Computer Fragment

In einem anderen Blog bin ich gemahnt worden, eine Computer-bezogene Frage zu beantworten.
Die Antwort ist alles andere als einfach und kann nur in einem größeren Kontext gesehen werden.
Ich stelle hier einmal die Struktur der Betrachtung vor. Kritische Kommentare sind noch zu früh angebracht. Ich bin dankbar, wenn ergänzende Betrachtungspunkte eingebracht werden.
Die Themenstellung an sich ist:
Die Primitivität der Vorstellung über Computer in der Behandlung der heutigen und vergangenen Science-Fiction in Roman und Film


Technokratie

Für Techniker liegen die Vorteile der Technokratie ziemlich offen auf der Hand:
  • Beachtung von Sachzwängen
  • ausschließlich Fortschritt und Wissenswachstum als Maxime.
Die angeführten Nachteile wie Vernachlässigung von sozialen Bedürfnissen und ein statistisch-technisch orientiertes Menschenbild könnte ich (Techniker) als Gegenargumente wohl anerkennen. Da es aber weder der Kommunismus noch der die heute ins Parteipolitische verkommene Sozialdemokratie schafft, mit den Nachteilen fertig zu werden, bleibt für die Technokratie genauso viel Raison übrig wie für die derzeit bestehenden Systeme.
Ein technokratisches System könnte durchaus den ökologischen Aspekt in wesentlich besser Form berücksichtigen. Die Lösung besteht einfach darin, die Gleichungen für Umwelt mit entsprechender Gewichtung in das allgemeine Weltwirtschaftsmodell einzubringen. Aus der Verkarstung in Mitteleuropa könnten Spätfolgen für die Abholzung des Tropenurwaldes entwickelt werden.
In der Utopie kommen des häufigen Modelle vor, welche die Technokratie einem Maschinensystem überlassen, von dem man sich angesichts der Entwicklung der letzten vierzig Jahre erwartet, dass sich ausreichende Intelligenz heranbildet. Ich lasse die Intelligenz einmal außer Acht und betrachten die Maschinen als Produktionssystem für Politik. Insbesonders behalte mir einmal vor, dass wir als Menschen selbst für Zielsetzung und deren Erreichung zuständig sind. (Dies bezeichne ich als konservativen Ansatz und verwende ihn deswegen, weil ich mir in allen anderen Fällen ein besseres Ergebnis erwarten könnte, wenn ich unseren bisherigen Wissenserwerb in angewandten Politikwissenschaften zu Grunde lege.)
Dies ist nicht die übliche Herangehensweise. In der Science-Fiction wird dem Computer (in der Folge wird Computer stellvertretend für das Maschinensystem verwendet. Damit betrachte ich auch verteilte Systeme oder Anordnungen, die mit anderen Rechentechniken umgehen, - Schlagwart Schwarmintelligenz.) ein mehr oder weniger stark ausgeprägte Fähigkeit zur Reflexion "angehofft".
In der Folge möchten ich ausführen, warum ein derartiger Fortschrittsglaube als zu trivial angelegt erscheint.
Ich gliedere in folgende Punkte:
  1. Ausgangspunkt und Begründung für diese Darstellung
  2. derzeitiger Stand von Computer-Intelligenz
  3. Zielsetzung
  4. Modellbildung und die beschränkten Fähigkeiten des Menschen dazu
  5. Zusammenführung von 1 bis 3, um nachzuweisen, dass die heutigen
    in der Literatur vorgefunden Ansätze trivial scheitern. (Um nicht das Wort primitiv anwenden zu müssen.)

1. Ausgangspunkt

Als Ausgangspunkt ein in einem Blog (ANH) vorgefundener Diskurs über Science-Fiction, angeführte Beispiele und der Vorwurf einer naiven Fortschrittsgläubigkeit angegeben werden. Man hat mir ferner vorgeworfen, dass ich einer früheren Science-Fiction nicht ausreichende Achtung entgegenbringe oder die kreative Leistung der Autoren nicht ausreichend schätzen würde.
Ich habe schon sehr lange keinen Jules Verne mehr gelesen, doch nach meiner Erinnerung ist alles mehr oder weniger realisiert, was er als technische, damals unvorstellbare Entwicklungen beschrieben hat. Ähnliches trifft für andere Autoren zu. Von drei Themen, die in der Science-Fiction allgemein behandelt werden, (ich schließe hier die Gattung Satire, wie sie früher in kommunistischen Ländern entstanden ist, aus)sind Zeitreise und "Beamen" (mit allen organischen durch Mutation entstandenen Formen wie Telekinese und Teleportation) für mich unrealistisch. Das dritte Thema, Begegnung mit anderen Intelligenzen, halte ich für realistisch, aber für unwahrscheinlich. (nicht die Existenz der anderen sondern die Begegnung mit ihnen) Das ist meine persönliche Einschätzung, auf der ich nicht um jeden Preis beharrte, sollten sich neue Erkenntnisse ergeben. Bestimmte Phänomene in der Quantenphysik lassen ja eine negative Zeit als Darstellungsmöglichkeit zu. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie weit Beschreibungsmodell hier mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen ist.
In der laufenden Science-Fiction gehen Blockbuster wie Terminator (1-n) oder Matrix (1-n) davon aus, dass es intelligente, selbst-reflektierende Maschinen, die aus unseren derzeitigen Computern hervorgegangen sind, gibt. Diese besitzen ein spezielles, sich autonom entwickelt habendes Bewusstsein und haben eine technokratische Herrschaft an sich gerissen. Die wiederum ist mit den schlimmsten Konsequenzen der Fehler ausgestattet, die man der Technokratie - siehe oben - zuschreibt.
Derartige Darstellungen erinnern mich immer an einen Cartoon, welcher den Projektplan eines sehr schwierigen Projekts darstellt. Eine Unzahl von kleinen Kästchen ist netzplanmäßig verknüpft. Kurz von dem Ende gibt es ein größeres, weißes Kästchen, dessen Aktivität folgendermaßen beschrieben ist: "Hier passiert ein kleines Wunder." Die angesprochenen Filme inkludieren jeweils dieses Kästchen, vermissen aber den Hinweis auf eine Computer-Theologie, die irgendwo einen göttlichen, bewusstseinsspendenden Odem impliziert. Nichtsdestoweniger wird impliziert, dass sich die technokratischen Systeme aus der Technik der heutigen Zeit entwickelt haben.
Hier fängt nun meine Widerlegung mit dem Stand derzeitiger Computerintelligenz an.
2. Computerintelligenz

Unterpunkte
  • wachsende Komplexität (Geschichte, Gegenwart, Zukunft, schwer vorstellbare Zukunft)
  • physikalische Begrenzungen (Kanalbreiten, große Zahlen, die Terabyte-Festplatte)
  • mögliche qualitative Änderungen (Quantenrechner, biologische Rechner, Rückgriff auf Analogrechner der 70er-Jahre)
  • Lösung des P/PN-Problem - Hypothese: ohne P/PN-Lösung kein qualitativer Fortschritt in der AI möglich
  • Forschungsstand künstliche Intelligenz
  • Strategien (brute force, Zeithorizont)
  • * Die Selbsterhaltung der Maschine
  • * Notwendigkeit zum Networken von Maschinen
  • * Übernahme der Produktionsstätten
  • ___
    * Diese Punkte beziehen sich auf den "holzsammelnden" Computer.
3. Zielsetzung für große Computer
  • Einzelziele, strategische Richtlinien
  • Das Ethikproblem allgemein
  • Unmöglichkeit der Verwendung des Kant'schen Imperativ
  • Gruppen-Ethiken
  • Modellierung von modernen Ethiken
  • Anthropozentrik der bekannten Ethiken
  • Die Einbeziehung des Ökosystems
  • Bewertungsprobleme, wann darf was passieren?
  • Zyklische Rückführung auf die Zielfrage
  • Endlosschleife
4. Wie setze ich die Vorstellungen des Menschen in formale Beschreibungen um?
  • Wie ist man in der Vergangenheit damit umgegangen
  • Terminale Modelle
  • Generative Modelle
  • Metamodellierung im allgemeinen
  • Zusammenführung der Metamodellierung mit der Zielfrage aus (3)
  • Charakterisierung der Menschen, welche mit der Problematik betraut sind
    • Wissenschaftler
    • Militärs
    • Politiker
    • Open Source
    • Grenzgänger
  • finanzieller Hintergrund allgemein
  • militärischer Hintergrund
    • C. Hoare
    • Parnas (SDI)
  • die Zwischenvermarktung für rein militärische Zwecke
    • Das Prototypenproblem
    • falsche Vereinfachung
5. Zusammenführung
Ist es notwendig, eine Begründung anzugeben, warum heutige Science-Fiction-Computer-Modelle nicht greifen können?
  • Sortierung und Gewichtung der obenstehenden Fragen
  • Was muss mindestens betrachtet werden?
  • Was wird heute vernachlässigt?
  • Ausblick
Wenn dies alles ausgeführt werden kann, bin ich überzeugt, dass es auch eine entsprechende Entwicklung in der Anwendung von Computern - ähnlich wie bei der Entwicklung der Dampfmaschine oder des Kraftfahrzeugs - geben kann.
Doch heute stehen wir buchstäblich noch in der Steinzeit, wobei die stärkste Beschränkung in unseren eigenen Gehirnen, unser fehlenden Moral und unserem mangelhaft ausgeprägten Vorstellungsvermögen beruht.

(c) 2008 Steppenhund
PeZwo - 6. Apr, 18:02

Das klingt fast wie ein Grobkonzept für eine Doktorarbeit.

Ich habe kurz überlegt, ob mir Ergänzungen dazu einfallen, aber ich muss gestehen, dass mir als ausgesprochenen Praktiker diese Thematik zu theoretisch ist.

steppenhund - 7. Apr, 09:13

6 Bände

klassische Computerliteratur könnten das werden, wenn die Themen ordentlich behandelt würden.
Das bedeutet ungefähr 12 Jahre Arbeit.
Also das habe ich nicht vor. Da schreibe ich lieber 1 oder 2 in meinem eigenen Gebiet.
Hier möchte ich die Themen jeweils bis zu dem Grad anreißen, dass auch ein Laie erkennen kann, was für überraschende Fragestellungen auftauchen können.
Für die Holzsammelgeschichte hatte ich schon einmal den Outline eines Romans. Der würde sich heute viel selbstverständlicher lesen als damals. Fast alle technischen Einzelheiten sind heute bereits realisierbar.
PeZwo - 7. Apr, 09:23

Holzsammelgeschichte? Das sagt mir jetzt nichts.
steppenhund - 7. Apr, 10:04

Das sind die drei Themenbereiche mit Stern.
Wenn der Computer sich selbst zu reproduzieren und erhalten lernt.
la-mamma - 6. Apr, 23:15

vielleicht schreiben ja heute auch

die falschen leute science-fiction?
in den letzten derartigen romanen (inklusive jugendliteratur) die ich gelesen habe, wurde das thema elegant umgangen.
in den "schattenkindern" sagt ein aufgewecktes kind zu einem andern dass die überwachungsmaßnahmen alle überschätzt werden, "glaubst du wirklich, dass sie das alles überhaupt theoretisch tun könnten?".
im "tag des opritschnik" ist die zukunft - und zwar eine recht nahe - eher vom teilweisen rückfall in die zeit iwans des schrecklichen geprägt. fast die einzigen "technischen" neuerungen sind im genitalbereich ... (falls das jetzt komisch klingt - das buch finde ich sehr lesenswert.)
und ein drittes fällt mir noch ein - wo nur mehr (angeblich) mit "kopf oder zahl" - würfen entschieden wird. das reicht irgendwie ja auch.
und im (meiner meinung nach ein wenig mühsamen aber von der idee her ganz interessanten) "der schwarm" gibt es zumindest einen radikal nicht-anthropozentrischen ansatz.
so mehr "ergänzung" fällt mir auf die schnelle nicht ein.

steppenhund - 7. Apr, 08:51

Sorokin würde ich zu den Autoren zählen, die sich mit Satire beschäftigen. (Wie erwähnt in der Aufstellung)
Bücher wie von Haddix habe ich einige gelesen. Ich müßte jetzt nachsehen, aber da gibt es einen wunderschönen Roman, wo behinderte Kinder in einem Reservat gehalten werden, wo innerhalb des Reservats eine soziale Utopie stattfindet. Die Außenwelt ist weniger freundlich...
Ich habe ja absolut nichts dagegen, wenn der Computer aus Utopien oder Dystopien ausgeklammert wird. Das halte ich für weitaus vernünftiger als eine Materie, die doch sehr komplex ist, einfach streifend erwähnen zu wollen.
Was ich belächle sind Primitivvorstellungen. Und da betrifft das nicht die Autoren, die vor 1990 geschrieben haben, sondern die heutigen - und vor allem die Filmehersteller.
Ein Autor, den ich sehr schätze, ist Philip K. Dick. Der hat manchmal das Thema gestreift. Allerdings sind die Roboter in "Träumen Roboter von elektrischen Schafen" mehr an Isaac Asimov angelehnt als an die heutige Kybernetik. Für seine Zeit aber war er prophetisch.
Eine gewisse Arroganz überfällt mich, wenn ich dann die filmischen Umsetzung Blade Runner oder I, Robot ansehe. (Keine Frage, ich mag beide Filme) Doch irgendwie kommt es mir vor, dass die Regisseure sich überhaupt nicht in die Thematik hineindenken.
Jeder Film ist wieder nur eine Action-Story, die pseudoverzukunftet wird.
walhalladada - 7. Apr, 19:55

'Holzsammelnde Computer' - dass ich nicht lache...
Die gibts doch gar nicht!

steppenhund - 8. Apr, 00:48

Noch nicht!
ifone (anonym) - 8. Apr, 17:54

Steppenhund

Ich habe da noch einen Input, was den holzsammelnden Computer betrifft, den ich ihnen nicht gesagt habe. Eine sehr wichtige Implikation. Wenn ich Ihnen die sagen würde, dann müssten Sie richtig wissenschaftlich arbeiten und womöglich doch noch mal ans MIT.

also mich würde wirklich mal interessieren, ob das schon mal irgendwo in der Form überlegt wurde - also das mit dem holzsammelnden computer. Ich kann mir auch vorstellen, dass es gemacht wurde, und man den dann womöglich gleich wieder abgeschaltet hat, oder?

Köppnick - 8. Apr, 19:44

Ein Buch, das dich sicher interessieren wird, ist: Bernd Vowinkel - Maschinen mit Bewusstsein. Ich habe es schon gelesen und werde in den nächsten Tagen etwas darüber schreiben. Hier nur zwei kurze Anmerkungen zu deinen Überlegungen:

Wohin uns die technische Entwicklung führen wird, vermögen weder Optimisten noch Pessimisten zu sagen, weil es im Wesen quantitativer Steigerungen liegt, zu einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt qualitative Sprünge zu ermöglichen (Emergenz), ganz abgesehen von den immer möglichen neuartigen Entdeckungen, die der Geschichte einen völlig neuen Verlauf geben.

Am Kant'schen Imperativ hatte ich schon immer zu kritisieren, dass er auf Einzelpersonen bezogen ist. Steigert sich diese Person in einen Wahn hinein (oder glaubt die Mehrheit das), dann kann diese einzelne Person für sich mit gutem Recht moralisch gutes Handeln reklamieren. Zum Beispiel Terroristen. Und der zweite Einwand gegen den Kant'schen Imperativ: Er setzt zwingend die Existenz eines freien Willens voraus. Die aktuellen Neurowissenschaften schaffen diesen gerade ab.

steppenhund - 9. Apr, 15:47

Danke für den interessanten Hinweis.
Es ist das Unvorhersehbare, das so schwer zu behandeln ist;)

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