Vatertag
Weder Muttertag noch Vatertag wird bei uns gefeiert. Aber eine Anspielung darauf machte mich auf eine Eigentümlichkeit meiner Denktätigkeit aufmerksam.
Von Wilhelm Busch gibt es den Reim:
Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Das sollte man doch so verstehen können, wie es gemeint ist. Ich weiß nicht, wann es genau war, als ich den Spruch zum ersten Mal gelesen habe. Vielleicht 12 oder 14.
Ich habe ihn definitiv missverstanden. Erst mit vierzig Jahren wurde mir bewusst, dass der Satz ganz klar und geradlinig ist.
Was habe ich verstanden?
Vater werden ist nicht schwer.
Vater ist sehr dagegen.
Ich hatte das "sein" so interpretiert, als würde man mit einem Ausländer sprechen, der nicht weiß, dass "ist" die dritte Form von "sein" ist.
Im Zuge der damaligen Moral, die "passierte" Kinder in vielerlei Dramen und Romanen verarbeitete, war ich immer davon ausgegangen, dass Busch die Szene meinte, wo der künftige Vater von seinem Nachwuchs erfahren hatte. Überraschung, Schock und Ablehnung. Das steckte in den zwei Busch-Zeilen für mich drinnen.
Eben erst viel später erkannte ich, dass man den sprachlichen Umweg gar nicht benötigt. Auch so hat der Satz seine Richtigkeit.
Von Wilhelm Busch gibt es den Reim:
Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Das sollte man doch so verstehen können, wie es gemeint ist. Ich weiß nicht, wann es genau war, als ich den Spruch zum ersten Mal gelesen habe. Vielleicht 12 oder 14.
Ich habe ihn definitiv missverstanden. Erst mit vierzig Jahren wurde mir bewusst, dass der Satz ganz klar und geradlinig ist.
Was habe ich verstanden?
Vater werden ist nicht schwer.
Vater ist sehr dagegen.
Ich hatte das "sein" so interpretiert, als würde man mit einem Ausländer sprechen, der nicht weiß, dass "ist" die dritte Form von "sein" ist.
Im Zuge der damaligen Moral, die "passierte" Kinder in vielerlei Dramen und Romanen verarbeitete, war ich immer davon ausgegangen, dass Busch die Szene meinte, wo der künftige Vater von seinem Nachwuchs erfahren hatte. Überraschung, Schock und Ablehnung. Das steckte in den zwei Busch-Zeilen für mich drinnen.
Eben erst viel später erkannte ich, dass man den sprachlichen Umweg gar nicht benötigt. Auch so hat der Satz seine Richtigkeit.
steppenhund - 8. Jun, 11:30



Wenngleich
Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
Weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
Daß er gar nicht abgeneigt;
Nur will er mit seinen Sünden
Keinen guten Zweck verbinden,
Sondern, wenn die Kosten kommen,
Fühlet er sich angstbeklommen.
Dieserhalb besonders scheut
Er die fromme Geistlichkeit,
Denn ihm sagt ein stilles Grauen:
Das sind Leute, welche trauen. -
So ein böser Mensch verbleibt
Lieber gänzlich unbeweibt. -
Ohne einen hochgeschätzten
Tugendsamen Vorgesetzten
Irrt er in der Welt umher,
Hat kein reines Hemde mehr,
Wird am Ende krumm und faltig,
Grimmig, greulich, ungestaltig,
Bis ihn dann bei Nacht und Tag
Gar kein Mädchen leiden mag.
Onkel heißt er günstgen Falles,
Aber dieses ist auch alles. -
Oh, wie anders ist der Gute!
Er erlegt mit frischem Mute
Die gesetzlichen Gebühren,
Läßt sich redlich kopulieren,
Tut im stillen hocherfreut
Das, was seine Schuldigkeit,
Steht dann eines Morgens da
Als ein Vater und Papa
Und ist froh aus Herzensgrund,
Daß er dies so gut gekunnt.
(Wilhelm Busch - Tobias Knopp, II.Teil, entstanden ca. 1877)