viele Freunde verschafft mit diesem Text, Herr Steppenhund! 32 Kommentare bislang! Als Medienschaffende muss ich hier aber doch einmal kurz gegen den Chor der Medienmüden ansingen: Weil ich immer wieder feststelle, dass "Informationen" über solche Geschehnisse gelesen und gekauft werden. Und das ist das einzige, was Medien heute müssen (leider): Den Lesern den Stoff liefern, den sie kaufen. Und der Fall Josef bietet solchen Stoff: Der Mensch interessiert sich nun mal für das Extremverhalten seiner Artgenossen und will sich dabei auch gruseln. Deshalb verkauft sich "The Silence of the Lambs" ja auch. Und der Fall Josef ist noch besser: weil er wirklich ist. Wirklich: Mit dieser Art von Aufregung über die Medien habe ich mich schon so oft auseinandergesetzt, dass ich ihrer allmählich müde werde. Deshalb werde ich jetzt das tun, was ich auch Ihnen empfehle: gute Musik hören, spazierengehen, ein Buch lesen (keinen Krimi).
@frogg: man beachte wirklich das "müssen (leider)". Bedauernswert. Ja, auch reißerische Medien hängen am Tropf, leisten sich keine Lektoren mehr, die Sprache verroht und die "Freien" würden beim Grasharken im Park mehr verdienen als wenn sie eine Theaterinszenierung für die Lokalpresse besprechen. Schlimme Zeiten. Und dann noch so ein Satz: "Den Lesern den Stoff liefern, den sie kaufen." - Das ist allerdings die treffendste Argumentation derjenigen, die die Machtfäden in der Hand halten. Mit demselben Argument werden Klassikradio zum Dudelfunk, wird zeitgenössische Musik bei den Orchestern eingespart. Solch einer Kultur ist entgegenzuwirken. Und zwar erst recht, wenn man wie Sie selbst sagen, Vertreter dieser Berufsgruppe ist. Oder werden Sie mit diesen Widersprüchen, ich sags mal drastischer: Vergewaltigungen der Zielgruppe, glücklich...?
Sorry, wenn ich die altbekannten Diskussionsfäden nochmal anschubse, aber auch ich kanns echt nicht mehr lesen, dieses "ach gott, wir MÜSSEN ja berichten". Nein, müßt ihr nicht.
Das "Begeilen" beklage ich ja auch. Aber hieraus ein "Medien sind Opium fürs Volk" zu konstruieren, ist im Zeitalter der unterschiedlichen Informationsmöglichkeiten zu pauschal. Ich gebe zu, dass ich gestern auch an meinen Lieblingsfernsehsender 3sat gezweifelt habe, der doch glatt zwei "Sondersendungen" gebracht hat. Und @mehrLicht: Natürlich müssen sie nicht berichten - das ist schon klar. Aber es gibt zwischen "nicht berichten" und "berichten" durchaus Differenzierungsmöglichkeiten. Im Moment hat man wohl eher das Gefühl, dass die Berichterstattung eher unterirdisch ist. Ich kann das nicht so recht beurteilen, da ich mir ausser den gewöhnlichen Nachrichtensendungen keine Spezialsendungen in dieser Hinsicht antue. Mich interessiert der Fall an sich viel zu wenig. Mich interessiert eher, wie dies über Jahrzehnte ohne Kenntnis anderer möglich war. Das erfährt man von den "Begeilern" aber im Moment nicht. Kommt aber noch.
Vielleicht siehst Du das zu sehr aus der deutschen Sicht. Wenn ich dir sage, dass wir so etwas wie ein auflagenstärkstes Blatt haben, welches mindestens ein Drittel der Bevölkerung liest, müsstest Du deine Aussage relativieren.
Die Gegenfrage ist: wieviele Menschen können sich ihre Informationsquellen selbst aussuchen? (sowohl technisch begründet als auch durch die Mechanik der Gewohnheit) Wenn das mehr als 10% sind, würde ich mich schon sehr wundern.
Die stelle ich hier nicht mehr aus. Es gibt sehr viele Leser hier, die sie kennen. Der intelligente Leser oder Leserin, der mich wirklich kontaktieren will, wird wissen, wie es zu bewerkstelligen ist;)
Offenbar haben Sie sich doch...
ich weiss gar nicht, ob ich wirklich nur die Medien angreife...
Sorry, wenn ich die altbekannten Diskussionsfäden nochmal anschubse, aber auch ich kanns echt nicht mehr lesen, dieses "ach gott, wir MÜSSEN ja berichten". Nein, müßt ihr nicht.
@steppenhund
Die Gegenfrage ist: wieviele Menschen können sich ihre Informationsquellen selbst aussuchen? (sowohl technisch begründet als auch durch die Mechanik der Gewohnheit) Wenn das mehr als 10% sind, würde ich mich schon sehr wundern.