9
Okt
2014

Ahnenforschung

Nein, die war es nicht. Eher so etwas wie auf den Friedhof gehen, selbst wenn man weiß, dass sich die eigentliche Grabmale in Wien befinden.

Zweimal war ich zuvor in Ostrava gewesen. Das hieß einmal Mährisch-Ostrau und war eine der ersten Eisenbahnstationen, seit es Eisenbahnen gab. Zufällig habe ich dort einen Kunden, den ich workshop-mäßig betreuen muss. Ich hatte schon früher einmal geplant, mir einen Tag Urlaub zu nehmen, sollte ich noch einmal in die Gegend kommen. Denn - für mich überraschend - befinden sich die Heimstätten beider Großelternfamilien ganz in der Nähe. Opava, das ehemalige Troppau, war der Ausgangspunkt der väterlichen Eltern; Bilovec, das ehemalige Wagstadt, war die Heimstätte der mütterlichseitigen Ahnen. Da mein Urururgroßvater Bierbrauer in Prag gewesen war, dachte ich immer, dass zumindest eine Seite aus der eher bömischen Gegend kommt. Mitnichten. Ostrava-Opava sind circa 35 km voneinander entfernt, die Strecke Opava-Biloec beträgt nur 25 km. Und dann ist man in 30 km wieder zurück in Ostrava. Das Wetter war heute einigermaßen trocken mit ein wenig Sonne und so fuhr ich mit einem Taxi beide Städte ab. Die zugehörigen Bilder habe ich auf Facebook gestellt.
Die Frage, die sich mir selbst stellt, lautet: warum habe ich das überhaupt gemacht? Warum habe ich das Gefühl, etwas abgehakt zu haben. Die Städte an sich waren gar nicht so wichtig, doch auf der Fahrt dahin habe ich kleine Häuser und Kapellen gesehen- und eine Landschaft, sehr den Bilder ähnelt, die mein Großvater gemalt hat. Dabei erinnert mich die Strecke Opava-Bilovec sehr an das nördliche Weinviertel, schon Richtung Waldviertel. Ohne zu wissen, wo ich wäre, könnte ich die Gegend durchaus auch in Österreich ansiedeln.
Beide Großelternpaare sind schon vor dem ersten Weltkrieg nach Österreich übersiedelt. Der Maler und spätere Professor nach Wien, der Schlosser und spätere Automechaniker nach Steyr. Dort war er dann Werkmeister bei Steyr, bis er sich in Wien mit einer Autowerkstätte selbstständig gemacht hatte.
Kennengelernt haben sich die beiden Familien erst in Wien. Meine Tante machte meinen Vater mit meiner Mutter bekannt. Das Weitere hat sich dann gefügt.
Die Frau des Malers habe ich nicht in Erinnerung. Als sie starb, war ich drei Jahre alt und meine Familie hat damals in Linz gelebt. Sonst hatte ich vor dem Maler-Großvater große Achtung. Bei Tischgesprächen wurde über Brahms, Nietsche und Goethe gesprochen. Der andere war mir gewärtiger. Mein Vater beklagte sich, dass er immer die Kronenzeitung zu uns brachte, (als wir dann später schon in Wien wohnten) doch ich mochte ihn sehr. Er hörte schon schlecht, trank auch gerne ein Glas Wein. Zwei Dinge sind mir von ihm unauslöschlich in Erinnerung geblieben.
In der Nachkriegszeit hat er uns mit Lebensmitteln versorgt, die er auf Tagestouren in der Wiener näheren und weiteren Umgebung von den Bauern gehamstert hat. Später kaufte er auch sehr gerne auf dem Markt in der Brigittenau ein, wo er seine Firma hatte. Eines Tages kam er vom Einkaufen zurück. Er hätte ein Häuptel Salat mitbringen sollen. Aus dem Rucksack schaute aber ein Schweinskopf heraus. Meine Großmutter regte sich fürchterlich auf: "Was hast denn jetzt wieder gekauft, dich darf man doch nie allein lassen." Mein Großvater reagierte gelassen: "Schau Berta, er hat mich so lieb angeschaut."
Die zweite Erinnerung ist eine technische. In der Wohnung meiner Großeltern gab es immer wieder Autouhren, die er aus den Autos zum Reparieren ausgebaut hatte. Als Kind dachte ich, dass das Wichtigste am Auto die eingebaute Uhr sein müsste. Und das war auch der Grund, warum diese rein mechanischen Uhren immer kaputt gehen mussten.
Der Bruder meines Großvaters ist erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges als Sudetendeutscher vertrieben worden. Er ging allerdings nach Deutschland und hat dann noch anscheinend einen netten Lebensabend mit einer neuen Frau verbracht.
Jetzt sind natürlich schon alle gestorben. Such it goes - ohne Gewalt. bei Vonnegut werden die Leute ja erschlagen. Aber die Zeitläufte lassen auch einiges dahinwelken.

So! Abgehakt!
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Gewöhnung

In den vergangenen zwei Tagen habe ich auf zwei verschiedenen Laptops gearbeitet und in den verschiedenen Wartezeiten auf dem Handy und dem iPad Dokumente angesehen.
Das Handy ist kein Problem, das hat einen so anderen Formfaktor, dass ich weiß, dass es anders zu bedienen ist. Doch jetzt im Zug, nachdem derjenige Verspätung hatte und ich am iPad arbeitete, habe ich beim Starten des Laptops lange gebraucht, bis ich überrissen habe, dass es nichts hilft, wenn ich am Bildschirm herum tappe.
Das wäre ja auch kein Problem. An die zunehmende Verkalkung werde ich mich gewöhnen müssen. Doch es überrascht mich, wie sehr ich mich an das Titschi-Tatschi innerhalb weniger Minuten gewöhnen kann.
P.S. Dabei tippe ich sowieso viel lieber. Denn damit bin ich weit schneller.
P.P.S Der Wagon der tschechischen ersten Klasse zeigt auch die Zuggeschwindigkeit an. Die 161 km/h sind durchaus beeindruckend auf der Strecke und wirbeln mich auch ganz schön herum:)
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