Die Geschichte
Die Geschichte von "heimwärts".
Zwei muntere Pferdlein klappern mit einer Kutsche über den Feldweg. Man sieht kaum etwas von den Beinen oder den Rädern, weil zwischen dem eigenen Beobachtungsstandpunkt und der Kutsche ein hochbewachsenes Feld liegt. Sonnig, ein bisschen schwül, später Nachmittag.
Mich selbst erinnert das Thema mit den Doppelgriffen an zwei Stücke: eine Bagatelle von Beethoven in e-moll, Mittelteil. Da steht das gleiche Bild vor Augen. Und eine unbekannte Melodie, die ich zu kennen glaube, die genau die Idee heimwärts transportiert.
Das Heimkommen ist in dem Thema noch mit Entfernung verbunden, doch die Steigerung verbinde ich mit der Autobahneinfahrt-West bei Wien. Oftmals bin ich da von langen Strecken aus Bremen, Hamburg oder Halle nach Hause gefahren. Bei einer der letzten Kurven, wo man schon abbremsen sollte, der Wagen aber richtig warmgefahren ist und am liebsten noch von selbst beschleunigt, sieht man einen fünfstrahligen Stern am gegenüberliegenden Hügel. Diese Einfahrt hat mich immer begeistert.
Der choralähnliche Mittelteil ist für mich protestantisch besetzt. Sehr karg, sehr trocken. Doch erinnert er mich an eine Geschichte, die unser katholischer Religionslehrer erzählt hat, als ich noch in der Volksschule war. Es ging um den Begriff Reue.
Ein Verbrecher kehrt nach langen Jahren in seine Heimat zurück. Noch ist er verstockt, alles fremdet. Doch durch einen nicht näher bestimmten Zufall landet er in der Kirche seiner Kindheit. Er sieht auf den Boden und bricht beim Anblick der Fließen in Tränen aus. Die Fließen erwecken bei ihm die Assoziation an seine Kindheit, die noch unbeschwert war, an die er noch glauben konnte.
(Obwohl ich die Geschichte heute als ungemein manipulativ empfinde, bewundere ich den Pfarrer, der uns dies durchaus glaubhaft und themenerläuternd erzählen konnte.)
Danach geht es mit der Reise in den heimischen Stall.
Das Musikstück hat noch eine Ebene darüber. Als meine Tochter heiratete, die Grazerische, überlegte ich, welche Geschichten ich zu den Musikstücken erzählen könnte, mit denen ich die Hochzeitsgesellschaft unterhielt, als das Brautpaar seine Fotografie-Session hatte.
Die Kinder haben uns immer wieder in Wien besucht, doch wenn sie wieder nach Graz fuhren, hatte ich den Eindruck, dass sie sichtbar und fühlbar heimwärts fuhren. Sie haben ihr eigenes Heim. Das haben die anderen auch. Aber Graz ist halt einfach weiter weg. Damit gewinnt der Ort als neue Kategorie Heimat. Wenn ich daran denke, dass die Heimat der älteren Tochter noch viel weiter weg sein könnte, wird Graz als Vorort von Wien erscheinen.
Und so steht dieses Stück auch stellvertretend für den kleinen uralten Golf, mit dem sie von uns nach Graz getuckert sind, heimwärts und auch heim zu ihren Pferderln.
Zwei muntere Pferdlein klappern mit einer Kutsche über den Feldweg. Man sieht kaum etwas von den Beinen oder den Rädern, weil zwischen dem eigenen Beobachtungsstandpunkt und der Kutsche ein hochbewachsenes Feld liegt. Sonnig, ein bisschen schwül, später Nachmittag.
Mich selbst erinnert das Thema mit den Doppelgriffen an zwei Stücke: eine Bagatelle von Beethoven in e-moll, Mittelteil. Da steht das gleiche Bild vor Augen. Und eine unbekannte Melodie, die ich zu kennen glaube, die genau die Idee heimwärts transportiert.
Das Heimkommen ist in dem Thema noch mit Entfernung verbunden, doch die Steigerung verbinde ich mit der Autobahneinfahrt-West bei Wien. Oftmals bin ich da von langen Strecken aus Bremen, Hamburg oder Halle nach Hause gefahren. Bei einer der letzten Kurven, wo man schon abbremsen sollte, der Wagen aber richtig warmgefahren ist und am liebsten noch von selbst beschleunigt, sieht man einen fünfstrahligen Stern am gegenüberliegenden Hügel. Diese Einfahrt hat mich immer begeistert.
Der choralähnliche Mittelteil ist für mich protestantisch besetzt. Sehr karg, sehr trocken. Doch erinnert er mich an eine Geschichte, die unser katholischer Religionslehrer erzählt hat, als ich noch in der Volksschule war. Es ging um den Begriff Reue.
Ein Verbrecher kehrt nach langen Jahren in seine Heimat zurück. Noch ist er verstockt, alles fremdet. Doch durch einen nicht näher bestimmten Zufall landet er in der Kirche seiner Kindheit. Er sieht auf den Boden und bricht beim Anblick der Fließen in Tränen aus. Die Fließen erwecken bei ihm die Assoziation an seine Kindheit, die noch unbeschwert war, an die er noch glauben konnte.
(Obwohl ich die Geschichte heute als ungemein manipulativ empfinde, bewundere ich den Pfarrer, der uns dies durchaus glaubhaft und themenerläuternd erzählen konnte.)
Danach geht es mit der Reise in den heimischen Stall.
Das Musikstück hat noch eine Ebene darüber. Als meine Tochter heiratete, die Grazerische, überlegte ich, welche Geschichten ich zu den Musikstücken erzählen könnte, mit denen ich die Hochzeitsgesellschaft unterhielt, als das Brautpaar seine Fotografie-Session hatte.
Die Kinder haben uns immer wieder in Wien besucht, doch wenn sie wieder nach Graz fuhren, hatte ich den Eindruck, dass sie sichtbar und fühlbar heimwärts fuhren. Sie haben ihr eigenes Heim. Das haben die anderen auch. Aber Graz ist halt einfach weiter weg. Damit gewinnt der Ort als neue Kategorie Heimat. Wenn ich daran denke, dass die Heimat der älteren Tochter noch viel weiter weg sein könnte, wird Graz als Vorort von Wien erscheinen.
Und so steht dieses Stück auch stellvertretend für den kleinen uralten Golf, mit dem sie von uns nach Graz getuckert sind, heimwärts und auch heim zu ihren Pferderln.
steppenhund - 4. Dez, 23:58