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Bloggerbeschimpfung

Da ich nicht wirklich selber etwas schreiben will, werde ich mich damit beschäftigen, Blogger auszurichten. Es gibt Blogger, über, die ich die Nase rümpfe, Blogger, die zu banal sind, Blogger, deren Motivation ich nicht verstehe, Blogger, deren Motivation ich nur zu gut verstehe, und Blogger, die mir auf irgendeine Weise widerlich sind.
Da ich aber ein feiger Hund bin und niemanden direkt angreifen möchte, werde ich die meiste Zeit nur über Blogger schreiben, die ich mich zu kritisieren traue.
Die, über die ich nicht schreibe, dürfen sich dann zu der widerlichen Sorte zählen. Das wird eine langwierige Serie werden, doch ich glaube, zumindest ich werde viel Spass haben.
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Jetzt gibt es natürlich eine ganze Reihe von Bloggern, die ich mag, und die ich eigentlich nicht reihen möchte. Die Reihenfolge der ersten dreißig Beiträge soll also nicht als Wertung verstanden werden, wer den 1., den 2.; oder den 3. Platz hat. Nur die Auslassungen überhaupt werden signifikant sein. Oder vielleicht ab und zu eine echt negative Kritik:)

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Der heutige Beitrag betriff das Blog eines gewissen köppnick. Dessen Blog, auf dem vielleicht 2% Beiträge sind, die ich des Blogs nicht für würdig halte, ist das Anspruchvollste, das ich kenne. Die Beiträge sind mit großer Überlegung und vorangegangenen Recherchen, was die Besprechung von Büchern und Menschen angeht, verfasst.
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Bei seinen Beiträgen geht es mir manchmal so, dass ich liebend gerne gescheiter kommentieren würde, mir dazu aber auch mehr Zeit gönnen müsste. Ich habe dort schon einige sehr interessante weiterführende Referenzen gefunden. Alles zu lesen, was dort angesprochen wird, kann ich mir heute rein zeitlich nicht leisten. Aber auf seinem Blog kann man auch schmökern und sich an vergangenen Einträgen ergötzen.
Zugegebenerweise schreibt er nur für wenige. Umso mehr freut es mich, wenn ich manchmal Kommentare von mir lieben Bloggerkollegen bei ihm finde. Seine Texte sind anspruchsvoll, die häufige Beschäftigung mit Hochintelligenz kann manche abschrecken, doch wünschte ich, es wären noch mehr von seinem Kaliber aktiv.
Es gibt natürlich Blogger, denen geistreiche Bloggerei auf den Geist geht. Doch wie Torberg seinen Wirt in der Tante Jolesch sagen lässt: "Es gibt da noch einige, die ...., aber ich kenne sie alle."
truelies (Gast) - 29. Mai, 23:08

nicht jeder schas, der veröffentlicht wird, ist als intellektuell einzustufen. faß dich an der nase.

rosmarin (Gast) - 29. Mai, 23:25

lieber mcblogranicki.... mit köppnick hast du wirklich ein perlchen benannt.

steppenhund - 30. Mai, 02:20

truelies (anonym) - 29. Mai, 23:08
nicht jeder schas, der veröffentlicht wird, ist als intellektuell einzustufen. faß dich an der nase.
antworten - löschen

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Das war der erste Kommentar auf eine positive Kritik. Er kommt aus der Schweiz. Schreibweise und Stil sind verstellt, doch Uhrzeit, verwendeter Rechner sowie die IP-Adresse geben ausreichend Aufschluss über die Herkunft.
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Ich werde vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt auf diesen Eintrag zurückkommen. Für den Moment reicht es, dass er sich offensichtlich geärgert hat:)

pathologe - 30. Mai, 09:43

Doch

nicht etwa eine auch mir bekannte Person?
steppenhund - 30. Mai, 10:28

Das wollen Sie doch nicht wirklich wissen) :) Keine Sorge, die Identität dieser Person wird schon noch aufgedeckt. Aber dafür ist es momentan noch viel zu früh...
Kwant (Gast) - 30. Mai, 09:36

schon gelesen?

The Iron Age of Mars: Speculations on a Quantavolution and Catastrophe in the Greater Mediterranean Region... (Paperback)
by Alfred de Grazia

steppenhund - 30. Mai, 10:27

Habe ich noch nicht gelesen. Klingt interessant. Liegt im Eingangskorb. Danke.
david ramirer - 30. Mai, 09:45

großartige idee.

...und eine sehr eigenwillige auslegung von "nicht selber etwas schreiben".

mir kanns nur recht sein.

:-)

steppenhund - 30. Mai, 10:33

Wart nur, bis Du drankommst! :)))
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Aber so eigenwillig ist diese Interpretation gar nicht.
Selber schreiben bedeutet für mich, etwas von sich heraus zu konstruieren, was letztlich auch das Urteil der anderen nach sich zieht.
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Kritisieren ist leicht. Das kann jeder. Herummosern. Da steckt sowieso immer die Subjektivität drinnen. Daher kann jeder sagen: naja, "der hat sich wieder auslassen." Oft werden Kritiker auch von der Zukunft in die Bedeutungslosigkeit oder den Irrtum verschoben.
Ich kann hier also etwas "schreiben", ohne mir überlegen zu müssen, ob es a priori angreifbar ist. Es ist angreifbar und auch widerlegbar.
Und es ist mein Kontrapunkt zu Beiträgen, die von aggressiver Sprache geprägt sind. Aggressiv sein kann ich selber, obwohl ich mich in der Regel bemühe, es nicht zu sein.
david ramirer - 30. Mai, 19:38

ich kann kaum erwarten, dranzukommen.
gegenüber meiner eigenen selbstkritik erscheinen mir jegliche kritiken von aussen immer wie streicheleinheiten - und die brauch ich derzeit mehr als die wüste das wasser.

solange du kein computerprogramm geschrieben hast, das die blogbeschimpfungen automatisiert rausonaniert, schreibst du sie selber (und ich trau dir das schreiben so eines programmes blind zu).

ich habe bisher noch keinen einzigen blogbeitrag gelesen (egal wo!), der nicht getragen gewesen wäre von tiefster subjektivität. das gehört zum schreiben dazu.

in meiner definition schreibst du also (weiter); und nur auf die kommt es mir an :-)
PeZwo - 30. Mai, 11:16

Die Idee hat potentiellen Kultcharakter, ist aber - so wie ich glaube - gar nicht so leicht in der Praxis umzusetzen... vor allem wenn man sie mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben möchte.

steppenhund - 30. Mai, 11:23

Nichts läge mir ferner als Ernsthaftigkeit:)))
PeZwo - 30. Mai, 11:40

dann hast du zu dieser Idee die exakt richtige Einstellung :)))
Köppnick - 1. Jun, 15:11

Danke für die Blumen

Ich habe dein Lob erst jetzt gelesen. Ich habe mich schon gewundert, wieso in den letzten Tagen so viele Kommentatoren bei mir zugange waren.

Vielleicht interessiert dich ja die Vorgeschichte? Ich habe 2004 zufällig in ein interdisziplinäres Diskussionsforum gefunden, das Nensch heißt. Physisch existiert es heute noch, aber es ist nur noch ein Zombie, spätestens gegen Ende 2006 von einigen Soziopathen zerstört, weil die Forennbetreiber der irrigen Meinung waren, mit technischen Mitteln könne man soziale Probleme der Kommunikation zwischen den Teilnehmern lösen.

Die Idee hinter diesem Forum war faszinierend: Menschen mit verschiedenen Interessen zusammenzubringen, manche mit mehr naturwissenschaftlichen oder technischen Kenntnissen, manche Literaten. Das Forum hatte auf mich eine enorme Anziehungskraft, weil ich vielen der Leute dort im realen Leben nie begegnet wäre, ich habe sehr viel gelernt. Das Konzept funktionierte über mehrere Jahre erstaunlich gut. Nach kurzem passiven Mitlesen habe ich eine gewisse Bringeschuld verspürt und selbst begonnen, mir einige Dinge von der Seele zu schreiben. Einige Dinge haben mich damals schon interessiert, andere Gedankenviren (vor allem die zur Philosophie des Geistes, zur KI und den Neurowissenschaften) habe ich mir erst dort eingefangen.

Dass sich in der Zeit meiner Forenteilnahme eine Blogwelt entwickelt hat, wo jeder seinen Sermon abgeben kann (und das auch tut), habe ich dabei gar nicht mitbekommen. Aber nach dem Zusammenbruch dieses Forums hatte ich es mir schon so angewöhnt, viele Gedanken aufzuschreiben, dass ein Ersatz her musste. Das Schreiben in einer Form, dass sie auch für andere lesbar ist, hilft mir selbst zu mehr Klarheit und ab und zu kommt auch ein sehr interessantes Feedback. Einen Versuch, über einen virtuellen Server etwas Größeres aufzuziehen, habe ich recht schnell aufgegeben, denn ich habe gemerkt, dass ich weniger eine solche Technik managen als mehr Inhalte verfassen will. Also musste ein Blog her und genügen.

Für mich ist das aber nur suboptimal, der Nensch-Ansatz, ein Diskussionsforum mit mehreren Themensparten zu haben, um die sich locker noch die Tagebücher ("Blogs") der Teilnehmer gruppieren, hätte für mich immer noch den größeren Charme. Aber das wird es so wohl niemals mehr geben, das ist Netzgeschichte. Die Kakophonie der Blogs hat gewonnen, dagegen kann man nicht mehr anstinken. (Das ist übrigens auch der Grund, warum ich mich nicht als "Blogger" bezeichnen würde, ich betreibe keinen Blog, sondern benutze nur dessen Möglichkeiten für eine Art Dumbledorischen Denkarium.)

Jetzt schreibe ich also im Wesentlichen für mich selbst und habe nur ein paar Bekannte im Hinterkopf, die ich von früher oder anderswo kenne (Gregor von Begleitschreiben ist ein weiterer Nensch-Veteran, einige andere ohne eigene Netzpräsenz schauen ab und zu vorbei). Manchmal schicke ich einen Link zu einem Bekannten oder Kollegen, aber diese interessieren sich nur für weniges. Ich hadere auch ein wenig mit den technischen Möglichkeiten von TwoDay, aber man kann nicht alles haben, und so konzentriert man sich eben mehr auf den Inhalt und weniger auf die Form.

steppenhund - 1. Jun, 15:50

Ein bisschen kannte ich die Vorgeschichte ja schon. Es ist eine merkwürdige Konstellation: ich habe wirklich überlegt, ob ich dich oder Begleitschreiben als #1 heranziehe. Da Begleitschreiben auf Urlaub ist, habe ich dann doch mit dir angefangen. Ab da ergibt sich sowieso eine eigene Dynamik.

In manchen Blogs werde ich ja als "Klugscheißer" ge- oder behandelt. Das bestärkt mich allerdings in meiner Auffassung, dass es mir auf Inhalte ankommt und nicht auf das "Schmäh"-führen. Schmäh-Führen per Schreiben ist so wie das Duellieren mit der Waffenwahl "telefonisch ohne abheben".
la-mamma - 3. Jun, 21:09

d´accord

das ist ein tolles blog. vorsichtshalber schau ich nicht zu oft hinein, ich komm dort nämlich immer so lange nicht weg ...

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