Karajan oder Bernstein?
In meiner Jugend wurden mir die beiden als Konkurrenten präsentiert. Ich konnte Gespräche der Erwachsenen belauschen, in dem sie die Vorzüge des einen oder des anderen hervorhoben. Ähnlich dumm wie die Frage nach dem Lieblingskomponisten oder noch dümmer wie die Frage, welchen Opa man denn lieber habe, schien es notwendig zu sein, Stellung zu beziehen.
Schon aus rein nationalistischen Gründen gewann Herbert von Karajan. Er gehörte uns, nicht den Amerikanern. Ich hatte auch den Eindruck, dass er die ernstere Musik produzierte, dass er nicht so viel Show aus seinem Dirigieren machte.
Ich habe in meinem späteren Leben mit einigen sehr bedeutenden Dirigenten gesprochen. Darunter zählte auch eine Umarmung von Bernstein, der ein sehr herzlicher Mensch war. Ich hatte den Eindruck, dass ich Bernstein unrecht getan hatte, als ich nach seinem Tode eine Gedenksendung gesehen hatte.
Heute sehe ich im Fernsehen eine ähnliche Gedenksendung über Herbert von Karajan.
Es ist unglaublich, wie bei beiden Dirigenten selbst noch im indirekten Medium Fernsehen diese Kraft spürbar wird, über welche die Musiker berichten, welche mit ihren Statements eingeblendet werden.
Es ist diese spürbare Energie, die in Wirklichkeit auf nichts anderes gerichtet ist, als Freude zu transportieren. Freude oder auch Schönheit, wie Karajan zitiert wird. Nicht nur bei Beethovens Neunter. Es ist die Schönheit des Wahrhaftigen. Ich bin sehr froh, dass ich heute nicht mehr Stellung beziehen muss.
Ich brauche keine Wertungen mehr abgeben. Und ich lerne davon auch, dass dieses ewige Trachten nach der Wertung, nach "dem Besten" vollkommen unsinnig ist, wenn eine Stufe des Unbewertbaren erreicht ist.
Ich fühle mich sehr glücklich, wenn ich Mahler unter Bernstein (gerade jetzt) höre und Bernstein gesagt hat, dass "wir jetzt dieses Stück für Karajan" spielen.
Es ist ein elitäres Denken, dem ich hier die Stange halten. Aber dazu stehe ich.
Schon aus rein nationalistischen Gründen gewann Herbert von Karajan. Er gehörte uns, nicht den Amerikanern. Ich hatte auch den Eindruck, dass er die ernstere Musik produzierte, dass er nicht so viel Show aus seinem Dirigieren machte.
Ich habe in meinem späteren Leben mit einigen sehr bedeutenden Dirigenten gesprochen. Darunter zählte auch eine Umarmung von Bernstein, der ein sehr herzlicher Mensch war. Ich hatte den Eindruck, dass ich Bernstein unrecht getan hatte, als ich nach seinem Tode eine Gedenksendung gesehen hatte.
Heute sehe ich im Fernsehen eine ähnliche Gedenksendung über Herbert von Karajan.
Es ist unglaublich, wie bei beiden Dirigenten selbst noch im indirekten Medium Fernsehen diese Kraft spürbar wird, über welche die Musiker berichten, welche mit ihren Statements eingeblendet werden.
Es ist diese spürbare Energie, die in Wirklichkeit auf nichts anderes gerichtet ist, als Freude zu transportieren. Freude oder auch Schönheit, wie Karajan zitiert wird. Nicht nur bei Beethovens Neunter. Es ist die Schönheit des Wahrhaftigen. Ich bin sehr froh, dass ich heute nicht mehr Stellung beziehen muss.
Ich brauche keine Wertungen mehr abgeben. Und ich lerne davon auch, dass dieses ewige Trachten nach der Wertung, nach "dem Besten" vollkommen unsinnig ist, wenn eine Stufe des Unbewertbaren erreicht ist.
Ich fühle mich sehr glücklich, wenn ich Mahler unter Bernstein (gerade jetzt) höre und Bernstein gesagt hat, dass "wir jetzt dieses Stück für Karajan" spielen.
Es ist ein elitäres Denken, dem ich hier die Stange halten. Aber dazu stehe ich.
steppenhund - 4. Apr, 23:37


Bei der Frage nach dem besseren Dirigenten bin ich aber deiner Meinung, dass man bei den beiden nicht vergleichen oder bewerten sondern nur geniessen sollte.
P.S. Ich habe die Doku auch gesehen und auch diese Kraft gespürt...
der bessere Musiker
Das ist aber eine sehr neue Haltung von mir. Jahrzehntelang habe ich genauso wie Du gedacht.
Trotzdem basierte alles letzten Endes auf der Kreativität von anderen. Interpretiere ich ein Stück, so ist ein gewisser Rahmen bereits vorgegeben in dem ich meine Phantasie entfalten kann.
Komponiere ich ein Stück so ist die Freiheit anfangs unendlich groß. Mit jeder künstlerischen Entscheidung wird diese Bewegungsfreiheit weniger und es kristallisiert sich die Aussage der Komposition heraus (die manchmal völlig anders sein kann als man ursprünglich geplant hat). Das hat für mich eine komplett andere Dimension als etwas bestehendes zu interpretieren.
Ein guter Komponist muss nicht automatisch ein guter Interpretierer sein und ein guter Interpretierer ist nicht automatisch ein Komponist. Umso mehr bewundere ich die Menschen, die beides sind.... siehe Bernstein.