7) Welche Musik hört man zu welchen Gelegenheiten?

Es ist anzunehmen, dass ich oft Musik höre. Bei der Arbeit eigentlich nie. Berieselungen mag ich nicht. Den Fernseher lasse ich manchmal im Nebenzimmer laufen. Es ist eine bestimmte Art der Sprache, die mich nicht ablenkt sondern nur meine Ohren beschäftigt und von Geräuschen ablenkt, über die ich sonst wirklich nachdenken würde.
Ein Beispiel gebe ich für das Musik Hören:

Kochen: lange Zeit habe ich fast immer Bruckners 4. Symphonie dazu gehört. (Eine CD in der Küchenanlage)
Seit ca. einem Monat wurde die CD auf Franz Schmidt, Klavierkonzert gewechselt. Ich habe aber seither nur 2 mal wirklich gekocht.

Und ihr?

P.S. den 50.000sten Besucher oder Besucherin habe ich nachgesehen. Ein Zufalls-Klick aus Hamburg. Ein Leser eines Blogs sieht in den Abonnements nach.
Naja, sonst hätte er vielleicht Schokolade bekommen:)
david ramirer - 20. Jun, 11:32

ich habe beim musikhören so "phasen",

das bedeutet, dass ich eine CD einlege und immer dann, wenn ich daheim was tue (geschirr abwaschen, kochen, internet surfen, lesen) die CD laufen lasse. derzeit läuft oft ennio morricone, oder eine renaissance-CD von ECM. ich bin selbst oft verwundert, wie lange ich so eine CD drin habe, bis sie mir genug ist. eine zeit lang war das johnny cash mit dem konzert in san quentin.

beim künstlerischen arbeiten (zeichnen, malen, bilder bearbeiten) wähle ich ein wenig gezielter aus. ich habe gerne bach im hintergrund beim arbeiten, oder phillip glass...

wenn ich längere zeit daheim bin und relaxe, und lustig drauf bin, dann lass ich den iPod aus 28 tagen musiksammlung diversester art zufällig auswählen, was gespielt wird, da sind sogar hörbücher dabei.

radio oder fernseher kann ich im hintergrund überhaupt nicht aushalten. das gerede und die werbeunterbrechungen machen mich wahnsinnig und ich will flüchten!

rosmarin - 20. Jun, 23:35

dito
steppenhund - 21. Jun, 09:40

Also das mit den Phasen trifft bei mir auch zu. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich - speziell in der Klassik - bei jedem wiederholten Hören mehr heraushole. Es fallen mir Details auf, thematische Verbindungen von einem Satz der Symphonie, die in einem anderen wieder aufscheinen.
Es ist wie ein Puzzlespiel, bei dem man der schöpferischen Phase beim Komponieren auf die Spur kommt.
Das setzt allerdings voraus, dass man sich auch mit schwerer oder moderner Musik auseinandersetzt, die vielleicht beim ersten Zuhören noch nicht so viel hergibt.
Der Unterschied ist wahrscheinlich wie zwischen fast food und einem Gourmet-Dinner.
david ramirer - 21. Jun, 09:53

bei klassik (wobei ich ja vor allem in bach und schubert vernarrt bin) geht es mir ebenso wie dir, so oft kann gute klassik gar nicht angehört werden, dass nicht immer noch etwas neues herausklappt aus der tiefe der ebenen. manchmal komme ich sogar auf solche sachen drauf, wenn ich die musik "nebenher" höre...

interessanterweise gelingt mir das aber auch bei moderner musik, sogar bisweilen bei guter rockmusik (betonung auf "guter").
steppenhund - 21. Jun, 10:10

Ich denke, es gelingt bei jeder "guten" Musik:)
PeZwo - 20. Jun, 11:42

ich habe beim intensiven Programmieren die Gewohnheit, dass ich mich am besten konzentrieren kann wenn ich sehr laut Rock-Musik höre, die mir sehr gut gefällt (vorzugsweise U2). Klingt nicht logisch, ist aber dennoch so (schon oft getestet)

steppenhund - 21. Jun, 09:41

Das könnte ich nicht, obwohl ich das gleiche Verhalten bei manchen unserer Programmierer beobachte. Und ich kann mir den Effekt durchaus vorstellen. Manchmal hat man ja auch beim Programmieren das Gefühl, das es so richtig "flutscht".
Mich würde die Rockmusik dabei stören, mich selbst zu verstehen. Ich rede nämlich ziemlich intensiv mit mir selbst, wenn ich programmiere.
Das ist meine Form des Pair Programming.
books and more - 20. Jun, 12:11

Berieselungen und jede Art von echtem Multitasking (also wirklich gleichzeitig) sind mir zunehmend ein Graus. Dem entspricht, dass ich dann, wenn ich höre, ein Stück sehr oft höre. Dem entspricht, dass mir Stücke gefallen, die in sich selbst Elemente wiederholen oder variieren, z.B. Bach-Fugen. Oder Loungig-Flowiges, 'Tranciges'.

Bei welchen Gelegenheiten höre ich? Beim Autofahren, beim Bloggen (Youtube). Beim Kochen ist auch nicht schlecht, aber das empfinde ich dann oft schon wieder als Berieselung und konzentriere mich lieber. Beim Sport Aufpulverndes, z.B. die Stones!

Jazz verschiedener Art - ach, überhaupt ganz Verschiedenes!

steppenhund - 21. Jun, 09:45

Autofahren und Musikhören würde ich durchaus als Multitasking sehen. Als ich 1983, 1984 sehr häufig in die DDR mit dem Auto fahren musste, gab es drei Bänder, die ich mir ununterbrochen anhörte, d.h. also ein Band für eine Strecke (ca. 9h) immer wieder.
Die Bänder waren:
Keith Jarett, Concert at Cologne
Glenn Gould, Goldberg-Variationen
Dave Brubeck, verschiedenste Stücke inkl. Take Five, aber alle in einer ungeraden Taktart.
books and more - 21. Jun, 17:17

Autofahren und Musikhören (ebenso CDs mit Texten) sind Multitasking, da haben Sie recht! Und ich korrigiere mich: Mindestens beim Autofahren mag ich das manchmal doch. Manchmal fährt man sogar beschwingter, dreht als Lenker ein eleganteres, souveräneres Rad!
Die Auswahl der Stücke könnte auch von mir sein :-)
steppenhund - 21. Jun, 19:10

Ich habe noch etwas Viertes vergessen. The Wall von Pink Floyd konnte ich ebenfalls ununterbrochen hören.
walküre - 20. Jun, 19:04

Nebenher

höre ich Musik überhaupt nicht, denn ich finde, dass das weder Komponisten noch Musiker verdient haben. Bestenfalls ab und zu beim Lesen und Schreiben (Briefe, Bloggen usw.) und ansonsten sehr bewusst und auf die Musik konzentriert. WAS ich höre, hängt wiederum völlig von meiner jeweiligen Stimmung ab. Es gibt Tage, da ist mir Eric Satie am liebsten, ein andermal brauche ich Rossini-Ouvertüren, um mich selber wieder zu spüren. Jenseits der Klassik findet sich vom Swing bis heute fast jede Richtung außer Hardrock und Punk mit deren Untergruppen.

PS: Mit Bruckner habe ich bis heute meine Probleme. Möglicherweise erschließt er sich mir in späteren Jahren, aber mir scheint er (und somit seine Musik) irgendwie zu lebensfremd und bigott. Das ist allerdings meine subjektive Meinung, nicht mehr.

steppenhund - 21. Jun, 09:50

Bei Satie gibt es bei mir ein lustiges Phänomen. Ich lege in mir nicht selbst auf, doch jedesmal, wenn ich ihn höre, werde ich in die Musik hineingezogen. (Was meiner Meinung nach etwas zuviel ist, denn ich glaube nicht, dass das die Absicht des Komponisten war.)
Rossini-Ouvertüren sind "die perfekte Berieselung" einer besonderen Art - nämlich Tischmusik. Sie passen zu jedem Gericht und agieren so etwas wie als Genussverstärker. Eine Zeitlang hatte ich auf meiner Homepage eine Zusammenstellung von Gerichten und Musik, welche man dazu hören sollte.
Punk mag ich schon, allerdings muss es Hardcore-Punk sein, je härter desto besser. Da hat man mich auch mit 50 noch manchmal in der Szene oder in der Arena gesehen.
Was Du über Bruckner sagst, gibt Anlass, dieses Thema einmal separat zu verfolgen. Bigotterie würde ich heute Bruckner nicht mehr vorwerfen, kann aber diese Meinung gut verstehen.
Lebensfremd ist ein merkwürdiger Ausdruck in Zusammenhang mit Musik.
Das bedarf weiterer Erläuterung:)
walküre - 22. Jun, 13:28

Mit

"lebensfremd" meine ich die (von mir vermutete) innere Haltung des Komponisten Bruckner. Er erinnert mich an jene Bilder von Heiligen, die mit gefalteten Händen zum Himmel blicken, auch wenn im schlimmsten Fall rundherum die Welt untergeht. Musik muss für mich auch Lachen und Weinen, Freude und Trauer, Liebe, Leid, Sehnsucht, Erfüllung und alles, was das Leben sonst noch mit sich bringt, beinhalten.
steppenhund - 22. Jun, 13:35

Nun da hätte ich schon ein Gegenbeispiel. Höre dir doch einmal genau den langsamen Satz von der 8. Bruckner an. Da wirst Du gegen Schluss eine Stelle entdecken, die sich vollkommen anders anhört. Es ist die Stelle, an der Bruckner gerade sass, als er vom Tod Richard Wagners erfuhr.
Bruckner hatte mit einigen riesigen Enttäuschungen zu kämpfen, die z.T. daher rührten, dass man den Herrn meinte aber den Hund schlug. Bruckner wurde von Hanslick als Gegenpol zu Brahms instrumentalisiert und hatt daher mit Zurücksetzungen fertig zu werden.
Das Schlimmste, was man über Bruckner behaupten kann, ist, dass er nur eine Symphonie geschrieben hat, die aber dafür neun Mal. Da würde ich allerdings heute dagegenhalten, dass niemand eine Symphonie aushalten würde, die neun Stunden dauerte. Daher ist selbst, wenn man dem Argument folgte, die Aufteilung in neun Segmente legitim;)

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Mangels an kontemporären Einfällen nehme ich mit den nächsten Beiträgen Anleihen aus einer Veröffentlichung, für die ich vor 40 Jahren mitverantwortlich gewesen bin.

Nicht ganz so weit zurück liegen diese Bilder, die zwischen meinem 30sten und 40sten Lebensjahr fotografiert wurden.

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