Aber heute sah ich mich veranlasst, eine zeit lang in der nachfolgenden Gestalt aufzutreten. Da dachte ich dann schon, dass ich mich einem Vorbild wenigstens phänomenologisch annähere.

Steppenhund20081211klein

Habe ich mich verständlich ausgedrückt? Ich will Neues. ich will Originalität. Dem kann man aber nicht nachlaufen, das Neue muss sich von selbst aufdrängen.
Und zu diesen Gelegenheiten frage ich mich dann, ob ich überhaupt sinnvoll bloggen kann.
walhalladada - 12. Dez, 09:14

Lieber Steppenhund, danke für die Blumen, aber auch mir gehen mehr und mehr die zündenden Ideen aus. Das neue Jahr wird mir einen neuen Job bescheren, der mir nicht mehr so viel Zeit lassen wird, mich intensiv um das 'NEUE' in meinem Blog kümmern zu können. 'Originalität' ist natürlich erstrebenswert, aber unter dieser 'roten Mütze' stellt sie sich beinahe automatisch ein :)

rosenherz - 12. Dez, 10:48

Steppenhund unter der Weihnachtsmannmütz' - ob diese dem gelangweilten Genius nützt?
- Nun, wenn du Dr. Schein bewunderst, vielleicht könntest du bei ihm in die Lehre gehen und er dir den Erwerbs eines Scheins ermöglichen - eines Hundescheines.
- Du willst Neues? Wie wärs mit einer philosophischen oder mathematischen Auseinandersetzung mit der unlängst bei den Kamingesprächen im Mühlviertel gestellten Frage "Was kostet der Preis?" Ich meine damit, was gewinnen und was verlieren wir mit der Kapitalisierung des Lebens? (Bedürfnisbefriedigung zu Ware oder Dienstleistung machen).

steppenhund - 12. Dez, 11:05

Gutes Thema. Werde ich aufnehmen;)
rosenherz - 12. Dez, 18:01

Nun, wenn du das Thema aufnehmen magst: Darf ich dazu ein paar Fragen anführen, um die Auseinandersetzung mit dem Thema "was kostet der Preis?" anzuregen?
Umsonst ist nichts, heißt es. Alles hat seinen Preis, sagt man. Welchen Preis aber hat die Erde und womit vermöchten wir ihn zu bezahlen?
Welchen Respekt schulden wir allem Unbezahlbaren und wie viel schuldig bleiben wir jenen Handlungen, für die es keinen Handel gibt?
Was kostet die Schönheit der Welt und um welchen Preis ist der Mensch ein Mensch?
Was ist der gerechte Preis für das Erziehen der Kinder? Und für das schwere Joch des brasilianischen Zuckerrohrschneiders? Und für die Sklaverei der Erdbeerpflücker von El Ejido?
Worin findet die Fruchtbarkeit des von ihnen bearbeiteten Bodens ihr Äquivalent? Welches Zahlungsmittel reicht aus, dessen Schädigung zu entschädigen? Wie hoch darf der Preis des Fortschritts sein und wer muss ihn womit bezahlen?
Welchen Lohn schulden wir unserer Klugheit? Und welchen der Vermessenheit? Verdienen wir tatsächlich immer, was wir verdienen? Oder müssen die einen jeweils verlieren, damit die anderen gewinnen können?
Gibt es eine ausgleichende Gerechtigkeit in dieser Welt und was ist der Preis ihres Mangels hierorts?
Wie Viele zahlen bei dem drauf, wovon Wenige profitieren?
Sind die Einen reich, weil die Andern arm sind? Was ist eine faire Milch? Ist ein Preis dann angemessen, wenn ihn jemand bezahlt?

Warum ist er für den Käufer stets zu hoch und für den Verkäufer immer zu niedrig, wenn doch alles seinen Preis- und darin seine Richtigkeit hat, dass der Markt alles regelt?
walküre - 12. Dez, 17:46

Du magst also keine Wiederholungen. Hm. Das Leben hat immer wieder mal selbige auf Lager, manchmal im negativen Sinn (Unter anderem, wenn man sich weigert, das Wachstumspotential zu erkennen, welches einem Probleme bieten), oft im positiven. Stell dir mal vor, wie seltsam ein Leben ohne Wiederholungen generell wäre: Man bekommt nur ein einziges Mal im Leben eine Liebeserklärung, darf nur einmal einen Partner wählen, hat nur ein einziges(!!!) Mal Sex, bekommt nur ein einziges Mal eine Chance auf eine gute Anstellung, hat nur ein einziges Mal eine Idee, die zum beruflichen Erfolg führt - um ein paar Beispiele zu nennen. Und hat es nicht auch Sinn, neu Gelerntes zu wiederholen, damit es sich verfestigt ? Ist eine gute Pointe nicht auch noch nach Jahrzehnten eine gute Pointe (Mit Sicherheit, sonst würden wir beim zwanzigsten Mal "Dinner for One" nicht immer noch lachen, wenn der Butler ausgerechnet dann, wenn man es am meisten erwartet, NICHT über den Tigerkopf stolpert !) ? Steppenhund, in aller Offenheit: Du brauchst niemanden kopieren, es genügt, wenn du weiter so schreibst (und Klavier spielst !) wie bisher. Und jetzt stell bitte die verdammte Schriftfarbe wieder so ein, dass ein Mensch mit einem durchnittlichen Notebook nicht nach zwei Absätzen das Gefühl hat, an einer schweren und rasch zur Erblindung führenden Augenerkrankung zu leiden !

la-mamma - 12. Dez, 19:39

;-)

schön, dass ich dich zu einem beitrag angeregt hab!
ad a) für mich gilt das auch ein bisschen für literatur. alle guten geschichten sind irgendwie schon erzählt, trotzdem gibt es immer wieder welche, die sie besonders gut und ein bisschen anders erzählen. lass deine tochter schön grüßen, der anfang gefällt einmal ...
ad b) etwas erfinden ist ja nun wirklich komplett das gegenteil von wiederholung;-) ich nehm fast an, wir alle könnten etwas neues erfinden - nur dem alter und der (früheren) ausbildung entsprechend keinesfalls mehr im "eigenen" metier - eher zufällig in einem völlig anderen ...
ad c) no geh. niveaulos geht´s hier auch nicht gerade zu. und guter klamauk ist wiederum auch nicht so einfach in der herstellung.
also, - --- wenn du bloggen für sinnvoll hältst - kannst du es sinnvoll tun. andere bloggen halt nicht. aber die abonnier ich auch nur ganz selten;-)

nanou - 12. Dez, 22:47

Auch ich tu mich schwer mit der neuen Schriftgröße. Komm, mach das wieder anders bitte!
Und dann was nahe liegendes: Du erinnerst mich mit deinem outfit an einen (such dir aus, welchen) der 13 Weihnachtsmänner Islands. Sehr lebenslustig.

rosenherz - 12. Dez, 22:56

@ nanou

Bei uns in der Gegend haben die Leute den Sträuchern in den Vorgärten solche Weihnachtsmannmützen aufegesetzt. Aber ich muss sagen: Steppenhund sieht weit attraktiver aus mit der Mütze, als die Thujen.
nanou - 12. Dez, 22:58

Aber hallo! Das tut er.

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