Donnerstag, 4. Dezember 2008

Die Geschichte

Die Geschichte von "heimwärts".
Zwei muntere Pferdlein klappern mit einer Kutsche über den Feldweg. Man sieht kaum etwas von den Beinen oder den Rädern, weil zwischen dem eigenen Beobachtungsstandpunkt und der Kutsche ein hochbewachsenes Feld liegt. Sonnig, ein bisschen schwül, später Nachmittag.
Mich selbst erinnert das Thema mit den Doppelgriffen an zwei Stücke: eine Bagatelle von Beethoven in e-moll, Mittelteil. Da steht das gleiche Bild vor Augen. Und eine unbekannte Melodie, die ich zu kennen glaube, die genau die Idee heimwärts transportiert.
Das Heimkommen ist in dem Thema noch mit Entfernung verbunden, doch die Steigerung verbinde ich mit der Autobahneinfahrt-West bei Wien. Oftmals bin ich da von langen Strecken aus Bremen, Hamburg oder Halle nach Hause gefahren. Bei einer der letzten Kurven, wo man schon abbremsen sollte, der Wagen aber richtig warmgefahren ist und am liebsten noch von selbst beschleunigt, sieht man einen fünfstrahligen Stern am gegenüberliegenden Hügel. Diese Einfahrt hat mich immer begeistert.
Der choralähnliche Mittelteil ist für mich protestantisch besetzt. Sehr karg, sehr trocken. Doch erinnert er mich an eine Geschichte, die unser katholischer Religionslehrer erzählt hat, als ich noch in der Volksschule war. Es ging um den Begriff Reue.
Ein Verbrecher kehrt nach langen Jahren in seine Heimat zurück. Noch ist er verstockt, alles fremdet. Doch durch einen nicht näher bestimmten Zufall landet er in der Kirche seiner Kindheit. Er sieht auf den Boden und bricht beim Anblick der Fließen in Tränen aus. Die Fließen erwecken bei ihm die Assoziation an seine Kindheit, die noch unbeschwert war, an die er noch glauben konnte.
(Obwohl ich die Geschichte heute als ungemein manipulativ empfinde, bewundere ich den Pfarrer, der uns dies durchaus glaubhaft und themenerläuternd erzählen konnte.)
Danach geht es mit der Reise in den heimischen Stall.
Das Musikstück hat noch eine Ebene darüber. Als meine Tochter heiratete, die Grazerische, überlegte ich, welche Geschichten ich zu den Musikstücken erzählen könnte, mit denen ich die Hochzeitsgesellschaft unterhielt, als das Brautpaar seine Fotografie-Session hatte.
Die Kinder haben uns immer wieder in Wien besucht, doch wenn sie wieder nach Graz fuhren, hatte ich den Eindruck, dass sie sichtbar und fühlbar heimwärts fuhren. Sie haben ihr eigenes Heim. Das haben die anderen auch. Aber Graz ist halt einfach weiter weg. Damit gewinnt der Ort als neue Kategorie Heimat. Wenn ich daran denke, dass die Heimat der älteren Tochter noch viel weiter weg sein könnte, wird Graz als Vorort von Wien erscheinen.
Und so steht dieses Stück auch stellvertretend für den kleinen uralten Golf, mit dem sie von uns nach Graz getuckert sind, heimwärts und auch heim zu ihren Pferderln.

Aktuelle Beiträge

In Deutschland gibt es...
In Deutschland gibt es offiziell das Neutralitätsgebot....
Gregor Keuschnig - 8. Nov, 12:48
das kreuz hat in den...
das kreuz hat in den klassenzimmern einzig und alleine...
david ramirer - 8. Nov, 12:29
Student - des Politikers...
Gestern wurde ich gefragt, warum Strache bei den Jugendlichen...
steppenhund - 8. Nov, 12:26
Dr. Schärf hing...
Dr. Schärf hing auch bei mir noch - kurz. Aber...
ConAlma - 8. Nov, 11:35
Ich weiß es nicht. "Fischer...
Ich weiß es nicht. "Fischer würdigte in...
steppenhund - 8. Nov, 00:43
LeserInnen, die sich...
LeserInnen, die sich regelmäßig einfinden,...
steppenhund - 8. Nov, 00:38
Ist in Österreich...
Ist in Österreich die Trennung von Staat und Kirche...
Gregor Keuschnig - 7. Nov, 21:18
Was bin ich froh,
dass das inkriminierte Zitat von einer "dummen" Frau...
ElsaLaska - 7. Nov, 20:57
Weg mit den Kreuzen....
Weg mit den Kreuzen. Und weg mit dem niederösterreichischen...
testsiegerin - 7. Nov, 17:10
Weil eben sein Bild in...
Weil eben sein Bild in jedem Klassenzimmer hing?
steppenhund - 7. Nov, 16:48
leider sind viele menschen...
leider sind viele menschen der meinung das ihre persönlichen...
creature - 7. Nov, 16:39
jetzt ist mir die antwort...
jetzt ist mir die antwort zu lang für einen kommentar...
la-mamma - 7. Nov, 16:08

Also wer war da?

Archiv

Dezember 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 2 
 9 
10
11
15
16
17
18
23
27
29
 
 
 
 
 

Meine Kommentare

Kann mir vorstellen,...
Kann mir vorstellen, dass es Ihnen sehr gut stehen...
schlepplog - 8. Nov, 10:21
Das größte...
Das größte Stück vom Kuchen. Da liegt...
creature - 8. Nov, 10:07
Also eine derart vulgäre...
Also eine derart vulgäre Beschreibung habe ich...
EugeneFaust - 8. Nov, 09:44
Und wann bist Du jetzt...
Und wann bist Du jetzt konkret in Wien?
rosmarin - 8. Nov, 00:46
Ich weiß es nicht. "Fischer...
Ich weiß es nicht. "Fischer würdigte in...
steppenhund - 8. Nov, 00:43
LeserInnen, die sich...
LeserInnen, die sich regelmäßig einfinden,...
steppenhund - 8. Nov, 00:38
Auf die Angabe der dampfulierenden...
Auf die Angabe der dampfulierenden Teratur wurde allerdings...
EugeneFaust - 7. Nov, 17:15
Das Argument mit den...
Das Argument mit den Lebenserhaltungskosten geht verloren....
lamamma - 7. Nov, 17:12

RSS Box

Tasktop Pro 1.6 Supports Task Management for C/C++ Projects and...
The latest version of Tasktop Pro, Application Lifecycle...
Srini Penchikala - 7. Nov, 03:00
Presentation:ORM, EDM, ESQL, Entity Framework, LINQ to SQL, LINQ...
Eric Nelson explains what are ORM, EDM, and ESQL, what...
Eric Nelson - 6. Nov, 15:00
Article:Web Service Contract Versioning
Today we introduce the book “Web Service Contract...
Thomas Erl, Anish Karmarkar, Priscilla Walmsley, Hugo Haas, L. Umit Yalcinalp, Canyang Kevin Liu, David Orchard, Andre Tost, James Pasley - 6. Nov, 10:23
Presentation:Making Sense Of It All
Adrian Colyer and Karl Rumelhart discuss the VMWare...
Adrian Colyer and Karl Rumelhart - 6. Nov, 09:00

Status

Online seit 1380 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. Nov, 12:48

06 Kino
ad blog
ad personam
Ausnahme
BB
Computer
Essen und Trinken
Familiäres
Frau & Mann
fussball
I
IT
Kinder
Kultur
Lernen
Lesen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren