Der 2. Juli - Teil 3 - Schubert mit Wiener Mechanik
Fortsetzung von Teil 2.
...Ich bin überzeugt, dass mich dieses (Test-)Thema noch recht lange begleiten wird.
An diesem zweiten Juli wird es halt einmal sehr pointiert hochgebracht, wobei die Wichtigkeit dadurch unterstrichen wird, dass mich dieser Hinweis des vergangenen Tages noch am 2. sehr stark beschäftigt hat.
Nach der Uni flüchte ich mich in meine Villa und betreibe das Klavier. Die Villa Tillmanns zeichnet sich gegenüber einem Hotel auch dadurch aus, dass es einen zwar alten - Wiener Mechanik - aber doch sehr attraktiven Blüthner-Flügel gibt, der bei akademischen Veranstaltungen genützt wird. Und ich habe die Schlüssel bekommen, die es mir ermöglichen, am Nachmittag am Flügel zu sitzen und einfach zu spielen. Da ich die Charakteristik des Flügels kenne, nehme ich aus Wien einen Band mit Schubert-Noten mit, darüber hinaus mein momentanes Übungsprogramm Prokofiev und Franz Schmidt. Eine mir bekannte Pianistin hat mich darauf hingewiesen, dass Schubert auf einer Wiener Mechanik ganz anders gespielt werden kann, die Wiener Mechanik mit ihren belederten Hammerköpfen ermöglicht auch eine ganz andere Hervorhebung der Melodien und eine andere Gestaltung der Begleitungsfiguren. Eigentlich habe ich das als Kind ja alles kennenlernen können, doch jetzt spiele ich Schubert mit einem besonderen mir-selber-Zuhören auf dem Blüthner.
Nach einer Stunde bin ich absolut müde und nehme eine Stunde Schlaf zu mir. Ich wache mit einem Hungergefühl auf und denke mir, dass die Zeit noch ausreicht, um in der Stadt nach der Erhältlichkeit des Buches "die Eleganz des Igels" zu forschen. Vom Hauptbahnhof ausgehend entdecke ich als erste größere Buchhandlung "Lehmann". Ich frage danach, was ich mir ersparen hätte können, denn es gibt dort eine Rubrik "Bestseller", die nach den Kritikern geordnet ist. Dort gibt es Igeln reihenweise. In Wien hieß es: Nachbestellung schwierig. Habe ich schon einmal geschrieben, dass man mich nicht in eine Buchhandlung gehen lassen darf? Natürlich fällt mir Thomas Pynchton auf. Alban Nikolai Herbst sollte die Kommission für diesen Einkauf bekommen. Dann fällt mir noch Brigitte Kronauer auf. Das ist eine Lieblingsschriftstellerin der Schwester der oben erwähnt
en Pianistin, also kaufe ich das Werk einmal ungeschaut und ungeöffnet auf Verdacht. Und weil ich in einer satirischen Zeitschrift "Eulenspiegel" eine Reklame für das Buch "FKK in der DDR" gesehen habe, frage ich ungeniert nach diesem Werk auch noch. Die Verkäuferin bezweifelt noch, ob es dieses Werk lagernd gibt, doch der Kollege eilt zielstrebig zu einer Ablage. Er erklärt mir auch, dass das Buch im selben Verlag herausgekommen ist. Ein späterer Blick bestätigt meine Annahme. Die Texte zeigen einen ganz bestimmten DDR-Stil, den ich gerne habe. Da steckt irgendwie sehr viel Stolz drinnen und auch ein gewisses Vermögen zur Selbstpersiflage. Mit den Bildern könnte man heute nicht einmal mehr eine Tageszeitung verkaufen. Aber Pornografie gibt es heute aus dem Internet, nicht im Buchgeschäft.
Bei Lehmann entdecke ich eine Ansammlung von Stühlen. "Ist heute eine Lesung?" Mir wird das Programm in die Hand gedrückt und "heute" gibt es einen Vortrag des Prof. Ehrhard Behrends, FU Berlin, zu seinem Buch "5 Minuten Mathematik", der in einer Stunde anfängt.
Also schnell etwas zum Essen gesucht. Das nächste Lokal, welches ich kenne, ist Auerbachs Keller. Dort arbeiten sie recht effizient, wie ich schon vor 5 Jahren feststellen konnte. Ich gehe also die Stufen hinunter und lande bei einer der Platzanweiserinnen. "Wissen Sie, ich weiss schon, dass man nicht hierher kommt, um fast food zu konsumieren, aber ich habe tatsächlich etwas wenig Zeit. Glauben Sie, dass ich einer Dreiviertelstunde mit Bestellung und Essen durchkomme." Kein Problem. Ich darf mir einen Platz aussuchen, den ich gleich beim Eingang wähle, was sich noch als großes Vernügen herausstellt. Unmittelbar kommt eine Kellnerin und erzählt mir, dass es neben dem "Mutzenbraten", der als Tagesempfehlung steht, auch die Rindsroulade in gleicher Rasanz zu bestellen gibt. Die Roulade ist in drei Minuten am Tisch. Nicht aus der Mikrowelle. Ich sehe einfach, dass ganze Heerscharen von Rouladen an mir vorbeigetragen werden. Einer von der Gesellschaft wird halt etwas später bedient werden.
Das Futter ist gut, aber noch besser ist mein Videoprogramm.
-- wird fortgesetzt
...Ich bin überzeugt, dass mich dieses (Test-)Thema noch recht lange begleiten wird.
An diesem zweiten Juli wird es halt einmal sehr pointiert hochgebracht, wobei die Wichtigkeit dadurch unterstrichen wird, dass mich dieser Hinweis des vergangenen Tages noch am 2. sehr stark beschäftigt hat.
Nach der Uni flüchte ich mich in meine Villa und betreibe das Klavier. Die Villa Tillmanns zeichnet sich gegenüber einem Hotel auch dadurch aus, dass es einen zwar alten - Wiener Mechanik - aber doch sehr attraktiven Blüthner-Flügel gibt, der bei akademischen Veranstaltungen genützt wird. Und ich habe die Schlüssel bekommen, die es mir ermöglichen, am Nachmittag am Flügel zu sitzen und einfach zu spielen. Da ich die Charakteristik des Flügels kenne, nehme ich aus Wien einen Band mit Schubert-Noten mit, darüber hinaus mein momentanes Übungsprogramm Prokofiev und Franz Schmidt. Eine mir bekannte Pianistin hat mich darauf hingewiesen, dass Schubert auf einer Wiener Mechanik ganz anders gespielt werden kann, die Wiener Mechanik mit ihren belederten Hammerköpfen ermöglicht auch eine ganz andere Hervorhebung der Melodien und eine andere Gestaltung der Begleitungsfiguren. Eigentlich habe ich das als Kind ja alles kennenlernen können, doch jetzt spiele ich Schubert mit einem besonderen mir-selber-Zuhören auf dem Blüthner.
Nach einer Stunde bin ich absolut müde und nehme eine Stunde Schlaf zu mir. Ich wache mit einem Hungergefühl auf und denke mir, dass die Zeit noch ausreicht, um in der Stadt nach der Erhältlichkeit des Buches "die Eleganz des Igels" zu forschen. Vom Hauptbahnhof ausgehend entdecke ich als erste größere Buchhandlung "Lehmann". Ich frage danach, was ich mir ersparen hätte können, denn es gibt dort eine Rubrik "Bestseller", die nach den Kritikern geordnet ist. Dort gibt es Igeln reihenweise. In Wien hieß es: Nachbestellung schwierig. Habe ich schon einmal geschrieben, dass man mich nicht in eine Buchhandlung gehen lassen darf? Natürlich fällt mir Thomas Pynchton auf. Alban Nikolai Herbst sollte die Kommission für diesen Einkauf bekommen. Dann fällt mir noch Brigitte Kronauer auf. Das ist eine Lieblingsschriftstellerin der Schwester der oben erwähnt
en Pianistin, also kaufe ich das Werk einmal ungeschaut und ungeöffnet auf Verdacht. Und weil ich in einer satirischen Zeitschrift "Eulenspiegel" eine Reklame für das Buch "FKK in der DDR" gesehen habe, frage ich ungeniert nach diesem Werk auch noch. Die Verkäuferin bezweifelt noch, ob es dieses Werk lagernd gibt, doch der Kollege eilt zielstrebig zu einer Ablage. Er erklärt mir auch, dass das Buch im selben Verlag herausgekommen ist. Ein späterer Blick bestätigt meine Annahme. Die Texte zeigen einen ganz bestimmten DDR-Stil, den ich gerne habe. Da steckt irgendwie sehr viel Stolz drinnen und auch ein gewisses Vermögen zur Selbstpersiflage. Mit den Bildern könnte man heute nicht einmal mehr eine Tageszeitung verkaufen. Aber Pornografie gibt es heute aus dem Internet, nicht im Buchgeschäft.
Bei Lehmann entdecke ich eine Ansammlung von Stühlen. "Ist heute eine Lesung?" Mir wird das Programm in die Hand gedrückt und "heute" gibt es einen Vortrag des Prof. Ehrhard Behrends, FU Berlin, zu seinem Buch "5 Minuten Mathematik", der in einer Stunde anfängt.
Also schnell etwas zum Essen gesucht. Das nächste Lokal, welches ich kenne, ist Auerbachs Keller. Dort arbeiten sie recht effizient, wie ich schon vor 5 Jahren feststellen konnte. Ich gehe also die Stufen hinunter und lande bei einer der Platzanweiserinnen. "Wissen Sie, ich weiss schon, dass man nicht hierher kommt, um fast food zu konsumieren, aber ich habe tatsächlich etwas wenig Zeit. Glauben Sie, dass ich einer Dreiviertelstunde mit Bestellung und Essen durchkomme." Kein Problem. Ich darf mir einen Platz aussuchen, den ich gleich beim Eingang wähle, was sich noch als großes Vernügen herausstellt. Unmittelbar kommt eine Kellnerin und erzählt mir, dass es neben dem "Mutzenbraten", der als Tagesempfehlung steht, auch die Rindsroulade in gleicher Rasanz zu bestellen gibt. Die Roulade ist in drei Minuten am Tisch. Nicht aus der Mikrowelle. Ich sehe einfach, dass ganze Heerscharen von Rouladen an mir vorbeigetragen werden. Einer von der Gesellschaft wird halt etwas später bedient werden.
Das Futter ist gut, aber noch besser ist mein Videoprogramm.
-- wird fortgesetzt
steppenhund - 13. Jul, 22:58


