Kompatibilität

Kann es mit Liebenden auf die Dauer gut gehen, wenn der eine Partner als Scheidungskind groß geworden ist und der andere Partner in einer behüteten Familie aufgewachsen ist.
Allein aufgezogene Kinder werden hier unterschiedlich zugezählt.
Verwitwet (verunfallt) .. Familie
Kein Vater präsent .. Familie
Mutter und Vater mit Besuchsrecht des einen .. keine Familie
-
Ich kann es mir mittlerweile schwer vorstellen und habe dafür ziemlich viele Anschauungsbeispiele. Ab sich die aber statistisch erhärten lassen, weiß ich nicht.
walhalladada - 25. Jun, 08:49

Grundsätzlich wird die 'Kompatibilität von Liebenden' noch durch die Tatsache erschwert, dass es sich bei ihnen (in der Regel) um Mann und Frau handelt :)

steppenhund - 25. Jun, 09:27

Das nennt man technisch gesehen "Vorlast".
books and more - 25. Jun, 09:29

ROFL!

Schade, dass ich von einem gestern abend geführten LiebesTelefongespräch keine Aufzeichnung habe! Darin exemplifizierte sich ein Grad an Inkompatibilität, dass man sich fast wundern mochte, wie dabei überhaupt noch Strom durchs Kabel fließt ...
virtualmono - 25. Jun, 09:23

Die Statistik...

... ist in diesem Fall wahrscheinlich weniger interessant. Ich persönlich glaube, daß die Erfahrungen in der Kindheit ganz entscheidend prägend für das spätere Sozialverhalten sind - schon allein das Beispiel Einzelkind vs. Geschwister macht das eigentlich recht gut deutlich: Wer als Kind nie gelernt hat zu teilen, der wird sich auch später im Regelfall damit eher schwer tun. Wer immer gewohnt war seinen Willen zu bekommen, der wird später früher oder später "gegen die Wand" laufen und damit erheblich mehr Schwierigkeiten haben als jemand, dem bereits als Kind Grenzen aufgezeigt wurden usw. usw...

Und natürlich spielt das dann auch in etwaige Beziehungen herein.

steppenhund - 25. Jun, 09:40

Die Geschwistersituation ist - soviel ich weiß - schon in einigen Büchern abgehandelt worden. Die Scheidungssituation selbst vermutlich auch, aber da kenne ich keine diesbezüglichen Sager.
Die wären auch schlimm, weil es sich um ein "positives" Feedback handeln würde. D.h. In jeder Generation sind nur mehr ein Prozentsatz der erfolgreichen Ehen der vergangenen Generation möglich und das konvergiert dann relativ trivial gegen Null.
Und ich kann nicht glauben, dass alle Singles so überzeugte Singles sind.
Zumindest kann ich das aus der Lektüre hier auf twoday auch nicht gerade bei allen schließen.
mehrLicht - 25. Jun, 09:43

Die persönliche Erfahrung oder Einschätzung bleibt Dir unbenommen, eine Statistik wird es sicher auch geben, aber ich bin mit solchen Themen sehr vorsichtig - ich treffe auch oft Leute, die pauschal vor sich hinmurmeln "na, das kann ja nicht gutgehen" und kenne aber etliche Paare, die trotz der gen. Faktoren eine Beziehung eingehen. Dass dies oft schwierig ist, ist ja völlig klar - aber das Ziel (was einem aus irgendwelchen "Ehe-Ratgebern" entgegenschlägt) einer "durch und durch harmonischen Beziehung" nötigt mir eh nur ein Gähnen ab. Leben ist Dynamik. Liebe ihr Motor. Liebe KANN beruhigen, sie muss aber nicht (...und wer weiß das schon).
-
Interessant fände ich aber etwas anderes, was sich aus dem Thema ergibt: die mit einer "schwierigen Vergangenheit" ausgestatteten Menschen müssen ja nicht zwangsläufig NEGATIVES in Partnerschaften/Freundschaften etc. mitbringen, vielmehr erlebe ich oft den Fall, dass sie den "behüteten" weit voraus sind im Sinne von Lebensübersicht, Sensibilität und auch Kommunikationsfähigkeit. Aber das ist wiederum nur meine Erfahrung und das zu verallgemeinern, steht mir wiederum nicht zu.
virtualmono - 25. Jun, 09:57

überzeugte Singles sind

Meld :-)

... da müßte schon jemand ganz besonderes daherkommen, um die ganzen Nachteile des Ehelebens aufwiegen zu können...
steppenhund - 25. Jun, 10:05

@mehr licht

Was Du über Verallgemeinerungen sagst, teile ich ja durchaus. Deswegen habe ich betont, dass es sich um persönliche Erfahrungen handelt. Deswegen stelle ich ja auch die Frage.
Was die Belastung durch schwierige Kindheiten angeht, sehe ich in einem anderen Licht.
Die Frage ist eher, in welchem Stellenwert die Ehe anzusiedeln ist. Ob es noch eine letzte Hemmung gibt, sie zu beenden. Häufig ist es doch in anderen Lebenssituationen so, dass man meint, dass etwas schlecht ist, und später, nachdem man selbst dazu gelernt hat und mehr Hintergründe kennt, auch die Verhaltensweise der anderen besser einschätzen kann.
Elektrotechnisch gesprochen ist die Wertschätzung der Ehe ein PID-Regelglied (proportional, integral, differenzial) mit starkem Verzögerungsanteil und schwachem Integrationsglied. Schlimme Einflüsse werden in den Spitzen gedämpft und andauernder Missmut integriert sich zum Unerträglichen.
walküre - 25. Jun, 11:22

Virtualmono,

geh mir bloß weg mit deinen Vorurteilen Einzelkindern gegenüber, diesen Schmarrn, den ich während meiner Kindheit laufend zu hören bekommen hab, habe ich so satt wie nur irgendwas ! Ich sag dir was (und weiß, dass ich kein Einzelfall bin !): Ich HAB nix gehabt, was ich hätte teilen können, und davon, dass ich meinen Willen immer bekommen habe, kann schon gleich gar keine Rede sein, sondern ganz im Gegenteil, ich hab früh aufgehört, etwas offiziell zu wollen, weil ichs sowieso nie bekommen habe ! Weißt du, ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht als Geschwister, obwohl mir klar war, dass unter Geschwistern keineswegs alles immer nur Liebe und Grießschmarrn ist und wäre froh gewesen, nicht mehr in der Einöde mit versponnenen alten Eltern alleine leben zu müssen. In einem meiner Bücher über Kindererziehung ist übrigens ein Fall geschildert, in dem ein Kind, das in einer sehr ähnlichen Situation aufgewachsen ist wie ich, straffällig wurde, weil es darin indirekt den einzigen Weg sah, aus seinem Gefängnis auszubrechen (nicht alle Verliese haben Mauern !). So gesehen hab ich ja direkt noch Glück gehabt.

Was ich aber noch anmerken muss: Ob man Kindern Grenzen aufzeigt oder nicht, hat nichts mit dem Status des Kindes zu tun, sondern mit der Erziehungsweise der Eltern.

Nix für ungut, aber das musste jetzt raus.
books and more - 25. Jun, 09:42

Dazu ein Gedanke, der aber nur einen Aspekt beleuchtet:

Ob zwei hinreichend zusammenpassen, es also 'gut gehen' kann, hängt auch von den Werten ab, die die beiden Personen in ihrem Leben und besonders in ihrer Weise dem Partner gegenüber anstreben, ausleben, verkörpern (egal ob bewusst oder unbewusst; wobei auch 'Bewusstheit' zu den Werten zählen kann) ...

Diese Werte entwickele ich als Kind, wobei es verschiedene Muster geben kann:
(1) Mir ist ein Wert (z.B. Kommunikation in der Beziehung) wichtig, weil ich das als Kind in der Beziehung meiner Eltern kennengelernt und als schön/gut/o.ä. kennengelernt habe.
(2) Mir ist ein Wert (z.B. Kommunikation in der Beziehung) wichtig, weil ich das als Kind gerade nicht erfahren und unter diesem Mangel gelitten habe.

Aus sehr verschiedenen Kindheitssituationen kann sich also für zwei Personen derselbe die Persönlichkeit & Lebensführung bestimmende Wert entwickeln. Daraus könnte man als Antwort auf Ihre Frage folgern: Ja, es kann auf Dauer gut gehen.

steppenhund - 25. Jun, 10:08

Dem möchte ich nicht widersprechen. Aber so viele Menschen, welche diese Art von Priorisierung bewusst oder unbewusst aufzunehmen bereit sind, habe ich nicht kennengelernt.
books and more - 25. Jun, 10:19

Jetzt verstehe ich leider nicht, lieber Herr Steppenhund, worauf sich Ihr 'Priorisierung' bezieht...
steppenhund - 25. Jun, 10:52

Mit Priorisierung meine ich eine Rangliste der Wertschätzung bestimmter Eigenschaften:
Kommunikation
Verlässlichkeit
Treue
etc.
books and more - 25. Jun, 11:25

Ah, danke! Ich war wohl verwirrt, weil meine Gedanken im Fokus hatten, dass - bezogen auf EINEN Wert - 2 Personen mit sehr verschiedenem familiären Background denselben Wert entwickeln können (und somit 'zusammenpassen').
Unabhängig von diesem Aspekt ist natürlich jederzeit mehr als ein Wert im Spiel, und gerade das personindividuelle Set von Werten (in ihrer individuellen 'Realisierung'; und vielleicht zusätzlich noch variabel je nach Lebenskontext) und die darin herrschenden Priorisierungen machen die Sache zusätzlich spannend ...

[Muss mich jetzt unhöflicherweise aus der Diskussion ausklinken. Bis demnächst, mit freundlichen Grüßen!]
PeZwo - 25. Jun, 09:47

Scheidung ist nicht gleich Scheidung.

Es hängt sehr davon ab wie die Scheidung über die Bühne gegangen ist, ob die Elternteile während und nachher respektvoll miteinander umgegangen sind, ob und wie lange das Kind in eventuelle Scheidungskämpfe emotional mit hineingezogen wurde, ob es ein emotionales Verlusterlebnis bezüglich des Vaters hatte, ob es sich irgendwo aussprechen konnte oder alles jahrelang in sich rein fressen musste usw.

Gleichzeitig bedeutet aber z.B. aufrechte Ehe nicht automatisch emotional stabile Kinder. Kinder aus Ehen, die z.B. unter den ständig unter den Teppich gekehrten massiven Partnerschafsproblemen der Eltern gelitten haben, sind genauso gefährdet.


Das hängt von so vielen Parametern ab, ich glaube nicht, dass sich eine Regel ableiten läßt.

steppenhund - 25. Jun, 10:06

Ich habe mir überlegt, ob ich diese Unterscheidung noch in die ursprüngliche Frage mit aufnehmen soll. Ich wollte es aber dann doch nicht zu verkomplizieren.
david ramirer - 25. Jun, 10:06

es fehlt in der liste der "allein aufgezogenen" kinder eine option, obwohl die wohl zur dritten dazugehört:
aufgewachsen als einzelkind bei den großeltern, besuchsrecht von mutter und vater an den wochenenden gegeben .. keine familie.

das habe ich erlebt. meine sehr mangelnde kompatibilität in der frage des "fortdauernd liebenden" (also diese ganze kiste mit verliebt, verlobt, verheiratet, kinder, gemeinsamer hausstand, enkelkinder, goldene hochzeit und familiengruft), und zwar ganz egal mit welchem gegenpart, hat seine ursache in dieser herkunft, wo meine entscheidung, schon als sehr kleines kind, das leben auch alleine leben können zu müssen recht früh fiel, und eine partnerin es mehr als schwer hat, sich als bedeutende (lebensnotwendige) ergänzung in mein leben einzufädeln.

doch es gibt sicher auch gegenbeispiele dafür... ich bin keines.

steppenhund - 25. Jun, 10:15

Lieber David, dich hatte ich mit der Fragestellung gar nicht angesprochen, weil Du ja bereits von vornherein die Situation entsprechend reflektierst und den Pessimusmus bereits mitbringst. Meine Überlegung galt vor allem denjenigen, die relativ unbeschwert mit "kein Problem" in die Ehe gehen und dann später die Inkompatibilität feststellen.
Was deine Situation angeht, habe ich jetzt wenigstens ein sehr erfreuliches Gegenbeispiel erlebt, wo eine Frau ähnliche Verhältnisse wie Du erlebt hast (mit ziemlich schlimmen Nebenaspekten) und sich jetzt in einer Partnerschaft gefunden hat, der ich recht gute Chancen gebe, seit ich ihren Freund kenne. In beiden steckt auch der Wunsch, die positiven Seiten einer Zweisamkeit stärker zu gewichten.
david ramirer - 25. Jun, 10:33

ach, wenn es nur der pessimismus wäre :-)

ich bin seit einigen jahren sehr optimistisch, ja sogar offen geworden und auch mutiger. aber die erfahrungen zeigen, dass auch beim besten willen (wobei das natürlich auch in frage gezogen werden kann) manche dinge "einfach" nicht gehen.

es fragt sich schon, ob die inkompatibilität zweier "liebender" immer erst so spät erkannt wird, oder ob sie nicht schon am anfang ganz offen da liegt und einfach zugunsten gesellschaftlicher vorteile ignoriert wird. es fällt den menschen leicht, blind zu sein; und es tut immer weh (und blendet), wenn die augen wieder offen sind.

die frage sollte vielleicht eher lauten: ist liebe und ehe kompatibel?
ist eines der wohl am meisten mit dem aspekt der völligen freiwilligkeit verknüpften wesenselemente - die liebe - mit einem eigentlich von der sozialen rolle her längst überholten auslaufmodell wirtschaftlicher machtballung - der ehe - kombinierbar?

sind etwaige friktionen zwischen den partnern nicht auch in diesem dilemma zu suchen - abseits von allen anderen offenen punkten?

(selbstkommentar: hier offenbaren sich natürlich ganz interessant ein paar typische gedanken eines bei den großeltern aufgewachsenen einzelkindes, das es mit leichtigkeit schafft, einen ganzen kosmos an gründen zu finden, die gegen die ehe und lebenslanges zusammenwachsen zweier menschen sprechen. ich lass das jetzt aber trotzdem stehen, auch wenn gerade weil es entlarvend ist :-) )
steppenhund - 25. Jun, 10:57

Die wirtschaftliche Machtballung ist in meinen Augen kein Thema mehr. Die Verträglichkeit von Liebe und Ehe mündet eher in der Frage der Dauerhaftigkeit. Solange es sich um "romantische Liebe" (wie die Amerikaner den Sex nennen:) handelt, gibt es ja noch keine Probleme. Der Übergang in die Zweierbeziehung, die den anderen einmal rein als Persönlichkeit wahrnimmt, ist das Schwierige. Wenn der Sex dann noch stimmt, ist das ein Bonus. Als Schmiermittel hat er aber nach einer bestimmten Phase ausgedient.
david ramirer - 25. Jun, 11:07

ehe ist eine institution, die vom wesen her auf dauer angelegt ist.
liebe ist eine kosmische energie, die zwischen zwei oder mehr lebewesen emanieren und beiden gewahr sein kann; dies kann in den unterschiedlichsten formen geschehen, abseits von allem anderen.

sex ist ein schmiermittel. wunderbar ausgedrückt - dem habe ich nichts hinzuzufügen :-)
punctum - 25. Jun, 11:09

Ich seh das ganz ähnlich wie PeZwo. Es gibt sicher Trennungen, die fair und respektvoll sind und bei den Kindern zwar Schmerz verursachen, aber nicht gleich grundsätzlich das Vertrauen in andere Menschen und in Beziehungen zerstören. Meiner Ansicht nach ist es für eine dauerhafte Beziehung ganz wesentlich, ob man bedingungslos vertrauen, sich auf den anderen in jeder situation verlassen kann. Solches Vertrauen fällt Kindern "böser" Scheidungen sicher schwerer. Allerdings kenne ich ein Beispiel für eine sehr langjährige Ehe (wenn auch mit zwischenzeitlichen Problemen), in der der Mann als Teenager sehr darunter gelitten hat, dass sein Vater die Familie einfach verließ, ohne weitere enge Kontakte zu seinen Kindern. Und dieser Mann eben bemüht sich sehr um seine Ehe, weil er seinen Kindern solchen Schmerz eben nicht antun will.

walküre - 25. Jun, 11:34

Scheidungskind

ist per se kein Hindernis, eine glückliche Beziehung/Ehe zu führen, es kommt eben immer auf das familiäre Umfeld an, denke ich. Für ein Kind ist es sicher besser, in einer Familie zwar ohne Vater oder Mutter, aber dafür mit einer anderen ausgleichenden Bezugsperson (Großvater, Onkel, Großmutter, Tante usw.) aufzuwachsen, als täglich aufs neue eine katastrophale Beziehung der Eltern mitzuerleben. Und "behütet" ist ein gefährliches Wort. Viele Menschen würden meine Kindheit als "behütet" einstufen -> siehe meinen Kommentar weiter oben. Natürlich kommt es auch darauf an, wie die Eltern mit der Trennung umgehen.

mehrLicht - 25. Jun, 14:56

Ehe ist ein Paradoxon, wenn ich David Ramirer folge - da kann ja Liebe und Ehe gar nicht zusammengehen, weil das eine den Stempel "versprechen bis ans Lebensende, Treue usw bla bla" ist, das andere aber, die stattfindende, stetig neu sich erfindende Liebe etwas ist, was keinerlei Kategorisierung, Institutionalisierung oder Regelwerk verträgt. Nach diesen meinen Gedanken wäre eine jede Ehe nur der gordische Knoten, etwas dynamisches glatt zu machen, etwas nicht-regelbares zu regeln, etwas Unaussprechliches auszusprechen und dem Unmöglichen ein Korsett anzulegen, auf dass es in 40 Jahren auch noch super schnüren möge. Aber möglicherweise sind mir bis jetzt die tollen Gegenbeispiele nicht genügend begegnet.
Und dann sind da noch die Rentnerehepaare, die stoisch auf der Parkbank sitzen: "Verheiratet? Ja, das waren wir ja immer schon. Wieso sollte das jetzt anders sein?". Gegenfrage lautet dann: "Und, seid ihr glücklich?", und die Standardantwort: "Jo, man hat sich halt aneinander gewöhnt."
pfui.
david ramirer - 25. Jun, 15:11

ich möchte da schon anmerken, dass ich kein experte für die ehe bin, und auch nicht für die paradoxa, die sich aus der kombination von liebe und ehe ergeben.

aber ich habe einmal, ich glaube bei watzlawik, gelesen, dass eine heirat unter liebenden bei beiden ein fortwährendes paradoxon erzeugt (sofern beide des reflektierten denkens mächtig sind): denn jeden tag kann mann oder frau/mann sich die frage vorlegen: bin ich noch mit dem partner zusammen weil ich es selbst so will, da ich ihn ja liebe oder aber weil es die institution der ehe als bis zum tode unauflösbares band so vorschreibt?

ehe und liebe vertragen sich - so gesehen - wie öl und wasser. bestenfalls wird eine emulsion draus, eine mayonaise, und auch die beste mayonaise wird schnell kaputt.
steppenhund - 25. Jun, 18:01

mehr licht

Ich war ja schon einmal knapp daran, mich scheiden zu lassen. Eigentlich war aber die neue Partnerin schuld daran, dass es nicht dazu kam. Sie konnte nicht damit zurechtkommen, dass ich zwar meine Frau verlassen hätte, sonst aber alles getan hätte, um ihr Leben nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Also wurde z.B. das Haus nicht verkauft, die Weihnachtsfeste mit der Familie verbracht und es wurde auf die Lösung gewartet, bei der man sich nach drei Jahren scheiden lassen kann und die Frau hinsichtlich der Pensionsrechte genauso gestellt ist, wie bei einer intakten Ehe.
Irgendwie riss dann die Geduld und die neue Beziehung konnte sich nicht mehr auf Dauerhaftigkeit berufen.
Ich kam dann nach mehreren Jahren wieder mit meiner Frau zusammen. Unser Verhältnis ist heute ein anderes als es vorher war, aber es ist sehr erfreulich. Und es ist wieder eine echte Beziehung geworden mit einigem Gespräch und mehr Nähe. Ich weiß jetzt nicht, was ich damit beweisen will, aber ich denke einmal, dass man in jedem Zeitalter die Liebe erneuern kann.
steppenhund - 25. Jun, 18:05

mehr licht

Ich war ja schon einmal knapp daran, mich scheiden zu lassen. Eigentlich war aber die neue Partnerin schuld daran, dass es nicht dazu kam. Sie konnte nicht damit zurechtkommen, dass ich zwar meine Frau verlassen hätte, sonst aber alles getan hätte, um ihr Leben nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Also wurde z.B. das Haus nicht verkauft, die Weihnachtsfeste mit der Familie verbracht und es wurde auf die Lösung gewartet, bei der man sich nach drei Jahren scheiden lassen kann und die Frau hinsichtlich der Pensionsrechte genauso gestellt ist, wie bei einer intakten Ehe.
Irgendwie riss dann die Geduld und die neue Beziehung konnte sich nicht mehr auf Dauerhaftigkeit berufen.
Ich kam dann nach mehreren Jahren wieder mit meiner Frau zusammen. Unser Verhältnis ist heute ein anderes als es vorher war, aber es ist sehr erfreulich. Und es ist wieder eine echte Beziehung geworden mit einigem Gespräch und mehr Nähe. Ich weiß jetzt nicht, was ich damit beweisen will, aber ich denke einmal, dass man in jedem Zeitalter die Liebe erneuern kann.
walküre - 25. Jun, 19:01

Eine Liebesbeziehung

ist kein Perpetuum mobile, sondern etwas, woran beide Partner arbeiten müssen, und zwar nicht im Sinne einer Strafkolonie, sondern in der Art, dass man die guten Zeiten gerne miteinander teilt und in den schlechten den Partner nicht im Stich lässt, sondern schaut, wie man gemeinsam die Situation verbessern kann. Bei der ersten Schwierigkeit alles hinzuschmeißen, ist keine Lösung, und dem Trugbild der Medien auf den Leim zu gehen, erst recht keine. "Partnerschaft" muss jeder für sich definieren, und wenn sich dann jemand findet, in den man sich verliebt und dessen Vorstellung ähnlich gelagert ist, schauts schon mal gut aus.

Liebe ist kein statisches Gefühl, es wandelt und verändert sich, was aber keinesfalls bedeutet, dass es an Qualität verliert. Und zum Thema "Ehe" habe ich noch zu sagen, dass sie für zwei Menschen, die eine lockere Verbindung eingehen (getrennte Wohnungen, keine Kinder, finanziell voneinander unabhängig), sicher nicht notwendig ist, wenn es aber darum geht, gemeinsam Besitz zu schaffen und eine Familie zu gründen, gewinnt sie sehr wohl an Bedeutung. Der gesetzliche Rahmen verleiht einer gesetzlich legitimierten Beziehung nun einmal eine rechtliche Sicherheit, die viele Unbilden (bis vor nicht allzulanger Zeit war es zum Beispiel nur Eheleuten möglich, gemeinsam eine Eigentumswohnung zu erwerben) ersparen kann. Warum ist es beispielsweise vielen Homosexuellen so wichtig, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Beziehung rechtlich zu legalisieren ?

PS: Dieser Kommentar bezieht sich nicht auf den vorigen Kommentar vom Steppenhund, sondern auf die davor.
piri (anonym) - 25. Jun, 20:59

"Kann es mit Liebenden auf die Dauer gut gehen, wenn der eine Partner als Scheidungskind groß geworden ist und der andere Partner in einer behüteten Familie aufgewachsen ist."

Ja. Es kann gut gehen. Es kommt drauf an, was sie mit auftauchenden Schwierigkeiten machen.
Obwohl die Art des elterlichen, familiären oder scheidungsmäßigen Beziehungslebens prägend wirkt, denke ich, es kommt weniger drauf an, mit welchen Erfahrungen ausgestattet sie in die Beziehung gehen, sondern was sie dann draus machen.
Bewerten sie die auftretenden Störungen als belastend, oder erkennen und nutzen sie sie als Chance, voneinander zu lernen und in der Persönlichkeit zu wachsen.

Ich meine, eine Beziehung kann lange dauern und gutgehen, wenn beide eine Balance zwischen den Gegensätzen finden: Zwischen Nähebedürfnis und Distanzbedürfnis, Freiheitsgefühl und Bindungsgefühl, Romantikempfinden und Realtiätsempfinden, zwischen Alleinsein und Zweisamkeit, Beständigkeitsbedürfnissen und Veränderungsbedürfnissen, Ressonanzen und Dissonanzen.

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