IAJ - Lebensmotto modern
Es hat noch keine Erwähnung im Internet soweit gefunden, dass es "google"bar ist. Doch eine langjährige Freundin, die bis vor kurzem in Deutschland gearbeitet hat, hat mich heute über das aktuelle Lebensmotto der heutigen Bevölkerung aufgeklärt. (Dieses ist natürlich cum grano salis zu interpretieren und wahrscheinlich gehören gerade die Blogger zu der dreiprozentigen Ausnahme, für die es nicht gilt.)
Das Motto lautet:
I A J
Ausgeschrieben liest sich das so:
Ich Alles Jetzt
und beantwortet die Fragen nach dem Wer, Was und Wann.
[erweiterter Kommentar: Ich möchte Alles jetzt!]
Wenn ich die Fernsehsendungen durch zappe, ist diese Vorstellung gar nicht so abwegig. Junge Paare werden in Wohnungen gezeigt, für die sie vermutlich noch 25 Jahre abzahlen müssten. Starmania und ähnliche Sendungen gehen auf den ultimativen Sieger oder Siegerin los, was in Wirklichkeit sogar kontraproduktiv ist. Eigentlich wäre es doch sinnvoller mehrere Stars aufzubauen. Aber mit großen Krokodilstränen in den Augen betrauert die Moderatorin jedes Mal aufs Neue, dass schon wieder eine oder einer die ach so fröhliche Truppe verlassen müsse.
Das Bewusstsein für Größenordnungen ist schon lange bei den Altvorderen verloren gegangen. Eine Million, eine Milliarde, was ist da schon groß der Unterschied?
Ich gebe es ja zu. Der Spruch: "gut Ding braucht Weile." sagt mir selbst auch nicht zu. Ich bin ungeduldig, suche immer nach einer Abkürzung, bin sogar schon froh, wenn ich wirklich eine angefangene Sache beende.
In meinem Beruf ist es häufig so, dass ich meine: "Das mache ich mal schnell in 5 Minuten." Dann komme ich um zwei Uhr früh nach Hause und sage mir: "Na, habe ich es doch noch geschafft."
Aber die Engländer haben da einen guten Spruch: "There is nothing like a free lunch!" Deswegen lasse ich mich lieber zum Abendessen als zum Mittagessen einladen.
In den Medien fällt mir nur ein Gegenbeispiel ein, wo das langwierige Arbeiten auf ein Ziel hin verherrlicht wird. Das ist die Serie "Horch mal, wer da hämmert." Eine vollkommen behämmerte Serie, bei der ich sofort den Kanal wechsle. Doch immerhin wird dort die Arbeit an einem Oldtimer als running gag verwertet.
Ich verstehe schon den Wunsch nach dem "jetzt". Heute mehr denn früher. Wer weiß, ob Wünsche in Zukunft überhaupt erfüllbar werden.
Das Wollen verstehe ich auch. Die Frustration, wenn man keinen Arbeitsplatz bekommt, greift in einer gewissen Weise auch auf mich über, wenn ich sehe, dass bestimmte Groß-Arbeitgeber wie öffentliche Institutionen kostenpolitisch agieren, Arbeitsplätze reduzieren und die Service-Leistung am Kunden einschränken, um bilanztechnisch gut da zu stehen. (Ich habe da z. B. die Bundesbahn vor Augen.)
Vielleicht stimmt IAJ gar nicht. Vielleicht wären viele arbeitslose Studienabgänger froh, wenn sie nur überhaupt einen bezahlten Job bekämen und sich nicht in unbezahlten Praktikumsjahren verbrauchen müssen.
Doch was mir die Medien, sowohl Fernsehen als auch die Zeitungen, suggerieren, ist eine IAJ-Mentalität.
Sehe ich wirklich zu schwarz, wenn ich meine, dass heute die Vorstellung herrrscht, dass alles mit einem Schritt erreicht werden kann?
Das Motto lautet:
I A J
Ausgeschrieben liest sich das so:
Ich Alles Jetzt
und beantwortet die Fragen nach dem Wer, Was und Wann.
[erweiterter Kommentar: Ich möchte Alles jetzt!]
Wenn ich die Fernsehsendungen durch zappe, ist diese Vorstellung gar nicht so abwegig. Junge Paare werden in Wohnungen gezeigt, für die sie vermutlich noch 25 Jahre abzahlen müssten. Starmania und ähnliche Sendungen gehen auf den ultimativen Sieger oder Siegerin los, was in Wirklichkeit sogar kontraproduktiv ist. Eigentlich wäre es doch sinnvoller mehrere Stars aufzubauen. Aber mit großen Krokodilstränen in den Augen betrauert die Moderatorin jedes Mal aufs Neue, dass schon wieder eine oder einer die ach so fröhliche Truppe verlassen müsse.
Das Bewusstsein für Größenordnungen ist schon lange bei den Altvorderen verloren gegangen. Eine Million, eine Milliarde, was ist da schon groß der Unterschied?
Ich gebe es ja zu. Der Spruch: "gut Ding braucht Weile." sagt mir selbst auch nicht zu. Ich bin ungeduldig, suche immer nach einer Abkürzung, bin sogar schon froh, wenn ich wirklich eine angefangene Sache beende.
In meinem Beruf ist es häufig so, dass ich meine: "Das mache ich mal schnell in 5 Minuten." Dann komme ich um zwei Uhr früh nach Hause und sage mir: "Na, habe ich es doch noch geschafft."
Aber die Engländer haben da einen guten Spruch: "There is nothing like a free lunch!" Deswegen lasse ich mich lieber zum Abendessen als zum Mittagessen einladen.
In den Medien fällt mir nur ein Gegenbeispiel ein, wo das langwierige Arbeiten auf ein Ziel hin verherrlicht wird. Das ist die Serie "Horch mal, wer da hämmert." Eine vollkommen behämmerte Serie, bei der ich sofort den Kanal wechsle. Doch immerhin wird dort die Arbeit an einem Oldtimer als running gag verwertet.
Ich verstehe schon den Wunsch nach dem "jetzt". Heute mehr denn früher. Wer weiß, ob Wünsche in Zukunft überhaupt erfüllbar werden.
Das Wollen verstehe ich auch. Die Frustration, wenn man keinen Arbeitsplatz bekommt, greift in einer gewissen Weise auch auf mich über, wenn ich sehe, dass bestimmte Groß-Arbeitgeber wie öffentliche Institutionen kostenpolitisch agieren, Arbeitsplätze reduzieren und die Service-Leistung am Kunden einschränken, um bilanztechnisch gut da zu stehen. (Ich habe da z. B. die Bundesbahn vor Augen.)
Vielleicht stimmt IAJ gar nicht. Vielleicht wären viele arbeitslose Studienabgänger froh, wenn sie nur überhaupt einen bezahlten Job bekämen und sich nicht in unbezahlten Praktikumsjahren verbrauchen müssen.
Doch was mir die Medien, sowohl Fernsehen als auch die Zeitungen, suggerieren, ist eine IAJ-Mentalität.
Sehe ich wirklich zu schwarz, wenn ich meine, dass heute die Vorstellung herrrscht, dass alles mit einem Schritt erreicht werden kann?
steppenhund - 10. Jan, 21:24