Historie (3)
Jetzt war ich tatsächlich zweimal dort. Beim Franz Schmidt. Und bei den Symphonikern, bei Luisi und bei einem gewissen Grante, den ich bis dahin nicht kannte.
Grante hat mich überzeugt. Einen wunderbar einfühlsamen 2. Satz hat er da hingelegt. Dass Fabio Luisi "seine" Wiener Symphoniker im Zaum halten kann, ist ja bekannt. Womit er mich begeistert, ist die Transparenz, welche er auch im größten Orchesterfortissimo erreichen kann. Ich habe das Gefühl, dass die Symphoniker das auch zu schätzen wissen, was er bewerkstelligt hat.
Bleiben jetzt eigentlich noch die zwei Werke des Abends, bzw. der Abende übrig. Das Klavierkonzert wird zwar ganz selten aufgeführt, irgendwann musste ich mir aber eine CD gekauft haben. Bei den ersten Takten merkte ich, dass ich dieses Stück ja durchgehend kenne. Die Themen sind alle zum Mitsingen, naja vielleicht das Hauptthema gerade nicht. Die Live-Performance hat noch mehr aus dem Werk für mich herausgebracht. Einfach eine Freude.
Nach der Pause gab es die "große" Schubert-Symphonie in C-Dur. Die ist zum Problemwerk für mich geworden. Meine Freunde wissen, dass Schubert mein Lieblingskomponist ist. Tatsächlich war ich einmal so versessen auf diese Symphonie, dass ich sie nicht nur wie viele andere auch mit meinem Vater vierhändig gespielt habe, sondern mir eine Schallplatte, die wir in den Sechzigerjahren davon hatten vielleicht hundertmal vorgespielt habe. Irgendwann hatte ich mich überhört. So wie ich 25 Jahre nach einem Whiskey-Rausch Whiskey nicht einmal riechen konnte, ging es mir mit der C-Dur-Schubert. Das einzige Werk für das dies gilt, wenn man einmal von "Elise" von Beethoven absieht.
Das Dirigat von Fabio Luisi hat sie mir erträglich gemacht. Einige werden vielleicht sagen, dass er sie viel zu schnell aufführt. Eigentlich kommen mir alle Sätze sehr schnell vor, aber der letzte Satz ist ein echter Höllenritt.
Aber was soll's? Für mich flackerte wieder ein kleines Flämmchen auf. In manchen Stellen konnte ich mich an meine ehemalige Begeisterung zurück erinnern. Heute beim zweiten Anhören konnte ich noch mehr Gefallen daran finden.
Vielleicht ist es nur das Tempo. Aber mir kommt es vor, dass Luisi eine unheimliche Frische, oder sollte man sagen einen "drive", in diesen Schubert hineinpackt. Wie gesagt, das ist eine sehr subjektive Bewertung, die überhaupt nichts über die eigentliche Qualität aussagt. Aber für mich hatte diese sehr lange Symphonie, die mit allen Wiederholungen gespielt wurde, den Geschmack des Musizierens. Ich möchte sagen, die Sau wurde rausgelassen. Das tut den Symphonikern aber Unrecht. Sie haben das wunderbar ohne Genauigkeitsverlust gemeistert. Ich bin schon gespannt, was die Kritik sagen wird.
Dass ich heute in den Genuss der Sitznachbarschaft mit einem Mitglied der Bloggergemeinde gekommen bin, hat den Abend mit zusätzlicher Freude erfüllt.
Grante hat mich überzeugt. Einen wunderbar einfühlsamen 2. Satz hat er da hingelegt. Dass Fabio Luisi "seine" Wiener Symphoniker im Zaum halten kann, ist ja bekannt. Womit er mich begeistert, ist die Transparenz, welche er auch im größten Orchesterfortissimo erreichen kann. Ich habe das Gefühl, dass die Symphoniker das auch zu schätzen wissen, was er bewerkstelligt hat.
Bleiben jetzt eigentlich noch die zwei Werke des Abends, bzw. der Abende übrig. Das Klavierkonzert wird zwar ganz selten aufgeführt, irgendwann musste ich mir aber eine CD gekauft haben. Bei den ersten Takten merkte ich, dass ich dieses Stück ja durchgehend kenne. Die Themen sind alle zum Mitsingen, naja vielleicht das Hauptthema gerade nicht. Die Live-Performance hat noch mehr aus dem Werk für mich herausgebracht. Einfach eine Freude.
Nach der Pause gab es die "große" Schubert-Symphonie in C-Dur. Die ist zum Problemwerk für mich geworden. Meine Freunde wissen, dass Schubert mein Lieblingskomponist ist. Tatsächlich war ich einmal so versessen auf diese Symphonie, dass ich sie nicht nur wie viele andere auch mit meinem Vater vierhändig gespielt habe, sondern mir eine Schallplatte, die wir in den Sechzigerjahren davon hatten vielleicht hundertmal vorgespielt habe. Irgendwann hatte ich mich überhört. So wie ich 25 Jahre nach einem Whiskey-Rausch Whiskey nicht einmal riechen konnte, ging es mir mit der C-Dur-Schubert. Das einzige Werk für das dies gilt, wenn man einmal von "Elise" von Beethoven absieht.
Das Dirigat von Fabio Luisi hat sie mir erträglich gemacht. Einige werden vielleicht sagen, dass er sie viel zu schnell aufführt. Eigentlich kommen mir alle Sätze sehr schnell vor, aber der letzte Satz ist ein echter Höllenritt.
Aber was soll's? Für mich flackerte wieder ein kleines Flämmchen auf. In manchen Stellen konnte ich mich an meine ehemalige Begeisterung zurück erinnern. Heute beim zweiten Anhören konnte ich noch mehr Gefallen daran finden.
Vielleicht ist es nur das Tempo. Aber mir kommt es vor, dass Luisi eine unheimliche Frische, oder sollte man sagen einen "drive", in diesen Schubert hineinpackt. Wie gesagt, das ist eine sehr subjektive Bewertung, die überhaupt nichts über die eigentliche Qualität aussagt. Aber für mich hatte diese sehr lange Symphonie, die mit allen Wiederholungen gespielt wurde, den Geschmack des Musizierens. Ich möchte sagen, die Sau wurde rausgelassen. Das tut den Symphonikern aber Unrecht. Sie haben das wunderbar ohne Genauigkeitsverlust gemeistert. Ich bin schon gespannt, was die Kritik sagen wird.
Dass ich heute in den Genuss der Sitznachbarschaft mit einem Mitglied der Bloggergemeinde gekommen bin, hat den Abend mit zusätzlicher Freude erfüllt.
steppenhund - 22. Mai, 21:08



Habe mir heute die CD-Aufnahme von Schmidt/Luisi mal zu Gemüte geführt und im Gegensatz zu den Sinfonien und dem Buch mit 7 Siegeln komme ich an das Klavierkonzert nicht heran, maximal an den 2. Satz, der wirklich eine lyrische Schönheit besitzt. Aber gerade für die linke Hand (Wittgenstein) wurden doch weitaus bessere und spannendere Werke komponiert, wenn ich an Ravel, Britten (Diversions), Korngold (Op.17 - sehr faszinierend!) und Prokowieff erinnere.
Die C-Dur-Sinfonie von Schubert, das habe ich gerade schmerzlich im Konzert selbst feststellen dürfen, als Yakov Kreizberg sie weder verstanden hat noch bewältigte, gehört mit zum Schwierigsten, was das Thema "Konzept" oder "Interpretation" für Dirigenten angeht. Die schnelle Variante (ich habe noch Janowski im Ohr) überzeugt nämlich auch nicht durchweg, die "al fresco"-Variante (Kreizberg) zeugt von Unvollkommenheit und bei manch anderem schaut man auf die Uhr, weil das Dirigat immer langsamer und die Arme immer schwerer werden. Ich muss mal wieder die Wand-Aufnahme hören, ich glaube, das war bisher die subtilste Annäherung an das Werk die ich kenne. Aber ich glaube, eine "ideale" Aufnahme oder eine Konzert habe ich noch nie gehört. Dagegen sträubt sich offenbar das Stück auch selbst. Solch widerborstige Stücke gibt es aber in der Musikliteratur oft. Mahlers 7. ist auch so ein Ding - bevor man den 1. Satz verstanden hat, hat man glaube ich graue Haare...
Der schwierige Komparativ
Spannend trifft hier auf Franz Schmidt auch wirklich nicht zu. Da geht es dann doch eher um die Variatiönchen.
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Was die Schubert-Symphonie angeht, bin ich für deinen Kommentar extrem dankbar. Es ist durchaus denkbar, dass ich sie mir mit einer "schlechten" Einspielung verdorben habe.
Bei Luisi hatte ich schon den Eindruck, dass er das Werk versteht. Bei ihm ist das Tempo ja nicht Gegenstand zur Verkürzung, sondern er bringt ja auch alle Wiederholungen.
Durch das Tempo wirkt die Begleitung in den Violinen wie fieberhaft und überhaupt gewinnt die Symphonie in seiner Interpretation eine gewisse Dramatik, die ich sonst meistens vermisse.
Sie klingt ja auch eigentlich viel lieblicher als sie vermutlich klingen soll.
Jedenfalls hat Luisi die Symphonie wieder mehr in die Richtung "meines" Schuberts gerückt.
Vielleicht ist diese Sinfonie moderner als wir alle denken, wenn wir die hübschen Melodien hören...