Der Blechtrottel ist schuld!
Das war eine der beliebtesten Anschuldigen, wenn in den Siebzigerjahren jemand einen Zahlschein über 0:00 ATS bekam und wieder einmal ein 118-Jähriger zum Bundesheer eingezogen werden sollte.
Kürzlich konnte ich die Ausrede wieder hören, doch diesmal waren es gleich mehrere. "Die Computer waren schuld." konnte ich lesen und im Radio kolportiert hören. Der Anlassfall war ein etwas größerer. Die Eröffnung des T5, des neuen Terminals, in Heathrow, welches den Londoner Flughafen ins 21. Jahrhundert befördern sollte, ist in die Hosen gegangen.
Jetzt könnte man über die Megalomanie einer kapitalistischen Shopping Mall räsonieren. Irgendwie drängt sich bei mir auch der Vergleich mit der Titanic auf. Beim Hochloben von Mega-Ereignissen haben wir in den vergangenen hundert Jahren auch nicht viel dazu gelernt.
Doch hier will ich nur die Computer verteidigen. Selbst ohne die Anlagen zu kennen, bin ich überzeugt, dass es sich um brave, schnelle, arbeitswillige Maschinen handelt, die nur darauf warten, bereitwilligst ihre Pflicht zu tun. Wenn sie allerdings schlecht gemanagt werden, (sprich schlecht programmiert werden) dann haben sie keine Chance. Ihnen dafür aber noch die Schuld zu geben, das geht zu weit. Computer sind auch nur Menschen. (Oder war das umgekehrt.)
Der Chef von British Airways entschuldigt sich:
"...Derweil entschuldigte sich BA-Chef Willie Walsh erneut bei den Passagieren, die unter den Pannen am Terminal fünf zu leiden hatten. "Wir werden keine Ruhe geben, bis unser Service wieder auf dem hohen Standard ist, den unsere Kunden zu Recht erwarten", sagte Walsh. Ein Team von Ingenieuren und IT-Experten arbeite hart daran, Fehler an der Gepäckanlage zu beheben.Diese seien bei den Testläufen vor Inbetriebnahme des Terminals nicht bemerkt worden.
..."
Ja, da kommt er in meine Gasse. Fehler gibt es in Programmen, dazu müssen die Programmierer noch nicht einmal schlampig arbeiten. Die entstehen einfach schon deswegen, weil die Welt unlogisch ist, die Programme aber logisch ablaufen müssen. Dass es da zu Reibungsverlusten kommen muss, muss man den Leuten zwar jedes Jahr neu beibringen. Aber manche fangen wenigstens bereits an, diese Tatsache zu akzeptieren.
Man kann auch nicht alles testen. David Lorge Parnas, der berühmte Mathematiker und IT-Forscher, hat ein Papier verfasst, in dem er bestreitet, dass man Star Wars (das SDI-Programm) ausreichend testen könne.
Aber die Transportlogistik eines Flughafens? Die kann man testen. Da gibt es eine ganze Reihe von Testverfahren, sowohl für die Hardware als auch für die Software. Auch Software muss sich einem Belastungstest unterziehen.
Ich kann es ja nicht wissen, aber es scheint mir so, als wäre T5 mit einem Big-Bang-Szenario eingeführt worden. Das nennt man so, wenn alle oder die meisten Systeme zugleich umgestellt werden. Ein Horrortrip für das Vorstellungsvermögen eines Software-Testers. Aber was da an dummen Management-Beratern herumläuft, kümmert die das ja überhaupt nicht. Hat in München funktioniert, wird auch in London funktionieren.
Ja, liebe Leute, über das deutsche Mautsystem haben die Engländer vermutlich gelacht, jetzt darf über sie gelacht werden.
Aber mir steigen die Krausbirnen auf, wenn ich die Zeichen der Zeit richtig zu deuten vermeine. "Scriptless-Testing" ist der neueste Hype der Software-Testgemeinde. Nein, eigentlich der Verkaufsfirmen, die Software-Testwerkzeuge verkaufen wollen. (Es wurde hier schon geschrieben: Saufen ohne Flüssigkeit, Fressen ohne Nahrung, Vögeln ohne Körperkontakt - na gut - das haben wir ja schon.) Der Tenor ist und bleibt: die Menschen sollen nicht mehr denken brauchen. Und falls etwas schiefgeht:
"Die Computer sind schuld."
-
Dagegen funktioniert das Bloggen ja nahezu fehlerfrei;)
Kürzlich konnte ich die Ausrede wieder hören, doch diesmal waren es gleich mehrere. "Die Computer waren schuld." konnte ich lesen und im Radio kolportiert hören. Der Anlassfall war ein etwas größerer. Die Eröffnung des T5, des neuen Terminals, in Heathrow, welches den Londoner Flughafen ins 21. Jahrhundert befördern sollte, ist in die Hosen gegangen.
Jetzt könnte man über die Megalomanie einer kapitalistischen Shopping Mall räsonieren. Irgendwie drängt sich bei mir auch der Vergleich mit der Titanic auf. Beim Hochloben von Mega-Ereignissen haben wir in den vergangenen hundert Jahren auch nicht viel dazu gelernt.
Doch hier will ich nur die Computer verteidigen. Selbst ohne die Anlagen zu kennen, bin ich überzeugt, dass es sich um brave, schnelle, arbeitswillige Maschinen handelt, die nur darauf warten, bereitwilligst ihre Pflicht zu tun. Wenn sie allerdings schlecht gemanagt werden, (sprich schlecht programmiert werden) dann haben sie keine Chance. Ihnen dafür aber noch die Schuld zu geben, das geht zu weit. Computer sind auch nur Menschen. (Oder war das umgekehrt.)
Der Chef von British Airways entschuldigt sich:
"...Derweil entschuldigte sich BA-Chef Willie Walsh erneut bei den Passagieren, die unter den Pannen am Terminal fünf zu leiden hatten. "Wir werden keine Ruhe geben, bis unser Service wieder auf dem hohen Standard ist, den unsere Kunden zu Recht erwarten", sagte Walsh. Ein Team von Ingenieuren und IT-Experten arbeite hart daran, Fehler an der Gepäckanlage zu beheben.Diese seien bei den Testläufen vor Inbetriebnahme des Terminals nicht bemerkt worden.
..."
Ja, da kommt er in meine Gasse. Fehler gibt es in Programmen, dazu müssen die Programmierer noch nicht einmal schlampig arbeiten. Die entstehen einfach schon deswegen, weil die Welt unlogisch ist, die Programme aber logisch ablaufen müssen. Dass es da zu Reibungsverlusten kommen muss, muss man den Leuten zwar jedes Jahr neu beibringen. Aber manche fangen wenigstens bereits an, diese Tatsache zu akzeptieren.
Man kann auch nicht alles testen. David Lorge Parnas, der berühmte Mathematiker und IT-Forscher, hat ein Papier verfasst, in dem er bestreitet, dass man Star Wars (das SDI-Programm) ausreichend testen könne.
Aber die Transportlogistik eines Flughafens? Die kann man testen. Da gibt es eine ganze Reihe von Testverfahren, sowohl für die Hardware als auch für die Software. Auch Software muss sich einem Belastungstest unterziehen.
Ich kann es ja nicht wissen, aber es scheint mir so, als wäre T5 mit einem Big-Bang-Szenario eingeführt worden. Das nennt man so, wenn alle oder die meisten Systeme zugleich umgestellt werden. Ein Horrortrip für das Vorstellungsvermögen eines Software-Testers. Aber was da an dummen Management-Beratern herumläuft, kümmert die das ja überhaupt nicht. Hat in München funktioniert, wird auch in London funktionieren.
Ja, liebe Leute, über das deutsche Mautsystem haben die Engländer vermutlich gelacht, jetzt darf über sie gelacht werden.
Aber mir steigen die Krausbirnen auf, wenn ich die Zeichen der Zeit richtig zu deuten vermeine. "Scriptless-Testing" ist der neueste Hype der Software-Testgemeinde. Nein, eigentlich der Verkaufsfirmen, die Software-Testwerkzeuge verkaufen wollen. (Es wurde hier schon geschrieben: Saufen ohne Flüssigkeit, Fressen ohne Nahrung, Vögeln ohne Körperkontakt - na gut - das haben wir ja schon.) Der Tenor ist und bleibt: die Menschen sollen nicht mehr denken brauchen. Und falls etwas schiefgeht:
"Die Computer sind schuld."
-
Dagegen funktioniert das Bloggen ja nahezu fehlerfrei;)
steppenhund - 31. Mrz, 20:47




