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Samstag, 20. Dezember 2008

Gemmen der Bloglandschaft

Ein von mir regelmäßig gelesener Blogger schreibt zur Zeit so viel, dass es schon Mühe macht, einen Artikel zu finden, der erst wenige Tage alt ist.
Auf diese Weise wird er vermutlich auch nicht rein zufällig gefunden werden. Es handelt sich um einen Bericht über Donata Elschenbroich. Es geht darin um eine Wunschvorstellung hinsichtlich des Wissens- und Erfahrungsschatzes eines siebenjährigen Kindes.
Die angeführte Liste ist lang und darunter kommt auch der Begriff Heimweh vor. Ich denke, dass Heimweh eine Erfahrung ist, die einem siebenjährigen Kind hoffentlich erspart bleibt, glaube aber auch, dass man diesen Begriff schon gar in diesem Alter nicht synthetisieren kann und noch weniger die Gefühlswelt dazu erfinden kann.
Allenfalls lässt sich die Gefühlswelt ohne zugehörigen Begriff (außer er werde explizit genannt) in folgendem Stück wiederfinden.

Heimreise

Der Heimreisetag war, wie ich es von früher her kenne. Früh aufstehen, die notwendigen Telefonate und Mail-Checks noch vom Hotel aus machen, mit Sack und Pack auschecken und dann während der Arbeit feststellen, wie rasch die Zeit verrinnt und man sich bereits wieder auf den Weg machen muss.
Freitag ist ja an sich ein guter Heimreisetag. Schlecht hinsichtlich der Auslastung der Transportmedien, was Unannehmlichkeiten bedeutet, aber gut im Gefühl, etwas geschafft zu haben und zur Belohnung nach Hause fahren zu dürfen.
(Ich glaube, es ist ersichtlich, dass ich an sich sehr gerne arbeite. Es war immer ein Glück für mich und ein Vorteil, dass ich meine Arbeit ausgesprochen interessant und befriedigend fand. Ein unheimlicher Vorteil an Lebensgefühl wird mir damit geschenkt.)
-
Da in meiner Firma die Weihnachtsfeier gestern stattfand, wollte ich früher als halb zwölf in Wien ankommen, daher musste ich fliegen. Der Flug ist an solchen Tagen dreimal so teuer wie der Zug in der ersten Klasse und die Unannehmlichkeiten sind doppelt so hoch. Also freiwillig fliege ich die Strecke nicht mehr.
Aber ich nehme hier die Gelegenheit wahr, den Vergleich anzustellen.
Reisezeit:
Flug: Haus zu Haus 17:45 bis 23:00
Bahn: Haus zu Haus 16:00 bis 24:15 also länger
produktive Zeit: arbeiten/schlafen:
Flug: 0
Bahn: 6:30
Essen:
Flug (ok, da ich mit Niki geflogen bin, die eine Bewirtung erlauben. Ist nicht Standard.)
Bahn: was immer ich will
Komfort:
Flug: 0
Bahn: bequeme Sitzplätze, Aufstehmöglichkeit
Gehzeiten:
Flug: 40 Minuten
Bahn: 10 Minuten
(Merke: Fliegen ist gesund, verschafft Bewegung)
Allfälliges:
Flug:
Sicherheitskontrollen:
Ich bin schon total abgestumpft.
Erstes Tablett: Mantel, Hut
Zweites Tablett: Portmonnaie, Einzelmünzen aus den Taschen, Kugelschreiber, Handy, zusätzliche Clips, an denen Berechtigungskarten montiert sind. Gürtel.
Drittes Tablett: Sakko
Viertes Tablett: Handgepäck
Fünftes Tablett: Laptop aus dem Handgepäck
Schuhe musste ich diesmal nicht ausziehen.
An sich bedauere ich das Personal an der Sicherheitskontrolle. Das muss ein zutiefst anödender Job sein, der durch die Verantwortung nicht attraktiver wird. Ich wehre mich nicht prinzipiell gegen das Untersucht-Werden, aber warum soll ich mir das antun, wenn es die Eisenbahn gibt.

Es gibt Menschen, die meinen, dass der Zeitverlust bei der Bahn nicht vertretbar ist. Für sie vielleicht. Ich kann in dem Zug die gleiche Arbeit machen, die mich sonst in der Firma oder zuhause erwartet. Sogar wesentlich ungestörter.
Also bitte: wer möchte fliegen?
-
Aber wie schon gesagt, ich musste noch zur Weihnachtsfeier und dort hat es sich ausgezahlt, früher dort zu sein, weil es noch eine ganze Reihe sehr netter Gäste gab.
Um zwei Uhr fiel ich dann erschöpft ins Bett.

Reisebericht 2. bis 5. Tag

Das Hotel, in das man mich seitens des Kunden eingebucht hatte, zeichnet sich durch eine sehr nette Intimität, sprich Überschaubarkeit aus. Die Homepage ist mit Mozart untermalt und was überhaupt nicht klein ist, ist die Frühstücksbar. Für vielleicht 20 Frühstücksplätze zeigt das Buffet eine Reichhaltigkeit, die ich selbst in den vier Tagen nicht auskosten konnte. Auf den angebotenen Frühstückssekt habe ich freiwillig verzichtet, da müsste ich schon zu zweit dort sein. Die Qualität der Auflagen ging weit über das gewohnte Maß hinaus und das sage ich in Kenntnis sonstiger 5-Stern-Hotels.
(Die wahre Stärke des Hotels zeigte sich am folgenden Tag. Um 20 nach sieben öffnete sich meine Tür und eine nette Frau des Hotels sprach mich an: "Junger Mann, wir haben vergeblich versucht, sie über das Telefon zu wecken. Geht es Ihnen gut?" Das ist die Art von Service, die heute lange nicht mehr selbstverständlich ist, wenn die Weckanlage z. B. von einer Vollautomatik gesteuert ist.
Aber warum war der erste Reisetag doch nicht so gut? Ich hatte mich verkühlt und fühlte einen Schnupfen herannahen. Es ist allerdings ein Wunder, wie stark der Adrenalinausstoß einer neuen Arbeit allfällige Krankheitssymptome überdecken kann.
Am ersten Arbeitstag bekam ich eine Menge an Information und ich wage zu behaupten, dass ich mir mehr merken musste, als sich Kollegen im gleichen Gewerbe in einer Woche anlesen. Mein Interesse war aber so groß, dass ich mir doch vieles gemerkt habe und die Lust, am Projekt erfolgreich zu arbeiten, noch gesteigert wurde.
Am gleichen Tag wurde noch das SPUT für den Mittwoch vereinbart. Was ein SPUT ist, kann man dort nachlesen, wenn man gewissenhaft auch das Kleingedruckte beachtet.
Das Alt steckte ich trotz Verkühlung weg, die Unterhaltung war interessant genug, um mich von meiner Nase abzulenken.
Am nächsten Tag war ich allein und entdeckte das Klatsch-Café. Genauso gemütlich wie Wiener Kaffeehäuser mit einem ganz hervorragenden Flammkuchen mit Zwiebel und Speck und Jever vom Fass. Da kann ich mich auch allein ganz gut beschäftigen.
Da ich wieder nach Bad Homburg kommen werde, hoffe ich in Zukunft noch weitere nette Plätze zu entdecken. Kulturell spielt sich dort in der englischen Kirche auch gerade einiges ab, aber dazu bin ich diesmal nicht gekommen. Der 14.1. 2009 sieht interessant aus. (VM, was denkst Du?)
Nicht einmal zur Therme Taunus habe ich es geschafft, obwohl solche Plätze eine magische Faszination für mich bedeuten. Aber irgendwo hier in den Blobs gab es ja die Frage nach Vorfreude und Erfüllung:)
Über die Heimreise geht es im nächsten Bericht weiter.
P.S.
@books and more: zufrieden?

Reisebericht erster Tag

Von Wien nach Düsseldorf fliegen - das geht noch gerade. Die Verbindung zum Flughafen ist gut, das Einchecken problemlos. Der Flieger kommt zu einem günstigen Zeitpunkt an. Das Taxi bringt mich in zehn Minuten zum Kunden, da macht mir auch die schon gewohnte Sicherheitskontrolle nichts aus.
Um wievieles schöner ist allerdings die Fahrt von Düsseldorf nach Frankfurt im ICE. 291 km/h zeigt die Anzeige, es geht leise durch Tunnel und über Brücken. An meinem Platz genieße ich Herbert Hintners Gänsekeule. Im ICE gibt es eine Essensoffensive hinsichtlich Qualität. Ich hab die Keule genossen, obwohl ich sie nicht bestellt hätte, hätte ich gewusst, dass ich noch eine Abendeinladung vor mir hätte.
In eineinhalb Stunden von Düsseldorf nach Frankfurt hat etwas sehr Überzeugendes an sich. Gerade auf dieser Strecke zahlt sich Fliegen nicht mehr aus. Das Wetter war schon etwas diesig. In Düsseldorf und Bonn hätte es noch Twoday-Freunde gegeben, mit denen ein Kaffeeplausch nicht unangenehm gewesen wäre, doch ich musste spätestens um sechs in Frankfurt sein.

In Frankfurt erwartete mich mein Gesprächspartner mit einer Einladung in das Literaturhaus, quasi das Griborjedow aus Bulgakovs "Master und Margarita". (Kenner kennen dieses Buch selbstverständlich. Während ich den Amazon-Link suchen wollte, fiel mir dieser Link entgegen, zwar in Englisch aber sehr bemerkenswert.) Während wir über das Geschäft sprachen glitten meine Gedanken manchmal an meine Kinder. Das wäre doch ein guter Platz für sie, wenn sie einmal Lesungen machen wollten.
Weder an Wein noch am Essen war etwas zu beanstanden. Kartoffelsuppe und Schwein-Iberico bestanden den Hundetest. Etwas enttäuscht war ich lediglich, dass es zwar "an"-Gerichte gab, doch kein einziges sich "im Dialog" befand. Selbst mein Schweinchen hätte sich doch in einem Dialog mit den reichhaltigen Zutaten befinden können.
Relativ spät erreichte ich dann die S5 nach Bad-Homburg, bei der mir eine Bahn gerade vor der Nase davon fuhr. Ich war so wohlig müde und satt, dass es mir nicht einmal etwas ausmachte.
In Bad Homburg von der Höhe bin ich dann ins Taxi gehüpft und nach fünf Minuten vor dem Comfort Hotel zum Kurpark abgeliefert worden. Wie es auf der Web-Seite angeführt ist, sind die Zimmer sehr groß und wirklich gemütlich. Ich freute mich auf den nächsten Tag. Ein neuer Kunde, ein neues Projekt, vollkommen unbekannt und aus einem anderen Bereich als ich es sonst gewohnt bin.
Alles in allem ein ziemlich guter Tag. Warum er nicht ganz so gut war, stellte sich an den nächsten Tagen heraus.

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