Freitag, 12. Dezember 2008

Das Neue und die Wiederholung

Der Steppenhund schwelgt manchmal oft in der Vergangenheit und macht sich dabei über sich selbst lustig.
Die Wiederholung liegt ihm nicht, obwohl er sich gerne wiederholt.

Darstellung A:
Was er bewundert, ist die Veränderung im Rahmen einer Form. Anlässlich einer musikalischen Untermalung gab es einmal folgende Aussagen. Ausschnitt:

Ich zitiere Joachim Kaiser:
... Aber was ist das eigentlich. Eine Beethoven-Sonate? Warum werden Beethoven-Sonaten geliebt und gespielt, obwohl sie doch, laut Gulda (der sie bewunderungswürdig beherrscht), „nicht die Probleme des heutigen Menschen haben>? ...
... Für jeden halbwegs musikalischen Mitteleuropäer sind die Beethoven-Sonaten Mischung aus Jugendeindruck und unverwandter, sich ständig wandelnder Bewunderung, aus Reiz und Überdruß, aus musikalischem Indianerspiel mit Pathétique oder Sturm-Sonate und mystischer Sehnsucht: einmal möchte man den letzten Satz der Opus 111, die Fuge der Hammerklaviersonate, die Spiritualität der Les Adieux-Sonate ohne Rest begriffen haben, vom „Spielen-Können“ ganz zu schweigen...
... Die Sonaten sind ein Werkkosmos im Beethovenschen Gesamtkosmos, ein intimes Laboratorium reiner Produktivität.
... Beethovens geniale Unfähigkeit, sich zu wiederholen, seine nur mit Bewunderung zu konstatierende Fähigkeit, Zartes, Zärtliches, Einsilbiges, Wildes immer ganz neu zu sagen: das alles muss für ihn ein elementares Nicht-anders-Können gewesen sein.

Nur die besten Pianisten ihrer Zeit haben Gesamteinspielungen aller Sonaten hinterlassen oder haben überhaupt ihr Programm darauf ausgelegt, alle zu spielen. Und jeder oder jede von ihnen hat bestimmte Sonaten besser als jeder andere und andere wieder nicht so exzellent gespielt. Vielleicht kann man behaupten, dass der aufgespannte Kosmos so weit ist, dass er von einem Menschen nicht in alle Weiten ausgelotet werden kann, dass er aber so viel Platz gibt, dass sich jeder darinnen finden und ausleben kann.

Das sagt eigentlich schon fast alles. Ich bewundere die angesprochene "geniale Unfähigkeit".

Darstellung B:

Durch einen Zufall stoße ich auf eine Patentdatenbank, in der sich mittlerweile abgelaufene Patente finden, darunter eines aus dem Jahre 1986, in dem der Hund als Erfinder genannt ist. Ich sehe zum ersten Mal, den vollen Text des Patents mit Zeichnungen. Das Prinzip ist mir auch heute noch klar, die Beschreibung fordert mich verständnismäßig schon etwas. Könnte ich heute noch etwas neues erfinden? Bei dem angesprochenen Patent bekam ich einmal unverhofft die Bestätigung, dass Zeiss die größten Schwierigkeiten damit hatte und eineinhalb Jahre versuchten, darum herum zu bauen, bevor sie später in Lizenzverhandlungen eintraten. Das alles ging ziemlich spurlos an mir vorüber. (Wenn man während der Arbeit etwas erfindet, fließen die Nutzungsrechte der Firma zu. Das war aber schon in Ordnung, ich wurde kompensiert.)


Darstellung C:

Seit mittlerweilen Jahren versuche ich mir ein Beispiel an der Praxis Dr. Schein zu nehmen. Dort gibt es zwar Wiederholungen, aber ein Unmaß an neuen Gedanken, die sich doch in den allermeisten Fällen über das Niveau des Klamauks emporheben. Da kann ich nicht konkurrieren. Aber heute sah ich mich veranlasst, eine zeit lang in der nachfolgenden Gestalt aufzutreten. Da dachte ich dann schon, dass ich mich einem Vorbild wenigstens phänomenologisch annähere.

Steppenhund20081211klein

Habe ich mich verständlich ausgedrückt? Ich will Neues. ich will Originalität. Dem kann man aber nicht nachlaufen, das Neue muss sich von selbst aufdrängen.
Und zu diesen Gelegenheiten frage ich mich dann, ob ich überhaupt sinnvoll bloggen kann.

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